15.07.2018
Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente

Allgemeines

Die meisten Menschen brauchen keine Nahrungsergänzungsmittel, weil eine ausgewogene alltägliche Ernährung sie mit allem Notwendigen ausreichend versorgt. Einige Menschen fürchten dennoch, den Bedarf an lebenswichtigen Nahrungsbestandteilen nicht mit der alltäglichen Ernährung decken zu können. Knapp 28 von 100 Personen nehmen Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen und/oder Mineralstoffen und Spurenelementen ein. Etwa zwei Drittel von ihnen sind Frauen, ein Drittel Männer.

Das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel hat mit einer detaillierten Befragung einer großen Zahl von Menschen in Deutschland ermittelt, was sie im Laufe eines Monats durchschnittlich essen und trinken und in welchem Verhältnis das zur empfohlenen Nährstoffaufnahme steht. Dieser Untersuchung zufolge ist die Versorgung mit Eiweiß meistens mehr als ausreichend, der Anteil an vollkornhaltigen Getreideprodukten könnte angehoben werden, der Anteil tierischer Fette in der Nahrung ist zu hoch. Vor allem Männer nehmen mit den Fetten auch zu viel Cholesterin auf. Männer wie Frauen sollten die Zufuhr an Ballaststoffen erhöhen und vor allem Männer ihren Konsum von Alkohol deutlich senken.

Ungenügend ist die Versorgung mit Kalzium insbesondere bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren und bei Senioren. Auch die Eisenaufnahme liegt unter der empfohlenen Menge. Das gilt ganz besonders für Frauen unter 50 Jahren, betrifft aber auch ältere Frauen und nimmt die Männer nicht aus.

Die Jodversorgung hat sich durch die Verwendung von jodiertem Kochsalz im Haushalt und bei der Herstellung von Fertiglebensmitteln erheblich verbessert, ist aber noch nicht bei allen Menschen zufriedenstellend.

Mit den meisten Vitaminen sind die Menschen hierzulande ausreichend bis überreichlich versorgt – ausgenommen Vitamin D und Folsäure. Die Versorgung mit Vitamin D übernimmt der Körper größtenteils selbst, indem er das Vitamin in der Haut bildet. Dazu braucht er jedoch Sonnenlicht. Die Zufuhr durch Lebensmittel spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Bei fast 60 von 100 Menschen in Deutschland liegt die Blutkonzentration von Vitamin D jedoch unter dem als wünschenswert angesehenen Wert. Allerdings konnte bisher nicht nachgewiesen werden, dass das Erreichen eines als optimal angesehenen Blutspiegelwertes gesundheitliche Vorteile hat. Da mit dem Alter die Fähigkeit des Körpers, Vitamin D zu bilden abnimmt, ist ein Vitamin-D-Defizit bei Menschen über 65 Jahre am wahrscheinlichsten. Für Folsäure ergab die nationale Befragung, dass in allen Altersgruppen zwischen 250 und 282 Mikrogramm Folsäure pro Tag aufgenommen werden – also deutlich weniger als die empfohlenen 400 Mikrogramm pro Tag.

Die Messung der Folsäure-Konzentration im Blut im Rahmen des 13. Ernährungsreports der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ergab jedoch, dass immerhin 85 von 100 Erwachsenen dennoch ausreichend mit Folsäure versorgt sind.

Beim Einkauf der alltäglichen Lebensmittel greifen viele Menschen zu Produkten, die gezielt mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen angereichert wurden. Diese Zusätze geben Lebensmitteln ein gesundes Image, auch wenn sie viel Zucker und Fett enthalten und dadurch nicht gesundheitsfördernd sind. Zusätzlich nehmen etwa 30 Prozent der Deutschen diese Nahrungsbestandteile noch in Form von Tabletten, Kapseln, Dragees oder Saft ein. Mit dieser Ergänzung der Nahrung verknüpfen sich Erwartungen, die über die reine Ernährung hinausgehen. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die gezielt zugeführt werden, sollen die Folgen von Stress ausgleichen, Kinder zu besserem Lernen befähigen, chronischen Erkrankungen und Krebs vorbeugen und das Altern hinauszögern.

Bevor der Allgemeinheit jedoch empfohlen werden kann, bestimmte Nährstoffe gezielt einzunehmen, muss geklärt sein, mit welchen Nahrungskomponenten welchen Störungen vorgebeugt werden kann und in welcher Dosierung sie wie lange eingenommen werden müssen, um den erwünschten Effekt zu erzielen, ohne schädliche Nebeneffekte zu provozieren. Derart verlässliche Aussagen gibt es erst in wenigen Ausnahmefällen.

Dennoch finden sich vielerorts Angaben, wie viel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen täglich "nötig" sei. Diese Zahlen unterscheiden sich oft sehr, je nachdem, wer sie veröffentlicht hat. Das stiftet Verwirrung. Wissenschaftlich abgesicherte Angaben stellt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bereit (www.dge.de).

Grundlage der in der Übersicht "Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente" unter "Tagesbedarf" aufgeführten Mengenangaben sind die "Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr", die die Ernährungsgesellschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gemeinsam verabschiedet haben. Wenn ein gesunder Mensch die darin aufgeführten Nahrungsbestandteile mit der üblichen Kost regelmäßig in etwa in der angegebenen Menge aufnimmt, ist sichergestellt, dass alle körperlichen, seelischen und stoffwechselbedingten Funktionen seines Körpers so ablaufen können wie vorgesehen. Es werden keine Symptome einer Unterversorgung und keine Mangelkrankheiten auftreten. Er kann also darauf vertrauen, vor ernährungsbedingten Gesundheitsschäden geschützt und voll leistungsfähig zu sein. Voraussetzung dafür, dass diese Mengenangaben wirklich zutreffen, ist, dass der Betreffende gesund ist.

Die als Tagesbedarf angegebene Menge muss dabei nicht an jedem einzelnen Tag exakt aufgenommen werden. Die Mengenangaben sind so bemessen, dass der Körper eine gewisse Reserve aufbauen kann, sodass Schwankungen aufgefangen und ein kurzzeitig erhöhter Bedarf gedeckt werden können. Dennoch sollte über längere Zeit gesehen pro Woche in etwa die siebenfache Tagesmenge erreicht werden.

Andere Vorgaben gelten, wenn Krankheiten bewältigt werden müssen oder die Fähigkeit, Nährstoffe zu verdauen, erheblich gestört ist. Auch eine Reihe von Medikamenten kann den Bedarf an Vitaminen beeinflussen. Kinder und Jugendliche haben je nach Alter einen anderen täglichen Nährstoffbedarf als Erwachsene. Schwangere und stillende Frauen brauchen von manchem deutlich mehr als andere Frauen. Darum sind für diese Personengruppen die empfohlenen Zufuhrmengen gesondert angegeben.

Im Prinzip lässt sich der Bedarf an Nährstoffen mit einer ausgewogenen Auswahl der Lebensmittel, die hierzulande zu kaufen sind, decken. Sollte das jedoch bei einer Substanz nicht möglich sein – zum Beispiel weil es keine Lebensmittel gibt, die die infrage kommende Substanz in ausreichender Menge bereitstellen –, reagieren darauf in aller Regel der Gesetzgeber und/oder die Medizin. Ein Beispiel dafür ist die Versorgung mit Jod und Fluor. Beide Elemente sind in der Kost, die in Deutschland üblicherweise auf den Tisch kommt, nur unzureichend enthalten. Die Versorgung mit Jod ließe sich zwar verbessern, indem mehr Seefisch verzehrt würde, jedoch gehört in Deutschland – anders als zum Beispiel in Japan – der Verzehr von Fisch nicht zum festen Bestandteil der allgemeinen Ernährung. Dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird, ist nicht abzusehen. Da eine bessere Versorgung der Bevölkerung mit Jod aber aus medizinischen Gründen dringend erforderlich ist, hat der Gesetzgeber erlaubt, Kochsalz mit Jod anzureichern. Nun stehen im Salzregal der Lebensmittelmärkte vornehmlich Pakete mit jodiertem Salz. Da seit einigen Jahren auch alle Fertiglebensmittel einschließlich Brot und Backwaren mit jodiertem Speisesalz hergestellt werden dürfen, hat sich die Jodversorgung in Deutschland verbessert.

Bei der Versorgung mit Fluor setzt man hingegen auf die Aktivität der Mediziner und Eltern, die die Kinder anhalten, sich zur Kariesvorbeugung zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta die Zähne zu putzen. Bei Jugendlichen und Erwachsenen kann der Zahnarzt die Zähne mit fluorhaltigem Lack versiegeln. Andere Staaten, zum Beispiel Großbritannien, wählen übergreifende Maßnahmen, indem sie zum Beispiel das Trinkwasser fluoridieren. Besonders in den Vereinigten Staaten ist die Praxis, Lebensmittel des allgemeinen Konsums mit Nährstoffen anzureichern, weit verbreitet. Dort ist es beispielsweise üblich, Mehl, Milch und Frühstücksflocken mit Folsäure und anderen Vitaminen zu versetzen.

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