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Amphetamin: Amfepramon

Wirkungsweise

Amfepramon ist ein Amphetamin. Es hat neben einer aufputschenden Wirkung auch appetithemmende Eigenschaften. Daher wird der Wirkstoff zur Behandlung von Übergewicht eingesetzt. Testergebnis: Amfepramon

Amphetamine ist der Oberbegriff einer Klasse von Wirkstoffen. Einer der bekanntesten Vertreter ist Methamphetamin, das im Zweiten Weltkrieg unter dem Handelsnamen Pervitin von Soldaten millionenfach eingesetzt wurde, um ihre Angst zu dämpfen und die Leistungsfähigkeit zu steigern. Die heutige Partyszene verwendet Methamphetamin als Suchtmittel.

Amfepramon ist ein synthetisch hergestelltes Amphetamin, bei dem die appetithemmende Wirkung im Vordergrund stehen soll. Die unerwünschten Wirkungen wie Blutdruckanstieg, Steigerung der Herzfrequenz und eine Lähmung der Pupillenmuskeln sollen hingegen relativ gering ausgeprägt sein.

Über die Wirksamkeit der Amphetamine zur Gewichtsreduktion liegen nur wenige Studien vor. Hiernach lässt sich die Gewichtsabnahme, bei verringerter Kalorienzufuhr, durch das Medikament gegenüber einem Scheinmedikament tatsächlich etwas steigern. Da das Mittel laut Zulassung aber nicht länger als drei Monate angewendet werden soll, ist ein langfristiger Erfolg nicht zu erwarten.

Problematisch ist bei Amphetaminen prinzipiell, dass sich der Körper bereits nach vier Wochen ununterbrochener Einnahme an den Wirkstoff gewöhnt hat. Um die erwünschte Wirkung zu erzielen, ist dann eine höhere Dosis notwendig. So kann sich eine Abhängigkeit entwickeln. Dieses Risiko und eine Vielzahl schwerwiegender unerwünschter Wirkungen überwiegen den nicht einmal sicher nachgewiesenen Nutzen. Aktuell überprüft die europäische Arzneimittelbehörde die Sicherheit des Mittels. Dabei sollen Herzprobleme und Lungenhochdruck sowie Fälle von Fehlgebrauch (Anwendung länger als drei Monate, Überschreiten der Höchstdosis, Anwendung während der Schwangerschaft) untersucht werden.

Das Mittel gilt als überholt und verschiedentlich wird von Experten eine Marktrücknahme des Mittels gefordert. Amfepramon ist bei Übergewicht wenig geeignet.

Anwendung

Der Appetithemmer soll nicht abends eingenommen werden, weil er Nervosität und Schlaflosigkeit verursachen kann. Die Anwendungsdauer ist auf höchstens vier bis sechs Wochen begrenzt. Keinesfalls darf die Behandlung länger als drei Monate dauern. Hat sich das Gewicht nach drei Wochen nicht verringert, sollte die Einnahme beendet werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Amfepramon nicht anwenden:

  • Sie haben Lungenhochdruck.
  • Es liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor.
  • Sie haben ein Engwinkelglaukom (grüner Star).
  • Sie leiden an einer psychischen Erkrankung, z. B. Depressionen oder Magersucht, oder hatten bereits einmal eine solche Krankheit.
  • Sie haben längere Zeit Arzneimittel, Alkohol oder Drogen im Übermaß konsumiert oder waren davon abhängig.
  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, wie hoher Blutdruck, Angina Pectoris und Herzrhythmusstörungen, sind bei Ihnen besonders schwer ausgeprägt oder Sie haben eine Erkrankung, die auf verengten Gehirngefäßen beruht.
  • Sie nehmen andere Appetithemmer ein, die wie die Amphetamine im Nervensystem wirken. Bei einer solchen Kombination steigt das Risiko für Lungenhochdruck deutlich an.

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie Amfepramon nur einsetzen, wenn der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abgewogen hat:

  • Sie haben hohen Blutdruck oder eine Herzkrankheit.
  • Sie leiden an Epilepsie. Dann kann es bei der Einnahme von Amphetaminen häufiger zu Krampfanfällen kommen.
  • Sie gehören zu den Männern, die eine gutartige Prostatavergrößerung mit Restharnbildung haben.
  • Sie haben eine Stoffwechselerkrankung, zum Beispiel Diabetes.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass Amfepramon bei gleichzeitiger Anwendung mit Sympathomimetika wie Phenylephrin (z. B. in Wick DayMed Erkältungsgetränk) und Pseudoephedrin (z. B. in Rhinopront Kombi) stärker wirken kann. Das erhöht das Risiko einer missbräuchlichen Anwendung.

Unbedingt beachten

Die kombinierte Einnahme von Amfepramon und MAO-Hemmern z. B. Moclobemid und Tranylcypromin (bei Depressionen) sowie Selegilin (bei Parkinsonkrankheit) kann zu einer deutlichen Wirkverstärkung führen. Dann ist ein erheblicher Blutdruckanstieg möglich, der in eine Hochdruckkrise führen kann. Das kann mit Kopfschmerzen und Sehstörungen verbunden sein. Außerdem besteht die Gefahr von Hirnblutungen und Organschäden. Diese gefährliche Wechselwirkung besteht auch noch in den ersten zwei Wochen nach dem Absetzen von MAO-Hemmern.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 100 Anwenderinnen oder Anwendern fühlt sich der Mund trocken an.

1 bis 10 von 1 000 können reizbar und angespannt sein. Möglicherweise schwitzen sie auch verstärkt. Ebenso häufig kann es zu Kopfschmerzen und Schwindelgefühl kommen und Magenbeschwerden mit Übelkeit und Verstopfung auftreten.

Nervosität, Unruhe und Schlafstörungen werden besonders häufig als unerwünschte Wirkungen beschrieben. Diese sind vermeidbar, wenn das Mittel nicht kurz vor dem Schlafengehen eingenommen wird.

Muss beobachtet werden

Bei der Einnahme von Amfepramon können Puls und Blutdruck ansteigen. Das kann sich durch Herzklopfen und Herzstolpern bemerkbar machen. Dann sollte ihre Herzfunktion ärztlich überprüft werden.

Schon nach vierwöchiger Anwendung und erst recht bei längerem Gebrauch kann sich der Körper an den Stoff gewöhnt haben. In der Folge treten Kopfschmerzen, Unruhe, Benommenheit und depressive Verstimmungszustände auf. Dieses kann sich bis zu psychotischen Reaktionen und Krampfanfällen verstärken. Bei derartigen Symptomen sollten Sie sich rasch an einen Arzt wenden.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen oder wenn sich punktförmige Einblutungen in der Haut zeigen, dürfen Sie das Mittel nicht mehr einnehmen und sollten einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Vereinzelt kommt es nach der Einnahme von Amfepramon zu einem meist tödlichen Lungenhochdruck. Das Risiko für diese Erkrankung ist bei Menschen erhöht, deren BMI über 30 liegt, und wenn das Amphetamin länger als drei Monate eingenommen wird. Bemerken Sie Atemprobleme, insbesondere wenn Sie sich körperlich anstrengen, sollten Sie die Behandlung abbrechen und sofort einen Arzt aufsuchen.

Bei 1 bis 10 von 10 000 Anwendern oder Anwenderinnen kann es während der Behandlung zu einem Schlaganfall, einem Angina-Pectoris-Anfall, einem Herzinfarkt oder zu Herzstillstand kommen. Männer registrieren bei einem Herzinfarkt vornehmlich Schmerzen im Brustkorb, die in die Arme ausstrahlen, Schwindel, Übelkeit und Kraftlosigkeit. Bei Frauen stehen eher Übelkeit bis hin zum Erbrechen, unklare Beschwerden im oberen Bauchraum, Atemnot und Erschöpfung im Vordergrund. Bei diesen Beschwerden muss ein Notarzt (Tel. 112) benachrichtigt werden.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Amphetamine wie Amfepramon dürfen während Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden. Der Wirkstoff erreicht durch die Plazenta und später mit der Muttermilch das Kind und kann bei ihm die gleichen unerwünschten Wirkungen auslösen, die auch für Erwachsene gelten. Nach längerem Kontakt mit dem Medikament können auch bei Neugeborenen und Säuglingen Entzugserscheinungen auftreten.

Abgesehen davon ist die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft ein natürlicher Vorgang. Selbst wenn es mehr sein sollte, als der Arzt für vertretbar hält, sind Medikamente nicht der richtige Weg, um eine weitere Zunahme zu begrenzen. Auch während der Stillzeit sind Maßnahmen, um an Gewicht zu verlieren, abzulehnen.

Frauen, die während der Schwangerschaft längere Zeit Amphetamine eingenommen haben, wird empfohlen, sich mit dem Frauenarzt zu besprechen und gegebenenfalls mit gezielten Ultraschalluntersuchungen die Entwicklung des Neuralrohrs beim Kind überprüfen zu lassen. Es sind vermehrt Fehlbildungen dieses Bereichs mit der Einnahme von Amphetaminen in Verbindung gebracht worden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Amfepramon darf bei Kindern unter zwölf Jahren nicht eingesetzt werden. Bei älteren Kindern sollte der Arzt oder die Ärztin Nutzen und Risiken sehr sorgfältig abwägen, zumal das Mittel ohnehin als „wenig geeignet“ gilt und eine medikamentöse Hilfe beim Abnehmen für Kinder und Jugendliche normalerweise nicht angebracht ist.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Das Mittel kann das Reaktionsvermögen erheblich verändern. Dann ist es nicht mehr möglich, aktiv am Verkehr teilzunehmen, Maschinen zu bedienen und Arbeiten ohne sicheren Halt zu verrichten.

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