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Acetylcholinesterasehemmer: Rivastigmin

Wirkungsweise

Rivastigmin verlangsamt das Fortschreiten der Demenz. Darüber hinaus kann es die Fähigkeit der Betroffenen verbessern, im Alltag zurechtzukommen. Die Studien, in denen diese positiven Wirkungen ermittelt wurden, dauerten allerdings längstens ein halbes Jahr und wurden von relativ vielen Teilnehmenden nicht zu Ende geführt. Vermutlich haben die unerwünschten Wirkungen sie zum Abbruch veranlasst. Rivastigmin gibt es auch als Pflaster, aus dem der Wirkstoff ins Blut gelangt. Ob es ebenso gut wirkt wie Mittel zum Einnehmen, ist jedoch nicht ausreichend nachgewiesen.

Bei Alzheimer-Demenz nehmen vor allem solche Nervenzellen Schaden, deren Reizübertragung durch den Botenstoff Acetylcholin vermittelt wird. Das bestimmt die nachlassende Gehirnleistung maßgeblich mit. Dieses Wissen hat zu der Idee geführt, Acetylcholinesterasehemmer zur Behandlung der Erkrankung einzusetzen. Rivastigmin gehört zu dieser Wirkstoffgruppe. Die Stoffe hemmen das Enzym, das Acetylcholin abbaut, und sorgen so dafür, dass dem Gehirn mehr von diesem Botenstoff zur Verfügung steht.

Acetylcholinesterasehemmer wie Rivastigmin können den Untergang von Nervenzellen im Gehirn nicht stoppen, allenfalls verzögern. Bisher ließ sich nur nachweisen, dass die Denk- und Merkfähigkeit etwas langsamer schwindet als bei den Kranken, die nicht behandelt wurden.

Insgesamt gilt für Rivastigmin, dass sich zwar Hinweise auf eine hilfreiche Wirkung finden ließen, doch die gemessenen Effekte sehr gering sind. Es ist zweifelhaft, ob die Kranken selbst oder ihre Angehörigen sie überhaupt als Verbesserung wahrnehmen können.

Weiterhin ist offen, ob die Anwendung von Rivastigmin tatsächlich dazu führt, dass die Betroffenen später in eine Pflegeeinrichtung überwechseln müssen als dies ohne Medikamente der Fall wäre – für Betroffene und Angehörige ein wichtiges Kriterium.

Da aber angesichts der sonst unaufhaltsam fortschreitenden Verschlechterung und der zunehmenden Hilfsbedürftigkeit der Betroffenen selbst ein bescheidener Nutzen bereits als Vorteil gilt, wird das Mittel als "mit Einschränkung geeignet" beurteilt.

Anwendung

Die Behandlung sollte nur erfolgen, wenn eine Bezugsperson des Kranken die regelmäßige Anwendung sicherstellt.

Rivastigmin zum Einnehmen wird in den ersten beiden Wochen mit zweimal täglich 1,5 Milligramm dosiert. Wenn nötig, kann im Abstand von mindestens zwei Wochen die Dosis auf zweimal täglich 3, dann 4,5 und 6 Milligramm gesteigert werden.

Eine Behandlung mit Rivastigminpflastern beginnt mit dem Produkt, das in 24 Stunden 4,6 Milligramm Wirkstoff abgibt. Nach mindestens vier Wochen kann die Dosis auf 9,5 Milligramm in 24 Stunden gesteigert werden. Das setzt voraus, dass der Arzt findet, dass der Patient das Mittel gut verträgt und es ihm nützt.

Bei der Pflasteranwendung ist unbedingt zu beachten, dass pro Tag nur ein Pflaster aufgeklebt werden darf. Außerdem muss das Pflaster vom Vortag von der Haut abgezogen werden, bevor ein neues Pflaster aufgeklebt wird. Werden diese Hinweise nicht befolgt, kann es zur Überdosierung von Rivastigmin kommen.

Näheres zur korrekten Anwendung von Arzneipflastern lesen Sie unter Arzneipflaster richtig anwenden.

Wird die Behandlung für mehrere Tage unterbrochen, muss sie wieder wie zu Beginn aufgebaut werden.

Bei folgenden Bedingungen sollte die Behandlung beendet werden:

  • Die unerwünschten Wirkungen sind sehr belastend.
  • Nach drei bis sechs Monaten Behandlung nimmt die geistige Leistungsfähigkeit ebenso oder sogar noch schneller ab als vor der Behandlung oder das Befinden des Kranken verschlechtert sich deutlich.
  • In einer medikamentenfreien Zeit nehmen die Beschwerden nicht erkennbar zu.
  • Die Betroffenen werden bettlägerig und sind zu einem Gespräch nicht mehr in der Lage.
  • Sie erreichen das Stadium einer schweren Demenz.

Gegenanzeigen

Rivastigmin darf bei schwerer Leberfunktionsstörung nicht angewendet werden.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen:

  • Die Reizleitung des Herzens ist gestört (Sick-Sinus-Syndrom). Dann kann sich der Herzschlag gefährlich verlangsamen (Bradykardie).
  • Der Kranke hat oder hatte ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür, eine Verengung im Magen-Darm-Trakt oder eine Operation in diesem Bereich.
  • Es liegt Asthma oder eine andere Erkrankung vor, bei der die Atemwege chronisch verengt sind.
  • Die ableitenden Harnwege (Nierenbecken, Harnblase und Harnröhre) sind verengt oder der Betroffene hat sich einer Blasenoperation unterzogen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn noch andere Medikamente angewendet werden, ist zu beachten:

  • In Kombination mit Betablockern können Herzrhythmusstörungen auftreten und der Herzschlag kann sich verlangsamen.
  • Durch das Mittel können Scopolamin (bei Reisekrankheit), Fesoterodin, Oxybutynin und Tolterodin (bei Inkontinenz) sowie Biperiden und Bornaprin (bei Parkinsonkrankheit) schwächer wirken.

Nebenwirkungen

Bei Rivastigmin fällt es nicht leicht zu beurteilen, was eine unerwünschte Wirkung und was Symptom der Erkrankung ist, da sich beides sehr ähneln kann.

Keine Maßnahmen erforderlich

Rivastigmin verursacht vermehrtes Schwitzen.

Durch das Pflaster rötet sich die Haut häufig an der Stelle, wo es aufgeklebt ist, und juckt. Normalerweise verschwinden diese Hautirritationen innerhalb von 24 Stunden, nachdem das Pflaster entfernt wurde.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, handelt es sich wahrscheinlich um eine allergische Reaktion. Sie tritt vereinzelt auf. Von solchen Hauterscheinungen sollten Sie einem Arzt berichten.

Schwindel kann einsetzen, bei dem das unangenehme Gefühl besteht, dass sich alles dreht, schwankt oder kippt; dieses kann mit Übelkeit verbunden sein. Das trifft mehr als 10 von 100 Behandelten. Wiederholen sich die Beschwerden, nehmen sie zu oder halten sie an, sollte das innerhalb von ein bis drei Tagen ein Arzt kontrollieren.

Es können psychische Störungen auftreten, bei denen 1 bis 10 von 100 der Behandelten zeitlich und örtlich desorientiert ist. Der Betroffene hört oder sieht befremdliche Dinge, die andere Menschen nicht bemerken (Halluzinationen), und entwickelt das Gefühl, beobachtet und kontrolliert zu werden. Berichtet der Kranke Derartiges, sollte die Betreuungsperson im Laufe des nächsten Tages mit dem Arzt Kontakt aufnehmen. Allerdings ist es sehr schwierig herauszufinden, ob diese Symptome auf der Demenzerkrankung beruhen oder eine unerwünschte Arzneiwirkung sind.

Der Herzschlag kann sich bei 1 bis 10 von 100 Behandelten verlangsamen; auch die Erregungsleitung im Herzen kann gestört sein. Hinweise dafür sind Müdigkeit, Schwindel- und Schwächegefühl sowie verminderte Leistungsfähigkeit. Beim Verdacht auf Herzprobleme beim Kranken sollte ein Arzt verständigt werden.

Bis zu 10 von 100 Kranken verlieren an Gewicht. Wenn das zum Problem wird, sollte der Arzt zurate gezogen werden. Mit der gleichen Häufigkeit tritt Zittern auf.

Bei jedem 10 000. verschlechtert sich eine eventuell bestehende Parkinsonkrankheit.

Häufiger Harndrang, Brennen der Harnröhre und Schmerzen beim Wasserlassen deuten auf einen Harnwegsinfekt hin. Das muss vom Arzt behandelt werden. Wiederholen sich solche Entzündungen, sollte die Betreuungsperson mit dem Arzt besprechen, ob zu einem anderen Medikament gewechselt werden kann.

Rivastigminpflaster: Verschwinden die Hautirritationen nicht innerhalb von 24 Stunden nach dem Entfernen des Pflasters oder kommt es zu Schwellungen, starker Rötung oder starkem Juckreiz, muss der Arzt entscheiden, ob die Pflaster weiter angewendet werden dürfen.

Sofort zum Arzt

1 bis 10 von 10 000 Behandelten können kurzzeitig bewusstlos werden und umfallen, weil sie Herzrhythmusstörungen bekommen. Dann sollte umgehend der Arzt benachrichtigt werden.

Neu auftretende oder verstärkte Magenbeschwerden oder eine Schwarzfärbung des Stuhls deuten auf Blutungen und Geschwüre im Magen-Darm-Trakt hin. Das tritt bei 1 bis 10 von 10 000 Behandelten auf. Je nachdem, wie stark die Symptome sind, sollte der Arzt darüber umgehend bis innerhalb von 24 Stunden informiert werden.

Schmerzen hinter dem Brustbein, die ausstrahlen können, Angst, Unruhe, Atemnot, Blässe und Schweißausbrüche deuten auf einen Angina-Pectoris-Anfall hin (1 bis 10 von 10 000). Treten die Beschwerden erstmals auf, sollte umgehend der behandelnde Arzt informiert werden. Besteht bereits eine Angina Pectoris, sollte der Arzt benachrichtigt werden, wenn sich die Anfälle häufen oder länger andauern.

Besondere Hinweise

Zur Verkehrstüchtigkeit

Aufgrund der unerwünschten Wirkungen beeinträchtigt das Mittel die Teilnahme am Straßenverkehr.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs