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Aldosteron-Antagonist: Spironolacton

Wirkungsweise

Spironolacton hemmt an den Nieren die Wirkung des Hormons Aldosteron. Es wird sowohl bei Herzschwäche als auch bei hohem Blutdruck eingesetzt. Aldosteron reguliert den Salz-Wasser-Haushalt und ist als Schlüsselhormon auch an der Regulation des Blutdrucks sowie an der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beteiligt. Wird die Wirkung von Aldosteron gehemmt, scheiden die Nieren verstärkt Kochsalz (Natriumchlorid) und Wasser aus, Kalium jedoch wird im Körper zurückgehalten. In diesem Sinne wirkt Spironolacton wie kaliumsparende Diuretika.

Hoher Blutdruck

Spironolacton wird bei hohem Blutdruck nur gegeben, wenn die Nebennieren – manchmal bedingt durch einen Tumor – übermäßig viel Aldosteron produzieren (Hyperaldosteronismus). Wird der Tumor operativ entfernt, sinkt der Blutdruck wieder auf normale Werte. Es ist auch bei hohem Blutdruck geeignet, wenn dieser auf eine Überproduktion von Aldosteron zurückgeht oder wenn der Blutdruck selbst mit einer Kombination aus drei blutdrucksenkenden Mitteln nicht ausreichend abgesenkt werden kann.

Herzschwäche

Bei Herzschwäche wird Spironolacton zusätzlich zur Basisbehandlung mit ACE-Hemmern oder Sartanen und Betablockern gegeben.

Für Spironolacton konnte eine große Studie bei schwerer Herzinsuffizienz einen besonderen Nutzen zeigen. In sehr niedriger Dosierung (25 mg) kann dieses Mittel bei schwerer Herzschwäche zusätzlich zur Standardtherapie aus ACE-Hemmern, Diuretika, Betablockern oder Digitalis die Sterberate deutlich verringern. Da diese Dosis kaum ausreicht, um den erwünschten entwässernden Effekt zu erzielen, ist anzunehmen, dass sich das Mittel auf andere Weise direkt auf den Herzmuskel günstig auswirkt. Eine weitere Untersuchung gibt Hinweise darauf, dass dies auch für weniger schwere Krankheitsfälle zutrifft.

In den Beipackzetteln von Spironolcaton-haltigen Mitteln ist die Indikation "Herzinsuffizienz" bisher noch nicht angegeben. Es gibt aber Studien, die einen Nutzen bei Herzschwäche belegen, auch wenn noch keine Ödeme vorliegen. Offenbar scheuen die Hersteller den finanziellen Aufwand, der mit einer Erweiterung der Zulassung verbunden ist.

Spironolacton ist somit für die Behandlung einer Herzschwäche zusätzlich zu den Standardtherapeutika (ACE-Hemmer oder Sartane, Betablocker) geeignet.

Bei älteren Personen und bei ausgeprägter Nierenschwäche ist der Wirkstoff nur mit Einschränkung geeignet, weil die Gefahr für eine Anreicherung von Kalium im Blut besteht, was gefährliche Herzrhythmusstörungen nach sich ziehen kann.

Anwendung

Hoher Blutdruck

Der mögliche Dosisbereich pro Tag beträgt bei Spironolacton in der Dauerbehandlung von hohem Blutdruck 50 bis 200 Milligramm. In der Anfangsphase können, wenn dies erforderlich ist, bis zu 400 Milligramm täglich eingesetzt werden. Derart hohe Dosierungen sind vorwiegend nötig, wenn die Nebennierenrinde zu viel Aldosteron ausschüttet, z. B. aufgrund eines Tumors.

Herzschwäche

Spironolacton nehmen Sie einmal täglich in einer Dosierung von üblicherweise 25 Milligramm, maximal 50 Milligramm ein, um eine Herzschwäche zu behandeln.

Der Arzt muss dabei die Serum-Kalium-Spiegel kontinuierlich überwachen, damit diese nicht zu hoch ansteigen. Zusätzlich muss der Arzt alle drei Monate auch die Konzentration von Natrium und Kreatinin im Blut überprüfen. Das gilt insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie das Mittel nicht anwenden:

  • Die Kaliumwerte im Blut liegen über fünf Millimol pro Liter.
  • Es besteht eine schwere Nierenschwäche.
  • Das Blut enthält zu wenig Natrium.

Wenn Sie eine Nierenfunktionsstörung haben, besteht die Gefahr für erhöhte Kaliumspiegel und dadurch bedingte Herzrhythmusstörungen. Wenn Sie Spironolacton einnehmen und der Blutdruck sehr niedrig ist, besteht ebenfalls die Gefahr für erhöhte Kaliumspiegel und dadurch bedingte Herzrhythmusstörungen. In diesen Fällen sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Anwendung des Mittels sorgfältig abwägen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente anwenden, ist zu beachten:

  • In Kombination mit ACE-Hemmern und Sartanen (bei hohem Blutdruck) besteht ein erhöhtes Risiko für eine zu hohe Kaliumkonzentration im Blut. Wenn Sie diese Mittel zusätzlich zu Spironolacton einnehmen, sollte der Arzt die Kaliumspiegel und das Kreatinin im Blut regelmäßig überwachen. Das gilt auch, wenn Sie Trimethoprim oder Cotrimoxazol (bei Harnwegsinfekten) einnehmen müssen.
  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen, Indometacin (bei Schmerzen, Rheuma) können die Wirkung des Aldosteron-Antagonisten Spironolacton schwächen. Wenn Sie diese Mittel kontinuierlich einnehmen müssen, sollte der Arzt die Wirksamkeit der Behandlung überprüfen. Außerdem erhöhen sie das Risiko, dass sich die Nierenfunktion verschlechtert. Insbesondere bei älteren Personen und Personen mit Flüssigkeitsmangel (z. B. nach Erbrechen, Durchfall, starkem Schwitzen) erhöht sich das Risiko für ein akutes Nierenversagen. Bevor Sie diese Mittel zusätzlich zu Spironolacton einnehmen, sollte deshalb der Flüssigkeitshaushalt des Organismus ausgeglichen sein. Vor allem wenn Sie NSAR mit Aldosteron-Antagonisten und einem Mittel aus der Gruppe der ACE-Hemmer oder Sartane kombinieren, sollte die Nierenfunktion häufiger kontrolliert werden.
  • NSAR hemmen wie die Aldosteron-Antagonisten die Ausscheidung von Kalium. Dadurch kann der Kaliumgehalt des Blutes viel zu hoch steigen. Das macht sich durch Müdigkeit bis zu Apathie, durch Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen bemerkbar. Wenn sich die gleichzeitige Anwendung nicht vermeiden lässt, sollte der Arzt regelmäßig den Kaliumblutspiegel kontrollieren.
  • Lithium (bei manisch-depressiven Störungen) wirkt in Kombination mit Aldosteron-Antagonisten stärker giftig. Wenn die Einnahme von Lithium dennoch erforderlich ist, muss der Arzt die Lithiumspiegel im Blut überwachen.

Unbedingt beachten

Kaliumsparende Diuretika (Amilorid, Triamteren, in Kombinationspräparaten bei hohem Blutdruck), kaliumhaltige Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel erhöhen in Kombination mit Spironolacton das Risiko für erhöhte Kaliumkonzentrationen im Blut, wodurch die Gefahr für Herzrhythmusstörungen steigt. Ist in seltenen Fällen eine kombinierte Anwendung mit Spironolacton unumgänglich, müssen die Kaliumwerte im Blut häufig kontrolliert werden.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Hoher Blutdruck

Alkohol kann die blutdrucksenkende Wirkung verstärken.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei etwa 1 von 100 Behandelten treten Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Durchfall auf.

Muss beobachtet werden

Mundtrockenheit, Durst, Schwäche- und Schwindelgefühle, Muskelschmerzen und -krämpfe sowie Kopfschmerzen können Anzeichen von übermäßigem Salz- und Flüssigkeitsverlust sein, der vor allem bei hoher Dosierung der Diuretika vorkommen kann. Dann sollten Sie einen Arzt aufsuchen und Elektrolyte und Nierenwerte im Blut kontrollieren lassen. Achten Sie darauf, dass Sie genügend trinken.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten wird zu viel Kalium im Organismus zurückgehalten. Diese unerwünschte Wirkung kann noch häufiger auftreten, wenn Sie dieses Mittel gleichzeitig mit ACE-Hemmern oder Sartanen einnehmen. Die Anzeichen dafür sind ohne ärztliche Untersuchung kaum zu erkennen, typisch sind Muskelschwäche und EKG-Veränderungen.

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten schwillt die Brustdrüse an und schmerzt (bei Frauen ebenso wie bei Männern). Informieren Sie in diesem Fall den Arzt.

Bei Frauen können Menstruationsstörungen vorkommen, auch kann sich die Stimme vertiefen oder heiser werden. Am Körper können vermehrt Haare wachsen (Hirsutismus). Männer können impotent werden. Wenn Sie derartige Veränderungen bemerken, sollten Sie mit dem Arzt besprechen, ob Sie das Mittel weiterhin einnehmen sollen. Wenn das Mittel abgesetzt wird, verschwinden diese Störungen nach einigen Wochen wieder.

Sofort zum Arzt

Wenn sich Juckreiz und Hautausschlag verstärken und zusätzlich Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Wenn der Körper zu viel Flüssigkeit ausscheidet, kann das Blut zu "dickflüssig" werden, sodass die Gefahr für eine Thrombose oder für eine Embolie wächst. Das Risiko dafür ist besonders bei älteren Menschen, bei Venenschwäche (Krampfadern, Venenentzündung) und bei lang andauerndem Sitzen (z. B. bei Langstreckenflügen) erhöht. Wenn Krämpfe auftreten, oder wenn Sie nur noch sehr wenig Urin ausscheiden, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Ein Flüssigkeitsmangel macht sich auch durch geistige Verwirrtheit bemerkbar oder dadurch, dass jemand sich zeitlich oder räumlich nicht mehr orientieren kann. Dann sollte ebenfalls unverzüglich der Arzt gerufen werden.

Besondere Hinweise

Bei Kindern

Hoher Blutdruck

Kinder unter zwölf Jahren erhalten zu Beginn ein bis drei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Anschließend sollte die Dosis so niedrig wie möglich eingestellt werden. Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren erhalten zwischen 50 und 100 Milligramm Spironolacton täglich. In besonders schweren Fällen kann die Tagesdosis auch höher liegen, 400 Milligramm Spironolacton pro Tag dürfen aber nicht überschritten werden. Länger als einen Monat sollten Kinder das Mittel jedoch nicht bekommen. Ist dies dennoch erforderlich, muss der Arzt den Mineralstoffgehalt (Elektrolyte) im Blut regelmäßig kontrollieren.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft dürfen Sie dieses Mittel nicht anwenden, weil bei den Kindern Hormonstörungen und bei Jungen Verweiblichungsanzeichen vorkommen können. Da unklar ist, ob der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht, sollten Sie sicherheitshalber abstillen, wenn Sie Spironolacton in der Stillzeit einnehmen müssen.

Hoher Blutdruck

Wenn Sie bemerken, dass Sie schwanger sind und bislang Diuretika eingenommen haben, sollte der Arzt auf andere Mittel umstellen, z. B. Methyldopa.

Für ältere Menschen

Bei Menschen im höheren Alter arbeiten die Nieren häufig nur noch eingeschränkt. Daher ist bei ihnen die Gefahr erhöhter Kaliumkonzentrationen im Blut und damit einhergehender gefährlicher Herzrhythmusstörungen besonders groß. Soll Spironolacton dennoch eingesetzt werden, müssen die Kaliumwerte im Blut besonders sorgfältig überprüft werden.

Beim Tragen von Kontaktlinsen

Wenn Sie während der Behandlung mit diesem Mittel zu trockenen Augen neigen, sollten Sie keine Kontaktlinsen tragen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Das Mittel kann müde und benommen machen. Dann sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, kein Fahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs