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Allergiemittel: Allergenextrakte

Wirkungsweise

Allergenextrakte werden eingesetzt, um durch eine Hyposensibilisierung – eine Art Gewöhnung des Körpers an das Allergen, in dem dies in sehr geringen und langsam ansteigenden Mengen über einen langen Zeitraum verabreicht wird – allergische Reaktionen dauerhaft abzumildern. Bei diesen Präparaten handelt es sich um gereinigte, entsprechend ihrer Herkunft definierte Pollenextrakte (z. B. aus Gräsern, frühblühenden Sträuchern und Bäumen wie Birke, Erle und Hasel) oder um Mischungen verschiedener Pollen sowie Mischungen von Eiweißstoffen aus Hausstaubmilben. Mehr als drei bis vier Allergene sollten jedoch nicht vermischt werden. Voraussetzung für die Anwendung der Mittel ist der eindeutige Nachweis, dass die Beschwerden durch das Allergen bzw. die Allergene, die verabreicht werden sollen, tatsächlich verursacht werden.

Besteht eine Allergie auf viele verschiedene Allergene, ist der Nutzen einer Hyposensibilisierungsbehandlung weniger eindeutig oder gar nicht untersucht. Für Präparate, die Mischungen diverser Allergene enthalten, liegen insgesamt weniger Studiendaten vor als für die Mittel mit einzelnen Allergenen.

Eine Hyposensibilisierung, bei der die Allergene unter die Haut gespritzt werden, kann allergische Beschwerden abmildern und den Medikamentenverbrauch reduzieren. Während der Anwendung der Mittel verschwinden die allergischen Beschwerden aber nicht vollständig und viele Personen benötigen weiterhin Mittel, die die allergischen Beschwerden akut lindern. Möglicherweise lässt sich bei allergischem Schnupfen auch ein "Etagenwechsel" von der Nase auf die Bronchien und somit allergisches Asthma verhindern. Um dies zu klären, sind aber noch weitere Studien nötig.

Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass eine solche Hyposensibilisierung bei Kindern Allergien auf weitere Stoffe verhindern kann. Da auch dies noch unsicher ist, sind hierzu ebenfalls noch weitere Studien erforderlich.

Für allergisches Asthma, schwere allergische Bindehautentzündung und Heuschnupfen ist der Nutzen einer Hyposensibilisierung mit Spritzen vor allem dann nachgewiesen, wenn die Allergie auf nur ein oder wenige Allergene zurückgeht. Für die therapeutische Wirksamkeit einer solchen Behandlung gibt es gute Belege, insbesondere bei Allergien auf Gräser-, Blüten- und Baumpollen sowie Insektengift.

Bei einer Hausstaubmilbenallergie liegen für die Hyposensibilisierung mit Spritzen nur begrenzte Studiendaten an kleinen Patientengruppen vor. Die Ergebnisse waren uneinheitlich. Auf Grundlage dieser Daten können durch eine Behandlung mit Mitteln zum Spritzen allenfalls geringfügige Verbesserungen allergisch bedingter Nasen- und Atembeschwerden erreicht werden. Insgesamt sollte die therapeutische Wirksamkeit dieser Milbenpräparate noch besser belegt werden.

Eine andere Einschätzung liegt für eine Allergie gegen Insektengifte vor: Wenn Sie schon einmal auf einen Insektenstich mit einer schweren allergischen Reaktion reagiert haben, kann die Hyposensibilisierung ihr Risiko für eine erneute schwere Reaktion sehr wirksam senken. Ohne Hyposensibilisierung reagieren 30 bis 60 von 100 Allergiker auf einen erneuten Insektenstich mit einer starken allergischen Reaktion, nach einer Hyposensibilisierung sind es weniger als 5 von 100.

Problematisch sind bei dieser Therapie die möglichen unerwünschten Wirkungen: allergische Reaktionen an der Einstichstelle, Übelkeit und Juckreiz am ganzen Körper, aber auch lebensbedrohliche Reaktionen mit Atemnot, Blutdruckabfall, Kreislaufzusammenbruch und Bewusstlosigkeit, die tödlich enden können. Die Extrakte sind deshalb mit Einschränkung geeignet und sollten erst eingesetzt werden, wenn der allergische Schnupfen oder das allergische Asthma mit anderen, als "geeignet" erachteten Antiallergika oder Antiasthmatika nicht ausreichend bekämpft werden kann (Testurteille zu Allergenextrakten).

Eine Alternative zu den Spritzen stellen Tabletten mit Gräserpollenextrakt (Oralair, Grazax) oder Milbenallergen (Acarizax) dar, die unter der Zunge angewendet werden. Diese Mittel wirken über die Mundschleimhaut. Die für diese Mittel vorliegenden Studien zeigen bei Patienten mit allergischem Schnupfen ähnliche Wirkungen wie bei einer Hyposensibilisierung mit Spritzen. Schwerwiegende allergische Reaktionen, die den ganzen Körper betreffen, sind bei dieser Anwendungsform seltener, dafür muss mit Reizungen im Mund gerechnet werden.

Ob eines der beiden Mittel mit Gräserpollen-Extrakt zur Anwendung im Mund Vorteile bietet, ist nicht untersucht. Während der Einnahme der Mittel verschwinden die allergischen Beschwerden nicht vollständig und viele Personen benötigen weiterhin Mittel, die die allergischen Beschwerden akut lindern (z. B. Antihistaminika).

Zurzeit überblickt man bei den Gräserpollen-Präparaten zur Anwendung im Mund einen Zeitraum von drei Anwendungsjahren: Drei Jahre hintereinander wurde Oralair jeweils in der Pollensaison eingenommen, Grazax drei Jahre lang ohne Unterbrechung. Ein Jahr nach Abschluss der Therapie leiden die damit behandelten Personen im Vergleich zu unbehandelten etwas weniger an allergischen Beschwerden. Ob der Effekt auch in den Folgejahren weiter anhält, bleibt abzuwarten. Für Grazax gibt es Hinweise, dass zwar auch im zweiten Jahr nach Behandlungsende noch geringfügig weniger allergische Beschwerden auftreten, allerdings scheint die Wirkung nachzulassen.

Da es häufig zu leichten allergischen Reaktionen mit Juckreiz unter der Zunge und Reizungen im Rachen kommt, wird die Behandlung häufig abgebrochen, vor allem von Kindern. Oralair und Grazax sind zur Behandlung einer Gräserpollenallergie mit Einschränkung geeignet. Sie können eingesetzt werden, wenn es nicht möglich ist, den Kontakt mit den Gräserpollen zu meiden und wenn Antihistaminika sowie cortisonhaltige Nasensprays die Beschwerden nicht ausreichend lindern (Bewertungsübersicht zu Allergiemitteln).

Bei Beschwerden durch eine Hausstaubmilbenallergie, die das gesamte Jahr über anhalten, kann Acarizax zum Einsatz kommen, wenn die beschwerdelindernden Mittel zur Anwendung in Auge und Nase oder Antihistaminika zum Einnehmen nicht ausreichend wirken. Wenn gleichzeitig leichte bis moderate asthmatische Beschwerden vorliegen, gibt es Hinweise, dass sich diese etwas bessern und sich Asthma womöglich seltener akut verschlechtert. Hierfür sollte die Wirksamkeit noch besser belegt werden. Das Mittel ist mit Einschränkung geeignet.

Für den Milbenallergenextrakt liegen derzeit lediglich Daten für eine Behandlung über 18 Monate vor. Wird die Behandlung beendet, scheint auch hier die Wirkung nachzulassen.

Anwendung

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Der Arzt spritzt das individuell passende Präparat in langsam ansteigender Dosierung unter die Haut.

Anfangs wird ein Abstand von ein bis zwei Wochen eingehalten. Wird die Behandlung länger als zwei Wochen unterbrochen, kann die Dosis zunächst nicht weiter gesteigert werden, sondern muss entsprechend dem Beipackzettel neu angepasst werden. Ist die vorgesehene Erhaltungsdosis erreicht, wird der Abstand schrittweise um zwei Wochen verlängert, bis das Mittel nur noch alle vier bis acht Wochen gegeben wird.

Um bei schweren allergischen Reaktionen sofort fachgerecht eingreifen zu können, müssen Sie noch mindestens 30 Minuten in der Praxis bleiben, nachdem der Arzt das Mittel gegeben hat. Er sollte Sie auch noch einmal untersuchen, bevor Sie die Praxis wieder verlassen. Wegen der damit verbundenen Risiken darf eine Hyposensibilisierung nur von einem Arzt mit ausreichender Erfahrung in der Behandlung allergischer Erkrankungen vorgenommen werden.

Vor jeder Injektion wird Sie der Arzt nach der Verträglichkeit der vorangegangenen Behandlung befragen sowie nach neu aufgetretenen Beschwerden und der zusätzlichen Anwendung von Antiallergika. Denn je nachdem wie Sie die Behandlung vertragen haben, wird die nächste Dosis festgesetzt.

Grazax, Oralair, Acarizax: Sie legen die Tablette einmal täglich unter die Zunge, wo sie sich innerhalb einer Minute auflöst. Bis sich die Tablette aufgelöst hat, sollten Sie nicht schlucken.

Grazax, Oralair: Die Behandlung sollte vier Monate vor Beginn der Pollensaison beginnen und wird über die gesamte Blühphase der Gräser fortgeführt.

Bei Oralair nehmen Sie anfangs nur eine geringe Menge ein und steigern die Dosis innerhalb von drei Tagen auf die empfohlene Menge. Dafür steht eine spezielle Packung zur Verfügung, die Tabletten in der entsprechenden Dosierung enthält. Bei GRAZAX wird über die gesamte Therapiedauer die gleiche Allergendosis eingenommen. Die Beschwerden sollten schon in der ersten Pollensaison abnehmen. Bleibt eine Besserung aus, braucht nicht weiterbehandelt zu werden.

Da auch bei den Mitteln zur Anwendung im Mund schwere allergische Reaktionen vorkommen können, muss die erste Anwendung unter Aufsicht des Arztes erfolgen. Während der gesamten Behandlungszeit müssen Sie sorgfältig auf mögliche allergische Reaktionen achten, siehe hierzu Unerwünschte Wirkungen.

Die Therapie beginnt schon im Herbst oder Winter, also lange bevor die Pollen fliegen, mindestens aber 4 Monate vor Beginn der Pollenflugsaison. Sobald die Pollen fliegen, kann die Behandlung in verringerter Dosierung weiterlaufen. Ist dies wegen starker allergischer Reaktionen auf die Pollen nicht möglich, muss sie unterbrochen werden. Nach der Pollenflugsaison kann dann – beginnend mit der niedrigsten Dosierung – erneut ein Versuch zur Hyposensibilisierung gestartet werden.

Die Behandlung erfolgt insgesamt über mindestens drei Jahre, wobei sich die Beschwerden nach spätestens zwei Jahren deutlich gebessert haben sollten.

Acarizax: Die Therapie mit Milbenpräparaten beginnt, wenn Sie gerade keine oder kaum allergisch bedingte Beschwerden haben. Insbesondere sollten Sie keine asthmatischen Beschwerden wie Husten, pfeifende Atmung oder Kurzatmigkeit haben.

Wie lange die Behandlung durchgeführt werden soll, ist unklar. Es liegen nur Daten über 18 Monate vor. Dennoch wird eine Behandlung über mindestens drei Jahre empfohlen. Wenn sich die Beschwerden im ersten Behandlungsjahr nicht spürbar bessern, sollte die Behandlung beendet werden.

Achtung

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Am Tag der Injektion sollten Sie sich nicht schwer körperlich betätigen, keine Sauna besuchen sowie heiße Duschen vermeiden und keinen Alkohol trinken.

ACAROID, DEPIGOID: Meiden Sie am Tag der Injektion alles, was bei Ihnen bekanntermaßen allergische Beschwerden auslöst, z. B. Betten ausschütteln, Vorhänge entfernen.

Grazax, Oralair, Acarizax: Wenn Sie eine Zahnfleisch- oder Mundschleimhautentzündung haben oder wenn der Zahnarzt eine Operation in der Mundhöhle plant, sollte die Behandlung mit diesen Mitteln unterbrochen werden, bis die Wunden im Mund vollständig verheilt sind. Das gilt auch, wenn ein Kind einen Milchzahn verloren hat.

Acarizax: Wenn Sie Asthma haben, müssen Sie während der Behandlung zunächst ihre Asthmamedikamente weiter anwenden. Erst nach längerer Anwendung können Sie mit Ihrem Arzt besprechen, ob Sie die Inhalationen mit dem cortisonhaltigen Spray möglicherweise schrittweise verringern können. Verschlechtert sich Ihr Asthma während der Behandlung, dürfen Sie das Mittel nicht mehr anwenden und müssen sofort einen Arzt aufsuchen.

Erkranken Sie an einer Lungenentzündung oder einer länger andauernden Bronchitis sollten Sie die Behandlung mit Acarizax aufschieben oder unterbrechen.

Gegenanzeigen

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie diese Mittel nicht gespritzt bekommen:

  • Die Atemwege sind entzündet.
  • Sie haben Asthma, das trotz medikamentöser Therapie nicht stabil eingestellt ist, oder ein mittelschweres bis schweres Asthma mit deutlich eingeschränkter Lungenfunktion, das mit Glucocorticoiden behandelt werden muss.
  • Atemwege und/oder Lunge sind dauerhaft geschädigt (z. B. Lungenblähung).
  • Sie haben einen entzündlich-fieberhaften Infekt oder andere Infektionskrankheiten, z. B. aktive Tuberkulose.
  • Sie haben eine schwere chronisch-entzündliche Darmerkrankung, z. B. Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn.
  • Sie haben Krebs.
  • Sie haben eine koronare Herzkrankheit, eine Herzschwäche oder eine Überfunktion der Schilddrüse (dann besteht ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Wirkungen, falls im Notfall Adrenalin gespritzt werden muss).
  • Sie leiden an multipler Sklerose.
  • Sie haben rheumatoide Arthritis.
  • Sie haben eine Erkrankung des Immunsystems oder werden mit Medikamenten behandelt, die das Immunsystem unterdrücken.
  • Sie leiden an schweren psychischen Störungen.
  • Sie werden mit Betablockern behandelt (als Tabletten bei hohem Blutdruck, koronarer Herzkrankheit, als Augentropfen bei erhöhtem Augeninnendruck).

Acarizax: Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie das Mittel nicht anwenden:

  • Sie haben mittelschweres bis schweres Asthma mit deutlich eingeschränkter Lungenfunktion trotz Behandlung mit cortisonhaltigen Mitteln oder Sie hatten eine akute Asthmaverschlechterung innerhalb der letzten drei Monate. Dann besteht ein erhöhtes Risiko, dass es zu schwerwiegenden allergischen Nebenwirkungen (z. B. schwerer Asthmaanfall) kommt.
  • Sie haben eine schwere Erkrankung des Immunsystems oder eine Autoimmunerkrankung, die nicht ausreichend unter Kontrolle ist, oder werden mit Medikamenten behandelt, die das Immunsystem unterdrücken.
  • Sie haben Krebs.
  • Sie haben eine schwere Entzündung, eine Wunde oder eine Pilzerkrankung im Mund.

Grazax, Oralair: Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie diese Mittel nicht anwenden:

  • Sie haben multiple Sklerose.
  • Sie haben rheumatoide Arthritis.
  • Sie haben eine schwere Erkrankung des Immunsystems (z. B. HIV-Infektion), eine Autoimmunerkrankung, die nicht ausreichend unter Kontrolle ist, oder Sie werden mit Medikamenten behandelt, die das Immunsystem unterdrücken.
  • Sie haben Krebs.
  • Sie haben schweres Asthma mit einer Lungenfunktion unter 70 Prozent (70 Prozent FEV1 vom Sollwert) oder Ihre Asthmaerkrankung ist trotz medikamentöser Therapie nicht stabil eingestellt.
  • Sie haben eine schwere Entzündung, eine Wunde oder eine Pilzerkrankung im Mund.

Wenn Sie in der Vergangenheit bereits bei einer Hyposensibilisierung mit Spritzen eine schwere allergische Reaktion entwickelt haben, muss vor Anwendung von Hyposensibilisierungsmitteln im Mund deren Nutzen und die möglichen Risiken sorgfältig abgewogen werden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente anwenden, ist zu beachten, dass die gleichzeitige Gabe von Antihistaminika, Glucocorticoiden oder Mastzellstabilisatoren dazu führen kann, dass Sie eine höhere Dosis des Allergens vertragen. Sollten Sie die Arzneimittel nicht mehr anwenden, kann es nötig sein, die Dosis des Allergens wieder zu verringern. Besprechen Sie das mit Ihrem Arzt.

Wenn Sie wegen Depressionen mit trizyklischen Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) oder Monoaminoxidase(MAO-)Hemmern (z. B. Tranylcypromin) behandelt werden, sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer gleichzeitigen Anwendung von Allergenextrakten sorgfältig abwägen. Sollte es zu einer schweren allergischen Reaktion auf die Allergenextrakte kommen, müssen Sie mit dem Notfallmedikament Adrenalin behandelt werden. Die genannten Antidepressiva können die Wirkung von Adrenalin lebensgefährlich verstärken.

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Wenn Sie geimpft werden müssen, sollten Sie eine Woche davor und mindestens eine Woche danach keine Allergenspritze bekommen, um die Wirkung des Impfstoffs auf das Immunsystem nicht zu beeinträchtigen.

Grazax, Oralair: Wenn Sie während der Behandlung mit diesen Mitteln geimpft werden sollen, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der gleichzeitigen Gabe von Impfstoff und Allergenextrakten sorgfältig abwägen.

Unbedingt beachten

Wenn Sie Mittel einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken, z. B. Ciclosporin (bei rheumatoider Arthritis, bei Schuppenflechte, nach Organtransplantationen), dürfen Sie keine Hyposensibilisierung vornehmen lassen.

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Wenn Sie Betablocker anwenden (als Tabletten bei hohem Blutdruck, koronarer Herzkrankheit oder als Augentropfen bei erhöhtem Augeninnendruck) oder ACE-Hemmer einnehmen (bei hohem Blutdruck), dürfen Sie keine Allergenspritzen bekommen, weil diese Medikamente die allergischen Reaktionen auf die Injektionslösung verstärken können. Betablocker können darüber hinaus bei einer möglichen Notfallbehandlung die Wirkung von Adrenalin beeinträchtigen. Das Risiko, an einem anaphylaktischen Schock zu sterben, ist dann erhöht. Auch bei der Anwendung von Allergenextrakten im Mund wie Acarizax, Grazax und Oralair muss der Arzt bei einer Notfallbehandlung darüber unterrichtet sein, dass während der Hyposensibilisierung gleichzeitig Betablocker angewendet wurden.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Bei 6 von 10 Behandelten verdickt sich die Haut an der Injektionsstelle, was aber mit der Zeit wieder verschwindet. Eine vorübergehende Schwellung und Juckreiz an der Einstichstelle bemerken etwa 10 von 100 Behandelten.

Grazax, Oralair: Bei mehr als 10 von 100 Anwendern reizt das Mittel die Mund- oder Rachenschleimhaut und es juckt im gesamten Mund. Lippen und Zunge können ebenfalls jucken. Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kommt es zu Mund- und Halstrockenheit, Schmerzen beim Schlucken und Husten.

Acarizax: Bei mehr als 10 von 100 Behandelten reizt das Mittel die Mund- oder Rachenschleimhaut oder es juckt und kribbelt im Mund oder im Bereich der Ohren; ebenso häufig schwellen Lippen, Zunge oder Mundschleimhaut an. Auch allergische Beschwerden an den Augen oder der Nase können auftreten.

Acarizax, Grazax, Oralair: Bei den im Mund angewendeten Mitteln treten die beschriebenen Beschwerden typischerweise etwa 5 Minuten, nachdem die Tablette unter die Zunge gelegt wurde, auf und verschwinden häufig innerhalb der darauffolgenden Stunde wieder. Nach einigen Wochen bis Monaten lassen diese Beschwerden meist nach.

Muss beobachtet werden

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kann die Haut sich röten, jucken und kleine Bläschen ausbilden. Wenn Sie sehr empfindliche Haut haben, kann sich eine Neurodermitis entwickeln oder eine bereits bestehende Neurodermitis sich verschlimmern. Dann sollten Sie mit dem Arzt beraten, ob es sinnvoll ist, die Behandlung fortzusetzen.

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Wenn die Haut an der Injektionsstelle stark anschwillt (mehr als zwölf Zentimeter Durchmesser), reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie den Arzt aufsuchen. Auch wenn Hals oder Augen jucken oder wenn Sie vermehrt niesen oder husten müssen, sollten Sie den Arzt informieren.

Grazax, Oralair: Es können typische allergische Reaktionen auftreten: Die Augen jucken oder tränen, die Nase schwillt zu, Sie müssen häufig niesen. Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten kann sich die Mundschleimhaut oder das Zahnfleisch entzünden und vermehrter Speichelfluss auftreten oder ein Kribbeln und Jucken an Lippen, Zunge, Gaumen und Rachen verschlimmert sich. Bei solchen Symptomen sollten Sie mit einem Arzt besprechen, ob Sie die Behandlung fortsetzen sollen oder kurzzeitig geeignete antiallergische Mittel einsetzen können.

Acarizax: Wenn sich die Beschwerden im Mund verschlimmern oder sich das Zahnfleisch oder die Mundschleimhaut entzündet, sollten Sie mit einem Arzt besprechen, ob Sie die Behandlung fortsetzen sollen. Das gilt auch, wenn sich die Haut rötet oder juckt, wenn Husten oder anhaltendes Sodbrennen auftritt. Dann kann vorübergehend mit einem antiallergischen Mittel behandelt werden.

Sofort zum Arzt

Alle diese Allergenpräparate können schwere allergische Reaktionen bis hin zum lebensbedrohlichen, allergischen (anaphylaktischen) Schock auslösen. Das Risiko für schwerwiegende Reaktionen ist unterschiedlich. Es hängt zum einen vom Patienten ab, beispielsweise wie schwer dessen bisherige Reaktionen auf das Allergen sind. Zum anderen hängt das Risiko auch vom Allergen ab, da bestimmte Allergene, z. B. Wespengift oder Erdnuss, häufiger als andere zu besonders schweren Reaktionen führen.

Sie sollten unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, wenn zusätzlich zu typischen Allergiesymptomen wie Niesen, Juckreiz und Hautrötung eines oder mehrere der folgenden Symptome auftreten:

  • Akut auftretende Schwellungen in Gesicht und Rachen (Angioödem) mit Engegefühl im Hals, Luftnot, akuter Veränderung der Stimme oder Schluckbeschwerden.
  • Luftnot oder akute Verschlimmerung eines bestehenden Asthmas
  • Herzrasen und/oder Blutdruckabfall mit Schwindel, Schwarzsehen vor Augen bis hin zum Kreislaufkollaps.
  • Akutes Erbrechen und/oder plötzlicher Durchfall.

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Besonders bei den Allergenextrakten zum Spritzen kann sich nach Verabreichung innerhalb von Sekunden oder auch Minuten ein derartiger anaphylaktischer Schock entwickeln. Wenn es nach der Spritze in den Handinnenflächen, unter den Fußsohlen und unter der Zunge oder im Rachen juckt und sich Hitzegefühle einstellen, müssen Sie sofort in der Praxis Alarm schlagen und unverzüglich mit Notfallmedikamenten behandelt werden. Bleiben Sie daher in jedem Fall nach der Injektion noch mindestens eine halbe Stunde in der ärztlichen Praxis.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Für die meisten Präparate fehlen ausreichende Erfahrungen in Schwangerschaft und Stillzeit. Allgemein gilt für Hyposensibilisierungen: In der Schwangerschaft sollten Sie nicht damit beginnen, weil es in seltenen Fällen zu schweren allergischen Reaktionen kommen kann, die das Ungeborene schädigen können. Bemerken Sie während einer Hyposensibilisierung, dass Sie schwanger geworden sind, sollten Sie Rücksprache mit einem Arzt halten. Wird die schon begonnene Hyposensibilisierung gut vertragen, können Sie diese bei lebensbedrohlichen Allergien (z. B. auf Bienen- oder Wespengift) fortsetzen, allerdings ohne die Dosis weiter zu steigern. In allen anderen Fällen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Therapie sorgfältig abwägen.

In der Stillzeit ist nicht zu erwarten, dass der Säugling durch die Allergenextrakte Schaden nimmt. Wenn Sie die Therapie gut vertragen, können Sie sie weiter fortsetzen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Auch Kinder sollten mit diesen Mitteln erst behandelt werden, wenn andere als "geeignet" erachtete Mittel nicht ausreichend wirken und eines der Mittel genau die Allergene enthält, die die Allergie auslösen. Bei Kindern unter fünf Jahren sollte generell noch keine Hyposensibilisierung erfolgen, da die vorliegenden Untersuchungsdaten nicht ausreichen.

Wenn das Kind bereits an Asthma leidet und während einer Hyposensibilisierungsbehandlung eine akute Infektion der Atemwege (Schnupfen, Husten) dazukommt, sollte diese unterbrochen werden, bis die Infektion überstanden ist.

Acarizax: Jugendliche ab 12 Jahren mit allergischem Schnupfen, der nachweislich durch Hausstaubmilben ausgelöst wird, dürfen mit dem Mittel behandelt werden. In Studien waren Wirksamkeit und Verträglichkeit des Mittels in dieser Altersstufe ähnlich wie bei Erwachsenen. Wenn Jugendliche allerdings bereits an einem Asthma leiden, sollte das Mittel nicht angewendet werden. Es fehlen hierfür Erfahrungen in dieser Altersstufe.

Bei älteren Menschen

Für ältere Menschen liegen nur wenige Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Hyposensibilisierungstherapie vor. Da bei dieser Personengruppe zudem häufig Begleiterkrankungen vorliegen, sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Therapie bei diesen Älteren besonders sorgfältig abwägen.

Acarizax: Das Mittel darf nur bis zu einem Alter von 65 Jahren eingesetzt werden. Die Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Älteren sind nicht nachgewiesen.

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