15.07.2017
Erhöhte Blutfette

Allgemeines

Es gibt zwei Arten von Blutfetten (Lipiden): Cholesterin und Triglyzeride (Neutralfette). Triglyzeride sind energiereiche Verbindungen und dienen dem Organismus als Energiespeicher unter anderem in Form einer Fettschicht unter der Haut, als Polster für innere Organe sowie zur Wärmeisolierung des Körpers.

Cholesterin wird in der Leber benötigt, um Gallensäuren herzustellen, die Nebennieren bauen daraus das Hormon Kortisol auf. Die Körperzellen benötigen Cholesterin für den Aufbau der Zellwand, und die Geschlechtsorgane verwenden es zur Produktion der weiblichen und männlichen Hormone.

Da Cholesterin nicht wasserlöslich ist, wird es mit wasserlöslichen Eiweißkörpern (Proteinen) umhüllt. Solche Fett-Eiweiß-Verbindungen werden als Lipoproteine bezeichnet. Diese lassen sich physikalisch nach ihrer Dichte unterscheiden. Die wichtigen Untergruppen des Cholesterins sind HDL (high density lipoprotein) und LDL (low density lipoprotein). HDL werden günstige Eigenschaften zugeschrieben, weil es überschüssiges Cholesterin aus dem Gewebe über das Blut zurück zur Leber befördert, über die es ausgeschieden wird. Ein Zuviel an LDL dagegen ist erwiesenermaßen schädlich, weil es Ablagerungen in den Blutgefäßen fördert.

Bei Blutuntersuchungen werden das Gesamtcholesterin sowie die beiden Untergruppen HDL und LDL und die Triglyzeridwerte bestimmt. Die derzeit für Männer und Frauen angestrebten Richtwerte sind unter "Cholesterin-Richtwerte für Männer und Frauen" zusammengestellt.

Wenn das Blut zu viel LDL enthält, lagert sich dieses verstärkt in feine Risse in der Arterieninnenwand ein. Auch ein Übermaß an Triglyzeriden begünstigt Ablagerungen in den Arterien und leistet somit einer Arteriosklerose (Adernverkalkung) Vorschub. Diese bildet sich besonders in den Herzkranzarterien aus, Näheres unter "Koronare Herzkrankheit". Sie bildet sich aber ebenso in anderen Arterien, vor allem im Gehirn sowie in Becken und Beinen aus, Näheres unter "Arterielle Durchblutungsstörungen".

Ob die Blutfette ansteigen, hängt auch davon ab, wie gut der Organismus die mit der Nahrung aufgenommenen Fette verwertet. Manche Menschen können sehr fettreich essen und haben dennoch normale Cholesterinwerte. Auch ist es offenbar weniger entscheidend, wie viel Fett über die Nahrung aufgenommen wird, als vielmehr, um welches Fett es sich handelt und wie hoch der Anteil an gesättigten Fettsäuren ist. Davon und von den erblichen Anlagen hängt es ab, ob der Körper selbst viel Cholesterin herstellt und deshalb eine Neigung zu erhöhten Blutfetten und infolgedessen auch zu Arteriosklerose besteht.

Ob und in welchem Maße ein bestimmter Cholesterinspiegel das Risiko für Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht, ist abhängig von Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Blutdruck sowie davon, ob Sie Diabetes haben und ob Sie rauchen. Bei gleichen Ausgangsbedingungen haben Frauen bis zum 65. Lebensjahr im Vergleich zu Männern ein insgesamt viermal niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vorausgesetzt, sie haben keinen Diabetes.

Inwieweit Übergewicht im Rahmen einer Fettstoffwechselstörung ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellt, lässt sich am besten anhand des Taillenumfangs abschätzen. Diesen messen Sie zwischen dem unteren Rippenbogen und der Oberkante des Beckens. Bei Frauen sollte der Wert nicht über 87 Zentimeter, bei Männern nicht über 101 Zentimeter liegen. Hintergrund für diese Empfehlung ist die Erkenntnis, dass nicht nur das Gewicht allein, sondern auch die Verteilung des Fettes auf bestimmte Körperzonen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflusst. Denn die Fettreserven am Bauch werden anders freigesetzt und verstoffwechselt als die Depots an Gesäß und Oberschenkeln. Dickbäuchige Menschen ("Apfel-Typ") sind für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stärker gefährdet als Menschen mit runden Hüften ("Birnen-Typ"). Ein erhöhter Bauchumfang beziehungsweise hoher Taillen-Hüft-Quotient bedeutet darüber hinaus auch ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes.

Wenn Sie Ihr persönliches Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen unter Berücksichtigung all dieser Faktoren ermitteln wollen, können Sie dies selbst im Internet unter www.chd-taskforce.de tun. Sie müssen dazu Ihren Blutdruck und Ihre Blutfettwerte (LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyzeride) kennen.

Neben dieser Risikoabschätzung gibt es ein speziell für Deutschland entwickeltes vereinfachtes Instrument (SCORE). Damit können Sie das Risiko ermitteln, in den nächsten zehn Jahren an einer kardiovaskulären Erkrankung zu versterben. Dieser SCORE-Wert ist mittlerweile auch in die Therapieleitlinien der europäischen Ärzte eingegangen. Da SCORE das Risiko für kardiovaskulär bedingten Tod berechnet, liegen die Zahlenwerte entsprechend niedriger als unter www.chd-taskforce.de, wo das Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung (egal, ob tödlich oder nicht) ermittelt wird.

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