01.04.2014
Empfängnisverhütung

Allgemeines

Paare können für die Familienplanung aus einer Vielzahl von Verhütungsmethoden die für sie geeignete auswählen: Verhütung durch Messen der Temperatur und Prüfen des Scheidensekrets, Barrieremethoden mit Kondom, Diaphragma und spermientötenden Gelen oder Scheidenzäpfchen, Spirale, hormonhaltiger Vaginalring, unter die Haut gepflanztes Hormonstäbchen, Depotspritze, Hormonpflaster, Minipille, Pille, für den Notfall die "Pille danach" und als endgültigen Entschluss die Sterilisation. Da die Methoden – abgesehen von Kondom und Sterilisation – alle von der Frau angewendet werden, muss vor allem sie sich mit der getroffenen Wahl wohlfühlen. Wie positiv sie der Verhütungsmethode gegenübersteht, beeinflusst entscheidend die Sicherheit der Methode. Bei einer Frau, der die tägliche Einnahme einer Pille widerstrebt, ist es wahrscheinlicher, dass sie sie vergisst, als bei einer, die diese Methode als Segen empfindet. Nicht zuletzt dadurch erklärt sich die große Schwankungsbreite beim Pearl-Index.

Von Zeit zu Zeit sollte jede Frau überprüfen, ob ihre früher getroffene Entscheidung für eine Verhütungsmethode noch angemessen ist: Eine veränderte Lebenssituation, zunehmendes Alter und hinzugekommene Krankheiten können es sinnvoll machen, sie zu revidieren. Das sollte ganz besonders bedacht werden, wenn es sich um die Pille oder die Spirale handelt. Folgende Fragen sind bei der Wahl der Verhütungsmethode zu beantworten:

  • Wie groß ist der Anspruch an die Verhütungssicherheit? Die sichersten Methoden (Sterilisation, Implantat, Pille, Verhütungsring, -pflaster, Spirale) greifen am stärksten in den Körper ein.
  • Welchen Stellenwert hat die Forderung, bald nach dem Absetzen der Methode ein Kind bekommen zu können? Die Temperatur-, Schleim- und Barrieremethoden sind in dieser Hinsicht am günstigsten.
  • Wie groß ist die Bereitschaft, durch unerwünschte Wirkungen der Methode ein gesundheitliches Risiko einzugehen? In dieser Hinsicht sind die hormonellen Mittel (Minipille, Pille, hormonhaltige Spirale, Implantat, Pflaster, Vaginalring, Spritze) am stärksten belastet.
  • Wie viel Initiative besteht, sich mit der Verhütungsmethode auseinanderzusetzen? Für die natürlichen Methoden muss die Frau mit ihrem Körper sehr vertraut sein, seine Zeichen gut wahrnehmen und deuten können. Ihre Durchführung muss erlernt und geübt werden; das Gleiche gilt für den Gebrauch eines Diaphragmas.
  • Ist der Partner bereit, die Verhütung verlässlich zu übernehmen? Dafür steht, wenn eine Sterilisation nicht infrage kommt, nur das Kondom zur Verfügung. Der Coitus interruptus ("Aufpassen") ist zu unsicher und belastet das Liebesleben.
  • Wie geregelt oder wechselhaft ist das Alltagsleben? Die Pille ist nur sicher, wenn sie verlässlich eingenommen wird. Ganz besondere Disziplin muss bei der Minipille, die nur das Hormon Gestagen enthält, an den Tag gelegt werden. Wenn ein Diaphragma benutzt werden soll, muss die Frau daran denken, es mitzunehmen, wenn sie nicht zu Hause übernachtet; da es individuell angepasst ist, lässt sich nicht überall schnell Ersatz beschaffen.
  • Wie häufig kommt es durchschnittlich zum Sex? Eine kontinuierliche Verhütung (Minipille, Pille, Spirale, Implantat, Pflaster) könnte unnötig sein, wenn es nur selten etwas zu verhüten gibt.

Die verschiedenen Verhütungsmethoden

Kalender- oder Rhythmusmethode nach Knaus-Ogino ("Tage zählen"): Hierbei wird versucht, die fruchtbare Zeit auf Basis der vergangenen Zyklen rechnerisch zu ermitteln. Doch selbst ein regelmäßiger Zyklus unterliegt immer wieder Schwankungen. Das macht die Methode sehr unsicher.

Temperaturmessen/Schleimbeobachtung, ,natürliche Familienplanung: Zur Zeit des Eisprungs, also etwa in der Mitte des Menstruationszyklus', steigt die Körpertemperatur (Basaltemperatur) von etwa 36,5 °C auf etwa 37 °C. Bis zur nächsten Blutung bleibt sie erhöht, dann sinkt sie wieder ab

Im Voraus lässt sich der Eisprung mit dieser Methode nicht bestimmen, erst nach der Temperaturerhöhung ist klar, dass er stattgefunden hat. Um diesen Zeitpunkt eher absehen zu können, hilft die Schleimbeobachtung.

Kurz nach der Regel ist kaum Ausfluss aus der Scheide zu spüren oder zu sehen. Nach einigen Tagen beginnt sich weißlicher, zäher oder cremiger Schleim zu bilden. Kurz vor dem Eisprung entsteht im Gebärmutterhals dann so viel Schleim, dass er die Scheide herabfließt. Er ist dünnflüssig und durchsichtig. Einige Tage später ist die Scheide wieder trockener.

Die fruchtbaren Tage beginnen, wenn zum ersten Mal im Zyklus der natürliche Ausfluss spürbar wird; sie enden vier Tage nach der dünnflüssigen Schleimabsonderung. Von dem Tag bis zur nächsten Regel ist eine Schwangerschaft unwahrscheinlich.

Kombiniert man diese beiden Verfahren, ist die Verhütungssicherheit relativ hoch.

Verhütungscomputer sollen helfen, die fruchtbaren Tage einer Frau im Voraus zu bestimmen. Die Modelle arbeiten nach zwei Prinzipien. Die eine Sorte (Beispiel: Ladycomp) zieht zur Berechnung ausschließlich die regelmäßig gemessene Morgentemperatur heran. Die andere Sorte (Beispiel: Persona) verwendet das Ergebnis einer Hormonanalyse des Urins, die die Frau mithilfe eines Teststäbchens vornimmt.

Die Geräte, die die gemessene Temperatur zugrundelegen, nehmen der Frau das Eintragen der Messdaten ab und berechnen die fruchtbaren Tage anhand der zwölf vorangegangenen Zyklen. Auf diese Weise werden Zyklusschwankungen berücksichtigt. Die Verhütungssicherheit erhöht sich durch die Verwendung dieser Geräte gegenüber der auf konventionelle Weise durchgeführten natürlichen Familienplanung allerdings nicht. Je nachdem, wie konsequent ein solcher Verhütungscomputer angewendet wird, kann bei korrekter Anwendung der Pearl-Index bei 0,3 liegen oder – wenn es Anwendungsfehler gibt – bei 2,4 bis 10.

Die Verhütungssicherheit ist auch nicht besser bei den Computern, die die fruchtbaren Tage anhand der Hormonkonzentration im Urin zu ermitteln versuchen. Diese kann nämlich individuell so stark schwanken, dass sich die gefundenen Werte nicht jedes Mal auswerten lassen. Dann greifen auch diese Geräte auf die in den Vormonaten gemessenen Werte zurück. Für diese Geräte wurde eine Versagerrate bis zu 20 Prozent ermittelt, wenn die Anwendungsfehler mit einbezogen wurden.

Coitus interruptus ("Aufpassen"): Kurz vor dem Samenerguss zieht sich der Mann zurück. Da dennoch immer unbemerkt Samenflüssigkeit in die Scheide gelangen kann, ist die Schwangerschaftsrate hoch.

Scheidenzäpfchen: Sie werden vor dem Sex in die Scheide eingeführt und entwickeln dort einen zähen Schaum. Dieser soll die Spermien daran hindern, den Muttermund zu erreichen. Zudem wirken die in den Zäpfchen enthaltenen chemischen Substanzen spermientötend.

Kondom (Präservativ): Kondome sind ein relativ sicheres Mittel zur Empfängnisverhütung, wenn sie richtig benutzt werden. Von Vorteil ist, dass sie überall erhältlich und – nachdem man es einmal gelernt hat – leicht anzuwenden sind und als einziges Mittel auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen.

Diaphragma: Hierbei handelt es sich um eine gewölbte Membran aus Latex mit einem elastischen Ring am Rand. Das Diaphragma wird mit spermientötendem Gel bestrichen und so in die Scheide eingesetzt, dass es den Muttermund verschließt. So versperrt es dem Sperma den Weg in die Gebärmutter.

Damit das Diaphragma korrekt sitzt, muss es fachgerecht angepasst werden. In der Wachstumszeit während der Pubertät, bei Gewichtsveränderungen von mehr als drei Kilogramm und nach einer Geburt muss es jeweils erneut angepasst werden.

Portiokappe: Wenn ein Diaphragma aus anatomischen Gründen nicht benutzt werden kann – beispielsweise nach mehreren Geburten oder wenn sich die Scheidenwand gesenkt hat -, kann eine Portiokappe eine Alternative darstellen.

Spirale: Ein mit Kupfer umwickelter oder mit einem Hormon imprägnierter Kunststoffdraht wird in die Gebärmutter eingesetzt und verhindert dort, dass ein Ei befruchtet wird oder dass sich in der Gebärmutter ein befruchtetes Ei einnisten kann. Nähere Informationen hierzu finden Sie unter "Medikamente vom Arzt".

Pille: Das kombinierte Mittel aus den Hormonen Östrogen und Gestagen verhindert unter anderem den Eisprung. Die Minipille, die nur das Hormon Gestagen enthält, wirkt vornehmlich dadurch, dass es Spermien den Weg in die Gebärmutter versperrt. Näheres dazu und zu anderen hormonhaltigen Verhütungsmethoden lesen Sie unter "Medikamente vom Arzt".

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