01.09.2017
Harnwegsinfektionen, Reizblase

Allgemeines

Viele Menschen klagen immer mal wieder über Beschwerden beim Wasserlassen. Die einen quält häufiger unaufschiebbarer Harndrang, bei dem aber nur wenig ausgeschieden wird, andere leiden zusätzlich unter Brennen und Schmerzen. Die Hälfte der Frauen kennt diese Beschwerden, und viele Frauen klagen sogar wiederholt darüber. Demgegenüber sind nur etwa 12 von 100 Männern betroffen.

Meist beruhen diese Beschwerden auf einer Entzündung in den unteren Harnwegen, vornehmlich der Blase. Die Betroffenen haben eine Blasenentzündung (Zystitis). Manche sprechen auch von Blasenkatarrh. Die allgemeine Bezeichnung lautet Infektion der unteren Harnwege. Diese ist meist durch Bakterien verursacht, die sich im Urin nachweisen lassen. Selten erfasst die Infektion auch die weiter oben liegenden Abschnitte der Harnwege, also die Harnleiter. Unter Umständen kann die aufsteigende Infektion sogar das Nierengewebe erreichen (Pyelonephritis).

Unaufschiebbarer Harndrang, bei dem nur wenig ausgeschieden wird, kann auch auftreten, ohne dass sich eine Entzündung nachweisen lässt. Dann spricht man von einer Reizblase.

In der Medizin werden unkomplizierte und komplizierte Harnwegsinfekte unterschieden. Darüber hinaus unterteilt man sie in akute und wiederkehrende Infektionen. Je nach Zuordnung geht man sowohl bei der Diagnose als auch bei der Behandlung verschieden vor.

Unkomplizierte Harnwegsinfektionen

Als unkompliziert gelten Harnwegsinfekte, bei denen nicht zu befürchten ist, dass die Infektion schwer verlaufen oder Folgeschäden nach sich ziehen wird. Einen derart unkomplizierten Verlauf nimmt man nur bei Frauen an, die nicht schwanger sind. Bei ihnen kann man davon ausgehen, dass die Infektion von Darmkeimen hervorgerufen wurde, die sich mit den gebräuchlichen verschreibungspflichtigen Antibiotika gut behandeln lassen.

Komplizierte Harnwegsinfektionen

Alle anderen Harnwegsinfektionen gelten als kompliziert, weil das Risiko größer ist, dass die Infektion schwer verläuft und Folgeschäden auftreten.

Bei Männern kann ein sehr viel breiteres Spektrum an Erregern als Auslöser infrage kommen als bei Frauen. Zudem kann es sein, dass die Prostata an der Infektion beteiligt ist.

Bei schwangeren Frauen besteht die Gefahr, dass sich eine an sich harmlose Blasenentzündung in die Nieren ausbreitet. Eine solche Nierenbeckenentzündung kann sehr schwer verlaufen und die Funktion der Nieren beeinträchtigen. Deshalb sollten schwangere Frauen immer Antibiotika einnehmen, wenn Bakterien im Urin nachgewiesen wurden – auch wenn sie keine Beschwerden haben.

Auch bei Frauen mit Diabetes wird jeder Harnwegsinfekt als kompliziert angesehen. Ihr Immunsystem ist oft geschwächt, und außerdem können Veränderungen in der Funktion der Nerven (diabetische Neuropathie) den Harnabfluss stören.

Wiederkehrende Harnwegsinfektionen

Bei wiederkehrenden Infektionen werden zwei weitere Formen unterschieden, deren Zuordnung die Behandlung beeinflusst. Treten nach der ersten Behandlung innerhalb von zwei Wochen wieder Beschwerden auf, spricht man von einem Rückfall (Relapse). Dann ist anzunehmen, dass die erste Behandlung noch nicht alle Erreger vollständig beseitigt hatte.

Treten die Beschwerden erst nach mehr als zwei Wochen wieder auf, handelt es sich um eine neue Infektion (Rezidiv), die aber durchaus auf den gleichen Erregern beruhen kann wie die erste. Von sich wiederholenden Infektionen sind fast nur Frauen und Kinder mit Fehlbildungen der Harnwege betroffen.

Bei Kindern

Bei Kindern tragen relativ oft anatomische Fehlbildungen dazu bei, dass sich in den Harnwegen Keime ansiedeln, die in die Nieren aufsteigen und ihre Gewebe infizieren. Wenn die Kinder aufgrund einer Fehlbildung die Blase nicht richtig entleeren können, kann zudem Harn von der Blase in das Nierengewebe zurückfließen. Diese Veränderungen müssen erkannt und operativ behoben werden, damit kein chronischer Nierenschaden entsteht.

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