Medikamente im Test

Wunden

Allgemeines

Die Haut wird wund, wenn sie durch zu starke Reibung gereizt wird. Bleibt der Reiz bestehen, kann sich die Stelle entzünden.

Durch Stürze und leichte Verletzungen kann es zu oberflächlichen Wunden sowie zu Schürfwunden kommen. Unfälle führen mitunter zu tiefen Wunden. Auch in der Folge von Operationen gibt es Wunden, die beobachtet werden müssen. Solche Wunden und auch tiefe Wunden nach Unfällen können nach der Abheilung zu Narben führen. Unter bestimmten Umständen, etwa bei Durchblutungsstörungen, Immunschwäche oder wenn noch weitere Erkrankungen bestehen wie Diabetes, kann es dazu kommen, dass sich Wunden nicht verschließen, sondern dauerhaft bestehen bleiben (chronische Wunden).

Verletzte Haut heilt normalerweise von selbst, indem das Blut gerinnt und über der Wunde eine Kruste bildet, die den Heilungsprozess nach außen abschirmt. Die neue Haut kann auf diese Weise rasch nachwachsen. Bei größeren Wunden mit Gewebezerstörungen bildet sich unter dem Schorf Granulationsgewebe aus Fress- und Faserzellen sowie Blutgefäßen. Auf diesem Gewebe können die Hautzellen von den Rändern zur Mitte der Wunde hin wachsen und diese mit der Zeit verschließen. Die Wundheilung wird also durch diese Reaktion, die mit einer leichten Entzündung einhergeht, begünstigt. Hemmt man die Entzündung, verzögert sich die Heilung. Wenn sich eine Wunde allerdings mit Bakterien infiziert, entzündet sie sich stärker und beginnt zu eitern.

Eine Wundpflege, wie hier beschrieben, ist nur für oberflächliche Wunden oder Schürfwunden angeraten.

Die Behandlung chronischer Wunden, die beispielsweise infolge einer chronisch-venösen Insuffizienz oder eines diabetischen Fußes entstehen, wird an dieser Stelle nicht besprochen. Näheres dazu finden Sie unter Venenerkrankungen, Thrombose beziehungsweise unter Diabetes.

Anzeichen und Beschwerden

Wenn die Haut wund wird, rötet sie sich, schwillt leicht an und schmerzt.

Die Wunde blutet oder nässt und schmerzt. Wenn sie infiziert ist, eitert sie und es bildet sich am Wundrand oder an der infizierten Stelle ein roter Saum, der bei Berührung und Druck schmerzt.

Bei stillenden Frauen kann die Brustwarze wund werden. Dann rötet sie sich stark, die Haut ist trocken und rissig und jeder Stillvorgang verursacht starke Schmerzen.

Ursachen

Raue Oberflächen können die Haut wund scheuern. Auch wenn Haut auf Haut reibt, kann die Stelle wund werden (z. B. an der Innenseite der Oberschenkel).

Im Windelbereich wird die Haut wund, wenn die Windeln zu selten gewechselt werden und der Urin die Haut reizt.

Wunde Brustwarzen entstehen meist dadurch, dass das Kind nicht richtig angelegt wird. Normalerweise umschließt das Baby mit seinem Mund die gesamte Brustwarze einschließlich eines Teils des Warzenvorhofs. Hat der Säugling die Brustwarze nicht tief genug eingesaugt, gleitet sie immer wieder etwas aus dem Mund heraus und wird durch die ständige Reibung wund gescheuert.

Meist wird die Haut bei Unfällen oder Stürzen mehr oder weniger stark verletzt – von Schürfwunden bis zu tiefen und ausgedehnten Verletzungen.

Kleine, tiefe Wunden (z. B. bei Schnitt- und Stichverletzungen) oder Risse an Stellen, an denen die Haut schlecht durchblutet ist (z. B. an der Ferse unter einer dicken Hornhautschicht), bluten oft nur wenig und schließen sich rasch. Eingedrungene Bakterien werden dann nicht mit dem Blut ausgespült, sodass unter dem Schorf ein Entzündungsherd entstehen kann. Zudem sind die Gegenstände, die die Verletzung verursacht haben (Messer, Dornen, Stachel), oft mit Bakterien behaftet, die in die Wunde eindringen können.

Großflächige Wunden sind immer mit Bakterien aus der Umgebung besiedelt. Das ist ein normaler Vorgang ohne Krankheitswert. Erst wenn sich die Bakterien massenhaft vermehren, gilt die Wunde als infiziert.

Vorbeugung

Wunde Haut im Windelbereich sollte so oft wie möglich an der Luft sein oder trocken geföhnt werden (Achtung: nur Kalt- oder Lauwarmstufe).

Damit die Brustwarzen beim Stillen nicht wund werden, können Sie schon vor der Geburt die Brust "abhärten", indem Sie sie täglich kalt abduschen und mit einem trockenen Waschlappen abrubbeln (gut eignen sich Frotteelappen, die Sie an der Luft trocknen, dann bleiben sie etwas rau). Ist das Kind geboren, sollten Sie es anfangs nicht zu lange an der Brust nuckeln lassen. Das Saugbedürfnis ohne Hunger lässt sich auch an einem Finger befriedigen. Das richtige Anlegen des Babys sollte eine Hebamme zeigen. Lassen Sie nach jedem Stillen etwas Muttermilch auf der Brustwarze antrocknen, das pflegt die Haut und hält sie geschmeidig.

Allgemeine Maßnahmen

Weiche Stoffe schützen die Haut vor dem Wundscheuern.

Bei Wunden kommt es in erster Linie darauf an, möglichst schnell einen Wundverschluss zu erzielen. Meistens sorgt die Blutgerinnung dafür, dass sich Schorf bildet und die Wunde auf diese Weise verschließt. Größere Wunden kann der Arzt nähen.

Die meisten Wunden heilen von selbst, wenn sie abgedeckt und geschützt werden; dabei darf das Verbandmaterial nicht mit der Wundoberfläche verkleben. Besonders geeignet für größere oberflächliche Wunden wie Schürfwunden sind Hydrokolloid-Pflaster und -Verbände oder fetthaltige Wundgaze (z. B. Sofra Tüll sine, Jelonet, Cuticell Classic, Oleo Tüll classic), die mit der Wundoberfläche nicht verkleben und den Wundschmerz verringern. Die Gaze sollten Sie mit normalem Verbandmull fixieren. Derartige Verbände verkleben nicht mit der Wunde und lassen sich gut wechseln (einmal täglich), bis sich die Wunde verschlossen hat.

Schnittwunden sollten Sie kurz bluten lassen, weil das ausfließende Blut die Wunde reinigt. Hält die Blutung unvermindert an, können Sie sie mit einem Druckverband stoppen.

Über Schürfwunden oder kleinere Verletzungen können Sie fließendes lauwarmes Wasser laufen lassen, um Schmutz abzuspülen. Nach dem Säubern der Wunde genügt in aller Regel ein einmaliges Desinfizieren unmittelbar nach der Verletzung. Den Wundbereich decken Sie anschließend mit einem Pflaster oder Wundverband ab. Meist genügt das, um die Wunde ausreichend vor weiteren Reizen zu schützen. Das Verbandmaterial sollte dabei nicht mit der Wundoberfläche verkleben. Wenn die Wunde noch frisch ist, sollte der Verband nicht luftdicht abschließen. In einer sauerstoffarmen Umgebung können sich bestimmte Bakterien besonders gut vermehren.

Sie können die unverletzte Haut in der unmittelbaren Umgebung der Wunde zum Beispiel mit 70-prozentigem Isopropylalkohol desinfizieren; unbedingt notwendig ist das aber nicht.

Wenn das Blut pulsierend aus der Wunde schießt, ist eine Arterie verletzt worden. Dann müssen Sie versuchen, das Gefäß abzudrücken, indem Sie oder jemand, der Ihnen zu Hilfe kommt, über der Wunde einen Druckverband anlegen. Soweit möglich, sollte dabei die Blutzufuhr zu einem Körperteil, wie etwa zu einem Finger, aufrechterhalten bleiben. Außerdem müssen Sie sofort den Arzt aufsuchen beziehungsweise den Notarzt (Telefon 112) rufen. Es besteht bei großen Blutungen sonst die Gefahr, dass Sie verbluten.

Wenn die Brustwarzen beim Stillen wund werden, brauchen Sie nicht abzustillen, sollten aber unverzüglich eine Hebamme um Rat fragen. Sie kann Ihnen zeigen, wie Sie das Kind so anlegen, dass die Brustwarzen nicht wund werden. Salben oder Cremes zur Wundpflege sollten Sie nicht anwenden (siehe Abschnitt "Wichtiges zur Behandlung").

Wann zum Arzt?

Wenn das Blut pulsierend aus der Wunde schießt, ist eine Arterie verletzt worden. Dann müssen Sie versuchen, das Blutgefäß abzudrücken, indem Sie oder eine Hilfsperson über der Wunde einen Druckverband anlegen. Außerdem müssen Sie sofort einen Arzt aufsuchen beziehungsweise den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil sonst die Gefahr besteht, dass Sie verbluten.

Große offene Wunden und tiefe Risse sollten immer ärztlich behandelt werden. Wenn sich die Wundränder entzünden oder die Wunde stark eitert, sollten Sie ebenfalls einen Arzt aufsuchen.

Auch wenn eine Wunde nach drei bis vier Tagen noch nicht erkennbar heilt oder wunde Hautstellen weiterhin gerötet sind und schmerzen, sollten Sie einen Arzt zurate ziehen.

Darüber hinaus sollten Sie mit Wunden unter folgenden Bedingungen einen Arzt aufsuchen:

  • Sie spritzen Heparin oder nehmen blutverdünnende Medikamente ein.
  • Sie nehmen Arzneimittel ein, die das Immunsystem unterdrücken.
  • Sie haben Diabetes und die Verletzung betrifft den Fuß.
  • Die Wunde befindet sich im Gesicht in der Nähe der Augen oder am beziehungsweise im Ohr.
  • Die Wunde ist tief, z. B. klafft sie auf und man sieht tieferliegende Gewebeanteile, so dass eventuell genäht werden sollte.
  • Sie wurden von einem Tier gebissen und die Wunde ist tief oder Ihr Tetanusschutz ist nicht mehr aktuell.

Behandlung mit Medikamenten

Rezeptfreie Mittel

Unter dem Begriff "Wundpflege" ist vor allem die Pflege von eingerissener Haut (Schrunden oder Rhagaden) zu verstehen. Denn akute Wunden, über denen sich bereits eine Kruste gebildet hat, sollten nicht mit Arzneimitteln behandelt, sondern ganz in Ruhe gelassen werden – die Natur vermag besser als jedes Medikament, die Haut wieder zuheilen zu lassen. Lediglich unmittelbar nach der Verletzung können Sie die Stelle mit geeigneten Mitteln zur Desinfektion von Haut und Wunden keimarm machen.

Ist die Wunde infiziert, genügt es meist, den Eiter mit lauwarmem Wasser abzuduschen und die Wundränder sowie die Wunde selbst mit einem Antiseptikum zu behandeln. Eine Desinfektion von akuten, oberflächlichen Wunden ist – wenn überhaupt – nur am Anfang empfehlenswert. Die Wundheilung wird damit nicht beschleunigt.

Die meisten Wund- und Heilsalben enthalten als hautpflegendes Mittel Dexpanthenol, das den Wundverschluss (Granulation) anregen soll. Für die Pflege wunder Haut oder zur unterstützenden Behandlung bei der Wundheilung sind diese Mittel daher geeignet. Darüber hinaus wird auch Zinkpaste zur Wundpflege eingesetzt und ist hierzu geeignet.

Zur Pflege von oberflächlichen Schürfwunden und wunder Haut eignen sich außerdem pflanzliche Wundepflegemittel mit Hamamelis oder Kamille.

Ein Gel oder Puder mit dem Antibiotikum Tyrothricin (äußerlich) ist bei oberflächlichen Hautverletzungen mit Einschränkung geeignet. Beides ist nur sinnvoll, wenn die Wunde tatsächlich bakteriell infiziert ist und Eiter austritt. Verschlimmert sich trotz der Behandlung die Entzündungsreaktion, eitert die Wunde stark, ist stark gerötet oder Sie verspüren Allgemeinsymptome wie Fieber oder Schüttelfrost, muss ein Arzt hinzugezogen werden.

Ein keimreduzierendes Gel mit Benzethonium und eine keimreduzierende Salbe mit Pyolysin sind zur Behandlung von Wunden wenig geeignet, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist.

Eine Kombination aus Zwiebelextrakt + Heparin + Allantoin soll nach Abheilung der Wunde verhindern, dass sich eine wulstige Narbe bildet. Ob das tatsächlich gelingt, ist mit den bisher vorliegenden Untersuchungen jedoch nicht ausreichend nachgewiesen und das Mittel deshalb dafür wenig geeignet.

Rezeptpflichtige Mittel

Äußerlich anzuwendende Antibiotika werden häufig verordnet, sind zur Förderung der Wundheilung jedoch wenig geeignet. Sie können das Abheilen der Wunde sogar eher noch hemmen und Allergien auslösen. Auch fördern sie, gerade wenn sie lokal angewendet werden, bei Bakterien das Entstehen von Resistenzen, und zwar bereits nach wenigen Behandlungstagen. Deshalb ist allenfalls bei besonderen Problemfällen, wenn die Wunden erkennbar bakteriell infiziert sind, eine ganz gezielte Anwendung angezeigt. Dann sollten möglichst solche Wirkstoffe den Vorzug bekommen, die nicht auch innerlich als Tabletten eingesetzt werden. Bei Operationswunden können antibiotikahaltige Wundsalben für kurze Zeit zum Einsatz kommen, um Infektionen zu verhindern.

Folgende Wirkstoffe zur äußerlichen Anwendung werden genauer besprochen:

Schwere Wundinfektionen mit allgemeinen Begleitreaktionen, insbesondere Fieber, müssen gegebenenfalls mit Antibiotika zum Einnehmen bekämpft werden. Informationen dazu finden Sie unter Bakterielle Infektionen.

Wenig geeignet zur Wundbehandlung ist eine Bakterienzubereitung, deren therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist.

Wenden Sie Arzneimittel im Intimbereich an, sollten Sie beachten, dass einige dieser Präparate die Reißfestigkeit von Latexkondomen und bei längerer Anwendungszeit eventuell auch die der Membran eines Diaphragmas beeinträchtigen können. Näheres hierzu lesen Sie unter Anwendung von Kondomen und Diaphragmen.