15.02.2019
Chronisch obstruktive Bronchitis

Neue Medikamente

Neu auf dem Markt sind Inhalatoren mit festgelegten Kombinationen zum Inhalieren bestehend aus zwei langwirkenden Mitteln, die die Bronchien erweitern  (Beta-2-Sympathomimetikum + Anticholinergikum) und einem Glukokortikoid. In aktuellen Studien konnte zwar bei schwer und sehr schwer Erkrankten mit einer Dreifachkombination akute Verschlechterungen der COPD im Verlauf eines Jahres etwas besser verhindert werden als mit einer Zweifachkombination oder mit dem Anticholinergikum Tiotropium alleine. In Studien finden sich aber Hinweise, dass inhalative Glukokortikoide Lungenentzündungen begünstigen. Insgesamt ist der mögliche Vorteil einer fixen Dreifachtherapie noch unzureichend belegt.

In seinen frühen Nutzenbewertungen führt das IQWiG auch Umeclidinium (Incruse) als Einzelsubstanz zur Behandlung einer chronisch obstruktiven Bronchitis (COPD) auf. Zu diesem Medikament wird die Stiftung Warentest zu einem späteren Zeitpunkt Stellung nehmen.

IQWIG Frühbewertungen

IQWiG-Gesundheitsinformation bei Medikamente im Test

Das unabhängige Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bewertet unter anderem den Nutzen neuer Arzneimittel. Kurze Zusammenfassungen der Bewertungen veröffentlicht das Institut auf

www.gesundheitsinformation.de

Umeclidinium (Incruse) bei COPD

Der Wirkstoff Umeclidinium (Incruse) ist seit November 2015 für die Dauerbehandlung Erwachsener mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) zugelassen. Bei einer COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) ist die Lunge dauerhaft geschädigt und die Atemwege (Bronchien) sind ständig verengt. Dadurch fällt das Atmen schwerer. Typische Beschwerden sind Husten, Auswurf, Atemgeräusche wie Pfeifen oder Brummen sowie Atembeschwerden bei körperlicher Belastung. Medikamente, die die Atemwege erweitern, können die Beschwerden lindern. Fachleute sprechen von Bronchodilatatoren. Sie unterscheiden zwischen langwirksamen Bronchodilatatoren, die dauerhaft eingesetzt werden, und kurzwirksamen, die bei akuter Atemnot helfen sollen. Umeclidinium ist ein langwirksamer Bronchodilatator. Der Wirkstoff hemmt den körpereigenen Botenstoff Acetylcholin, der zur Verengung der Atemwege beiträgt. Umeclinidium soll so die Atemwege erweitern.

Anwendung

Umeclidinium wird einmal täglich mit einem Trockenpulver-Inhalator (Ellipta) inhaliert. Eine Inhalation enthält 55 Mikrogramm Umeclidinium.

Andere Behandlungen

Bei einer mittelschweren COPD (Schweregrad 2) wird eine Behandlung mit langwirksamen Beta-2-Sympathomimetika (Formoterol oder Salmeterol) und / oder dem langwirksamen Anticholinergikum Tiotropium empfohlen. Die Wirkstoffe kommen auch für Personen mit schwerer oder sehr schwerer COPD (Schweregrad 3 und 4) infrage, wenn sie höchstens einen akuten Krankheitsschub im Jahr haben. Während solcher Schübe kommt es zu einer deutlichen Verschlechterung der Beschwerden wie Atemnot, Husten oder Auswurf, verbunden mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Fieber. Bei einer schweren oder sehr schweren COPD (Schweregrad 3 und 4) mit mehr als einem akuten Krankheitsschub innerhalb eines Jahres stehen zusätzlich inhalative Kortikosteroide zur Verfügung.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, welche Vor- und Nachteile Umeclidinium im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie für Personen mit COPD hat. Für Personen mit einer COPD mit Schweregrad 3 oder 4 und mehr als einem akuten Krankheitsschub pro Jahr legte der Hersteller keine geeigneten Daten vor. Für diese Patientinnen und Patienten kann daher die Frage, ob Umeclidinium gegenüber den bisherigen Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat, nicht beantwortet werden. Für Personen mit einer COPD mit Schweregrad 2 oder 3, bei denen höchstens ein akuter Krankheitsschub pro Jahr auftritt, legte der Hersteller eine Studie mit 78 Patientinnen und Patienten vor. Die eine Hälfte bekam den Wirkstoff Umeclidinium und die andere Tiotropium. Der Vergleich der Medikamente ergab bei dieser Patientengruppe nach 6 Monaten keinen Unterschied in Bezug auf

  • die Lebenserwartung: Von den 78 Patientinnen und Patienten starb im Verlauf von 6 Monaten niemand.
  • akute schwere Krankheitsschübe: In beiden Gruppen hatten jeweils bis zu 2 Personen einen schweren Krankheitsschub.
  • Krankheitsbeschwerden: Beschwerden wie Husten, Brustenge oder Auswurf traten vergleichbar häufig auf.
  • schwere Nebenwirkungen und Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen: In beiden Gruppen beendete jeweils eine Person die Behandlung wegen Nebenwirkungen.
  • gesundheitsbezogene Lebensqualität: Hier zeigte sich ebenfalls kein Unterschied.

Weitere Informationen

    Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Umeclidinium (Incruse). URL: https://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/214/

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