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Alpha-1-Rezeptoren-Blocker: Doxazosin

Wirkungsweise

Doxazosin ist ein Alpha-1-Rezeptoren-Blocker. Alpha-1-Rezeptoren-Blocker werden oft verkürzt auch als Alpha-1-Blocker bezeichnet. Vertreter dieser Wirkstoffgruppe können in Kombination mit anderen Blutdrucksenkern zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden. Sie sind aber auch bei Männern wirksam zur Beschwerdelinderung bei einer gutartig vergrößerten Prostata.

Hoher Blutdruck

Doxazosin besitzt spezielle Bindungsstellen – Alpha-1-Rezeptoren – in den Wänden der Blutgefäße. An diesen Stellen koppeln normalerweise Hormone des sympathischen Nervensystems (Katecholamine) an, die bewirken, dass sich die Muskulatur der Blutgefäße zusammenzieht. Sind die Bindungsstellen besetzt, können die Hormone ihre Wirkung nicht entfalten, die Adern erweitern sich, der Blutdruck sinkt.

Alpha-1-Rezeptoren-Blocker senken den Blutdruck zuverlässig, werden aber nicht mehr zur Monotherapie bei Bluthochdruck empfohlen. Eine große Studie zeigte, dass Personen, die mit Alpha-1-Rezeptoren-Blockern behandelt wurden, häufiger wegen Herzschwäche ins Krankenhaus mussten als andere, die mit einem Thiaziddiuretikum behandelt wurden. Aufgrund dieser Ergebnisse kommen die Mittel allenfalls noch als drittes oder viertes Mittel einer Kombinationstherapie infrage. Als alleinige Mittel oder in einer Zweierkombination mit einem weiteren Blutdrucksenker sind sie wenig geeignet. Lediglich wenn Männer mit einer vergrößerten Prostata zusätzlich auch an hohem Blutdruck leiden, sind sie mit Einschränkung geeignet, weil sie die durch die Prostatavergrößerung bedingten Beschwerden beim Wasserlassen positiv beeinflussen können. Voraussetzung ist, dass keine Herzerkrankung vorliegt.

Prostatavergrößerung

Die Wirkung von Doxazosin beruht darauf, dass der Wirkstoff die Muskelspannung des Prostatagewebes verringert. Die Wirksamkeit zeigt sich nach etwa zwei Wochen, indem der Harn wieder stärker fließt, die Blase komplett entleert werden kann und die nächtlichen Toilettengänge weniger werden. Schätzungsweise sechs von zehn Männern berichten über eine zumindest leichte Besserung ihrer Prostatabeschwerden, wenn sie einen Alpha-1-Rezeptoren-Blocker wie Doxazosin einnehmen. Demgegenüber registrieren lediglich drei bis vier von zehn Männern, die ein Scheinmedikament einnehmen, eine Verbesserung. Doxazosin wird als "geeignet" bewertet, um Beschwerden im Zusammenhang mit einer vergrößerten Prostata zu lindern.Die muskelentspannende Wirkung von Alpha-1-Rezeptoren-Blockern erstreckt sich nicht nur auf das Prostatagewebe, sondern z. B. auch auf die Blutgefäße. Darauf beruht eine wesentliche Nebenwirkung: Bei der Behandlung kann der Blutdruck absinken. Dieses Risiko ist bei Doxazosin bedeutsam. Bei anderen Wirkstoffen der Wirkstoffgruppe ist es kleiner: Bei Tamsulosin und Silodosin ist es recht gering.

Anwendung

Prostatavergrößerung

Zu Beginn nehmen Sie einmal täglich ein Milligramm Doxazosin ein. Ist eine höhere Dosierung notwendig, muss die Menge nach und nach gesteigert werden. Nach einer Woche können Sie zwei Milligramm Doxazosin einnehmen, nach einer weiteren Woche dann gegebenenfalls vier Milligramm. Acht Milligramm Doxazin pro Tag dürfen nicht überschritten werden. Die Arzneimenge wird immer auf einmal, also nur einmal am Tag eingenommen. Wenn Ihnen Retardtabletten verschrieben wurden – aus ihnen wird der Wirkstoff verzögert freigesetzt –, ist eine langsame Dosissteigerung in der Regel nicht erforderlich.

Alle Alpha-1-Rezptoren-Blocker senken mehr oder minder stark den Blutdruck. Bei Doxazosin empfiehlt sich die Einnahme zur Nacht, wenn Sie sonst tagsüber mit Kreislaufproblemen zu tun haben.

Hoher Blutdruck

Wie bei allen blutdrucksenkenden Mitteln sollte auch bei diesen Wirkstoffen mit einer niedrigen Dosis begonnen werden. Der Dosisbereich pro Tag liegt für Doxazosin zwischen ein und acht Milligramm.

An den ersten Behandlungstagen und bei jeder Dosiserhöhung sollten Sie sich nach der Einnahme hinlegen, falls Ihnen schwindlig wird. Deshalb nehmen Sie die Tabletten am besten vor dem Schlafengehen ein. Das Risiko für solche Schwindelanfälle ist bei einem retardierten Mittel geringer. Der Wirkstoff wird dann nur langsam freigesetzt, sodass er schonender wirkt.

Wenn Sie die Einnahme einmal vergessen haben, steigt der Blutdruck etwas an, schießt aber nicht schlagartig in die Höhe. Sie können dann wie gewohnt die nächste Tablette schlucken.

Achtung

Wenn bei Ihnen die Augenlinse gegen eine Kunstlinse ausgetauscht werden soll – der häufigste Grund dafür ist ein grauer Star, also eine Trübung der Augenlinse –, sollten Sie den operierenden Arzt frühzeitig darauf hinweisen, dass Sie Doxazosin einnehmen. In diesem Fall kann es bei der Operation vermehrt zu Komplikationen kommen. Dieses wurde bisher vor allem bei der Behandlung mit Tamsulosin beobachtet, ist aber auch für die anderen Wirkstoffe dieser Gruppe wie Doxazosin nicht auszuschließen.

Vor allem zu Beginn der Behandlung, aber auch in deren Verlauf ist nicht auszuschließen, dass Ihnen aufgrund des absinkenden Blutdrucks schwindlig wird oder Sie sogar ohnmächtig werden. Darum sollten Sie Situationen vermeiden, in denen Sie das in Gefahr bringen könnte.

Zum Ende der Therapie ist es sinnvoll, die Dosis des Mittels langsam zu verringern. Wenn der Blutdruck relativ hoch ist, sollten Sie ihn nach Möglichkeit täglich selbst messen oder öfter vom Arzt oder in der Apotheke kontrollieren lassen. Da die blutdrucksenkende Wirkung des Prostatamittels wegfällt, kann der Blutdruck jetzt stark ansteigen.

Bei Komplikationen, insbesondere wenn Sie mit dem Urin Blut ausscheiden oder kein Wasser mehr lassen können, ist ärztliches Eingreifen notwendig.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Doxazosin nicht anwenden:

Sie haben eine schwere Leberfunktionsstörung. Bei leichteren Leberfunktionsstörungen muss der Arzt die Dosierung des Wirkstoffs diesen Bedingungen anpassen.

Es besteht eine Verengung im Bereich der Speiseröhre oder im Magen.

Prostatavergrößerung

Sie haben niedrigen Blutdruck und neigen zu Kreislaufstörungen oder Ohnmachtsanfällen. Bei Retardtabletten gilt das Anwendungsverbot nicht so streng; allerdings sollte der Arzt bei niedrigem Blutdruck die Verordnung besonders sorgfältig abwägen.

Doxazosin Retardtabletten: Sie haben eine chronische Harnweginfektion, Blasensteine oder der Urin staut sich von der Blase bis in die Nieren. Auch bei einer schweren Nierenfunktionsstörung und wenn Sie keinen Urin mehr ausscheiden, dürfen Sie ein Mittel mit retardiertem Doxazosin nicht anwenden. Das Gleiche gilt, wenn Sie Verengungen in der Speiseröhre oder dem Magen-Darm-Trakt aufweisen. Bei Tabletten mit normaler Wirkstofffreisetzung muss der Arzt in diesen Situationen den Nutzen des Mittels gegenüber den möglichen Risiken sorgfältig abwägen.

Leiden Sie an schwerwiegenden Störungen der Herzfunktion dürfen Sie Doxazosin nur anwenden, wenn der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abgewogen hat.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Bei der gleichzeitigen Behandlung mit blutdrucksenkenden Medikamenten muss der Arzt die Dosierung dieser Medikamente überprüfen. Möglicherweise kann der Blutdruck zu sehr absinken.

Bei der gleichzeitigen Einnahme der PDE-Hemmer Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil (bei Erektionsstörungen) kann der Blutdruck so massiv absinken, dass Sie ohnmächtig werden. Das liegt daran, dass diese Wirkstoffe die Blutgefäße stark erweitern. Lässt sich eine gleichzeitige Einnahme nicht vermeiden, sollte zumindest der Blutdruck stabil sein und das Erektionsmittel so gering wie möglich dosiert werden. Zudem sollte zwischen der Einnahme der verschiedenen Medikamente vier bis sechs Stunden Abstand liegen. Die gemeinsame Anwendung von Doxazosin und Tadalafil sollte besser ganz unterbleiben.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Wenn Sie während der Behandlung mit diesem Medikament Alkohol trinken, können vermehrt unerwünschte Wirkungen auftreten.

Nebenwirkungen

Durch die Einnahme dieses Mittels kann es zu Ejakulationsstörungen kommen. Das heißt, das Ejakulat wird "nach rückwärts" in die Harnblase ausgestoßen, seine Menge kann verringert sein, es kann mehr Zeit bis zum Samenerguss vergehen und der Orgasmus kann weniger intensiv ausfallen. Zudem kann die Spermienanzahl verringert sein. Vor allem Letzteres kann die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen. Diese Nebenwirkungen treten bei allen Alpha-Rezeptor-Blockern auf; besonders ausgeprägt sind sie bei Silodosin. Wenn Sie das Mittel absetzen, normalisiert sich das wieder.

Die untengenannten unerwünschten Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System können bei nicht verzögert freigesetztem Doxazosin (in Filmtabletten) häufiger auftreten als bei verzögert freigesetztem Doxazosin (in Retardtabletten) oder anderen Alpha-1-Rezeptoren-Blockern wie Silodosin, Tamsulosin und retardiertem Alfuzosin.

Keine Maßnahmen erforderlich

Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Blähungen und Bauchschmerzen können auftreten.

Gelenke und Muskeln können schmerzen.

Muss beobachtet werden

Die meisten unerwünschten Wirkungen beruhen darauf, dass sich die Blutgefäße weiten und dadurch der Blutdruck absinkt. Besonders zu Beginn der Behandlung kommt es häufig vor, dass beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen der Blutdruck kurzzeitig stark absinkt und Schwindelanfälle, Übelkeit oder eine kurze Ohnmacht auftreten. Deshalb sollten Sie nur langsam, nicht abrupt von einer Position in eine andere wechseln. Ältere Menschen sind von dieser Störung häufiger betroffen, vor allem dann, wenn sie eine Herzschwäche haben oder blutdrucksenkende Medikamente einnehmen. Wenn diese Beschwerden Sie im Alltag sehr beeinträchtigen, sollten Sie mit dem Arzt sprechen.

Hinweise auf den abgesunkenen Blutdruck sind bei 1 von 100 Behandelten Müdigkeit und Schwindel. Im Nasen-Rachen-Raum können sich die Blutgefäße weiten. Das äußert sich in einer verstopften Nase, verstärktem Nasenbluten und Schnupfen.

Hoher Blutdruck

Bei mehr als 1 von 100 kann sich durch die gefäßerweiternde Wirkung Wasser im Gewebe einlagern (Ödeme), vor allem an den Beinen. Wenn die Schwellungen sehr ausgeprägt sind oder sich im Lauf der Behandlung verschlimmern, sollten Sie mit dem Arzt sprechen.

Wenn sich die Haut verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel (bei 1 bis 10 von 1 000). Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Hoher Blutdruck

Unter dem Einfluss der Alpha-1-Rezeptoren-Blocker entspannt sich der Blasenboden, was vor allem bei Frauen dazu führen kann, dass der Schließmechanismus der Blase nicht mehr richtig funktioniert. Das lässt sich vermeiden, indem der Arzt die Dosis verringert. Genügt das nicht, sollte er ein anderes blutdrucksenkendes Mittel verordnen. Männern mit vergrößerter Prostata wird das Medikament aber genau wegen dieser Wirkung verordnet. Bei ihnen ist diese ansonsten unerwünschte Wirkung vorteilhaft, das Wasserlassen wird erleichtert.

Von Kopfschmerzen, Sehstörungen und Augenschmerzen berichtet 1 von 100 Behandelten. Ohrgeräusche (Tinnitus) können sich verschlimmern oder neu auftreten. Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten ist Harninkontinenz möglich.

Sofort zum Arzt

Schmerzen in der Brust, Herzstolpern, Schwächegefühl in Armen und Beinen sowie Seh- und Sprechstörungen können Symptome eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls sein. Setzen Sie sich dann sofort mit einem Arzt in Verbindung.

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie die Einnahme sofort stoppen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

In Einzelfällen kommt es vor, dass die Mittel eine lang anhaltende, schmerzhafte Erektion (Priapismus) ohne vorhergehende sexuelle Erregung auslösen. Dann ist umgehend ein Arzt aufzusuchen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Da keine Erfahrungen vorliegen, sollten Alpha-1-Rezeptoren-Blocker bei ihnen sicherheitshalber nicht angewendet werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Da mit dem Einsatz des Mittels in Schwangerschaft und Stillzeit keine Erfahrungen vorliegen, sollten Sie es sicherheitshalber nicht anwenden.

Als Mittel der Wahl zur Behandlung des hohen Blutdrucks in der Schwangerschaft gilt Methyldopa, da es für diesen Wirkstoff Langzeituntersuchungen gibt, die seine Unbedenklichkeit für das Ungeborene und den Säugling belegen.

Für ältere Menschen

Doxazosin steht im Verdacht, bei älteren Menschen besonders häufig zu Herz- und Gefäßerkrankungen zu führen. Wenn eine Behandlung mit diesem Wirkstoff unbedingt notwendig ist, sollte die Anfangsdosis so niedrig wie möglich gewählt sein und diese noch langsamer als sonst üblich bis zur niedrigsten, ausreichend wirksamen Tagesdosis gesteigert werden. Außerdem sollte während der Behandlung Blutdruck und Herzschlag regelmäßig kontrolliert werden. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Besonders zu Beginn der Behandlung kann der Blutdruck schwanken; außerdem kann der Einfluss des Mittels auf den Blutdruck vielfältige Störungen nach sich ziehen.

In den ersten Behandlungswochen und in den ersten 12 bis 24 Stunden, nachdem Sie die Dosis des Medikaments gesteigert haben, dürfen Sie daher nicht aktiv am Verkehr teilnehmen. Es besteht die Gefahr, dass Ihnen plötzlich schwindelig wird oder Sie sogar ohnmächtig werden. Bis Sie sicher sind, dass Sie das Mittel gut vertragen, sollten Sie auch keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs