Medikamente im Test

Acetylsalicylsäure

Wirkungsweise

Acetylsalicylsäure, abgekürzt ASS, wirkt – in Abhängigkeit von der Dosis – als Gerinnungshemmer, lindert Schmerzen oder senkt das Fieber. In hoher Dosierung ist das Mittel auch entzündungshemmend.

Fieber und Migräne und Schmerzen

ASS hemmt die körpereigene Produktion von Prostaglandinen, einer Gruppe hormonähnlicher Substanzen, die in vielen Organen vorkommen. Gemeinsam mit anderen Stoffen unterhalten sie jene Prozesse, die eine Entzündung ausmachen. Außerdem sensibilisieren einige Prostaglandine die Nervenendigungen für die Wirkung von schmerzübertragenden Substanzen.

Fieber

Die fiebersenkende Wirkung von ASS beruht darauf, dass es die Produktion eines bestimmten Prostaglandins in jener Region im Gehirn hemmt, in der die Körpertemperatur reguliert wird.

Fieber und Migräne und Schmerzen

Im Magen-Darm-Trakt schützen Prostaglandine allerdings die Schleimhaut. Durch die ASS-Wirkung verringert sich dieser Schutzeffekt. So erklären sich die häufigen und bei einigen Personen gravierenden unerwünschten Wirkungen von ASS auf Magen und Darm.

Eine Besonderheit von Acetylsalicylsäure ist ihre tagelang anhaltende gerinnungshemmende Wirkung. Diese Eigenschaft nutzt man bei Erkrankungen, bei denen die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabgesetzt werden soll, z. B. nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Bei der Schmerzbehandlung kann sie hingegen von Nachteil sein, wenn unerwartet ein operativer Eingriff erforderlich ist. Darum wird heute meist das nichtsteroidale Antirheumatikum (NSAR) Ibuprofen vorgezogen, um Schmerzen und Fieber zu bekämpfen. Dessen blutgerinnungshemmende Wirkung ist deutlich geringer ausgeprägt als die von ASS.

Abhängig von der Zubereitungsart, in der Acetylsalicylsäure eingenommen wird, setzt die Wirkung unterschiedlich schnell ein. Bei Mitteln, die aufgelöst und getrunken werden, und bei einer neuen Sorte Aspirin (500 Milligramm, überzogene Tabletten) tritt die Wirkung geringfügig schneller ein als bei gewöhnlichen Tabletten.

Migräne

Zur Anwendung beim Migräneanfall wird sie als "geeignet" eingestuft. Im Vergleich zu einer Scheinbehandlung führt Acetylsalicylsäure bei einer Migräneattacke zwei Stunden nach der Anwendung häufiger zur Schmerzfreiheit oder einer Schmerzlinderung.

Fieber und Schmerzen

Acetylsalicylsäure wird als "geeignet" eingestuft, um Schmerzen zu lindern, Fieber zu senken und Entzündungen zu stoppen. Darüber hinaus hemmt ASS auch die Blutgerinnung. Sie sollte daher nicht in der Woche vor einem geplanten operativen Eingriff eingenommen werden und auch nicht, wenn ein operativer Eingriff notwendig werden kann, wie z. B. bei Zahnschmerzen. Für diese Fälle wird Acetylsalicylsäure als "mit Einschränkung geeignet" beurteilt.

Aspirin direkt wird bei allen Anwendungsgebieten als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Hierbei handelt es sich um Kautabletten, die ohne Wasser eingenommen werden können. Werden die Tabletten aber nicht sehr fein zerkaut, gelangen größere Stücke in den Magen. Wird bei der Einnahme tatsächlich nichts getrunken, können sich Tablettenteile in der Speiseröhre festsetzen und sowohl dort als auch in Magen und Darm verstärkt unerwünschte Wirkungen hervorrufen.

Anders ist die Situation bei Aspirin Effect. Dieses Mittel verhält sich wie Brausepulver, wenn im Mund genügend Speichel vorhanden ist: Es löst sich nach dem Einstreuen in den Mund sofort sprudelnd auf. Selbst wenn nichts nachgetrunken wird, gibt es keine groben Teile, die die Schleimhaut des Verdauungstrakts über Gebühr belasten können. Dennoch sollte Acetylsalicylsäure nur ausnahmsweise so eingenommen werden, wenn keine Flüssigkeit zur Verfügung steht.

Arterielle Durchblutungs­störungen

Der Wirkstoff behindert die Bildung der körpereigenen Substanz Thromboxan A2. Diese ist verantwortlich für die Klebrigkeit der Blutplättchen (Thrombozyten). Ist zu viel Thromboxan A2 vorhanden, verklumpen die Blutplättchen leicht miteinander. Diese Thrombozytenaggregation spielt bei arteriellen Durchblutungsstörungen eine wichtige Rolle. Wird weniger Thromboxan gebildet, haften die Blutplättchen schlechter aneinander und verkleben weniger mit Ablagerungen an den Wänden der Blutgefäße, es bilden sich seltener Gerinnsel. Bereits vorhandene Ablagerungen lassen sich damit jedoch nicht beeinflussen.

ASS kann bei Personen, bei denen sich bereits ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall ereignet hat, einem weiteren solchen Ereignis vorbeugen. Auch lässt sich damit verhindern, dass sich mit einem Ballonkatheter aufgedehnte Blutgefäße oder die im Rahmen einer Bypassoperation angelegten Umgehungsadern erneut verschließen. Für diese Behandlungsziele ist ASS geeignet.

Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Männer und Frauen möglicherweise unterschiedlich auf ASS reagieren: So verringert sich bei Frauen vor allem die Anzahl der Schlaganfälle, bei Männern die der Herzinfarkte. Bei beiden Geschlechtern gleichermaßen treten vermehrt unerwünschte Blutungen auf. Ob hier tatsächlich eine geschlechtsspezifische Wirkung vorliegt, müssen weitere Untersuchungen erst noch bestätigen, bevor sich daraus Empfehlungen für die therapeutische Praxis ableiten lassen.

Ob eine Einnahme von ASS auch vor einem ersten Herzinfarkt oder Schlaganfall nützlich ist, ist nicht eindeutig erwiesen. Selbst wenn ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht, wie beispielsweise hoher Blutdruck oder Diabetes, ist die Behandlung umstritten. Personen mit solchen Zusatzerkrankungen sind zwar stärker gefährdet als Gesunde, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, das Risiko ist aber dennoch relativ gering. Dem zu erwartenden Nutzen stehen zudem nicht unerhebliche Risiken, vor allem die Gefahr von inneren Blutungen, gegenüber. Auch müssten statistisch gesehen sehr viele Menschen (bei Personen mit nur gering erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen über 300) sehr lange Zeit (über sechs Jahre lang) vorsorglich ASS einnehmen, um einen einzigen Menschen vor einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bewahren. Derzeit kann die vorbeugende Einnahme von ASS bei Gesunden nicht allgemein empfohlen werden, da der geringe Nutzen das erhöhte Blutungsrisiko nicht überwiegt.

Das gilt auch für Menschen mit Diabetes, die ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben.

Ein Bericht aus dem Jahr 2011 lässt einen weiteren Effekt von ASS vermuten. Von krebskranken Menschen, die ASS in niedriger Dosierung eingenommen hatten, starben weniger als von denen, die dieses Medikament nicht einnahmen. Dennoch wird nun nicht allen Krebskranken die Einnahme von ASS empfohlen; dem stehen die Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich und der Einfluss auf die Blutgerinnung entgegen. Die Krebskranken jedoch, die ASS ohnehin als vorbeugendes Medikament einnehmen sollen, können auf einen zusätzlichen Nutzen hoffen.

Die kombinierte Gabe von ASS und Clopidogrel, einem auf andere Weise wirksamen Thrombozytenaggregationshemmer, ist nur angezeigt, wenn die Durchblutung in den Herzkranzgefäßen so gestört ist, dass schon in Ruhe Beschwerden auftreten (Engegefühl in der Brust, Atemnot, Schmerzen im Brustkorb). Bei einem solchen "akuten Koronarsyndrom" ist es nötig, die verengten Blutgefäße möglichst unverzüglich mit einem Ballonkatheter aufzudehnen und mit einem Stent durchgängig zu halten. Eine solche Kombinationsbehandlung kann bis zu zwölf Monate nach einem akuten Koronarsyndrom sinnvoll sein, insbesondere wenn ein medikamentenbeschichteter Stent eingebracht wurde. Um in der Folgezeit einem Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen, genügt dann die alleinige Gabe von ASS in niedriger Dosierung.

Seit 2016 kann ein weiterer Thrombozytenaggregationshemmer – Ticagrelor – zusätzlich zu ASS eingesetzt werden, wenn nach einem ein bis drei Jahre zurückliegenden Herzinfarkt eine weitere Behandlung nötig ist. In der Zulassungsstudie konnte mit dieser Kombination über einen Zeitraum von drei Jahren die Sterblichkeit gesenkt werden, Blutungen nehmen jedoch zu und es kam häufig zu Luftnot.

Um die Magenschleimhaut zu schützen, verordnen Ärzte zusätzlich zu ASS häufig ein säureblockierendes Mittel (z. B. Omeprazol, Pantoprazol, auch "Protonenpumpenhemmer" genannt). Das kann aber auch problematisch sein. Zurzeit ist unklar, ob der Zusatz der säureblockierenden Mittel die Wirksamkeit von ASS abschwächt, sodass möglicherweise Herzinfarkte und Schlaganfälle häufiger auftreten können. Wenn Sie ASS einnehmen müssen, sollten Sie deshalb auch nicht eigenmächtig säureblockierende Mittel einnehmen. Sicherheitshalber kann der Arzt erwägen, statt eines säureblockierenden ein etwas schwächer wirkendes säurehemmendes Mittel zu verordnen (z. B. Ranitidin, Famotidin). Ein solcher "Magenschutz" ist aber nicht bei jedem erforderlich, unter folgenden Bedingungen können Sie darauf verzichten:

  • Sie hatten bisher noch kein Magengeschwür und auch noch keine Magenblutung.
  • Sie haben keine Magenbeschwerden und auch kein Sodbrennen oder eine Refluxerkrankung.
  • Sie erhalten keine anderen blutverdünnenden Medikamente (z. B. Marcumar).
  • Sie bekommen nur ASS oder Clopidogrel beziehungsweise Prasugrel und nicht beides zusammen und auch nicht zwei andere Wirkstoffe aus dieser Gruppe gleichzeitig.
  • Sie werden nicht mit cortisonhaltigen Mitteln behandelt.

Die zusätzliche Gabe von säureblockierenden Mitteln ist nur in folgenden Situationen sinnvoll:

  • Die Schleimhaut Ihrer Speiseröhre ist aufgrund von zurückfließendem Magensaft entzündet (Refluxkrankheit).
  • Sie nehmen nichtsteroidale Antirheumatika ein (z. B. Diclofenac, Ibuprofen). Dann besteht ein höheres Risiko, dass sich ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür entwickelt.
  • Sie haben einen Tumor in der Bauchspeicheldrüse oder im oberen Abschnitt des Dünndarmes, der zu einer erhöhten Magensäureproduktion führt (Zollinger-Ellison-Syndrom).
  • Sie haben eine Infektion mit Helicobacter pylori (Erreger von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren) und erhalten deshalb als Bestandteil einer 10- bis 14-tägigen Therapie zur Beseitigung des Magenkeims auch ein säureblockierendes Mittel.

Anwendung

Je nach Anwendungsgebiet müssen Sie unterschiedliche Dosierungen von ASS einnehmen.

Fieber und Migräne und Schmerzen

Erwachsene brauchen im Allgemeinen 500 bis 1 000 Milligramm Acetylsalicylsäure, um Schmerzen ausreichend zu dämpfen und Fieber zu senken. Beim akuten Migräneanfall werden als Einzeldosis 1 000 Milligramm empfohlen. Eine zweite Dosis sollte frühestens nach vier bis sechs Stunden eingenommen werden.

Die Tabletten sollen im Verlauf einer Mahlzeit geschluckt und dazu mindestens ein Glas Wasser getrunken werden. Sie können sie auch in Wasser zerfallen lassen oder gleich Brausetabletten verwenden, die in Wasser aufgelöst werden. So ist Acetylsalicylsäure für den Magen am besten verträglich. Handelt es sich um Brausetabletten, die aufgelöst eingenommen werden, ist sichergestellt, dass die für die Einnahme von ASS erforderliche Menge Wasser getrunken wird.

Fieber und Schmerzen

Aspirin direkt: Bei diesem Präparat handelt es sich um Kautabletten, die ohne Wasser eingenommen werden können. Das sollten Sie jedoch besser nicht tun – vor allem dann nicht, wenn Sie einen empfindlichen Magen haben. Wenn Sie die Tabletten nicht fein zerkauen, besteht die Gefahr, dass sich größere Tablettenteile in Speiseröhre und Magen festsetzen und der Wirkstoff dort die Schleimhäute direkt reizt.

Aspirin Effect: Das Granulat löst sich rasch auf, wenn es auf die Feuchtigkeit im Mund trifft. Wasser kann dennoch nachgetrunken werden, z. B. wenn dem Geschmack und der starken Schaumbildung etwas entgegengesetzt werden soll.

Fieber und Migräne und Schmerzen

Mit drei Gramm ASS ist die Tageshöchstdosis erreicht. Die ersten Anzeichen einer Vergiftung sind meist Schwindel und Ohrensausen.

Ohne Rücksprache mit einem Arzt soll das Mittel nicht länger als drei Tage in Folge angewendet werden.

Arterielle Durchblutungs­störungen

Sie nehmen täglich 75 bis 300 Milligramm (in der Regel 100 Milligramm) Acetylsalicylsäure ein. Die Wirkung tritt sehr schnell – bereits nach 30 bis 60 Minuten – ein und hält nach dem Absetzen noch vier bis acht Tage an. Wenn Sie die Mittel auf Dauer nehmen müssen, sollte dies immer im Rahmen einer ärztlichen Behandlung erfolgen.

Achtung

Fieber und Migräne und Schmerzen

Etwa sieben Tage vor einer Zahnbehandlung oder einer geplanten Operation sollten Sie kein ASS einnehmen. Schon eine einzige Tablette kann die Zeit, bis das Blut gerinnt, erheblich verlängern.

Wenn Sie ungeplant operiert werden oder Ihnen aus anderen Gründen eine Injektion verabreicht wird, etwa im Fall von Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall oder bei Gelenkinjektionen, müssen Sie Ihren Arzt darüber informieren, ob Sie ASS in den letzten Tagen eingenommen haben.

Migräne und Schmerzen

Wird Acetylsalicylsäure – insbesondere in Kombination mit Coffein – öfter als zehn Tage im Monat eingenommen, können Dauerkopfschmerzen entstehen. Auch das Risiko für Schäden an den Nieren steigt.

Arterielle Durchblutungs­störungen

Das Mittel hemmt die Blutgerinnung. Bei Verletzungen kann es daher länger dauern, bis sich die Wunde schließt. Wenn aus unklarer Ursache Blutungen auftreten, sollten Sie baldmöglichst einen Arzt aufsuchen.

Vor einer geplanten Operation oder einem zahnärztlichen Eingriff kann es notwendig sein, das Mittel etwa sieben Tage vorher abzusetzen. Besprechen Sie das mit dem Arzt. Wenn er es für zu riskant hält, die Blutgerinnung nicht mehr zu hemmen, kann es sinnvoll sein, den operativen Eingriff so lange zu verschieben, bis Sie das Mittel absetzen können, ohne dass die Gefahr für ein Blutgerinnsel steigt.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Acetylsalicylsäure nicht anwenden:

  • Sie haben ein akutes Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür.
  • Sie neigen aufgrund einer Veranlagung oder Krankheit zu Blutungen.
  • Sie haben eine schwere Herzschwäche, die medikamentös nicht ausreichend behandelt wird.
Fieber und Migräne und Schmerzen
  • Sie nehmen Methotrexat (bei entzündlichem Rheuma, Krebserkrankungen) in einer Dosierung von mehr als 20 Milligramm pro Woche ein.
  • Nach der Anwendung von Salicylaten oder NSAR haben Sie bereits einmal einen Asthmaanfall erlitten, allergische Hautreaktionen oder einen allergischen Schnupfen gehabt. Dann sind nach der Anwendung von ASS die gleichen Reaktionen zu befürchten.
  • Sie nehmen gerinnungshemmende Medikamente (bei erhöhter Thrombosegefahr) ein.
Arterielle Durchblutungs­störungen

Sie nehmen Methotrexat (bei entzündlichem Rheuma, Krebserkrankungen) in einer Dosierung von 15 Milligramm oder mehr pro Woche ein.

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von ASS sorgfältig abwägen:

  • Sie hatten in der Vergangenheit ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür.
  • Ihre Nieren oder Ihre Leber funktionieren nur eingeschränkt.
  • Sie haben Bronchialasthma oder Nasenpolypen oder neigen zu Allergien.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Wird ASS zusammen mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR, bei Gelenkerkrankungen, Schmerzen, Fieber) angewendet, steigt das Risiko für Schäden am Magen, in deren Folge Blutungen auftreten können. Dann kann die zusätzliche Gabe von Mitteln, die die Produktion von Magensäure hemmen oder blockieren, sinnvoll sein.
  • Cortisonhaltige Mittel (Glucocorticoide, bei Entzündungen, Immunreaktionen) als Tabletten, Spritzen oder Infusionen können die schädliche Wirkung von ASS auf den Magen ebenfalls verstärken. Dann steigt das Risiko für Blutungen.
  • ASS kann die Wirkung von Valproinsäure (bei Epilepsien) verstärken. Bei Daueranwendung von ASS steigt deshalb das Risiko für unerwünschte Wirkungen des Epilepsiemittels. Eventuell muss der Arzt dann die Konzentration des Epilepsiemittels im Blut bestimmen und die Dosierung entsprechend verringern.
  • Wenn Sie Acetylsalicylsäure zusammen mit Clopidogrel oder Tiklopidin einnehmen oder wenn Ihnen Heparin (bei Thrombosen und Venenerkrankungen) gespritzt wird, verstärkt sich die Blutungsneigung.
  • Wenn Sie ASS zusammen mit SSRI einnehmen (z. B. Fluoxetin bei Depressionen), kann sich das Risiko für Magenblutungen erhöhen.
Fieber und Migräne und Schmerzen
  • ASS kann die Wirkung von blutdrucksenkenden Mitteln vermindern.
  • Bei einer Dosierung von mehr als zwei Gramm Acetylsalicylsäure am Tag sollten Sie nicht gleichzeitig Acetazolamid (Tabletten bei grünem Star) einnehmen. Andernfalls können Verwirrtheitszustände, Bewusstseinsstörungen, Tinnitus und Kopfschmerzen auftreten.
  • Durch Acetylsalicylsäure senken Benzbromaron und Probenezid (bei Gicht) den Harnsäuregehalt im Blut weniger stark. Sie sollten diese Wirkstoffe nicht gleichzeitig anwenden.
Arterielle Durchblutungs­störungen
  • Ibuprofen (bei Schmerzen, Arthrose) kann die blutgerinnungshemmende Wirkung von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure beeinträchtigen und so die Schutzwirkung auf Herz und Kreislauf möglicherweise verringern. Bei gelegentlicher Einnahme ist das kein Problem. Ist bei Arthrose eine länger andauernde entzündungshemmende Behandlung erforderlich, sind Mittel mit Diclofenac vorzuziehen.
  • Wenn gleichzeitig Metamizol als Schmerzmittel über längere Zeit eingesetzt wird, kann das die vorbeugende Wirksamkeit von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure vermindern. Es wird empfohlen möglichst auf andere Schmerzmittel auszuweichen oder Metamizol erst eine halbe Stunde nach der ASS-Einnahme anzuwenden.  

Unbedingt beachten

Fieber und Migräne und Schmerzen

Acetylsalicylsäure kann die Wirkung von Methotrexat (bei Rheuma, Krebserkrankungen) erheblich verstärken. Beide Mittel dürfen Sie deshalb nicht gleichzeitig anwenden, wenn Sie mehr als 20 Milligramm Methotrexat pro Woche bekommen.

ASS verstärkt die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin sowie von Thrombozytenfunktionshemmern wie Clopidogrel, Prasugrel und Ticlopidin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Diese Wechselwirkung ist von der ASS-Dosierung abhängig. Bei der Menge, die für eine Schmerzbehandlung notwendig ist, ist sie besonders ausgeprägt. Wenn Sie die genannten Wirkstoffe einnehmen, dürfen Sie daher ASS nicht gleichzeitig als Schmerzmittel anwenden. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Schmerzen

ASS kann in einer Dosierung von mehr als zwei bis drei Gramm pro Tag die Wirkung von Sulfonylharnstoff-Tabletten und von Insulin (bei Typ-2-Diabetes) verstärken. Dann werden Unterzuckerungen wahrscheinlicher. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutzuckersenkung: verstärkte Wirkung.

Arterielle Durchblutungs­störungen

In Kombination mit Mitteln zur Blutverdünnung wie Phenprocoumon und Warfarin (bei erhöhter Thrombosegefahr) verstärkt sich die gerinnungshemmende Wirkung. Dadurch erhöht sich das Risiko für innere Blutungen. Dies gilt auch, wenn ASS gemeinsam mit einem anderen gerinnungshemmenden Mittel wie Dabigatran, Rivaroxaban und Apixaban oder zusammen mit Heparinen (z. B. Enoxaparin), NSAR (z. B. Ibuprofen und Diclofenac, bei rheumatischen Erkrankungen, Schmerzen) angewendet werden. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Auch pflanzliche Mittel können die Blutgerinnung beeinflussen, vor allem Mittel mit Knoblauch- und Ginkgoextrakt. Wenn Sie solche Mittel gleichzeitig einnehmen, sollte die Blutgerinnung kontrolliert werden.

Acetylsalicylsäure kann die Wirkung von Methotrexat (bei Rheuma, Krebs) erheblich verstärken. Beide Mittel dürfen Sie deshalb nicht gleichzeitig anwenden, wenn Sie 15 Milligramm oder mehr Methotrexat pro Woche bekommen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Größere Mengen oder regelmäßiger Konsum von Alkohol können die schädliche Wirkung von Acetylsalicylsäure auf den Magen verstärken. Dann steigt das Risiko für Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre und -blutungen.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Fieber und Migräne und Schmerzen

Bei mehr als 10 von 100 Behandelten treten Magenschmerzen, Aufstoßen, Übelkeit und Durchfall auf. Wenn Sie das Schmerzmittel absetzen, legen sich diese Beschwerden wieder.

Arterielle Durchblutungs­störungen

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kann die verstärkte Blutungsneigung dazu führen, dass bei Stößen und Prellungen leicht blaue Flecken entstehen und dass es aus Einstichstellen (bei Injektionen), bei Verletzungen oder nach operativen Eingriffen länger blutet.

Mehr als 1 von 100 Behandelten klagen über Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Halten die beschriebenen Magenbeschwerden an, sollten Sie sich an einen Arzt wenden. Es könnte sein, dass sich ein Magengeschwür gebildet hat. Schäden in der Magenschleimhaut und Magengeschwüre können auch vorkommen, ohne Schmerzen zu bereiten. Aus solchen Stellen kann es immer wieder bluten. Das geronnene Blut verfärbt den Stuhl auffällig dunkel. Dann sollten Sie möglichst bald einen Arzt aufsuchen.

Ein anhaltender geringfügiger Blutverlust kann auch unbemerkt bleiben, sodass sich im Lauf der Zeit eine Blutarmut ausbildet. Sie äußert sich mit Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, rascher Ermüdbarkeit, eventuell auch rauer und rissiger Haut sowie brüchigen Nägeln. Bei solchen Symptomen sollten Sie ebenfalls einen Arzt aufsuchen.

Die Zeit, bis das Blut gerinnt, verlängert sich. Dann blutet es z. B. nach einem Schnitt in den Finger länger als sonst. Bemerken Sie kleine rote Punkte in der Haut, kann es sich um Einblutungen handeln, die der Arzt beurteilen sollte.

Sofort zum Arzt

Wenn plötzlich heftige Bauchschmerzen einsetzen, die bis in den Rücken ausstrahlen, oder wenn Sie gar Blut erbrechen müssen, ist davon auszugehen, dass es aus einem Magengeschwür stark blutet, möglicherweise hat es sogar schon die Magenwand durchbrochen. Dann müssen Sie sofort den Notarzt (Telefon 112) rufen. Solche schweren Nebenwirkungen können auch auftreten, wenn Sie täglich nur 100 Milligramm ASS einnehmen (z. B. um einem erneuten Herzinfarkt vorzubeugen).

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel oder Schleimhautschwellungen im Gesicht auftreten, müssen Sie die Einnahme sofort stoppen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann. Eine solche Überempfindlichkeit tritt bei Menschen häufiger auf, die unter Nasenpolypen, Nesselsucht oder Asthma leiden und die auf Alkohol, Farbstoffe oder Lebensmittelzusätze allergisch reagieren.

Hörstörungen, Ohrgeräusche, Schwindel und Zustände wie im Delirium (Bewusstseinsstörungen, keine zeitliche und räumliche Orientierung, Sehen von Trugbildern, Schwitzen, Zittern und Unruhe) lassen vermuten, dass ASS zu hoch dosiert wurde. In diesem Fall sollten Sie sich oder Ihre Angehörigen sofort an einen Arzt wenden.

Fieber und Migräne und Schmerzen

Anhaltende Nierenschmerzen, eine plötzlich verringerte Urinmenge oder Blut im Urin sollten Sie sofort zum Arzt führen. Es besteht der Verdacht, dass die regelmäßige Einnahme von ASS eine Schmerzmittelniere ausgelöst hat, die zum Nierenversagen führen kann. Ab welcher Menge ASS einen solchen Nierenschaden auslöst, ist noch nicht sicher; er wird aber wahrscheinlich, wenn die Nierendurchblutung verringert ist. Das ist vor allem dann der Fall, wenn ASS mit anderen Schmerzmitteln kombiniert eingenommen wird.

Arterielle Durchblutungs­störungen

Besonders wenn Sie zwei Thrombozytenfunktionshemmer gleichzeitig einnehmen, in der Regel ASS und Clopidogrel, Prasugrel (oder auch den neuen Wirkstoff Ticagrelor), kann es zu Einblutungen in das Gehirn kommen. Anzeichen dafür sind unter anderem eine halbseitige Lähmung von Arm und Bein, ein einseitig herabhängender Mundwinkel, plötzlich auftretende Kopfschmerzen und/oder Schwindel, Sprachstörungen, Sehstörungen bis hin zu Bewusstseinstrübung oder gar Bewusstlosigkeit. Dann muss sofort ein Notarzt (Telefon 112) gerufen werden.

Wenn bereits eine Nierenfunktionsstörung besteht, kann sich die Nierentätigkeit weiter verschlechtern. Wenn Sie Wassereinlagerungen bemerken oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen haben, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Acetylsalicylsäure darf bei Kindern unter zwölf Jahren nicht angewendet werden. Vor allem wenn sie einen Virusinfekt wie eine Grippe oder Windpocken haben, besteht das seltene Risiko, dass ASS ein Reye-Syndrom auslöst, bei dem schwere Leber- und Hirnschäden möglich sind. Erstes Symptom ist langanhaltendes Erbrechen; später ist das Kind nur noch schlecht ansprechbar und hat Zustände wie im Delirium (Bewusstseinsstörungen, keine zeitliche und räumliche Orientierung, Sehen von Trugbildern, Schwitzen, Zittern und Unruhe). Rufen Sie bei solchen Anzeichen sofort den Arzt. Diese Nebenwirkung kann zum Tod führen.

Lediglich die Schwere bestimmter Erkrankungen (z. B. Kawasaki-Syndrom, eine schwere entzündliche Erkrankung des Lymphsystems im frühen Kindesalter) kann es in Einzelfällen notwendig machen, ASS auch bei jüngeren Kindern anzuwenden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Migräne

Jede Art von Migränemedikament sollte während der Schwangerschaft nur eingenommen werden, wenn es wirklich erforderlich ist.

Fieber und Migräne und Schmerzen

Während der Schwangerschaft sollten Sie Schmerzmittel nur einnehmen, wenn es wirklich erforderlich ist. ASS gehört allerdings nicht zu den bevorzugten Schmerzmitteln; Sie sollten es möglichst meiden. Dennoch brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, wenn Sie in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln einmal zu ASS gegriffen haben. Haben Sie hingegen während des letzten Schwangerschaftsdrittels regelmäßig ASS in der Dosierung eingenommen, wie sie bei Schmerzen üblich ist, sollte beim Kind die Verbindung zwischen Haupt- und Lungenschlagader mittels Ultraschall kontrolliert werden.

Während der Stillzeit wird die gelegentliche Einnahme von maximal 1 500 Milligramm ASS pro Tag als vertretbar angesehen.

Zur Akutbehandlung von Schmerzen oder Fieber werden in der Schwangerschaft in erster Linie Mittel empfohlen, die entweder nur Ibuprofen oder nur Paracetamol enthalten. Ibuprofen darf allerdings nur in den ersten sechs Schwangerschaftsmonaten angewendet werden. Bei Paracetamol gibt es zwar keine zeitliche Begrenzung, doch wird aktuell diskutiert, ob sich seine Anwendung auf das Kind auswirken kann. Auch während der Stillzeit werden Ibuprofen und Paracetamol bevorzugt empfohlen.

Arterielle Durchblutungs­störungen

Während der gesamten Zeit der Schwangerschaft sollten Sie wegen der Gefahr von Blutungen keine Acetylsalicylsäure einnehmen. Erfordert es aber die Gesundheit der werdenden Mutter, kann ASS in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln in niedriger Dosierung verabreicht werden, da die bisherigen Erfahrungen keinen Hinweis auf etwaige Schäden am Ungeborenen geben. Im letzten Schwangerschaftsdrittel eingenommen, kann ASS aufgrund einer Wehenhemmung die Geburt verzögern. Darüber hinaus kann sich beim Kind die Verbindung zwischen Haupt- und Lungenschlagader vorzeitig schließen, was den Kreislauf des Kindes stark belastet.

ASS geht in die Muttermilch über, bisher sind jedoch keine Hinweise auf Schädigungen bekannt geworden, wenn die Dosierung 150 Milligramm ASS pro Tag nicht überschreitet.

Für ältere Menschen

Bei Menschen über 60 Jahre ist das Risiko für Magen-Darm-Blutungen erhöht. Bei jedem zweiten über 70-Jährigen wird Acetylsalicylsäure verzögert abgebaut und ausgeschieden. Für diese Personen genügt eine geringere Dosis, andernfalls ist mit vermehrten und schwereren unerwünschten Wirkungen zu rechnen. Da aber kaum jemand weiß, ob er zu diesem Personenkreis gehört, empfiehlt es sich für ältere Menschen generell, von Acetylsalicylsäure eine geringere Dosis (maximal 100 Milligramm pro Tag) einzunehmen.

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