15.03.2019
Empfängnisverhütung

Wirkstoff: Levonorgestrel

  • Medikament: PiDaNa

Wirkstoff: Ulipristal

  • Medikament: ellaOne

Als "Pille danach" sind Produkte im Handel, die entweder das weibliche Sexualhormon Gestagen enthalten oder die Substanz Ulipristal, die wie ein Gestagen wirkt. Seit März 2015 dürfen diese Produkte ohne Verschreibung in Apotheken abgegeben werden. Die Mitarbeiter in Apotheken sind verpflichtet, Sie zu beraten und über die Anwendung des jeweiligen Mittels ausführlich zu informieren.

Mit der "Pille danach" lässt sich eine mögliche Schwangerschaft verhindern. Ihre Wirkung beruht in erster Linie darauf, dass der Eisprung verzögert wird. Möglicherweise wird auch der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut derart beeinflusst, dass sich ein befruchtetes Ei kaum einnisten kann.

Am Tag des Eisprungs oder nach dem Eisprung ist die „Pille danach“ wirkungslos. Der Zeitpunkt des Eisprungs unterliegt Schwankungen und kann somit oftmals nicht sicher bestimmt werden. Alternativ zur „Pille danach“ kann für die Zeit nach dem Eisprung oder für Frauen, bei denen sie nicht empfohlen wird (z. B. bei Frauen, die stark übergewichtig sind), eine Schwangerschaft mithilfe einer Kupferspirale oder -kette sicher verhütet werden. Eine solche kann innerhalb von fünf Tagen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr von einem Arzt eingesetzt werden. Kupferspiralen und -ketten haben den Vorteil, dass sie über einen längeren Zeitraum Verhütungsschutz bieten.

Nach derzeitigen Erkenntnissen wirkt Levonorgestrel als "Pille danach" besonders verlässlich, wenn der Wirkstoff innerhalb von 24 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr angewendet wird. Für jeden späteren Zeitpunkt liegen die Erfolgsraten deutlich niedriger. Empfohlen wird daher die frühestmögliche Einnahme, spätestens jedoch bis zum dritten Tag nach dem ungeschützten Verkehr.

Die Daten für Ulipristal lassen erwarten, dass es bis 72 Stunden nach ungeschütztem Verkehr mindestens so gut wirkt wie Levonorgestrel. Je früher es eingesetzt wird, desto verlässlicher wirkt es. Ob es in diesem Zeitraum gegenüber Levonorgestrel sogar Wirkvorteile besitzt, ist bislang nicht ausreichend nachgewiesen. Im Vergleich zu Levonorgestrel ist für Ulipristal aber besser dokumentiert, dass es noch bis 120 Stunden, also bis fünf Tage, nach ungeschütztem Sex eine Schwangerschaft verhindern kann. ellaOne sollte daher spätestens bis zum fünften Tag nach dem ungeschützten Verkehr eingenommen werden.

Obwohl beide Wirkstoffe als "Pille danach" eine Schwangerschaft recht verlässlich verhindern, wenn die jeweilige Tablette bis zur vorgegebenen Zeit eingenommen wird, ist nicht auszuschließen, dass es doch einmal zu einer Schwangerschaft kommt. Wenn sich die Frau dann entschließt, das Kind zu bekommen, ist es wichtig zu wissen, ob sich das eingenommene Medikament auf die Gesundheit des Kindes auswirkt. Ebenso kann bereits zum Zeitpunkt der Einnahme eine Schwangerschaft bestehen, sodass der Embryo den Wirkstoffen der "Pille danach" ausgesetzt wird. Für Levonorgestrel, das schon seit vielen Jahren angewendet wird, gibt es keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen. Daher wird PiDaNa als "Pille danach" als "geeignet" bewertet.

Ob Ulipristal ebenso sicher ist, ist noch nicht abschließend zu bewerten. In den wenigen bisher vorliegenden Auswertungen von Schwangerschaften, die trotz der Einnahme von Ulipristal ausgetragen wurden, ergeben sich keine Hinweise auf Fehlbildungen oder Komplikationen. Aufgrund der dennoch bestehenden Unsicherheit und der Tatsache, dass das Mittel in den ersten drei Tagen nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr gegenüber Levonorgestrel keine sicheren Vorteile besitzt, wird ellaOne insbesondere in dieser Zeit als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Es kann aber empfohlen werden, wenn der Sex, der eventuell zu einer Schwangerschaft führen könnte, mehr als drei, aber nicht länger als fünf Tage zurückliegt. Für eine so späte Anwendung sind Präparate mit Levonorgestrel von der Arzneimittelbehörde nicht zugelassen.

Anwendung

Die "Pille danach" kann zu jedem Zeitpunkt des Zyklus angewendet werden. Bei beiden Präparaten ist in je einer Tablette die Hormonmenge enthalten, die erforderlich ist, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Die jeweilige Tablette wird so bald wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen – bei PiDaNa spätestens innerhalb von 72 Stunden, also drei Tagen, bei ellaOne innerhalb von 120 Stunden, das sind fünf Tage.

Achtung

Einige Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die empfängnisverhütende Wirkung der "Pille danach" mit ansteigendem Körpergewicht geringer wird. Die Europäische Zulassungsbehörde hat dieses für beide Mittel aktuell überprüft. Die Behörde fand zwar Hinweise auf eine sinkende Wirksamkeit bei steigendem Körpergewicht, doch ein genereller Wirkverlust ab einem bestimmten Körpergewicht ist nicht gesichert. Daher zieht die Behörde den Schluss, dass beide Mittel weiterhin als Notfallmedikamente eingesetzt werden können – unabhängig davon, wie viel die Frau wiegt. Übergewichtige Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft mit größtmöglicher Sicherheit verhindern wollen, können sich von Ärztin oder Arzt eine Kupferspirale einsetzen lassen. Näheres dazu lesen Sie unter "Medikamente vom Arzt".

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie die "Pille danach" nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken anwenden:

  • Sie haben eine schwerwiegende Leberfunktionsstörung.

Levonorgestrel: Bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn) kann die Wirksamkeit der levonorgestrelhaltigen "Pille danach" eingeschränkt sein. Wenn Sie schon einmal eine Thrombose, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt hatten beziehungsweise andere Familienmitglieder Derartiges erlitten haben, kann die levonorgestrelhaltige "Pille danach" unter Umständen das Risiko für ein solches Ereignis erhöhen.

Ulipristal: Frauen mit schwerem Asthma, das sich mit Kortisontabletten nicht ausreichend behandeln lässt, sollten Ulipristal nicht einnehmen. Die Asthmabeschwerden können sich verstärken.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie andere Medikamente einnehmen, ist zu beachten:

  • Durch eine Reihe von Arzneimitteln werden Levonorgestrel und Ulipristal beschleunigt abgebaut. Hierdurch kann die Wirksamkeit der "Pille danach" beeinträchtigt oder sogar ganz aufgehoben sein. Wenn Sie zur Zeit der Einnahme eines der folgenden Medikamente einnehmen oder dieses innerhalb der vorhergehenden vier Wochen getan haben, müssen Sie die unten stehenden Hinweise berücksichtigen: Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin und Primidon (bei Epilepsien), Rifabutin und Rifampizin (bei Tuberkulose), Ritonavir (bei HIV-Infektion) und Johanniskrautextrakt (bei Depressionen). Eine gemeinsame Anwendung dieser Mittel mit Ulipristal wird nicht empfohlen. Levonorgestrelhaltige Mittel können auch in diesem Fall als "Pille danach" angewendet werden, sie müssen dann allerdings höher dosiert werden: Wenn Frauen gleichzeitig Mittel einnehmen, die den Abbau von Levonorgestrel beschleunigen, wird die doppelte Levonorgestrel-Dosis (drei Milligramm) empfohlen. Wer in dieser Situation aber mit größtmöglicher Sicherheit eine Schwangerschaft verhindern möchte, sollte sich von einer Ärztin oder einem Arzt eine Kupferspirale einsetzen lassen.
  • Aminopenizilline und Tetrazykline (bei bakteriellen Infektionen) können die Darmflora beeinträchtigen. Möglicherweise werden die Wirkstoffe der jeweiligen "Pille danach" dann nicht so gut in den Körper aufgenommen. Dann kann ihre schwangerschaftsverhütende Wirkung nicht zur Geltung kommen.
  • Keinesfalls sollten beide "Pillen danach" gleichzeitig zur Notfallverhütung eingesetzt werden, weil sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung beeinträchtigen.

Unerwünschte Wirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Es können Kopfschmerzen und Schwindel auftreten. Die Beschwerden verlieren sich nach einigen Tagen.

Üblicherweise tritt die nächste Blutung zum erwarteten Termin und in normaler Stärke auf. Manchmal kann sie aber auch einige Tage früher oder später einsetzen. Insbesondere nach der Einnahme von Ulipristal verzögert sich die Periode üblicherweise um mehrere Tage. Wenn die Blutung jedoch länger als fünf bis sieben Tage auf sich warten lässt, sollten Sie sicherheitshalber einen Schwangerschaftstest machen.

Sie können ein Spannungsgefühl in den Brüsten haben, die nächste Regel kann verzögert eintreten, und bis sich das hormonelle Gleichgewicht wieder eingestellt hat, können die nächsten Zyklen unterschiedlich lang sein.

Muss beobachtet werden

Übelkeit und Erbrechen können bei mehr als 10 von 100 Anwenderinnen auftreten. Wenn Sie sich innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme übergeben, müssen Sie noch einmal eine Tablette einnehmen.

Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Die Pille danach kann auch von jungen Frauen unter 18 Jahren als Notfallkontrazeptivum eingesetzt werden.

Zur Empfängnisverhütung

Wichtig ist, dass Frauen, die mit der "Pille danach" in den Hormonhaushalt eingegriffen haben, bis zur nächsten Regelblutung Kondome, Diaphragma oder spermientötende Mittel als Empfängnisverhütungsmittel verwenden, da die "Pille danach" den Eisprung verschiebt. Dies gilt auch, wenn Sie mit der Einnahme einer empfängnisverhütenden Pille fortfahren. Der Eisprung wird nicht verhindert, sondern nur zeitlich verzögert. Bei vielen Frauen, die trotz einer Einnahme der „Pille danach“ schwanger wurden, sind diese Schwangerschaften durch einen weiteren ungeschützten Verkehr im Anschluss entstanden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Levonorgestrel: Wenn Sie zum Zeitpunkt der Einnahme dieser Tablette bereits schwanger waren oder trotz der Einnahme schwanger bleiben, besteht kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen beim Kind. Das haben langjährige Erfahrungen mit diesem Mittel ergeben.

Levonorgestrel geht zwar in die Muttermilch über, doch bisher gibt es keinen Hinweis darauf, dass der Wirkstoff das Kind schädigen könnte. Wenn Sie während der Stillzeit eine neuerliche Schwangerschaft mit diesem Präparat verhindern wollen, sollten Sie unmittelbar vor der Einnahme des Mittels stillen und nach der Einnahme der "Pille danach" das Stillen für mindestens acht Stunden aussetzen.

Ulipristal: Für diese Substanz liegen noch nicht genügend Daten vor, um das Risiko einer Fehlbildung beim Kind abzuschätzen, wenn die Frau bereits zum Zeitpunkt der Einnahme schwanger war oder sie trotz Notfallverhütung schwanger wird. Nehmen Sie das Mittel während der Stillzeit ein, sollten Sie das Stillen für eine Woche unterbrechen. Um die Milchbildung aufrecht zu halten, sollten Sie in dieser Zeit die Milch zwar abpumpen, dem Kind jedoch nicht zum Trinken geben.

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