15.07.2017
Angst- und Zwangsstörungen

Allgemeines

Angststörung

Angst ist ein sinnvolles Gefühl. Es ist die Voraussetzung, um eine Gefahr erkennen und vielleicht Gesundheit und Leben retten zu können. Die Angst vergeht, wenn die Gefahr vorbei ist. Der Anlass, der die Angst ausgelöst hat, ist objektiv nachvollziehbar.

Anders ist das, wenn an sich begreifliche Ängste, zum Beispiel vor Prüfungen oder öffentlichen Auftritten, so stark werden, dass der Betroffene seine soziale Kompetenz einbüßt, beispielsweise indem er sich der angstauslösenden Situation nicht mehr aussetzt (Vermeidungsverhalten). Es ist sogar möglich, dass Angstgefühle ohne begründeten Anlass "aus sich heraus" entstehen. Solche Ängste können die Betroffenen so beherrschen, dass ihre Fähigkeit, ein normales Leben zu führen, eingeschränkt ist. Dann sprechen Mediziner von einer Angststörung.

15 von 100 Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Angststörung. Damit gehört sie zu den häufigsten psychischen Erkrankungen.

In der Medizin werden drei Arten von Angststörungen unterschieden, die oft gemeinsam vorkommen. Um welche Angststörung es sich handelt und wie sie behandelt wird, richtet sich danach, welche Symptome vorherrschen.

  • Phobien sind extrem intensivierte Ängste vor etwas Bekanntem, zum Beispiel die Angst, die schützende Wohnung zu verlassen und sich auf öffentlichen Plätzen und Straßen aufzuhalten (Platzangst, Agoraphobie), die Angst, in einem Raum eingeschlossen zu sein (Klaustrophobie), die Angst vor Spinnen (Arachnophobie), Flugreisen und so weiter. Besonders häufig kommen Sozialphobien vor. Dabei fürchten sich die Betroffenen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten oder zum Beispiel in der Öffentlichkeit aufzutreten.
  • Menschen mit einer Panikstörung werden urplötzlich von Angst überschwemmt und geraten in ein Gefühl, als ob sie sterben müssten. Sie können jederzeit eine akute Attacke erleiden. Diese hängt nicht von einer bestimmten Situation und in aller Regel auch nicht von einem speziellen Auslöser ab. Weil die Anfälle nicht absehbar sind, bestimmt häufig die Angst vor der Panikattacke das Leben dieser Menschen. Panikstörungen können auch im Zusammenhang mit einer depressiven Störung vorkommen. Dann wechseln sich häufig Paniksymptome mit Depressionen ab.
  • Bei einer generalisierten Angsterkrankung beherrschen große Sorgen, Befürchtungen und Ängste, die übertrieben und der Situation nicht angemessen sind, die meisten Tage für mindestens ein halbes Jahr.

Viele Menschen mit Angststörung haben auch Symptome einer Depression.

Zwangsstörung

Zwangsstörungen können sowohl Gedanken als auch Handlungen betreffen. Beispielsweise können die Gedanken ständig um eine Bedrohung durch Keime kreisen, ohne dass das Gedankenrad angehalten werden kann. Oder jemand muss sich fortwährend waschen, Stufen zählen oder kontrollieren, dass die Tür abgeschlossen ist. Manche Menschen müssen auf ihrem Weg noch einmal umkehren, um sich erneut zu vergewissern, dass der Herd abgestellt ist, obwohl sie dieses zu Hause schon mehrfach überprüft haben. Die Betroffenen erkennen ihr Verhalten zwar selbst als sinnlos und erleben es oft als quälend, können ihrem inneren Drang aber nicht entkommen. Gelingt es, die Handlungen zu unterdrücken, breiten sich Unruhe, Anspannung und Angst aus.

Das Bedürfnis nach Kontrolle ist vielen Menschen eigen. Beispielsweise entspringen Eigenschaften wie Ordnungsliebe und Sauberkeitsfimmel dem Bedürfnis, die Kontrolle über sein Leben zu behalten. Diese Menschen haben möglicherweise eine zwanghafte Persönlichkeitsstruktur, die aber nicht als Krankheit angesehen werden kann.

Zwangsstörungen kommen seltener vor als Angststörungen.

Weitere Angebote

Ausgeruht aufwachen

Handbuch Medikamente

Schlafstörungen effektiv behandeln

19,90 €


Endlich schlafen