15.03.2019

Wechseljahre – bei Männern?

Das bekannteste Sexualhormon von Männern ist Testosteron. Dieses baut der Körper aus einer Vorstufe, dem Dehydroepiandrosteron (DHEA), auf. Testosteron trägt zur Lust auf Sex bei, zur Funktion der Sexualorgane und zur Ausprägung des männlichen Körperbaus. Die Produktion von Testosteron ist in einen Regelkreis zwischen Hirnanhangdrüse und Geschlechtsdrüsen eingebunden. Ein Hormon der Hirnanhangdrüse regt bestimmte Zellen in den Hoden an, Testosteron zu produzieren. Ist im Blut genügend Testosteron vorhanden, drosselt die Hirnanhangdrüse die Hormonproduktion; umgekehrt fördert sie sie, wenn der Testosteronspiegel sinkt.

Beide Substanzen, DHEA sowie Testosteron, werden mit der Verlockung beworben, den Alterungsprozess aufzuhalten und eine nachlassende Sexualfunktion zu verbessern. Die Idee, DHEA auf diese Weise einzusetzen, basiert darauf, dass man bei Menschen, die ein hohes Alter erreicht haben, einen relativ hohen DHEA-Blutspiegel festgestellt hat. Allerdings ließen sich in klinischen Untersuchungen keine nennenswerten Effekte durch die Zufuhr von DHEA feststellen. Die Einnahme von DHEA beeinflusst weder die Leistungsfähigkeit noch den Körperaufbau oder die Knochendichte. Die Ergebnisse waren so ernüchternd, dass die beteiligten Forscher weitere Studien für wenig erfolgversprechend hielten.

Der Einsatz von Testosteron ist eine Analogie zur Östrogenanwendung bei Frauen in den Wechseljahren. Ab dem 40. Lebensjahr beginnt bei Männern der Testosteronspiegel im Blut abzusinken. Doch ihre hormonelle Situation unterscheidet sich in vielem von der der Frauen: Die Hormonreduktion geschieht ganz allmählich. Ein Komplex aus Beschwerden und Symptomen, der auf die nachlassende Hormonkonzentration zurückzuführen ist, ist bisher nicht bekannt. Damit ist das "Klimakterium virile" – die "Wechseljahre des Mannes" – ein erfundenes Anwendungsgebiet für Medikamente. Der Nutzen einer Anwendung von Testosteron ließ sich bisher nicht nachweisen. Eine Studie an relativ wenigen Männern, die das Hormon in geringer Dosierung für zwei Jahre verabreicht bekamen, ergab keinen Anhaltspunkt für eine Verbesserung altersbedingter Körpervorgänge. Aussagekräftige Ergebnisse zu Testosteron in höherer Dosierung liegen nicht vor.

Demgegenüber gibt es aber ernstzunehmende Hinweise darauf, dass die dauerhafte Anwendung von Testosteron bei älteren Männern mit verschiedenen chronischen Erkrankungen schwerwiegende Schadwirkungen nach sich ziehen kann. Diese betreffen vor allem das Herz. Außerdem ist nicht auszuschließen, dass die Anwendung von Testosteron eine Prostatavergrößerung verstärken oder die Zahl der Krebserkrankungen dieses Organs erhöhen kann. Aussagekräftige Studiendaten gibt es dazu jedenfalls nicht. Solange mögliche Risiken nicht ausgeschlossen werden können, wird von der Anwendung von DHEA oder Testosteron im Zusammenhang mit den genannten, nicht zu begründenden Anwendungsgebieten abgeraten.

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