15.04.2019
Depressionen

Allgemeine Maßnahmen

Menschen mit Depressionen brauchen Gesprächspartner, die ihnen zu verstehen geben, dass sie ihren Zustand nicht verschuldet haben, sondern dass sie von einer Krankheit erfasst worden sind, die fachgerecht behandelt werden muss. Gut gemeinte Ratschläge, wie mal wieder auszuspannen, sind ebenso sinnlos oder sogar gefährlich wie die Aufforderung, sich zusammenzureißen. Die Betroffenen brauchen vielmehr Entlastung von ihren alltäglichen Verpflichtungen und das Gefühl, dass sie von jemandem, der keine Forderungen an sie stellt, verstanden und nicht allein gelassen werden. Manchmal hilft bereits eine solche Begleitung, die Auslöser zu erkennen, zu bewältigen und zu normalem Erleben und Verhalten zurückzufinden.

Psychotherapien sind bei Depressionen akzeptierte Behandlungsformen. Sie können bei leichten und mittelschweren Erkrankungen eine Alternative zur Behandlung mit Medikamenten sein. Werden bei einer schweren Depression beide Behandlungsarten kombiniert, unterstützen sie sich gegenseitig in ihrer Wirksamkeit.

Die gesetzlichen Krankenversicherungen Deutschlands haben festgelegt, für welche Psychotherapieformen sie im ambulanten Rahmen die Kosten übernehmen: die kognitive Verhaltenstherapie und psychodynamische Psychotherapien.

Eine sehr sorgfältig durchgeführte Studie konnte zeigen, dass mäßige bis schwere depressive Episoden mit einer kognitiven Therapie ebenso erfolgreich behandelt werden können wie mit einer kontinuierlichen medikamentösen Therapie. Die Psychotherapie besserte die akute Episode in gleichem Maß wie die medikamentöse Therapie. Nach zwei Jahren waren allerdings entschieden mehr Personen, die eine kognitive Therapie erhalten hatten, rückfallfrei gegenüber denen, die nur mit Medikamenten behandelt wurden. Auch eine achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie kann helfen, Rückfälle in die Depression zu vermeiden. Hierbei lernen die Patienten zusätzlich, ihre Aufmerksamkeit gezielt auf die Wahrnehmung ihres Körpers zu richten.

Als Eigenmaßnahme können mäßige bis intensive sportliche Aktivität und Yoga die Symptome einer Depression verringern.

Des Weiteren können länger dauernde, sanfte Massagen des ganzen Körpers den Zustand depressiver Patienten erheblich verbessern.

Schlafentzug

Schlafentzug (Wachtherapie) bedeutet, entweder die ganze Nacht über wach zu bleiben oder nach drei Stunden Schlaf geweckt und dann wach gehalten zu werden. Diese Maßnahme beeinflusst den körpereigenen Tag-Nacht-Rhythmus und bessert bei manchen Menschen die Depression deutlich. Der Effekt hält zwar nur zwei bis drei Tage an, doch die Kranken erfahren dadurch, dass es Besserung geben kann und sie in ihrer Düsternis nicht gefangen bleiben müssen. Schlafentzug wird höchstens zweimal pro Woche durchgeführt.

Lichttherapie

Eine Lichttherapie kann nur Depressionen günstig beeinflussen, die in den lichtarmen Wintermonaten auftreten oder sich verschlimmern. Spricht der Behandelte darauf an, lässt die Depression innerhalb einer Woche nach. Dann sollte die Behandlung durchgängig während der ganzen lichtarmen Zeit fortgesetzt werden.

Zwei Arten von Lichttherapie müssen unterschieden werden: die Bestrahlung mit Sonnenlicht und die Anwendung von einzelnen Strahlungsanteilen des Sonnenlichts. Die Lichttherapie zur Behandlung von depressiven Störungen arbeitet mit Weißlicht. Bei einer solchen Lichttherapie sitzt man morgens zwischen sechs und acht Uhr ein bis zwei Stunden lang vor einer Lampe, die mit mindestens 2 500 Lux strahlt. Bei einer Lampe mit höherer Lichtintensität verkürzt sich die Behandlungszeit. Im Handel sind spezielle Lampen für diesen Zweck erhältlich; die Lichtintensität gewöhnlicher Leuchten oder Lampen reicht für eine antidepressive Wirkung nicht. Vor allem blaues Licht scheint wirksam zu sein. Scheint die Sonne jedoch vom wolkenlosen Himmel, genügt ihr Licht auch im Winter, wenn man sich ihm entsprechend lange aussetzt.

Elektrokrampftherapie

Bei der Elektrokrampftherapie (EKT) wird beim narkotisierten Patienten mit einem Gerät gezielt ein Krampfanfall hervorgerufen. Die Behandlung ist nicht schmerzhaft, ihre unerwünschten Wirkungen sind gering. Da aber sowohl Ärzte als auch Betroffene einer solchen Behandlung eher ablehnend gegenüberstehen und sie zudem erheblichen Aufwand erfordert, bleibt sie besonders schweren Krankheitsfällen vorbehalten. Die EKT gilt als Maßnahme der letzten Wahl bei schwersten Depressionen, die auf keine andere Therapie ansprechen, und wird auch bei Depressionen eingesetzt, die mit einer Psychose einhergehen. Für diese Menschen stellt sie häufig eine sehr wirksame Behandlungsmethode dar.

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