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Allergie-Notfallset: Adrenalin-Fertigspritze

Wirkungsweise

Ein Allergie-Notfallset umfasst auch eine Adrenalin-Fertigspritze, die im Ernstfall hilft, bei einem allergischen Schock den Kreislauf zu stabilisieren bis der Notarzt eintrifft.

Bei sehr starken allergischen Reaktionen – wie sie beispielsweise häufig bei Allergien auf Insektenstiche aber auch bei Lebensmittelunverträglichkeiten vorkommen – weiten sich innerhalb von Sekunden oder wenigen Minuten die Blutgefäße im gesamten Organismus. Dann strömt zu wenig Blut zum Herzen zurück, der Blutdruck sinkt drastisch ab und der Kreislauf bricht zusammen. Gleichzeitig schwellen die Schleimhäute stark an, vor allem an Lippen, Augenlidern und Atemwegen, begleitet von Schweißausbrüchen, Schwindel, Benommenheit und Übelkeit. Frühsymptome sind ein zunehmender Juckreiz auf der ganzen Haut, sich verstärkt bildende Quaddeln sowie ein Juckreiz im Rachen. Auch ein Kribbeln oder Hitzegefühl auf und unter der Zunge, im Rachen und besonders an Handflächen und Fußsohlen sind weitere Alarmzeichen. Zusätzlich können Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auftreten.

Wenn derartige Beschwerden auftreten, müssen Sie sofort den Notarzt (Telefon 112) rufen. Der Schock muss unverzüglich mit kreislaufstabilisierenden Mitteln und Cortisonspritzen behandelt werden. Der Arzt muss eine Infusion anlegen, um Flüssigkeit in den Körper zu leiten, im äußersten Notfall kann eine künstliche Beatmung erforderlich sein. Schwellen nämlich die Schleimhäute in den Atemwegen zu sehr an, droht Ersticken. Bricht der Kreislauf komplett zusammen, werden die inneren Organe und vor allem das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, was schon nach wenigen Minuten zu irreparablen Schäden führen kann.

Bis zum Eintreffen des Notarztes kann Epinephrin (= Adrenalin) selbst oder von einer Hilfsperson gespritzt werden. Es ist geeignet, um im Notfall bei einem allergischen Schock den Kreislauf zu stabilisieren. Adrenalin wird normalerweise als Stresshormon von den Nebennieren ausgeschüttet und verengt die Blutgefäße in der Haut, in den Schleimhäuten und im Bauch, die Blutgefäße am Herzen und in der Skelettmuskulatur erweitert es hingegen. Dadurch lässt sich verhindern, dass der Kreislauf zusammenbricht, außerdem stärkt Adrenalin die Pumpkraft des Herzens und beschleunigt den Herzschlag.

Anwendung

Sie spritzen das Mittel sofort bei den ersten sicheren Anzeichen für einen allergischen Schock beherzt in die Außenseite des Oberschenkels. Im Notfall können Sie die Nadel auch durch die Kleidung hindurch stechen. Halten Sie dabei die Injektionsvorrichtung im rechten Winkel zum Oberschenkel und belassen Sie sie mindestens 10 Sekunden lang an Ort und Stelle, erst danach können Sie die Injektionsnadel zurückziehen. Anschließend sollte das Injektionsgebiet zirka 10 Sekunden massiert werden. Wenn nach 10 bis 15 Minuten die Beschwerden nicht nachlassen oder sich der Zustand sogar verschlechtert, sollten Sie eine zweite Injektion vornehmen. Tragen Sie deshalb immer zwei Autoinjektoren bei sich.

Spritzen Sie nicht in einen anderen Körperteil – am Oberschenkel ist die Gefahr, dass Sie das Mittel aus Versehen in ein Blutgefäß spritzen, besonders gering.

Damit Sie im Notfall wissen, wie Sie mit der Spritze umgehen müssen, sollten Sie die Anwendung vorher in Ruhe mit einer leeren Spritze an einem Apfel oder einer Orange üben.

Wenn Sie auf Bienengift allergisch reagieren und von einer Biene gestochen worden sind, sollten Sie den Stachel umgehend mit einer Pinzette oder mit den Fingernägeln vorsichtig seitwärts aus der Stichstelle herausziehen, damit so wenig Bienengift wie möglich in die Wunde gelangt (Wespen, Hornissen und Hummeln ziehen ihren Stachel nach dem Stich selbst wieder aus der Haut heraus). Nicht drücken oder quetschen, sonst massieren Sie das Gift regelrecht ins Gewebe!

Achtung

Im Anschluss an die notfallmäßige Anwendung von Adrenalin und die anschließende Behandlung durch den Notarzt sollte eine Nachbeobachtung im Krankenhaus über 24 bis 48 Stunden erfolgen. Manchmal kommt es auch nach Abklingen der ersten Schockreaktion noch zu einer weiteren, die im Krankenhaus am besten zu beherrschen ist.

Gegenanzeigen

Für Adrenalin gelten zahlreiche Gegenanzeigen, die aber bei einer lebensbedrohlichen Schockreaktion keine Rolle spielen. Wenn Sie jedoch dauerhaft Medikamente einnehmen – vor allem Digitalisglycoside (bei Herzschwäche) oder Alpha-Rezeptorenblocker (bei hohem Blutdruck oder vergrößerter Prostata) –, sollten Sie mit dem Arzt schon bei der Verordnung des Mittels besprechen, ob es im Notfall bei der Anwendung der Adrenalin-Fertigspritze Probleme geben könnte.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie Betablocker wie z. B. Propranolol (bei hohem Blutdruck, Migräne) einnehmen, kann das die Wirkung von Adrenalin bei einer Notfallbehandlung beeinträchtigen. Der Arzt muss dann besonders sorgfältig darauf achten, ob das Adrenalin wie beabsichtigt wirkt oder ob noch andere Notfallmaßnahmen erforderlich sind.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Es können Unruhe, Anspannung und Angstgefühle sowie Zittern, Schwindel und Schwächeanfälle mit Kältegefühl an Händen und Füßen sowie auffallend blasser Haut auftreten. Meist sind dies aber eher Folgen der Schockreaktion und keine unerwünschten Wirkungen des Medikaments. Beschleunigter Herzschlag und Atemnot verschwinden im Allgemeinen, ohne dass eine spezielle Behandlung notwendig ist.

Muss beobachtet werden

Adrenalin stimuliert die Zuckerfreisetzung aus den körpereigenen Depots, wodurch der Blutzuckerspiegel ansteigen kann. Wenn Sie Diabetes haben und der Blutzuckerspiegel häufig schwankt, sollte der Notarzt den Blutzuckerspiegel bestimmen.

Sofort zum Arzt

Bessern sich Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel trotz des Adrenalins nicht, besteht der Verdacht, dass das Mittel fälschlicherweise nicht in die Muskulatur, sondern in die Blutbahn gespritzt wurde. Der Notarzt sollte dann die entsprechenden Gegenmaßnahmen einleiten.

Besondere Hinweise

Allgemein

Nach Ablauf des Verfalldatums dürfen Sie das Mittel nicht mehr anwenden. Schreiben Sie sich dieses Datum deshalb mit wasserfestem Filzstift auf die Packung und denken Sie rechtzeitig daran, sich ein neues Rezept ausstellen zu lassen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Für Kinder mit einem Körpergewicht von 7,5 bis 25 Kilogramm gibt es eine spezielle Fertigspritze (FASTJEKT Junior) mit einer niedrigeren Wirkstoffmenge. Kinder mit mehr als 25 Kilogramm Körpergewicht erhalten die Erwachsenendosis.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Da es sich in einer Notfallsituation um eine lebensrettende Maßnahme mit einer zudem auch natürlich im Organismus vorkommenden Substanz handelt, können Sie das Mittel auch in Schwangerschaft und Stillzeit anwenden.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs