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Alpha-Glukosidasehemmer: Acarbose

Wirkungsweise

Acarbose wird bei Typ-2-Diabetes eingenommen. Es blockiert Enzyme, die dafür verantwortlich sind, dass Kohlenhydrate aus der Nahrung zu Einfachzuckern zerlegt werden. Nur so können die Nährstoffe ins Blut aufgenommen werden. Da die Enzyme blockiert sind, werden die Kohlenhydrate langsamer zu Zucker abgebaut und der Zuckergehalt des Blutes steigt nach dem Essen nicht so schnell an. Verglichen mit einer Scheinbehandlung führt das zu einer geringfügigen Verbesserung des HbA1c-Wertes um 0,2 bis 0,8 Prozentpunkte. Testergebnis Acarbose

Allerdings ist nicht untersucht, ob die Behandlung dazu beiträgt, Folgeerkrankungen des Diabetes zu verringern. Laut einer chinesischen Studie, in der Menschen mit koronarer Herzkankheit und erhöhten Blutzuckerwerten Acarbose über den Zeitraum von fünf Jahren einnahmen, konnte das Mittel jedenfalls die Anzahl von Herz-Kreislauf-Ereignissen nicht verringern. Aus diesem Grund und weil in klinischen Studien mehr als ein Drittel der Beteiligten die Behandlung wegen der belastenden unerwünschten Wirkungen im Magen-Darm-Trakt abbrechen, werden diese Mittel als "wenig geeignet" eingestuft. Sie können allenfalls infrage kommen, wenn andere Diabetesmittel zum Einnehmen nicht eingesetzt werden können.

Anders als Sulfonylharnstoffe, Glinide und Insulin, mit denen Diabetes ebenfalls behandelt werden kann, führen Alpha-Glukosidasehemmer – sofern sie als einziges Diabetesmittel angewendet werden – nicht zu einer Unterzuckerung.

Anwendung

Die Behandlung beginnt mit einer geringen Menge: Eine Tablette zu 50 Milligramm wird direkt vor einer Mahlzeit eingenommen. Wenn es der Blutzuckerspiegel erfordert, kann im Abstand von mehreren Tagen zu jeder Mahlzeit eine Tablette mehr eingenommen werden. Bei vielen Menschen genügen dreimal täglich 50 Milligramm, die Dosis kann aber auch auf dreimal 100 Milligramm erhöht werden. Die Höchstdosis liegt bei dreimal 200 Milligramm. Diese kommt aber nur selten zum Einsatz und wird meist schlecht vertragen.

Da der Wirkstoff in seltenen Fällen eine Leberstörung verursachen kann, sollte der Arzt im ersten Behandlungsjahr vierteljährlich die Leberwerte bestimmen.

Achtung

Wenn Sie Acarbose einnehmen, können Sie eine Unterzuckerung durch ein anderes antidiabetisches Medikament wie beispielsweise Sulfonylharnstoff oder Insulin nicht mehr wie sonst mit Haushaltszucker auffangen. Dieser Zucker müsste erst in den Einfachzucker Glucose aufgespalten werden. Genau das verhindern aber Arzneimittel mit Acarbose. Bei einer Behandlung mit diesen Wirkstoffen führt nur reiner Traubenzucker wieder rasch aus einer Unterzuckerung heraus.

Gegenanzeigen

Sie dürfen Acarbose nicht einnehmen, wenn Sie an einer schweren Nierenfunktionsstörung leiden oder unbedingt vermeiden müssen, dass sich übermäßig viel Darmgase entwickeln. Das ist der Fall bei entzündlichen Darmerkrankungen, Verengungen des Darmes, Eingeweidebrüchen und wenn Sie unter dem Roemheld-Syndrom (Herzbeschwerden, weil der geblähte Magen und Darm das Zwerchfell hochdrücken) leiden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Unbedingt beachten

In Kombination mit Sulfonylharnstoff-Tabletten oder Insulin kann auch bei Acarbose, die an sich keine Unterzuckerung verursacht, diese unerwünschte Wirkung auftreten. Der Grund ist, dass sich der Insulinbedarf durch die Mittel verringern kann. Haben Sie bei der kombinierten Behandlung mit Acarbose und einem anderen blutzuckersenkenden Medikament eine solche Unterzuckerung erlebt, sollten Sie den Arzt informieren. Näheres zu dieser Wechselwirkung finden Sie unter Mittel zur Blutzuckersenkung: verstärkte Wirkung.

Acarbose kann in Einzelfällen die Wirksamkeit von Digitalis-Glycosiden (bei Herzschwäche) verringern. Näheres zu dieser Wechselwirkung finden Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verringerte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Haushaltszucker und Nahrungsmittel, die solchen Zucker enthalten, können bei der Behandlung mit Acarbose zu Darmbeschwerden und Durchfall führen, weil der Zucker durch die Medikamente vermehrt im Dickdarm abgebaut wird und sich dann dort Gase bilden.

Nebenwirkungen

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Sie können an Gewicht verlieren.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

40 bis 80 von 100 Personen beklagen Blähungen und Darmgeräusche, 30 von 100 Durchfall. Diese Beschwerden beruhen darauf, dass die aufgenommenen Zucker nicht verdaut und später im Dickdarm von Bakterien gespalten werden. Diese Darmprobleme können sehr schmerzhaft sein. Bei anhaltenden Durchfällen und Bauchschmerzen wenden Sie sich an den Arzt.

Sofort zum Arzt

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen. Wenn die Tabletten abgesetzt werden, bilden sich die Symptome wieder zurück.

Bei sehr starken Bauchschmerzen, Erbrechen und aufgetriebenem Bauch kann es sich um einen Darmverschluss handeln. Allerdings kommt Derartiges nur selten vor. Rufen Sie dann sofort einen Arzt.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Bereits vor einer geplanten Schwangerschaft sollte der Blutzucker mit Insulin statt Tabletten eingestellt werden. Spätestens nachdem die Schwangerschaft festgestellt wurde, müssen Sie unbedingt zu Insulin wechseln, um Ihre Gesundheit und die des Kindes zu schützen.

Zur Anwendung dieser Mittel in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. In dieser Zeit sollten Sie einen Diabetes mit Insulin behandeln.

Im Einzelfall, z. B. wenn es sich um eine übergewichtige Patientin handelt, kann Metformin als Alternative in Erwägung gezogen werden. Auch wenn sich im Laufe einer Schwangerschaft ein Diabetes zeigt (Gestationsdiabetes), ist Insulin in der Regel das Mittel der Wahl.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Die Mittel sollen nicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren eingesetzt werden, da es über die Verwendung bei dieser Altersgruppe keine ausreichenden Erkenntnisse gibt.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Hinweise für Menschen mit Diabetes zur Teilnahme am Straßenverkehr finden Sie unter Diabetes und Straßenverkehr.

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