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Immunsuppressivum: Abatacept

Wirkungsweise

Abatacept wirkt auf das Immunsystem. Es ist ein biologisches Basismedikament zur Behandlung einer rheumatoiden Arthritis. Der Wirkstoff unterdrückt die Aktivierung bestimmter Immunzellen, T-Zellen. Aktivierte T-Zellen sind an der Entwicklung von Entzündungen und Gelenkschäden bei rheumatoider Arthritis beteiligt. Testergebnis Abatacept

Durch die Behandlung mit Abatacept verbessern sich die Beschwerden einer rheumatoiden Arthritis und das Fortschreiten der Erkrankung kann sich verlangsamen. Das Mittel wird gemeinsam mit Methotrexat zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis eingesetzt.

Die therapeutische Wirksamkeit von Abatacept ist nachgewiesen. Werden Patienten mit Abatacept und Methotrexat behandelt, verringern sich nach einem Jahr bei 37 von 100 Patienten die Krankheitsbeschwerden um mindestens die Hälfte. Wird nur Methotrexat verwendet, ist dies bei 17 von 100 der Fall.

Ob Abatacept in Kombination mit Methotrexat bei rheumatoider Arthritis besser wirkt als eine Kombination aus Methotrexat und einem TNF-alpha-Hemmstoff (z. B. Adalimumab, Infliximab) oder auch als andere Mittel wie Tocilizumab oder einer der in der Arzneimitteldatenbank Medikamente im Test besprochenen Januskinasehemmstoffe (Baricitinib, Tofacitinib) ist mangels ausreichender Daten unklar. Zwar wurden Studien durchgeführt, in denen Betroffene auch mit einem TNF-alpha-Wirkstoff behandelt wurden. Die Ergebnisse dieser Studien sind aber uneinheitlich und es lässt sich daraus nicht sicher ableiten, ob Abatacept ebenso gut wirkt wie TNF-alpha-Hemmstoffe oder Vorteile bietet.

Lediglich ein indirekter Vergleich (das bedeutet, dass die beiden Wirkstoffe nicht direkt in einer Studie vergleichend untersucht wurden, sondern dass die Ergebnisse von Studien mit den beiden Mitteln, in denen diese jeweils im Vergleich zu einem Scheinmedikament geprüft wurden, indirekt vergleichend betrachtet werden) gibt Hinweise, dass Abatacept gegenüber Tocilizumab Vorteile bei der therapeutischen Wirksamkeit und Verträglichkeit bieten könnte.

Wie Abatacept im Vergleich zu dem Januskinasehemmstoff Baricitinib abschneidet, ist nicht untersucht. Nach einer Untersuchung an Patienten, die mit einem TNF-alpha-Hemmstoff nur unzureichend behandelt werden konnten, wirkt ein anderer Vertreter der Januskinasehemmer wohl besser als Abatacept, ist dafür aber auch mit einem höheren Risiko für unerwünschte Wirkungen verbunden.

Wenn Methotrexat oder ein TNF-alpha-Hemmstoff die Beschwerden einer rheumatoiden Arthritis nicht ausreichend lindern kann, ist Abatacept "auch geeignet". Es kann dann kombiniert mit Methotrexat als Alternative zur Kombination eines TNF-alpha-Hemmstoffes und Methotrexat eingesetzt werden.

Anwendung

Abatacept muss einmal in der Woche gespritzt werden. Die erste Dosis kann vom Arzt über eine Infusion in die Vene (intravenös) oder als Injektion unter die Haut (subcutan) verabreicht werden.

Alle weiteren Injektionen können Sie sich nach einer entsprechenden Einführung selbst unter die Haut spritzen. Achten Sie darauf, dass Sie die Spritze an unterschiedlichen Körperstellen verabreichen. Keinesfalls dürfen Sie das Mittel in die Haut injizieren, wenn die Stelle bereits gerötet, empfindlich oder verhärtet ist.

Kommt es innerhalb von sechs Behandlungsmonaten zu keiner ausreichenden Linderung der Beschwerden, sollte das Mittlel nicht weiter angewendet werden.

Achtung

Bevor die Behandlung beginnt, sollte Ihr Impfstatus überprüft und alle notwendigen Impfungen aufgefrischt werden.

Eine Impfung mit einem Lebendimpfstoff (z. B. gegen Masern, Röteln, Mumps, Windpocken) sollten Sie während und in den ersten drei Monaten nach der Behandlung nicht bekommen. Bei dem durch Abatacept geschwächten Abwehrsystem kann der Lebendimpfstoff zu der Infektion führen, gegen die geimpft werden soll.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Abatacept besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben eine Infektion. Die Behandlung sollte erst begonnen werden, wenn die Infektion ausgeheilt ist. Grundsätzlich darf Abatacept nicht angewendet werden, wenn Sie akut an einer schweren Infektion leiden (z. B. Tuberkulose, Blutvergiftung). Das Mittel hemmt die Immunantwort.
  • Sie hatten schon einmal ein Lymphom oder eine andere Krebserkrankung wie Hautkrebs oder Sie sind aufgrund individueller Umstände gefährdet, an Krebs zu erkranken, beispielsweise weil Sie stark rauchen oder an COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) leiden. Abatacept unterdrückt das Immunsystem und seine Langzeitverträglichkeit ist noch nicht ausreichend abschätzbar. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Mittel diese bösartigen Erkrankungen fördert.
  • Sie haben oder hatten wiederkehrende oder chronische Infektionen (z. B. Hepatitis B) oder bestimmte Umstände erhöhen bei Ihnen die Gefahr einer Infektion; dazu gehört auch ein schlecht eingestellter Diabetes.
  • Sie leiden an einer Funktionsstörung der Nieren oder der Leber. Für diese Patienten liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen vor.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Abatacept beeinträchtigt das Immunsystem. Sie sollten daher vorsichtshalber keine Medikamente gleichzeitig anwenden, die Hefepilze (Saccharomyces boulardii oder Saccharomyces cerevisiae, bei Durchfall) enthalten. In Einzelfällen sind bei gleichzeitiger Anwendung von Mitteln, die die Immunabwehr beeinträchtigen, und Mitteln mit Hefepilzen schwerwiegende innerliche Pilzerkrankungen aufgetreten.

Unbedingt beachten

Bei der gleichzeitigen Behandlung mit TNF-alpha-Hemmstoffen (z. B. Infliximab, bei rheumatoider Arthritis, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Schuppenflechte) können sich die Wirkungen auf das Immunsystem der Mittel addieren. Dann kann auch das Risiko für schwere Infektionen ansteigen. Auf eine Anwendung sollte möglichst verzichtet werden.

Nebenwirkungen

Abatacept hemmt die Aktivierung von Immunzellen, deshalb kann die Abwehr von bestimmten Infektionen, die Impfantwort oder die körpereigene Unterdrückung von Tumorerkrankungen abgeschwächt werden. Wie stark das Risiko durch das Mittel erhöht wird, kann nicht genau angegeben werden, da auch die Erkrankungen selbst, gegen die Abatacept eingesetzt wird, sowie andere zusätzlich zu deren Behandlung eingenommene Medikamente Einfluss auf das Immunsystem haben.

Da es nach Absetzen von Abatacept bis zu 14 Wochen dauert, bis der Wirkstoff vollständig abgebaut ist, können auch in dieser Zeit noch unerwünschte Wirkungen auftreten.

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen. Eine solche Veränderung kann ein Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein. Sie selbst bemerken davon in der Regel nichts, vielmehr fallen die Funktionsänderungen nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Behandlung hat, hängt sehr vom Einzelfall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man solche Leberwerte oft tolerieren und sie häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen und eventuell zu einem anderen Mittel wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten schmerzt die Injektionsstelle und/oder ist vorübergehend geschwollen oder juckt. Bei ebenso vielen treten Kopfschmerzen, Übelkeit und allgemeines Schwäche- und Müdigkeitsgefühl auf.

Bei etwa 1 von 100 Behandelten können Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit und Gelenkschmerzen sowie Haarausfall auftreten.

In aller Regel sind diese Beschwerden vor allem zu Beginn der Behandlung zu spüren.

Muss beobachtet werden

Abatacept vermindert die Abwehrkraft. Dadurch werden Sie anfälliger für Infektionen. Viren, die nach einer durchgemachten Infektion im Körper verbleiben (Windpockenvirus, Hepatitis-B-Viren, Herpesvirus) können reaktiviert werden.

Mehr als 10 von 100 Behandelten erkranken an Infektionen. Manche Infektionen können aber auch sehr schwerwiegend sein; dann muss die Behandlung abgebrochen werden.

Es können beispielsweise Blasenentzündungen, Erkältungen, Grippe, Herpes, Pilzbefall der Haut und der inneren Organe sowie bakterielle Hautausschläge auftreten. Die Symptome richten sich nach der Art der Krankheit. Bei einem entsprechenden Verdacht sollten Sie umgehend, spätestens am nächsten Tag den Arzt aufsuchen. Ansteigendes Fieber ist in jedem Fall ein Grund, rasch den Arzt aufzusuchen.

Bei der Behandlung mit Abatacept sollten Sie vor allem auf Probleme bei der Atmung achten und zwar insbesondere, wenn Sie bereits einmal eine Lungenerkrankung hatten. Solche Beschwerden können aber nicht nur auf eine Lungenentzündung hindeuten, sondern auch Ausdruck von Nebenwirkungen auf das Herz, das Immunsystem und verschiedene Körperfunktionen sein.

Wenn Sie merken, dass die Lymphknoten am Hals, in den Achselhöhlen oder im Lendenbereich geschwollen sind, kann dies Zeichen einer seltenen Krebserkrankung im Lymphsystem (Lymphom) sein, insbesondere bei einer länger andauernden Behandlung. Dann sollten Sie möglichst umgehend einen Arzt aufsuchen und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen.

Gerötete, juckende, schmerzende Augen können auf einer Entzündung der Bindehaut oder der Augen allgemein beruhen (bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten). Halten die Beschwerden an oder kehren sie wieder, sollten Sie einen Augenarzt aufsuchen. In Einzelfällen kann es sein, dass Sie nur noch verschwommen sehen oder das Gesichtsfeld eingeschränkt ist. Dann sollten Sie möglichst schnell zu einem Augenarzt gehen.

Das Mittel kann eine depressive Verstimmung auslösen. Wenn Sie bei sich selbst oder nahestehende Personen bei Ihnen ungewohnte Stimmungsschwankungen bemerken und Sie sich traurig und bedrückt fühlen, eventuell auch sehr unruhig und grundlos unzufrieden, sollten Sie mit dem Arzt, der Ärztin darüber sprechen. 

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen. Solche Hauterscheinungen treten bei 1 bis 10 von 100 Behandelten auf.

Während der Behandlung mit Abatacept kann es zu weißem Hautkrebs kommen. Wenn Sie Veränderungen oder Wucherungen an der Haut bemerken, sollten Sie sich baldmöglichst an einen Arzt wenden. Wenn sich das Hautbild unter der Behandlung verschlechtert oder sich erstmals Pusteln auf den Handflächen und Fußsohlen bilden, sollten Sie das Mittel nicht mehr anwenden und sich an Ihren Hautarzt wenden.

Sofort zum Arzt

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich längere Zeit schlapp und müde fühlen, blass sind oder Halsschmerzen, hohes, anhaltendes Fieber und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl haben oder Blutergüsse und Blutungen auftreten, kann es sich um eine Blutbildungsstörung handeln, die bedrohlich werden kann. Sie entwickelt sich bei etwa 1 von 1 000 Behandelten. Suchen Sie dann umgehend einen Arzt auf, lassen Sie das Blutbild kontrollieren und sich auf eine Infektion untersuchen.

Bei hohem Fieber sowie schwerem Krankheitsgefühl mit starkem Schwindel müssen sie sofort einen Arzt kontaktieren, da dies Zeichen einer sehr schwerwiegenden verlaufenden Infektion bis hin zu einer Blutvergiftung (Sepsis) sein könnte.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Frauen, die schwanger werden können, sollen aus Sicherheitsgründen während der Behandlung sowie noch 14 Wochen nach dem Absetzen des Mittels für einen sicheren Empfängnisschutz sorgen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Das Mittel ist für die Anwendung während einer Schwangerschaft oder der Stillzeit nur unzureichend untersucht. Da mögliche Auswirkungen auf das Kind nicht gut abschätzbar sind, wird eine Anwendung während dieser Zeiten nicht empfohlen.

Während der Stillzeit ist zu beachten, dass auch nach dem Absetzen von Abatacept das Kind noch 14 weitere Wochen nicht an die Brust gelegt werden soll.

Für eine erforderliche Behandlung stehen besser erprobte Basismedikamente zur Verfügung.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Für Kinder stehen Abatacept-Zubereitungen in geeigneter Dosierung zur Verfügung. Mit diesen kann das Mittel an Kinder über zwei Jahren verabreicht werden. Die anzuwendende Menge ist abhängig vom Körpergewicht und wird einmal wöchentlich unter die Haut gespritzt.

Für ältere Menschen

Insbesondere bei Menschen über 65 Jahre ist das Risiko für schwerwiegende Infektionen erhöht. Wenn während der Behandlung Infektionen auftreten, sollten Sie baldmöglichst einen Arzt aufsuchen und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen.

Beim Tragen von Kontaktlinsen

Während der Behandlung kann es zu trockenen Augen kommen, wodurch sich die Bindehaut entzünden kann. Dann sollten Sie auf Kontaktlinsen verzichten.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Sie sich während der Behandlung mit diesem Mittel müde, benommen oder schwindlig fühlen, sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten. Unter der Anwendung von Abatacept kann sich auch das Sehvermögen verschlechtern. Wenn Sie dies feststellen, sollten Sie einen Augenarzt aufsuchen und solange keinen gefährlichen Tätigkeiten nachgehen.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs