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Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente

Allgemeines

Die meisten Menschen brauchen keine Nahrungsergänzungsmittel, weil eine ausgewogene alltägliche Ernährung sie mit allem Notwendigen ausreichend versorgt. Einige Menschen fürchten dennoch, den Bedarf an lebenswichtigen Nahrungsbestandteilen nicht mit der Ernährung decken zu können. In Deutschland nehmen etwa ein Drittel der Erwachsenen regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen und/oder Mineralstoffen und Spurenelementen ein. Etwa zwei Drittel von ihnen sind Frauen, ein Drittel Männer. Übersicht zu Vitaminen und Mineralstoffen

Unter bestimmten Lebensumständen (z. B. während Schwangerschaft und Stillzeit) oder bei manchen Bevölkerungsgruppen (z. B. ältere Menschen, die im Heim leben) kann die Zufuhr bestimmter Vitamine oder Mineralien sinnvoll sein. Die Mengen an Vitaminen oder Mineralstoffen, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE e. V. ) empfiehlt, werden bei ihnen nicht alle sicher erreicht.

Das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel hat eine große Zahl von Menschen in Deutschland befragt, was sie im Laufe eines Monats durchschnittlich essen und trinken und in welchem Verhältnis das zur empfohlenen Nährstoffaufnahme steht.

So zeigte sich, dass die Versorgung mit Calcium – insbesondere wenn keine Milchprodukte verzehrt werden – bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sowie bei Senioren nicht immer ausreicht. Auch die Eisenaufnahme liegt unter der empfohlenen Menge. Das gilt ganz besonders für Frauen unter 50 Jahren, betrifft aber auch ältere Frauen und nimmt die Männer nicht aus.

Die Jodversorgung hat sich durch die Verwendung von jodiertem Kochsalz im Haushalt und bei der Herstellung von Fertiglebensmitteln erheblich verbessert, ist aber noch nicht bei allen Menschen zufriedenstellend.

Mit den meisten Vitaminen sind die Menschen hierzulande jedoch ausreichend bis überreichlich versorgt – ausgenommen sind in bestimmten Fällen Vitamin D und Folsäure. Die Versorgung mit Vitamin D übernimmt der Körper größtenteils selbst, indem er das Vitamin in der Haut bildet. Dazu braucht er Sonnenlicht. Die Zufuhr durch Lebensmittel spielt nur eine untergeordnete Rolle. Bei fast 60 von 100 Menschen in Deutschland liegt die Blutkonzentration von Vitamin D jedoch unter dem als wünschenswert angesehenen Wert. Da mit dem Alter die Fähigkeit des Körpers, Vitamin D zu bilden, abnimmt, ist ein Vitamin-D-Defizit bei Menschen über 65 Jahre am wahrscheinlichsten. Allerdings konnte bisher nicht nachgewiesen werden, dass das Erreichen eines als optimal angesehenen Blutspiegelwertes gesundheitliche Vorteile hat.

Für Folsäure ergab die nationale Befragung, dass in allen Altersgruppen zwischen 250 und 282 Mikrogramm Folsäure pro Tag aufgenommen werden – also deutlich weniger als die empfohlenen 400 Mikrogramm pro Tag.

Die Messung der Folsäurekonzentration im Blut im Rahmen des 13. Ernährungsreports der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ergab jedoch, dass immerhin 86 von 100 Erwachsenen dennoch ausreichend mit Folsäure versorgt sind.

Beim Einkauf alltäglicher Lebensmittel greifen viele Menschen zu Produkten, die gezielt mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen angereichert wurden. Diese Zusätze geben Lebensmitteln ein gesundes Image, selbst wenn sie viel Zucker und Fett enthalten und dadurch nicht gesundheitsfördernd sind. Zusätzlich nehmen etwa 30 Prozent der Deutschen Vitamine und Co. noch in Form von Tabletten, Kapseln, Dragees oder Saft ein. Mit dieser Ergänzung verknüpfen sich Erwartungen, die über die reine Ernährung hinausgehen. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die gezielt zugeführt werden, sollen die Folgen von Stress ausgleichen, Kinder zu besserem Lernen befähigen, chronischen Erkrankungen sowie Krebs vorbeugen und das Altern hinauszögern.

Bevor der Allgemeinheit jedoch empfohlen werden kann, bestimmte Nährstoffe gezielt einzunehmen, muss geklärt sein, mit welchen Nahrungskomponenten welchen Störungen vorgebeugt werden kann und in welcher Dosierung sie wie lange eingenommen werden müssen, um den erwünschten Effekt zu erzielen, ohne schädliche Nebeneffekte zu provozieren. Denn hochdosierte Vitamine und Mineralstoffe können bei Einnahme über längere Zeit auch schaden. Verlässliche Aussagen hierzu gibt es aber erst in wenigen Ausnahmefällen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat deshalb Höchstmengenempfehlungen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln veröffentlicht. Es handelt sich allerdings nur um Empfehlungen, gesetzliche Höchstwerte gibt es in Deutschland derzeit nicht. Eine EU-weite Regelung über gesetzlich gültige Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in angereicherten Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln wartet inzwischen seit fast 20 Jahren auf eine Umsetzung.

Das ist bei zugelassenen Arzneimitteln anders: Hier muss der Hersteller im Rahmen der Zulassung mit geeigneten Unterlagen Qualität, Wirksamkeit und Verträglichkeit seines Produktes begründen. Dass Vitamin- oder Mineralstoffpräparate als Arzneimittel zugelassen sind, erkennen Sie an der "Zul.-Nr." auf der Packung. Dennoch finden sich auch bei Lebens- und Nahrungsergänzungsmitteln Angaben, wie viel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen täglich "nötig" sei. Diese Zahlen unterscheiden sich oft sehr, je nachdem, wer sie veröffentlicht hat. Das stiftet Verwirrung. Wissenschaftlich abgesicherte Angaben stellt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bereit.

Grundlage der hier in der Übersicht zu Vitaminen und Mineralstoffen unter "Tagesbedarf" aufgeführten Mengenangaben sind die "Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr", die die Ernährungsgesellschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gemeinsam verabschiedet haben. Wenn ein gesunder Mensch die darin aufgeführten Nahrungsbestandteile mit der üblichen Kost regelmäßig etwa in der angegebenen Menge aufnimmt, ist sichergestellt, dass alle körperlichen, seelischen und stoffwechselbedingten Funktionen seines Körpers so ablaufen können wie vorgesehen. Es werden keine Symptome einer Unterversorgung und keine Mangelkrankheiten auftreten. Er kann darauf vertrauen, vor ernährungsbedingten Gesundheitsschäden geschützt und voll leistungsfähig zu sein. Dass diese Mengenangaben wirklich zutreffen, ist nur bei gesunden Menschen der Fall.

Die als Tagesbedarf angegebene Menge muss dabei nicht an jedem einzelnen Tag exakt aufgenommen werden. Die Mengenangaben sind so bemessen, dass der Körper eine gewisse Reserve aufbauen kann, sodass Schwankungen aufgefangen und ein kurzzeitig erhöhter Bedarf gedeckt werden können. Dennoch sollte durchschnittlich pro Woche in etwa die siebenfache Tagesmenge erreicht werden.

Andere Vorgaben gelten, wenn Krankheiten bewältigt werden müssen oder die Fähigkeit, Nährstoffe zu verdauen, erheblich gestört ist. Auch eine Reihe von Medikamenten kann den Bedarf an Vitaminen beeinflussen. Kinder und Jugendliche haben je nach Alter einen anderen täglichen Nährstoffbedarf als Erwachsene. Schwangere und stillende Frauen brauchen von manchem deutlich mehr als andere Frauen. Darum sind für diese Personengruppen die empfohlenen Zufuhrmengen gesondert angegeben.

Im Prinzip lässt sich der Bedarf an Nährstoffen mit einer ausgewogenen Auswahl der Lebensmittel, die hierzulande zu kaufen sind, decken. Sollte das jedoch bei einer Substanz nicht möglich sein – zum Beispiel weil es keine Lebensmittel gibt, die die infrage kommende Substanz in ausreichender Menge bereitstellen –, reagieren darauf in aller Regel der Gesetzgeber und/oder die Medizin. Ein Beispiel dafür ist die Versorgung mit Jod und Fluor. Beide Elemente sind in der Kost, die in Deutschland üblicherweise auf den Tisch kommt, nur unzureichend enthalten. Die Versorgung mit Jod ließe sich zwar verbessern, indem mehr Seefisch verzehrt würde, jedoch gehört in Deutschland – anders als zum Beispiel in Japan – der Verzehr von Fisch nicht zum festen Bestandteil der allgemeinen Ernährung. Dass sich das in nächster Zeit ändern wird, ist nicht abzusehen. Da eine bessere Versorgung der Bevölkerung mit Jod aber aus medizinischen Gründen dringend erforderlich ist, hat der Gesetzgeber erlaubt, Kochsalz mit Jod anzureichern. Nun stehen im Salzregal der Lebensmittelmärkte vornehmlich Pakete mit jodiertem Salz. Zusätzlich werden mittlerweile mit Fluorid und mit Folsäure angereicherte Speisesalze angeboten.

Auch alle Fertiglebensmittel einschließlich Brot und Backwaren dürfen mit jodiertem Speisesalz hergestellt werden. Das hat zeitweilig die Jodversorgung verbessert.

Seit einigen Jahren ist die Verwendung von jodiertem Speisesalz in verarbeiteten Lebensmitteln und im Lebensmittelhandwerk (Bäcker- und Fleischer) aber wieder rückläufig. Um eine ausreichende Jodzufuhr für alle Bevölkerungsgruppen (insbesondere junge Frauen nehmen oft zu wenig auf) zu gewährleisten, fordert das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel die Verwendung von jodiertem Speisesalz in der Lebensmittelindustrie wieder anzuheben.

Bei der Versorgung mit Fluor setzt man in erster Linie auf die Aktivität der Mediziner und Eltern, die die Kinder anhalten, sich zur Kariesvorbeugung zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta die Zähne zu putzen. Bei Jugendlichen und Erwachsenen kann der Zahnarzt die Zähne mit fluorhaltigem Lack versiegeln. Andere Staaten, z. B. Großbritannien, wählen weitreichendere Maßnahmen, indem sie beispielsweise das Trinkwasser fluoridieren.

Vorbeugung

In den vergangenen Jahren gab es eine Reihe von Hinweisen, bestimmte Mineralstoffe und Vitamine könnten dazu beitragen, Krankheiten vorzubeugen. Auch im Zusammenhang der Covid-19-Pandemie wurde darüber diskutiert, ob Nahrungsergänzungsmittel die individuelle Immunabwehr verbessern und schwere Verläufe verhindern können. Doch bewegt sich bei der Annahme, mit bestimmten Nährstoffen gezielt Krankheiten abwenden zu können oder den Altersprozess hinauszuzögern, noch vieles im Bereich der Spekulation. Häufig ist nicht geklärt, ob die positiven Effekte auf dem Nahrungsmittel als Ganzem beruhen oder ob sie auch von den isolierten Nährstoffen erzielt werden können. Unklar ist zudem, welche Langzeitfolgen die Einnahme einer größeren Dosis isolierter Nährstoffe haben kann. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass bestimmte Mineralstoffe und Vitamine, die bisher als unschädlich angesehen wurden, durchaus unerwünschte Wirkungen entfalten können. Das gilt besonders, wenn sie in hoher Dosierung und über lange Zeit eingenommen werden. Deshalb kann nicht generell empfohlen werden, solche Nährstoffe in höherer Dosierung einzunehmen, um Krankheiten vorzubeugen.

Beta-Karotin

Beta-Karotin ist eine in Pflanzen vorkommende Vorstufe von Vitamin A. Darüber hinaus hat es eine eigenständige Wirkung. Es baut aggressive Sauerstoffverbindungen rasch ab und schützt dadurch die Zellen vor den Folgen von oxidativem Stress. Eine Zeit lang meinte man, mit Beta-Karotin ließe sich das Risiko für Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern. Große Studien, mit denen diese Annahme überprüft wurde, führten jedoch zur Ernüchterung. Rauchende Menschen, die zwei Jahre lang täglich mehr als 20 Milligramm Beta-Karotin zusätzlich zu ihrer normalen Ernährung aufnahmen, hatten ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebserkrankungen. Seither sollen starke Raucher und Raucherinnen nicht mehr als 20 Milligramm Beta-Karotin am Tag aus Vitaminpräparaten zu sich nehmen. Produkte, die mehr Beta-Karotin enthalten, sind mit einem entsprechenden Warnhinweis versehen.

Die Anwendung von Beta-Karotin wurde auch bei altersbedingter Makula-Degeneration, einer Augenerkrankung, untersucht. Dabei fand sich keinerlei vorbeugender Effekt. Das Ergebnis war so deutlich, dass sich die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gegen weitere Untersuchungen aussprachen.

In Übersichtsarbeiten wurden viele Studien gemeinsam ausgewertet, in denen man der Frage nachgegangen war, wie es sich auf die Sterblichkeitsrate auswirkt, wenn die Teilnehmenden zusätzlich zu ihrer üblichen Ernährung Beta-Karotin einnehmen. Das Ergebnis legt nahe, dass die Einnahme von Beta-Karotin eher schadet als nützt.

Auch die Annahme, dass sich Anfälle von Angina Pectoris oder sogar Herzinfarkte durch die Einnahme von Beta-Karotin verhindern lassen, konnten die bisherigen Studien nicht bestätigen. Diese Aussage gilt sowohl für Menschen, deren Herz und Kreislauf gesund sind, als auch für solche, die bereits an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden.

Folsäure

Folsäure gehört in die Gruppe der B-Vitamine. Es finden sich in der wissenschaftlichen Literatur Hinweise, dass es nicht allen Menschen in Deutschland gelingt, den Tagesbedarf mit diesem Vitamin zu decken. Zu bedenken ist außerdem, dass bestimmte Medikamente wie Methotrexat (bei rheumatoider Arthritis, Schuppenflechte, Krebs), Trimethoprim und Cotrimoxazol (bei Harnwegsinfektionen), Barbiturate, Phenytoin und Valproinsäure (bei Epilepsien) zu einem Folsäuremangel führen können.

Für Frauen, die schwanger werden wollen oder die es sind, ist Folsäure ein nachgewiesenermaßen nützliches Mittel. Ist eine Frau vor der Schwangerschaft und in den ersten Monaten dieser Zeit unzureichend mit Folsäure versorgt, erhöht sich das Risiko für Neuralrohrdefekte beim Kind. Dabei schließt sich der knöcherne Ring um das Rückenmark nicht richtig, sodass das Baby mit einem "offenen Rücken" (Spina bifida) geboren wird. Das Risiko für diese Fehlbildung lässt sich verringern, wenn Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, täglich 400 Mikrogramm Folsäure einnehmen. Frauen, die bereits ein Kind mit einem Neuralrohrdefekt haben und erneut schwanger werden wollen, rät man sogar zu vier bis fünf Milligramm Folsäure am Tag.

Darüber hinaus wird diskutiert, ob Folsäure vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen kann, ob sie einem altersbedingten Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit vorbeugen und ob sie etwas zur Krebsvorbeugung beitragen kann.

Die Möglichkeit zur Vorbeugung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurde aus dem Zusammenhang von Folsäure und dem Eiweißbaustein Homocystein abgeleitet. Bei Erkrankungen wie Arteriosklerose ist der Gehalt an Homocystein im Blut erhöht. Je weniger Folsäure im Blut ist, desto höher ist der Anteil an Homocystein. Wird nun Folsäure zugeführt, sinkt tatsächlich der Homocysteinspiegel im Blut. Ob das auch bedeutet, dass weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle auftreten als bei Menschen, die keine Folsäure einnehmen, ist in mehreren klinischen Studien untersucht worden. Deren Ergebnis war negativ. Die Rate an Herzinfarkten und Schlaganfällen ließ sich durch die gezielte Einnahme von Folsäure nicht senken.

Die meisten dieser Studien wurden in Ländern mit einer guten Folsäureversorgung (d. h. dort waren Folsäure-angereicherte Grundnahrungsmittel üblich) durchgeführt. In einer Studie an Menschen mit Bluthochdruck und einem niedrigen Folsäure-Ausgangswert traten allerdings etwas weniger Schlaganfälle auf, wenn neben der üblichen blutdrucksenkenden Therapie Folsäure eingenommen wurde. Doch selbst bei diesen unzureichend mit Folsäure versorgten Patienten ist der Effekt gering: Um im Vergleich zum Blutdrucksenker allein einen Schlaganfall zusätzlich zu vermeiden, müssen mehr als 770 Personen über ein Jahr lang mit der Kombination behandelt werden. Die Rate an Herzinfarkten konnte durch den Zusatz von Folsäure zur blutdrucksenkenden Behandlung dagegen nicht weiter gesenkt werden.

Zum Einfluss von Folsäure auf das altersbedingte Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit liegen nur wenige Studien vor. Möglicherweise dürfen aber bestimmte Personengruppen von einer Folsäureeinnahme einen Nutzen erwarten, z. B. Alzheimer-Patienten, die mit Acetylcholinesterasehemmstoffen wie Donepezil behandelt werden, oder Patienten mit eingeschränkter Denkleistung und erhöhten Homocysteinspiegeln. Bevor daraus aber eine abgesicherte Empfehlung werden kann, sind weitere klinische Studien notwendig.

Andere Beobachtungen legten nahe, dass eine gute Versorgung mit Folsäure dazu beitragen kann, dass bestimmte Krebsarten seltener auftreten. Aber auch das konnte nach neueren Auswertungen der Studien nicht mit Sicherheit bestätigt werden. Nach neuen Erkenntnissen könnten hohe Folatdosen in Pillenform möglicherweise sogar das Auftreten bestimmter Krebserkrankungen wie Prostatakrebs begünstigen.

Sichere Nachweise über eine allgemein vorbeugende Wirksamkeit von Folsäure gibt es derzeit demnach nicht. Außerdem ist nicht geklärt, ob die Einnahme des Vitamins aus Präparaten auf Dauer risikolos ist. Viele Menschen in Deutschland nehmen weniger Folsäure auf, als empfohlen wird. Sie sollten sich gezielt um eine folsäurereiche Ernährung bemühen. Beispiele für folsäurereiche Lebensmittel sind Leber, grünes Gemüse, Tomaten, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte, Kartoffeln, Milchprodukte und Sprossen. Um die Versorgung zu verbessern, wird außerdem mit Folsäure angereichertes Kochsalz im Handel angeboten.

Vitamin C

Die empfohlene Tagesmenge Vitamin C (Ascorbinsäure) liegt bei 100 Milligramm. Für Raucher ist sie bei 150 Milligramm angesetzt. Ein Vielfaches dieser Menge soll Erkältungen vorbeugen können. Wissenschaftlich ausreichend nachgewiesen ist das jedoch nicht. Bei regelmäßiger Einnahme von etwa einem Gramm Vitamin C verkürzt sich die durchschnittliche jährliche Erkältungszeit bei Erwachsenen lediglich um einen Tag: von zwölf auf elf Tage. Kinder sind statt 28 Tage 24 Tage erkältet. Bei bereits bestehender Erkältung scheint die Einnahme von Vitamin C die Krankheitstage geringfügig verringern zu können; diese Ergebnisse sind aber unsicher. Gar keine Belege gibt es dafür, ob die hochdosierte Einnahme von Vitamin C zu Beginn einer Erkältung die Krankheit abkürzt oder die Beschwerden mindert.

Eine gemeinsame Auswertung der bisher veröffentlichten Studien zeigt zudem, dass die tägliche Einnahme von durchschnittlich 500 Milligramm Vitamin C das Risiko für Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen nicht senkt. Im Gegenteil finden sich Hinweise aus der wissenschaftlichen Literatur, dass hochdosiertes Vitamin C bei Frauen das Lungenkrebsrisiko erhöht.

Ein möglicher Nutzen von Vitamin C wurde auch für zahlreiche andere Erkrankungen untersucht, z. B. für altersbedingte Makula-Degeneration, Lungenentzündung, altersbedingten grauen Star und auch bei schwerer Covid-19-Erkrankung. Die Ergebnisse dieser Studien sind aber nicht aussagekräftig, weil an ihnen zu wenig Personen teilnahmen und weil sie methodisch unzureichend sind. Daher lässt sich nicht sagen, ob man diesen Erkrankungen mit Vitamin C vorbeugen oder ihr Fortschreiten verlangsamen kann.

Ferner wurde untersucht, ob die Einnahme von Vitamin C lebensverlängernd wirkt. Doch auch hierfür gibt es keinen Beleg.

Vitamin D

Vitamin D wird vom Körper selbst aus Vitaminvorstufen in der Haut produziert. Dazu ist es notwendig, dass UVB-Strahlung aus dem Licht der Sonne die Haut erreicht. In Deutschland genügt dafür – abhängig vom Hauttyp, da Menschen mit heller Haut mehr Vitamin D bilden können – in der Zeit von April bis September ein täglicher halbstündiger Aufenthalt im Freien, bei dem Gesicht und Hände dem Licht ausgesetzt sind. In den anderen Monaten reicht die Bestrahlungsstärke in der Regel jedoch nicht aus, um eine ausreichende Vitamin-D-Produktion zu gewährleisten. Da der Körper aber Vitamin D speichert, kann er im Winter von einem im Sommer angelegten Vorrat zehren. Die Ernährung kann zur Versorgung mit Vitamin D nur wenig beitragen. Nennenswerte Mengen an Vitamin D enthalten lediglich fette Seefische wie Hering, Lachs, Makrele.

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Fähigkeit des Körpers zur Vitamin-D-Synthese noch nicht vollständig ausgebildet. Außerdem sollen kleine Kinder in den Sommermonaten nicht ungeschützt dem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Ein Vitamin-D-Mangel kann bei ihnen zu der Vitamin-D-Mangelkrankheit Rachitis führen. Dabei verbiegen sich die Knochen, weil sie nicht genügend stabilisierende Calciumsalze einlagern können. Für den Calciumeinbau in die Knochen ist Vitamin D notwendig. Um einer Rachitis vorzubeugen, sollen Säuglinge im ersten Lebensjahr jeden Tag eine Tablette mit 10 bis 12,5 Mikrogramm (= 400 bis 500 I.E.) Vitamin D erhalten. Das gilt sowohl für gestillte Babys als auch für die, die mit Säuglingsfertignahrung gefüttert werden. Diese Rachitisvorbeugung sollte in den Wintermonaten des zweiten Lebensjahrs fortgesetzt werden.

Bei älteren Menschen kann die Vitamin-D-Versorgung vor allem in den sonnenarmen Monaten zwischen Oktober und März kritisch werden. Zum einen nimmt die Fähigkeit der Haut, Vitamin D zu bilden, mit steigendem Alter ab, zum anderen halten sich diese Personen oft nicht lange genug im Freien auf, sodass der Körper nicht genügend Vitamin D bilden kann. Menschen über 65 Jahre können nicht mehr sicher sein, dass ihr Körper genügend eigenes Vitamin D bildet.

Für eine optimale Vitamin-D-Versorgung sollten sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene regelmäßig mit unbedeckter Haut (Gesicht, Arme und Beine) und ohne Sonnenschutz im Freien aufhalten. Personen, die das nicht sicherstellen können, weil ihre Möglichkeit, sich im Freien zu bewegen, eingeschränkt ist, sowie älteren Menschen wird empfohlen, jeden Tag eine Tablette mit 20 Mikrogramm (= 800 I.E.) Vitamin D einzunehmen.

Um Stürzen und Knochenbrüchen vorzubeugen, sind bei Menschen mit einem erhöhten Risiko für derartige Ereignisse ebenfalls Tagesmengen von mindestens 20 Mikrogramm (= 800 I.E.) Vitamin D notwendig. Näheres hierzu lesen Sie unter Osteoporose.

Gleichzeitig muss eine ausreichende Versorgung mit Calcium gewährleistet sein, denn für gesunde Knochen gehören Calcium und Vitamin D unbedingt zusammen. Verschiedene Übersichtsarbeiten zeigen, dass Vitamin D allein Knochenbrüche nicht verhindern kann.

Vitamin D ist derzeit ein viel beachtetes Thema, sowohl in der wissenschaftlichen Literatur als auch in den Medien. Nicht selten wird Vitamin D als Wundermittel für alle möglichen Krankheiten dargestellt und immer mehr Menschen nehmen es ein.

Bezüglich Vitamin D werden derzeit Ängste vor einem Mangel geschürt. Die Beobachtung, dass bei vielen Erkrankungen niedrige Vitamin-D-Spiegel vorliegen, bedeutet aber nicht automatisch, dass die Einnahme von Vitamin D vor diesen Krankheiten schützt oder bei bestehender Krankheit nützlich ist. Nach derzeitigem Kenntnisstand gibt es – abgesehen von den positiven Wirkungen auf den Knochenstoffwechsel – keine verlässlichen Beweise für einen Nutzen. Deutliche gesundheitliche Effekte können anhand der aktuellen Studienlage ausgeschlossen werden, für sichere Aussagen im Hinblick auf einen möglichen geringen Nutzen von Vitamin D reicht die Studienlage meist nicht aus. Das gilt auch für die Annahme, dass Vitamin D akuten Atemwegsinfektionen wie einer SARS-CoV-2-Infektion vorbeugen könnte.

Eine ausreichende Vitamin D-Versorgung ist zwar für die Funktion des menschlichen Immunsystems wichtig. Das bedeutet aber nicht, dass durch eine Vitamin-D-Einnahme bei ausreichender Vitamin-D-Versorgung ein zusätzlicher Nutzen erreicht werden kann.

Derzeit kann nicht generell empfohlen werden, Vitamin D-Präparate zur Vorbeugung einer SARS-CoV-2-Infektion oder eines schweren Verlaufs einer COVID-19-Erkrankung einzunehmen; es sei denn, es liegt Vitamin D-Mangel vor. Hochdosierte Vitamin-D-Präparate auf eigene Faust einzunehmen ist nicht ratsam, denn eine Überversorgung kann auch schaden. So steigt beispielsweise mit zu hohen Vitamin-D-Spiegeln das Risiko für Nierensteine und für eine Verschlechterung der Nierenfunktion. Höhere Vitamin-D-Dosierungen sollten daher nur unter ärztlicher Kontrolle und unter Berücksichtigung des individuellen Vitamin D-Status eingenommen werden.

In Einzelfällen führte die unkontrollierte, hochdosierte Einnahme von Vitamin D-Präparaten in Eigenregie sogar zu einem akuten Nierenversagen. In diesem Zusammenhang muss besonders vor hochdosierten Vitamin-D-Tropfen gewarnt werden, die im Internet angeboten werden. Durch die mitgelieferten Dosierhilfen (Pipette mit großem Volumen und großem Gummisauger) besteht die Gefahr einer Überdosierung.

Vitamin E

Vor vielen Jahren weckten experimentelle Untersuchungen an Tieren die Hoffnung, dass die Einnahme von Vitamin E Gefäßveränderungen durch Arteriosklerose verlangsamt. Spätere Beobachtungen an Menschen legten die Vermutung nahe, eine solche Behandlung könne Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ihre tödlichen Folgen, z. B. einen Herzinfarkt, verringern. Breit angelegte klinische Studien konnten die Hoffnung aber nicht bestätigen. Stattdessen wurden Risiken offenkundig. Beispielsweise erhöht eine länger als sieben Jahre dauernde Einnahme von mehr als 400 I.E. Vitamin E pro Tag das Risiko, eine Herzschwäche zu erleiden oder aufgrund einer Herz-Kreislauf-Erkrankung ins Krankenhaus eingewiesen zu werden. Zudem gibt es Hinweise, dass Vitamin E in hoher Dosierung das Risiko für Blutungen und blutungsbedingte Schlaganfälle erhöht.Eine zusammenfassende Auswertung verschiedener Studien ergab, dass insbesondere bei älteren Patienten mit chronischen Erkrankungen das Risiko zu sterben größer ist, wenn sie mehr als 400 I.E. Vitamin E einnehmen, als bei den Studienteilnehmern, die ein Scheinmedikament bekamen. Neuere Übersichtsarbeiten zum vorbeugenden Einsatz von Vitamin E bestätigen diese Aussage. Möglicherweise ist mit einer solchen Einnahme somit der Schaden sogar größer als der Nutzen.

Es gibt sogar Hinweise, dass eine langjährige Einnahme von hochdosiertem Vitamin E bei Männern das Risiko für Prostatakrebs geringfügig ansteigen lässt – in jedem Fall aber nicht vermindert.

Auch als Vorbeugemittel vor anderen Krebserkrankungen scheint sich Vitamin E nicht zu eignen. Diverse Untersuchungen bestätigen, dass die zusätzliche Einnahme von Vitamin E die Häufigkeit verschiedener Krebserkrankungen nicht beeinflusst. Das Vitamin schützt auch nicht vor Alzheimer-Demenz. Zur Zeit gibt es daher keinen Grund, mehr als die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung angegebene Menge Vitamin E aufzunehmen.

Vitamin K

Fast alle Neugeborenen kommen mit einem Vitamin-K-Mangel zur Welt, da über die Plazenta nur wenig Vitamin K aus dem Blut der Mutter in das des ungeborenen Kindes übertreten kann. Hat die Frau dann erst einige Tage nach der Geburt genügend Milch und enthält diese zudem noch wenig Vitamin K, besteht für das Baby das Risiko, dass Blutungen auftreten. Gefürchtet sind vor allem Gehirnblutungen. Um das zu vermeiden, wird in Deutschland derzeit empfohlen, allen Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt (U1) und zu den Vorsorgeuntersuchungen U2 (3.-10. Lebenstag) sowie U3 (4.-6. Lebenswoche) Tropfen zu geben, die zwei Milligramm Vitamin K enthalten.

Weiterhin ist zu beachten, dass Vitamin K aus Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln die Therapie mit Cumarinen (Gerinnungshemmer zur Behandlung und Vorbeugung von Thrombosen) und Antikoagulanzien vom Cumarin-Typ (Vitamin-K-Antagonisten) beeinflussen kann. Wenn Sie mit diesen Mitteln behandelt werden, sollten Sie ihre Vitamin K-Aufnahme aus Lebensmitteln möglichst konstant halten und auf Vitamin K-haltige Nahrungsergänzungsmittel verzichten.

Calcium

Die Calciumversorgung in Kindheit und Jugend bestimmt, mit welchem Vorrat die Knochen in die Zeit gehen, in der mehr Knochensubstanz ab- als aufgebaut wird. Daher ist die in der Tabelle angegebene Zufuhrempfehlung für Kinder ab sieben Jahren annähernd so hoch wie die für Erwachsene und ab zehn Jahren sogar höher als für Erwachsene.

Den Tagesbedarf von 1 000 bis 1 500 Milligramm Calcium decken Sie z. B. mit etwa einem halben Liter Milch plus zwei Scheiben Käse (50 Gramm) plus einer Portion Grünkohl. Ein kleiner Becher Jogurt enthält etwa 180 Milligramm Calcium, eine Portion Brokkoli etwa 250 Milligramm, 100 Gramm Hartkäse etwa 1 000 Milligramm. Wer seine durchschnittliche tägliche Calciumzufuhr abschätzen möchte, findet auf den Seiten von gesundheitsinformation.de einen Calciumrechner. Die tägliche Gesamtaufnahme von Calcium aus Nahrungsergänzungsmitteln sollte 500 mg pro Tag nicht überschreiten.

Bei Frauen nach den Wechseljahren und bei Männern ab etwa 60 Jahre kann der altersbedingte Verlust an Knochenmasse zu Osteoporose führen. Bei dieser Krankheit treten vermehrt Knochenbrüche auf. Man hat nun untersucht, ob sich dem vorbeugen lässt, indem Jugendliche mit einer an sich ausreichenden Calciumversorgung zusätzlich ein Calciumpräparat einnehmen. Das hatte jedoch allenfalls einen geringfügigen Effekt. Zudem erstreckte er sich nicht auf jene Knochen, die im Alter besonders bruchgefährdet sind: Oberschenkelhals und Lendenwirbel. Daher sollte das Augenmerk eher auf die ausreichende Zufuhr von Calcium mit der täglichen Nahrung gerichtet werden, statt auf die Wirkung von eingenommenen Präparaten zu hoffen.

Die in den Empfehlungen angegebenen 1 000 Milligramm Calcium pro Tag genügen auch für Frauen nach den Wechseljahren, um ihr Osteoporoserisiko nicht zu vergrößern. Die Calciummenge aus der Nahrung und aus Ergänzungsmitteln soll aber zusammengerechnet 1 500 Milligramm Calcium am Tag nicht überschreiten.

Menschen über 70 Jahren sowie Personen, die körperlich wenig aktiv sind, wird geraten, jeden Tag 1 200 Milligramm Calcium und 800 I.E. Vitamin D einzunehmen. Das Gleiche gilt für Personen, die in einem Heim leben. Dass eine noch größere Menge Calcium Knochenbrüchen im Alter vorbeugt, ist nicht belegt. Im Gegenteil: Es gibt Hinweise, dass Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion – und das ist im Alter häufig der Fall – ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen möglicherweise erhöhen, wenn sie pro Tag mehr als 1 500 Milligramm Calcium aufnehmen. Zumindest scheint die kombinierte Anwendung von Calcium mit Vitamin D zur Verhinderung von Knochenfrakturen keine Auswirkungen auf die Sterberate zu haben.

Eine gezielte Einnahme von Calciumpräparaten – eventuell in Kombination mit Vitamin D – ist zur Osteoporosevorbeugung nicht generell notwendig. Sie ist nur dann angebracht, wenn die tägliche Nahrung die erforderliche Menge an Calcium und gegebenenfalls Vitamin D nicht sicherstellt oder wenn körperliche Bewegung und der Aufenthalt im Freien nur eingeschränkt möglich sind. Dafür muss jeder selbst seine Versorgung mit Calcium und Vitamin D beurteilen. Die Vitamin-D-Versorgung lässt sich nur durch eine Blutuntersuchung beim Arzt beurteilen.

Nach Auswertung der derzeitigen Studien senkt die regelmäßige Einnahme von Calcium mit oder ohne Vitamin D die Knochenbruchrate erst bei Menschen, die älter sind als 70 Jahre. Noch deutlicher wird der Schutzeffekt bei Menschen über 80 Jahre. Voraussetzung ist, dass die Mittel jeden Tag eingenommen werden.

Fluorid

Fluoride schützen vor Karies, da sie sich in die Zahnstruktur einlagern und den Zahn "härten", das heißt, er wird widerstandsfähig gegen die vor allem aus Zucker freigesetzten Säuren. Die meisten Lebensmittel enthalten nur wenig Fluorid. In Gegenden mit besonders fluoridhaltigem Trinkwasser und in Haushalten, in denen gezielt fluoridhaltiges Wasser getrunken oder mit Fluorid angereichertes Kochsalz verwendet wird, trägt dieses erheblich zur Fluorversorgung bei.

Die allgemeine Empfehlung für Schulkinder und Erwachsene lautet, sich zweimal täglich nach dem Essen die Zähne mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta (1 000 bis 1 500 Milligramm Fluorid pro Kilogramm) zu putzen. Sie ist ebenso wirksam wie fluoridhaltige Mundspülungen und Zahngele.

Bei Kindern ab 6 Monaten kann der Zahnarzt zusätzlich zwei- bis viermal im Jahr die Zähne mit einem Fluorlack versiegeln. Ob das besser wirkt als Zahnpasta, Mundspülungen und Gele ist bisher nicht belegt.

Fluoridtabletten einzunehmen wird für kleine Kinder heute nicht mehr generell empfohlen. Im ersten Lebensjahr sollen Kinderzähne zweimal am Tag mit einer erbsengroßen Menge Zahnpasta geputzt werden, die pro Kilogramm 500 Milligramm Fluorid enthält. Ab zwei Jahre soll dann eine erbsengroße Menge Zahnpasta mit 1 000 Milligramm Fluorid pro Kilogramm zweimal täglich zum Einsatz kommen.

Ein Zuviel an Fluorid im Kleinkindalter kann das Wachstum der bleibenden Zähne beeinträchtigen. Sichtbar wird das an weißen, gelblichen oder braunen Flecken auf den Zähnen, die mit Karies verwechselt werden können. Die Menge kann beispielsweise dann zu groß werden, wenn Fluoridtabletten angewendet und zusätzlich mit Fluor angereichertes Kochsalz oder fluoridierte Zahnpasta benutzt werden. Daher sollte die Fluoridprophylaxe mit einem Zahn- oder Kinderarzt abgesprochen werden.

Selen

Hinweise, dass Selen ein Schutzfaktor gegenüber Herzinfarkt, einigen Krebserkrankungen und Störungen im Immunsystem sein könnte, haben sich nicht bestätigt. Selen schützt auch nicht alleine oder in Kombination mit Vitamin E vor Demenz. Andererseits finden sich aber Hinweise, dass eine regelmäßige Einnahme von Selen das Risiko für die Entstehung eines Diabetes mellitus und für einen Hoch-Risiko-Prostatakrebs erhöht. Sichere Aussagen zu diesen Zusammenhängen lassen sich aber bisher nicht machen. Darum wird gesunden Menschen nicht empfohlen, Selen anders als mit der Nahrung aufzunehmen. In allen anderen Fällen sollte immer ein Arzt zurate gezogen werden, der den Selenspiegel im Blut messen kann, um den Bedarf zu überprüfen.

A, C, E, Selen – Krankheitsschutz aus der Packung?

Die Vitamine A, C und E, zuweilen noch kombiniert mit Selen und/oder Beta-Karotin, gelten als Schutzsubstanzen, unter anderem vor Krebs. Dass ein derartiger Schutz für möglich gehalten wird, beruht auf folgendem Zusammenhang:

Neben dem normalen Sauerstoff, den die Zellen lebensnotwendig brauchen, gibt es im Organismus immer auch aggressive Formen von Sauerstoff, die Sauerstoffradikale. Sie entstehen als Reaktion des Körpers auf Belastungen aus der Umwelt, werden aber auch im Rahmen normaler Stoffwechselprozesse gebildet. Sauerstoffradikale sind an der Entstehung einer Reihe von chronischen Krankheiten, wie sie im Alter gehäuft auftreten, beteiligt und auch daran, dass sich Zellen bösartig verändern. Der Gefahr, die von diesem aggressiven Sauerstoff ausgeht, begegnet der Körper mit eigenen Schutzsystemen.

Daher liegt der Gedanke nahe, jene Faktoren, die in diesen Systemen eine Rolle spielen, verstärkt zuzuführen, um den Eigenschutz des Körpers zu stärken. Zu diesen Faktoren gehören unter anderem die Vitamine C und E, die Karotinoide (= pflanzliches Provitamin A) und die Elemente Selen und Zink.

In vielen Studien ist untersucht worden, ob einzelne dieser Nahrungskomponenten oder Kombinationen von ihnen bei Personen, die sich eigentlich angemessen ernähren, bestimmten Krankheiten vorbeugen können. Das hat sich nicht beweisen lassen. Aus den verschiedenen Untersuchungen wurde der Schluss gezogen, dass die Schutzfunktion dieser Substanzen nur dann zum Tragen kommt, wenn sie in Form eines natürlichen Nahrungsmittels aufgenommen werden.

Ein weiteres Problem zeigt sich bei der Krebsvorbeugung. Hier besteht die Hoffnung, dass die reichliche Zufuhr bestimmter Nährstoffe vor Krebs schützen könnte. Derartiges könnte aber nur der Fall sein, bevor sich die Zellen zu verändern beginnen. Später ist die Zufuhr dieser Antioxidanzien bestenfalls wenig hilfreich, vielleicht sogar schädlich, weil sie das Tumorwachstum beschleunigen könnten. Da aber niemand weiß, ob sich in seinem Körper nicht bereits einige Zellen in Tumorzellen verwandelt haben, ist die Zufuhr solcher hoch dosierten Stoffe nicht ohne Risiko.

Die Auswertung aller entsprechenden Studien erlaubt zurzeit nur einen Schluss: Ein bereits in der Jugend einsetzender regelmäßiger, reichlicher Verzehr von Obst, Gemüse und anderen pflanzlichen Lebensmitteln verringert das Risiko, dass sich degenerative chronische Erkrankungen, insbesondere Herz-Kreislauf- und Krebsleiden, einstellen. Der Nutzen der Einnahme von Präparaten ist hingegen nicht erwiesen.

Allgemeine Maßnahmen

Durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung wird der Körper bei gesunden Menschen normalerweise ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen sowie Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt. Als Anhaltspunkt: Sie sollten sich bemühen, mit Ihrer täglichen Kost die in der Übersicht zu Vitaminen und Mineralstoffen unter "Tagesbedarf" genannte Menge an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen aufzunehmen. Das bedeutet aber nicht, dass Sie sich jeden Tag genau an diese Mikro- oder Milligrammmengen halten müssen. Der Nährstoffbedarf ist von Tag zu Tag verschieden und Ihr Körper kann Schwankungen durchaus ausgleichen, wenn über lange Zeit gesehen eine ausreichende Zufuhr gewährleistet ist.

Wann zum Arzt?

Bevor Sie sich mit einem bestimmten Nährstoff oder einer Substanzkombination gezielt versorgen, sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Meistens kann eine Untersuchung klären, ob überhaupt ein Mangel vorliegt; später sollten Kontrollen zeigen, wann Sie die Behandlung beenden können.

Hat der Arzt einen Mangel an Kalium eindeutig festgestellt, kann er Präparate, die nur Kalium enthalten, zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnen.

Mittel, die Jodidsalz enthalten, dürfen bei Schilddrüsenerkrankungen vom Arzt zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden.

Präparate, die nur Zinksalze enthalten, werden erstattet, wenn ein eindeutiger Zinkmangel aufgrund einer Hämodialysebehandlung besteht, wenn eine Erkrankung vorliegt, bei der zu viel Kupfer im Körper zurückgehalten wird (Morbus Wilson) sowie bei enteropathischer Akrodermatitis, einer Erkrankung, bei der nicht genug Zink aus der Nahrung in den Körper aufgenommen wird.

Mittel, die nur Vitamin K, eine Vitamin-B1-Vorstufe (Benfotiamin), wasserlösliche Vitamine oder Folsäure enthalten, werden von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt, wenn ein schwerwiegender Mangel nachgewiesen ist und dieser durch eine entsprechende Ernährung nicht behoben werden kann. Außerdem werden wasserlösliche Vitamine auch in Kombination bei dialysepflichtigen Patienten erstattet.

Mittel mit Folsäure können ärztlich verordnet werden, wenn eine Behandlung mit Folsäureantagonisten (z. B. Methotrexat, bei rheumatoider Arthritis, Schuppenflechte, Krebs) erforderlich ist.

Mittel mit Vitamin D (alleine oder auch kombiniert mit Calcium, wenn dessen Zufuhr nicht über die Nahrung sichergestellt ist) werden von der gesetzlichen Krankenkasse zur Behandlung der Osteoporose und unter bestimmten Umständen bei einer länger andauernden Therapie mit Glucocorticoiden bezahlt.

Behandlung mit Medikamenten

In bestimmten Lebenssituationen ist es nicht mehr möglich, den täglichen Nährstoffbedarf mit einer abwechslungsreichen vollwertigen Ernährung zu decken. Beispiele dafür sind die Versorgung mit Folsäure vor und in den ersten Monaten der Schwangerschaft, die Versorgung mit Vitamin B12 bei rein veganer Ernährung und die Zufuhr von Vitamin D bei älteren Menschen, die wenig mobil sind. Auch ein nachgewiesener Mangel an einem bestimmten Nährstoff, z. B. Eisen, ist nur zu beheben, wenn die Substanz gezielt in höherer Dosierung zugeführt wird.

Rezeptfreie Mittel

Präparate einzunehmen bedeutet immer, das Gleichgewicht der Nährstoffe im Körper zugunsten des einen oder einiger weniger zu verschieben. Das wirkt sich nicht immer positiv aus. So kann z. B. eine sehr hohe Zufuhr von Molybdän dazu führen, dass von dem Element Kupfer erheblich mehr ausgeschieden wird; wenn der Körper viel Calcium bekommt, kann er Zink schlechter verwerten.

Wenn Sie es dennoch für notwendig halten, Nährstoffe mit einem Präparat zuzuführen, sollten Sie ein Multivitamin-Präparat wählen, das alle Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in angemessener Dosierung miteinander kombiniert.