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Alpha-Liponsäure

Wirkungsweise

Alpha-Liponsäure soll bei Neuropathien helfen, speziell wenn diese durch einen Diabetes hervorgerufen werden. Die körpereigene Substanz unterstützt die Funktion von Enzymen in den Zellen. Darüber hinaus fängt sie freie Sauerstoffradikale ab. Diese sehr aggressiven Sauerstoffverbindungen entstehen bei diversen Stoffwechselprozessen. Eine schlüssige Antwort auf die Frage, welche Rolle diese Sauerstoffradikale beim Auftreten von Krankheiten spielen, gibt es noch nicht. Trotzdem wurden Medikamente auf den Markt gebracht, wie z. B. solche mit Alpha-Liponsäure, die Sauerstoffradikale inaktivieren sollen. Dafür, wie diese Substanz therapeutisch wirken könnte, gibt es Hinweise aus Tierexperimenten. Möglicherweise spielen diese Zusammenhänge auch bei ihrem Einsatz beim Menschen eine Rolle. Geklärt ist dies aber noch nicht.

Die größte Patientengruppe mit Neuropathien stellen Typ-2-Diabetiker. Alpha-Liponsäure ist zugelassen für "Missempfindungen bei diabetischer Polyneuropathie". Doch die bisher durchgeführten Studien, die die Wirksamkeit belegen sollen, zeigen uneinheitliche Ergebnisse. Werden alle Untersuchungsergebnisse gemeinsam betrachtet, scheint die Anwendung von Alpha-Liponsäure diabetesbedingte neuropathische Beschwerden zu lindern. Allerdings ist der Effekt nur für einen Zeitraum von wenigen Wochen verlässlich dokumentiert. Dass auch bei einer Daueranwendung von Alpha-Liponsäure eine Schmerzlinderung erhalten bleibt und dass das Mittel verträglich ist, muss in weiteren Studien noch besser belegt werden. Wie gut Alpha-Liponsäure gegenüber den üblicherweise bei Neuropathiebeschwerden eingesetzten verschreibungspflichtigen Mitteln wie Amitriptylin oder Pregabalin abschneidet, ist ebenfalls noch nicht ausreichend untersucht. Das Ergebnis einer Untersuchung, in der Menschen mit Diabetes Alpha-Liponsäure als Lösung gespritzt bekamen, wurde zudem so interpretiert, dass die Substanz die Beschwerden bessern kann; allerdings waren die Teilnehmer dieser Studie im Hinblick auf die Blutzuckerwerte derart schlecht eingestellt, dass die angemessene Therapie in einer besseren Blutzuckereinstellung bestanden hätte, denn dies ist die wichtigste Basis der Behandlung eines Patienten mit diabetischer Polyneuropathie.

Alpha-Liponsäure ist mit Einschränkung geeignet. Sie kann bei Menschen mit Missempfindungen aufgrund diabetischer Neuropathie eingesetzt werden, allerdings nur, wenn mit besser geeigneten Mitteln wie Amitriptylin oder Pregabalin die Beschwerden nicht zufriedenstellend therapiert werden konnten. Neuropathien, die andere Ursachen haben, sind nicht mit Alpha-Liponsäure zu behandeln. Hierfür fehlen Belege für einen Nutzen gänzlich.

Anwendung

Wenn Sie unter schweren Missempfindungen leiden, beginnt die Behandlung, indem zwei Wochen lang täglich 600 Milligramm des Mittels infundiert werden. Weil schnell gespritzte Alpha-Liponsäure schlecht vertragen wird, verdünnt man sie mit Kochsalzlösung und lässt diese Mischung innerhalb etwa einer halben Stunde in die Vene laufen. Anschließend soll die Behandlung mit Tabletten fortgeführt werden, die eine halbe Stunde vor dem Essen geschluckt werden sollen.

Nach der ersten Woche mit Infusionen sind die Beschwerden häufig deutlich abgeklungen. Das wird aber allgemein bei etwa der Hälfte der Personen mit einer schmerzhaften Erkrankung beobachtet, wenn sie Infusionen bekommen haben – egal, ob mit oder ohne Wirkstoff. Dieser Placeboeffekt verliert sich nach ein bis zwei Wochen wieder.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Bei einer Krebsbehandlung mit Cisplatin sollten Sie nicht zugleich Alpha-Liponsäure bekommen; das Krebsmittel wird sonst unwirksam.
  • Nehmen Sie eisen- oder magnesiumhaltige Mittel (Eisen bei Blutarmut, Magnesium bei Sodbrennen) nicht zeitgleich mit Alpha-Liponsäure ein. Die Mineralstoffe können das Mittel binden und unwirksam machen. Wenden Sie Alpha-Liponsäure beispielsweise morgens eine halbe Stunde vor dem Frühstück an und die mineralstoffhaltigen Mittel erst mittags oder abends.

Unbedingt beachten

Wenn Sie Ihren Diabetes mit Insulin oder Tabletten gegen Diabetes behandeln, sollten Sie zu Beginn der Therapie Ihren Blutzucker engmaschig kontrollieren. Andernfalls können Unterzuckerungen auftreten. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutzuckersenkung: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Sie sollten die Medikamente mindestens eine halbe Stunde vor dem Essen einnehmen und Milch und Milchprodukte meiden. Diese enthalten Calcium, das Alpha-Liponsäure bindet und unwirksam macht.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Das Geschmacksempfinden kann sich verändern, außerdem kann es bei 1 bis 10 von 100 Behandelten zu Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen kommen.

Auch der Urin kann einen unbekannten Geruch annehmen. Das ist aber kein Anzeichen einer Erkrankung.

Wird Alpha-Liponsäure gespritzt, berichten 1 bis 10 von 100 Behandelten von Kopfdruck und Atembeklemmung. Diese Beschwerden klingen rasch von alleine wieder ab.

Muss beobachtet werden

Durch das Medikament kann der Blutzuckerspiegel sinken. Vor allem Menschen mit Diabetes können dadurch in eine gefährliche Unterzuckerung geraten. Diese macht sich durch Schwindel, Kopfschmerzen, verstärktes Schwitzen und Sehstörungen bemerkbar. Sie müssen also ihren Blutzuckerspiegel häufiger kontrollieren als üblich, besonders zu Beginn der Behandlung.

Wird Alpha-Liponsäure gespritzt, kann es in Einzelfällen zu einem Krampfanfall kommen. Dann müssen Sie sich an einen Arzt wenden.

Sofort zum Arzt

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie die Anwendung sofort stoppen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann. Mit dieser unerwünschten Wirkung ist vor allem zu rechnen, wenn das Mittel gespritzt wird.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Für die Anwendung bei Kindern liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor, daher dürfen sie mit dem Mittel nicht behandelt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangere und Stillende sollten das Mittel nur anwenden, wenn ein Arzt Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen hat. Eine Selbstbehandlung ohne Rücksprache wird nicht empfohlen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Alpha-Liponsäure kann den Blutzuckerspiegel beeinflussen. Wenn Ihnen aufgrund eines zu niedrigen Blutzuckerspiegels schwindelig wird, sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen und gefährliche Tätigkeiten sofort unterbrechen.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs