Medikamente im Test

Allergiemittel: Allergenextrakte

Wirkungsweise

Allergenextrakte werden eingesetzt, um durch eine Hyposensibilisierung – eine Art Gewöhnung des Körpers an das Allergen, in dem dies in sehr geringen und langsam ansteigenden Mengen über einen langen Zeitraum verabreicht wird – allergische Reaktionen dauerhaft abzumildern. Bei diesen Präparaten handelt es sich um gereinigte, entsprechend ihrer Herkunft definierte Pollenextrakte (z. B. aus Gräsern, frühblühenden Sträuchern und Bäumen wie Birke, Erle und Hasel) oder um Mischungen verschiedener Pollen sowie Mischungen von Eiweißstoffen aus Hausstaubmilben. Mehr als drei bis vier Allergene sollten jedoch nicht vermischt werden. Voraussetzung für die Anwendung der Mittel ist der eindeutige Nachweis, dass die Beschwerden durch das Allergen bzw. die Allergene, die verabreicht werden sollen, tatsächlich verursacht werden.

Eine Hyposensibilisierung, bei der die Allergene unter die Haut gespritzt werden, kann allergische Beschwerden abmildern und den Medikamentenverbrauch reduzieren. Möglicherweise lässt sich bei allergischem Schnupfen auch ein "Etagenwechsel" von der Nase auf die Bronchien und somit allergisches Asthma verhindern. Um dies zu klären, sind aber noch weitere Studien nötig.

Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass eine solche Hyposensibilisierung bei Kindern Allergien auf weitere Stoffe verhindern kann. Da auch dies noch unsicher ist, sind hierzu ebenfalls noch weitere Studien erforderlich.

Für allergisches Asthma, schwere allergische Bindehautentzündung und Heuschnupfen ist der Nutzen einer Hyposensibilisierung vor allem dann nachgewiesen, wenn die Allergie auf nur ein oder wenige Allergene zurückgeht. Für die therapeutische Wirksamkeit einer solchen Behandlung gibt es gute Belege, insbesondere bei Allergien auf Gräser-, Blüten- und Baumpollen sowie Insektengift.

Für die Hyposensibilisierung bei einer Hausstaubmilbenallergie liegen nur begrenzte Studiendaten an kleinen Patientengruppen mit uneinheitlichen Ergebnissen vor. Auf Grundlage dieser Daten können durch eine Behandlung mit Mitteln zum Spritzen geringfügige Verbesserungen allergisch bedingter Atembeschwerden erreicht werden. Insgesamt sollte die therapeutische Wirksamkeit der Milbenpräparate aber noch besser belegt werden.

Besteht eine Allergie auf viele verschiedene Allergene, ist der Nutzen der Behandlung weniger eindeutig oder gar nicht untersucht. Für Präparate, die Mischungen diverser Allergene enthalten, liegen insgesamt weniger Studiendaten vor als für die Mittel mit einzelnen Allergenen.

Problematisch sind bei dieser Therapie die möglichen unerwünschten Wirkungen: allergische Reaktionen an der Einstichstelle, Übelkeit und Juckreiz am ganzen Körper, aber auch lebensbedrohliche Reaktionen mit Atemnot, Blutdruckabfall, Kreislaufzusammenbruch und Bewusstlosigkeit, die tödlich enden können. Die Extrakte sind deshalb mit Einschränkung geeignet und sollten erst eingesetzt werden, wenn der allergische Schnupfen oder das allergische Asthma mit anderen, als "geeignet" erachteten Antiallergika oder Antiasthmatika nicht ausreichend bekämpft werden kann.

Eine Alternative zu den Spritzen stellen eine allergenhaltige Flüssigkeit oder Tabletten mit Gräserpollenextrakt dar, die unter der Zunge angewendet werden. Diese Mittel wirken über die Mundschleimhaut. Schwerwiegende allergische Reaktionen, die den ganzen Körper betreffen, sind bei dieser Anwendungsform seltener, dafür muss mit Reizungen im Mund gerechnet werden. Es fehlen allerdings auch bei dieser Anwendungsart Studien, die zeigen, dass sich dadurch ein "Etagenwechsel" oder weitere Allergien vermeiden lassen.

Die besten Wirksamkeitsbelege finden sich bei den Mitteln zur Anwendung im Mund am ehesten für eine Hyposensibilisierung bei Erwachsenen mit Pollenallergie. Bei allergischem Schnupfen ist SLITone mit Einschränkung geeignet. Die Flüssigkeit kann eingesetzt werden, wenn es nicht möglich ist, das Allergen zu meiden, oder wenn Antihistaminika sowie cortisonhaltige Nasensprays die Beschwerden nicht ausreichend lindern.

Oralair und Grazax sind Tabletten mit Gräserpollenextrakt zur Hyposensibilisierung, die ebenfalls unter der Zunge angewendet werden. In klinischen Studien zeigte sich, dass die Mittel die allergischen Beschwerden leicht verbessern und dazu beitragen, dass etwas weniger antiallergische Arzneimittel akut gebraucht werden. Ob die Mittel genauso gut, besser oder schlechter wirken als die Präparate zum Spritzen ist nicht untersucht. Es ist auch nicht untersucht, ob eines der Mittel zur Anwendung im Mund Vorteile bietet. Während der Einnahme der Mittel verschwinden die allergischen Beschwerden nicht vollständig und viele Personen benötigen weiterhin Mittel, die die allergischen Beschwerden akut lindern (z. B. Antihistaminika).

Zurzeit überblickt man bei den Mitteln zur Anwendung im Mund einen Zeitraum von drei Anwendungsjahren: Drei Jahre hintereinander wurde Oralair jeweils in der Pollensaison eingenommen, Grazax drei Jahre lang ohne Unterbrechung. Ein Jahr nach Abschluss der Therapie leiden die damit behandelten Personen im Vergleich zu unbehandelten etwas weniger an allergischen Beschwerden. Ob der Effekt auch in den Folgejahren weiter anhält, bleibt abzuwarten. Für Grazax gibt es Hinweise, dass zwar auch im zweiten Jahr nach Behandlungsende noch geringfügig weniger allergische Beschwerden auftreten, allerdings scheint die Wirkung nachzulassen. Da es häufig zu leichten allergischen Reaktionen mit Juckreiz unter der Zunge und Reizungen im Rachen kommt, wird die Behandlung häufig abgebrochen, vor allem von Kindern. Oralair und Grazax sind zur Behandlung einer Gräserpollenallergie mit Einschränkung geeignet. Sie können eingesetzt werden, wenn es nicht möglich ist, den Kontakt mit den Gräserpollen zu meiden und wenn Antihistaminika sowie cortisonhaltige Nasensprays die Beschwerden nicht ausreichend lindern.

Bei allergischem Asthma ist die therapeutische Wirksamkeit der Mittel noch nicht ausreichend belegt. Sie sollten daher nur angewendet werden, wenn Standardmedikamente der Asthmabehandlung nicht ausreichen und wenn eine Hyposensibilisierungsbehandlung mit Spritzen nicht möglich ist oder abgelehnt wird. Dafür ist SLITone mit Einschränkung geeignet.

Mischungen verschiedener Allergenextrakte als Tropfen sind im Vergleich zu Injektionen noch schlechter untersucht. Ob die Tropfen bei Kindern nachhaltige Effekte haben, ist ebenfalls noch nicht ausreichend geprüft. Schwere allergische Reaktionen lassen sich auch bei diesen Mitteln nicht ausschließen.

Anwendung

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Der Arzt spritzt das individuell passende Präparat in langsam ansteigender Dosierung unter die Haut.

Anfangs wird ein Abstand von ein bis zwei Wochen eingehalten. Wird die Behandlung länger als zwei Wochen unterbrochen, kann die Dosis zunächst nicht weiter gesteigert werden, sondern muss entsprechend dem Beipackzettel neu angepasst werden. Ist die vorgesehene Erhaltungsdosis erreicht, wird der Abstand schrittweise um zwei Wochen verlängert, bis das Mittel nur noch alle vier bis acht Wochen gegeben wird.

Um bei schweren allergischen Reaktionen sofort fachgerecht eingreifen zu können, müssen Sie noch mindestens 30 Minuten in der Praxis bleiben, nachdem der Arzt das Mittel gegeben hat. Er sollte Sie auch noch einmal untersuchen, bevor Sie die Praxis wieder verlassen. Wegen der damit verbundenen Risiken darf eine Hyposensibilisierung nur von einem Arzt mit ausreichender Erfahrung in der Behandlung allergischer Erkrankungen vorgenommen werden.

Vor jeder Injektion wird Sie der Arzt nach der Verträglichkeit der vorangegangenen Behandlung befragen sowie nach neu aufgetretenen Beschwerden und der zusätzlichen Anwendung von Antiallergika. Denn je nachdem wie Sie die Behandlung vertragen haben, wird die nächste Dosis festgesetzt.

SLITone: Dieses Mittel tropfen Sie einmal täglich direkt aus dem Einzeldosisbehältnis unter die Zunge und behalten es dort für mindestens zwei Minuten im Mund, ohne zu schlucken. Anschließend sollten Sie fünf Minuten lang nichts essen oder trinken, damit das Mittel von der Mundschleimhaut gut aufgenommen werden kann.

Grazax, Oralair: Sie legen die Tablette einmal täglich unter die Zunge, wo sie sich innerhalb einer Minute auflöst. Bis sich die Tablette aufgelöst hat, sollten Sie nicht schlucken. Die Behandlung sollte vier Monate vor Beginn der Pollensaison beginnen und wird über die gesamte Blühphase der Gräser fortgeführt.

Bei Oralair und SLITone nehmen Sie anfangs nur eine geringe Menge ein und steigern die Dosis innerhalb von drei Tagen auf die empfohlene Menge. Dafür steht eine spezielle Packung zur Verfügung, die Tabletten in der entsprechenden Dosierung enthält. Bei GRAZAX wird über die gesamte Therapiedauer die gleiche Allergendosis eingenommen. Die Beschwerdelinderung sollte schon in der ersten Pollensaison einsetzen, bleibt sie aus, braucht nicht weiterbehandelt zu werden.

Da auch bei den Mitteln zur Anwendung im Mund schwere allergische Reaktionen vorkommen können, muss die erste Anwendung unter Aufsicht des Arztes erfolgen. Während der gesamten Behandlungszeit müssen Sie sorgfältig auf mögliche allergische Reaktionen achten, siehe hierzu Unerwünschte Wirkungen.

Die Therapie beginnt schon im Herbst oder Winter, also lange bevor die Pollen fliegen. Sobald die Pollen fliegen, kann die Behandlung in verringerter Dosierung weiterlaufen. Ist dies wegen starker allergischer Reaktionen auf die Pollen nicht möglich, muss sie unterbrochen werden. Nach der Pollenflugsaison kann dann – beginnend mit der niedrigsten Dosierung – erneut ein Versuch zur Hyposensibilisierung gestartet werden.

Die Therapie mit Milbenpräparaten beginnt, wenn Sie gerade keine oder kaum allergisch bedingte Beschwerden haben. Insbesondere sollten Sie keine asthmatischen Beschwerden wie Husten, pfeifende Atmung oder Kurzatmigkeit haben.

Die Behandlung erfolgt insgesamt über mindestens drei Jahre, wobei sich die Beschwerden nach spätestens zwei Jahren deutlich gebessert haben sollten.

Achtung

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Am Tag der Injektion sollten Sie sich nicht schwer körperlich betätigen, keine Sauna besuchen sowie heiße Duschen vermeiden und keinen Alkohol trinken.

ACAROID, DEPIGOID: Meiden Sie am Tag der Injektion alles, was bei Ihnen bekanntermaßen allergische Beschwerden auslöst, z. B. Betten ausschütteln, Vorhänge entfernen.

Grazax, Oralair, SLITone: Wenn Sie eine Zahnfleisch- oder Mundschleimhautentzündung haben oder wenn der Zahnarzt eine Operation in der Mundhöhle plant, sollte die Behandlung mit diesen Mitteln unterbrochen werden, bis die Wunden im Mund vollständig verheilt sind. Das gilt auch, wenn ein Kind einen Milchzahn verloren hat. Das gilt auch, wenn ein Kind einen Milchzahn verloren hat.

Gegenanzeigen

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie diese Mittel nicht gespritzt bekommen:

  • Die Atemwege sind entzündet.
  • Sie haben Asthma, das trotz medikamentöser Therapie nicht stabil eingestellt ist, oder ein mittelschweres bis schweres Asthma mit deutlich eingeschränkter Lungenfunktion, das mit Glucocorticoiden behandelt werden muss.
  • Atemwege und/oder Lunge sind dauerhaft geschädigt (z. B. Lungenblähung).
  • Sie haben einen entzündlich-fieberhaften Infekt oder andere Infektionskrankheiten, z. B. aktive Tuberkulose.
  • Sie haben eine schwere chronisch-entzündliche Darmerkrankung, z. B. Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn.
  • Sie haben Krebs.
  • Sie haben eine koronare Herzkrankheit, eine Herzschwäche oder eine Überfunktion der Schilddrüse (dann besteht ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Wirkungen, falls im Notfall Adrenalin gespritzt werden muss).
  • Sie leiden an multipler Sklerose.
  • Sie haben rheumatoide Arthritis.
  • Sie haben eine Erkrankung des Immunsystems oder werden mit Medikamenten behandelt, die das Immunsystem unterdrücken.
  • Sie leiden an schweren psychischen Störungen.
  • Sie werden mit Betablockern behandelt (als Tabletten bei hohem Blutdruck, koronarer Herzkrankheit, als Augentropfen bei erhöhtem Augeninnendruck).

Grazax, Oralair, SLITone: Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie dieses Mittel nicht anwenden:

  • Sie haben multiple Sklerose.
  • Sie haben rheumatoide Arthritis.
  • Sie haben eine Erkrankung des Immunsystems (z. B. HIV-Infektion) oder werden mit Medikamenten behandelt, die das Immunsystem unterdrücken.
  • Sie haben Krebs.
  • Sie haben schweres Asthma mit einer Lungenfunktion unter 70 Prozent (70 Prozent FEV1 vom Sollwert) oder Ihre Asthmaerkrankung ist trotz medikamentöser Therapie nicht stabil eingestellt.
  • Sie haben eine schwere Entzündung oder eine Pilzerkrankung im Mund.

Wenn Sie in der Vergangenheit bereits bei einer Hyposensibilisierung mit Spritzen eine schwere allergische Reaktion entwickelt haben, muss auch vor Anwendung von Hyposensibilisierungsmitteln im Mund deren Nutzen und die möglichen Risiken sorgfältig abgewogen werden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente anwenden, ist zu beachten, dass die gleichzeitige Gabe von Antihistaminika, Glucocorticoiden oder Mastzellstabilisatoren dazu führen kann, dass Sie eine höhere Dosis des Allergens vertragen. Sollten Sie die Arzneimittel nicht mehr anwenden, kann es nötig sein, die Dosis des Allergens wieder zu verringern. Besprechen Sie das mit Ihrem Arzt.

Wenn Sie wegen Depressionen mit trizyklischen Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) oder Monoaminoxidase (MAO-)Hemmern (z. B. Tranylcypromin) behandelt werden, sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer gleichzeitigen Anwendung von Allergenextrakten sorgfältig abwägen. Sollte es zu einer schweren allergischen Reaktion auf die Allergenextrakte kommen, müssen Sie mit dem Notfallmedikament Adrenalin behandelt werden. Die genannten Antidepressiva können die Wirkung von Adrenalin lebensgefährlich verstärken.

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Wenn Sie geimpft werden müssen, sollten Sie eine Woche davor und mindestens eine Woche danach keine Allergenspritze bekommen, um die Wirkung des Impfstoffs auf das Immunsystem nicht zu beeinträchtigen.

Grazax, Oralair, SLITone: Wenn Sie während der Behandlung mit diesen Mitteln geimpft werden sollen, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der gleichzeitigen Gabe von Impfstoff und Allergenextrakten sorgfältig abwägen.

Unbedingt beachten

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Wenn Sie Betablocker anwenden (als Tabletten bei hohem Blutdruck, koronarer Herzkrankheit oder als Augentropfen bei erhöhtem Augeninnendruck) oder ACE-Hemmer einnehmen (bei hohem Blutdruck), dürfen Sie keine Allergenspritzen bekommen, weil diese Medikamente die allergischen Reaktionen auf die Injektionslösung verstärken können. Betablocker können darüber hinaus bei einer möglichen Notfallbehandlung die Wirkung von Adrenalin beeinträchtigen. Das Risiko, an einem anaphylaktischen Schock zu sterben, ist dann erhöht. Auch bei der Anwendung von Allergenextrakten im Mund wie Grazax, Oralair und SLITone muss der Arzt bei einer Notfallbehandlung darüber unterrichtet sein, dass während der Hyposensibilisierung gleichzeitig Betablocker angewendet wurden.

Wenn Sie Mittel einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken, z. B. Ciclosporin (bei rheumatoider Arthritis, bei Schuppenflechte, nach Organtransplantationen), dürfen Sie keine Hyposensibilisierung vornehmen lassen.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Bei sechs von zehn Behandelten verdickt sich die Haut an der Injektionsstelle, was aber mit der Zeit wieder verschwindet. Eine vorübergehende Schwellung und Juckreiz an der Einstichstelle bemerken etwa 10 von 100 Behandelten.

Grazax, Oralair, SLITone: Bei mehr als 10 von 100 reizt das Mittel die Mund- oder Rachenschleimhaut und es juckt im gesamten Mund. Lippen und Zunge können ebenfalls jucken. Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kommt es zu Mund- und Halstrockenheit, Schmerzen beim Schlucken und Husten.

Muss beobachtet werden

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kann die Haut sich röten, jucken und kleine Bläschen ausbilden. Wenn Sie sehr empfindliche Haut haben, kann sich eine Neurodermitis entwickeln oder eine bereits bestehende Neurodermitis sich verschlimmern. Dann sollten Sie mit dem Arzt beraten, ob es sinnvoll ist, die Behandlung fortzusetzen.

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Wenn die Haut an der Injektionsstelle stark anschwillt (mehr als zwölf Zentimeter Durchmesser), reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie den Arzt aufsuchen. Auch wenn Hals oder Augen jucken oder wenn Sie vermehrt niesen oder husten müssen, sollten Sie den Arzt informieren.

Grazax, Oralair, SLITone: Es können typische allergische Reaktionen auftreten: Die Augen jucken oder tränen, die Nase schwillt zu, Sie müssen häufig niesen. Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten kann sich die Mundschleimhaut oder das Zahnfleisch entzünden und vermehrter Speichelfluss auftreten oder ein Kribbeln und Jucken an Lippen, Zunge, Gaumen und Rachen verschlimmert sich. Bei solchen Symptomen sollten Sie mit einem Arzt besprechen, ob Sie die Behandlung fortsetzen sollen.

Sofort zum Arzt

Alle diese Allergenpräparate können schwere allergische Reaktionen bis hin zum lebensbedrohlichen, allergischen (anaphylaktischen) Schock auslösen. Das Risiko für schwerwiegende Reaktionen ist unterschiedlich. Es hängt zum einen vom Patienten ab, beispielsweise wie schwer dessen bisherige Reaktionen auf das Allergen sind. Zum anderen hängt das Risiko auch vom Allergen ab, da bestimmte Allergene, z. B. Wespengift oder Erdnuss, häufiger als andere zu besonders schweren Reaktionen führen.

Sie sollten unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, wenn zusätzlich zu typischen Allergiesymptomen wie Niesen, Juckreiz und Hautrötung eines oder mehrere der folgenden Symptome auftreten:

  • Akut auftretende Schwellungen in Gesicht und Rachen (Angioödem) mit Engegefühl im Hals, Luftnot, akuter Veränderung der Stimme oder Schluckbeschwerden.
  • Luftnot oder akute Verschlimmerung eines bestehenden Asthmas
  • Herzrasen und/oder Blutdruckabfall mit Schwindel, Schwarzsehen vor Augen bis hin zum Kreislaufkollaps.
  • Akutes Erbrechen und/oder plötzlicher Durchfall.

ACAROID, ALK-Depot, ALLERGOVIT, DEPIGOID: Besonders bei den Allergenextrakten zum Spritzen kann sich nach Verabreichung innerhalb von Sekunden oder auch Minuten ein derartiger anaphylaktischer Schock entwickeln. Wenn es nach der Spritze in den Handinnenflächen, unter den Fußsohlen und unter der Zunge oder im Rachen juckt und sich Hitzegefühle einstellen, müssen Sie sofort in der Praxis Alarm schlagen und unverzüglich mit Notfallmedikamenten behandelt werden. Bleiben Sie daher in jedem Fall nach der Injektion noch mindestens eine halbe Stunde in der ärztlichen Praxis.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Auch Kinder sollten mit diesen Mitteln erst behandelt werden, wenn andere als "geeignet" erachtete Mittel nicht ausreichend wirken und eines der Mittel genau die Allergene enthält, die die Allergie auslösen. Bei Kindern unter fünf Jahren sollte generell noch keine Hyposensibilisierung erfolgen, da die vorliegenden Untersuchungsdaten nicht ausreichen.

Wenn das Kind bereits an Asthma leidet und während einer Hyposensibilisierungsbehandlung eine akute Infektion der Atemwege (Schnupfen, Husten) dazukommt, sollte diese unterbrochen werden, bis die Infektion überstanden ist.

Bei älteren Menschen

Für ältere Menschen liegen nur wenige Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Hyposensibilisierungstherapie vor. Da bei dieser Personengruppe zudem häufig Begleiterkrankungen vorliegen, sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Therapie bei diesen Älteren besonders sorgfältig abwägen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Für die meisten Präparate fehlen ausreichende Erfahrungen in Schwangerschaft und Stillzeit. Allgemein gilt für Hyposensibilisierungen: In der Schwangerschaft sollten Sie nicht damit beginnen, weil es in seltenen Fällen zu schweren allergischen Reaktionen kommen kann, die das Ungeborene schädigen können. Bemerken Sie während einer Hyposensibilisierung, dass Sie schwanger geworden sind, sollten Sie Rücksprache mit einem Arzt halten. Wird die schon begonnene Hyposensibilisierung gut vertragen, können Sie diese bei lebensbedrohlichen Allergien (z. B. auf Bienen- oder Wespengift) fortsetzen, allerdings ohne die Dosis weiter zu steigern. In allen anderen Fällen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Therapie sorgfältig abwägen.

In der Stillzeit ist nicht zu erwarten, dass der Säugling durch die Allergenextrakte Schaden nimmt. Wenn Sie die Therapie gut vertragen, können Sie sie weiter fortsetzen.

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