15.10.2017
Herzschwäche

Neue Medikamente

Der Wirkstoff Ivabradin (Procoralan), das bisher bei chronischer Angina Pectoris eingesetzt wurde, ist auch zur Behandlung der Herzschwäche zugelassen. Es darf zusätzlich zur Basistherapie mit ACE-Hemmern, Diuretika und Betablockern eingesetzt werden, oder auch anstelle eines Betablockers, wenn dieser nicht ausreichend wirkt oder nicht vertragen wird. Voraussetzung ist, dass das Herz normal und nicht zu langsam schlägt, und dass keine Rhythmusstörungen vorliegen. Das Mittel vermindert vor allem die Zahl der Herzschläge pro Minute und senkt damit den Sauerstoffbedarf des Herzmuskels.

In einer klinischen Studie konnte damit die Anzahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund einer Herzschwäche reduziert werden. Ob auch die Sterblichkeit sinkt, ist noch unklar. Da aber in dieser Studie nicht alle Patienten optimal mit anderen Medikamenten versorgt waren, die bei einer Herzinsuffizienz die Basistherapie darstellen, ist der Stellenwert von Ivabradin bei der Behandlung der Herzschwäche noch nicht eindeutig zu bestimmen.

Anfang 2016 wurde mit Entresto ein neues Produkt zur Behandlung der Herzinsuffizienz zugelassen. Das Mittel enthält die Verbindung Sacubitril-Valsartan, die direkt nach der Einnahme im Magen-Darm-Trakt in die beiden Wirkstoffe Valsartan und Sacubitril zerfällt. Es handelt sich somit um eine Kombination eines bereits bekannten (Valsartan) und eines neuen Wirkprinzips (Sacubitril).

Sacubitril wird im Körper zu einer Substanz abgebaut, die das Enzym Neprilysin blockiert. Dieses Enzym ist im menschlichen Körper weit verbreitet und baut Eiweißstoffe ab, die zum Beispiel den Wasserhaushalt, den Blutdruck und andere Stoffwechselfunktionen regulieren. In der Niere baut es Verbindungen ab, die für die Ausscheidung von Natrium und Wasser mitverantwortlich sind. Wird die Neprilysin-Aktivität in der Niere gehemmt, kann dies den Blutdruck senken und das Herz entlasten. Da gleichzeitig auch das gefäßverengende Angiotensin-II weniger schnell abgebaut wird und so den Blutdruck ansteigen lassen kann, wird durch die Gabe von Valsartan dieser Botenstoff blockiert, und der Blutdruck steigt nicht an.

Entresto ist zugelassen zur Behandlung einer Herzschwäche, die mit Beschwerden und einer verminderten Auswurfleistung des Herzens einhergeht. Hier soll das Mittel anstelle eines ACE-Hemmers oder eines Sartans eingesetzt werden. In Studien konnte gezeigt werden, dass Entresto die Rate an Krankenhauseinweisungen und die Sterberate von 27 von 100 Personen unter der üblichen Behandlung auf 22 von 100 Personen senken kann. Um diesen Effekt zu erzielen, war eine mehr als zweijährige Behandlung nötig. Nach Untergruppenauswertungen scheinen hiervon aber lediglich Personen mit Herzschwäche zu profitieren, die nicht noch zusätzlich an Diabetes leiden. Besteht neben einer leichten bis mittelschweren Herzschwäche zusätzlich noch ein Diabetes, ist der Nutzen geringer: Die Sterberate sinkt nicht, dafür kommt es wegen der Herzschwäche zu weniger Krankenhauseinweisungen, und die Lebensqualität ist etwas höher.

Als Nebenwirkungen von Entresto sind ein deutliches Absinken des Blutdrucks, Nierenfunktionsstörungen und die auch unter Valsartan beobachteten Erhöhungen des Kaliumblutspiegels zu beachten. In Einzelfällen kann es zu allergischen Reaktionen mit Schwellungen im Gesicht-Hals-Bereich (Angioödem) kommen.

Das Mittel darf nicht zusammen mit ACE-Hemmern eingesetzt werden oder wenn bereits einmal ein Angioödem aufgetreten ist. Auch eine gemeinsame Anwendung mit Aliskiren (bei hohem Blutdruck) wird nicht empfohlen. Das gilt ganz besonders bei Diabetikern und Personen mit Nierenfunktionsstörungen. Andernfalls erhöht sich das Risiko für unerwünschte Wirkungen. Auch bei einer schweren Leberfunktionsstörung sowie in Schwangerschaft und Stillzeigt darf Entresto nicht eingesetzt werden.

Es liegen noch keine ausreichenden Langzeiterfahrungen für das neue Wirkprinzip vor, und das Nebenwirkungsprofil ist in seiner Gesamtheit noch nicht überschaubar. So hemmt Neprilysin auch den Abbau bestimmter Eiweißkörper im Gehirn, wie beispielsweise die von Beta-Amyloid, dessen Anreicherung mit dem Auftreten von Alzheimer-Demenz in Zusammenhang gebracht wird. Der Eiweißstoff kann sich nach experimentellen Untersuchungen auch in der Netzhaut ablagern und könnte somit Augenerkrankungen Vorschub leisten. Die klinischen Studienergebnisse geben allerdings bislang keinen Hinweis darauf, dass das Risiko derartiger Erkrankungen durch Entresto erhöht wird. Weitergehende Studien müssen hier aber für mehr Sicherheit sorgen.

IQWIG Frühbewertungen

IQWiG-Gesundheitsinformation bei Medikamente im Test

Das unabhängige Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bewertet unter anderem den Nutzen neuer Arzneimittel. Kurze Zusammenfassungen der Bewertungen veröffentlicht das Institut auf

www.gesundheitsinformation.de

Sacubitril / Valsartan (Entresto) bei Herzinsuffizienz

Die Wirkstoffkombination Sacubitril / Valsartan (Handelsname Entresto) ist seit November 2015 für Erwachsene mit chronischer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) zugelassen. Sacubitril / Valsartan kann mit anderen Herzmedikamenten kombiniert werden. Bei einer Herzinsuffizienz ist das Herz zu schwach, um ausreichend Blut in den Körper zu pumpen. Das kann dazu führen, dass Organe, Muskeln und andere Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Eine Herzschwäche kann akut auftreten, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt, oder sich über lange Zeit entwickeln und chronisch werden – etwa durch einen dauerhaft erhöhten Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen. Je nachdem wie stark eine Herzinsuffizienz ausgeprägt ist, kann sie unbemerkt bleiben oder die körperliche Leistungsfähigkeit erheblich beinträchtigen. Dann können Beschwerden wie Erschöpfung, Luftnot, Brustschmerzen oder Herzklopfen auftreten. Auch Wasseransammlungen (Ödeme) zum Beispiel in Beinen oder Armen sind möglich. Eine chronische Herzinsuffizienz wird in verschiedene Stadien unterteilt:

  • Stadium 1: Alltägliche körperliche Belastung verursacht keine Beschwerden.
  • Stadium 2: Leichte Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Keine Beschwerden in Ruhe.
  • Stadium 3: Stärkere Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Keine Beschwerden in Ruhe.
  • Stadium 4: Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten und auch in Ruhe.

• Die Sacubitril / Valsartan-Kombination soll das Herz entlasten. Sacubitril bremst den Abbau von körpereigenen Hormonen, die die Gefäße verengen können. Valsartan hebt die Wirkung des blutdrucksteigernden Hormons Angiotensin auf.

Anwendung

Die Kombination gibt es als Tablette in drei Dosierungen: 24 mg Sacubitril / 26 mg Valsartan, 49 mg Sacubitril / 51 mg Valsartan und 97 mg Sacubitril / 103 mg Valsartan. Zu Beginn wird eine Einnahme von 49 mg Sacubitril / 51 mg Valsartan zweimal täglich empfohlen. Wird die Therapie vertragen, soll die Dosis nach zwei bis vier Wochen erhöht werden.

Andere Behandlungen

Als Standardbehandlung für Personen mit chronischer Herzinsuffizienz mit eingeschränkter Pumpfunktion kommen ACE-Hemmer infrage, in der Regel zusammen mit einem Betablocker.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, welchen Nutzen die Sacubitril / Valsartan-Kombination im Vergleich zu der bewährten Standardtherapie hat. Der Hersteller legte dazu eine Studie mit 8442 Personen vor. Die eine Hälfte der Patientinnen und Patienten erhielt die Standardtherapie mit dem Wirkstoff Enalapril, die andere Hälfte wurde mit der neuen Wirkstoffkombination Sacubitril / Valsartan behandelt. Beide Gruppen erhielten zusätzlich einen Betablocker. Bei der Auswertung der Ergebnisse hatten die Teilnehmer die Medikamente im Mittel etwa 24 Monate eingenommen.

Welche Vorteile hat der Wirkstoff?

  • Lebenserwartung: Die Studie liefert einen Hinweis, dass Sacubitril / Valsartan das Leben verlängern kann. Von den Personen, die Enalapril erhielten, verstarben während der Studie etwa 20 von 100. Von den mit Sacubitril / Valsartan behandelten Patientinnen und Patienten verstarben etwa 17 von 100.
  • Einweisung in ein Krankenhaus wegen Herzschwäche: Die Studie weist auf einen Vorteil für Patientinnen und Patienten mit einer chronischen Herzinsuffizienz Stadium 1 und 2 hin. Etwa 15 von 100 mit Enalapril behandelte Personen wurden während der Studie wegen Herzschwäche in ein Krankenhaus eingewiesen. Von den mit Sacubitril / Valsartan behandelten Personen waren es ungefähr 11 von 100. Für Personen mit einer schweren Herzinsuffizienz Stadium 3 und 4 zeigte sich kein Unterschied.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Es gab schwache Hinweise, dass sich die Lebensqualität der Personen mit einer Sacubitril / Valsartan-Behandlung im Vergleich zu einer Standardtherapie mit Enalapril verbesserte.

Welche Nachteile hat der Wirkstoff?

  • Niedriger Blutdruck: Die Studie zeigte einen schwachen Hinweis auf einen Nachteil für Sacubitril / Valsartan. Mit dem neuen Wirkstoff trat bei 24 von 100 Personen ein zu niedriger Blutdruck auf, in der Vergleichsgruppe mit Enalapril war dies nur bei 19 von 100 Personen der Fall.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Herzinfarkt und Schlaganfälle: Es kam in beiden Behandlungsgruppen bei 2 bis 3 von 100 Personen zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Dabei zeigte sich kein Unterschied.
  • Nierenversagen: Ein Nierenversagen, das eine Dialyse erforderte, war in beiden Gruppen sehr selten. Es gab keinen Unterschied zwischen den Therapien. Welche Fragen sind noch offen?
  • Schwere Nebenwirkungen: Die Frage, ob die Kombination Sacubitril / Valsartan häufiger oder seltener zu schweren Nebenwirkungen führt, konnte nicht beantwortet werden. Der Hersteller legte hierzu keine geeigneten Daten vor.
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Auch zur Häufigkeit von Therapieabbrüchen wurden keine verwertbaren Daten vorgelegt.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Sacubitril / Valsartan (Entresto). URL: https://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/213/

Weitere Angebote

Ausgeruht aufwachen

Handbuch Medikamente

Schlafstörungen effektiv behandeln

19,90 €


Endlich schlafen