Medikamente im Test

Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente

Allgemeines

Die meisten Menschen brauchen keine Nahrungsergänzungsmittel, weil eine ausgewogene alltägliche Ernährung sie mit allem Notwendigen ausreichend versorgt. Einige Menschen fürchten dennoch, den Bedarf an lebenswichtigen Nahrungsbestandteilen nicht mit der alltäglichen Ernährung decken zu können. Knapp 28 von 100 Personen nehmen Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen und/oder Mineralstoffen und Spurenelementen ein. Etwa zwei Drittel von ihnen sind Frauen, ein Drittel Männer. (Übersicht zu Vitaminen und Mineralstoffen.)

Das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel hat mit einer detaillierten Befragung einer großen Zahl von Menschen in Deutschland ermittelt, was sie im Laufe eines Monats durchschnittlich essen und trinken und in welchem Verhältnis das zur empfohlenen Nährstoffaufnahme steht. Dieser Untersuchung zufolge ist die Versorgung mit Eiweiß meistens mehr als ausreichend, der Anteil an vollkornhaltigen Getreideprodukten könnte angehoben werden, der Anteil tierischer Fette in der Nahrung ist zu hoch. Vor allem Männer nehmen mit den Fetten auch zu viel Cholesterin auf. Männer wie Frauen sollten die Zufuhr an Ballaststoffen erhöhen und vor allem Männer ihren Konsum von Alkohol deutlich senken.

Ungenügend ist die Versorgung mit Calcium insbesondere bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sowie bei Senioren. Auch die Eisenaufnahme liegt unter der empfohlenen Menge. Das gilt ganz besonders für Frauen unter 50 Jahren, betrifft aber auch ältere Frauen und nimmt die Männer nicht aus.

Die Jodversorgung hat sich durch die Verwendung von jodiertem Kochsalz im Haushalt und bei der Herstellung von Fertiglebensmitteln erheblich verbessert, ist aber noch nicht bei allen Menschen zufriedenstellend.

Mit den meisten Vitaminen sind die Menschen hierzulande ausreichend bis überreichlich versorgt – ausgenommen Vitamin D und Folsäure. Die Versorgung mit Vitamin D übernimmt der Körper größtenteils selbst, indem er das Vitamin in der Haut bildet. Dazu braucht er jedoch Sonnenlicht. Die Zufuhr durch Lebensmittel spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Bei fast 60 von 100 Menschen in Deutschland liegt die Blutkonzentration von Vitamin D jedoch unter dem als wünschenswert angesehenen Wert. Allerdings konnte bisher nicht nachgewiesen werden, dass das Erreichen eines als optimal angesehenen Blutspiegelwertes gesundheitliche Vorteile hat. Da mit dem Alter die Fähigkeit des Körpers, Vitamin D zu bilden, abnimmt, ist ein Vitamin-D-Defizit bei Menschen über 65 Jahre am wahrscheinlichsten. Für Folsäure ergab die nationale Befragung, dass in allen Altersgruppen zwischen 250 und 282 Mikrogramm Folsäure pro Tag aufgenommen werden – also deutlich weniger als die empfohlenen 400 Mikrogramm pro Tag.

Die Messung der Folsäurekonzentration im Blut im Rahmen des 13. Ernährungsreports der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ergab jedoch, dass immerhin 85 von 100 Erwachsenen dennoch ausreichend mit Folsäure versorgt sind.

Beim Einkauf der alltäglichen Lebensmittel greifen viele Menschen zu Produkten, die gezielt mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen angereichert wurden. Diese Zusätze geben Lebensmitteln ein gesundes Image, auch wenn sie viel Zucker und Fett enthalten und dadurch nicht gesundheitsfördernd sind. Zusätzlich nehmen etwa 30 Prozent der Deutschen diese Nahrungsbestandteile noch in Form von Tabletten, Kapseln, Dragees oder Saft ein. Mit dieser Ergänzung der Nahrung verknüpfen sich Erwartungen, die über die reine Ernährung hinausgehen. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die gezielt zugeführt werden, sollen die Folgen von Stress ausgleichen, Kinder zu besserem Lernen befähigen, chronischen Erkrankungen sowie Krebs vorbeugen und das Altern hinauszögern.

Bevor der Allgemeinheit jedoch empfohlen werden kann, bestimmte Nährstoffe gezielt einzunehmen, muss geklärt sein, mit welchen Nahrungskomponenten welchen Störungen vorgebeugt werden kann und in welcher Dosierung sie wie lange eingenommen werden müssen, um den erwünschten Effekt zu erzielen, ohne schädliche Nebeneffekte zu provozieren. Derart verlässliche Aussagen gibt es erst in wenigen Ausnahmefällen.

Dennoch finden sich vielerorts Angaben, wie viel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen täglich "nötig" sei. Diese Zahlen unterscheiden sich oft sehr, je nachdem, wer sie veröffentlicht hat. Das stiftet Verwirrung. Wissenschaftlich abgesicherte Angaben stellt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bereit (www.dge.de).

Grundlage der hier in der Übersicht "Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente" unter "Tagesbedarf" aufgeführten Mengenangaben sind die "Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr", die die Ernährungsgesellschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gemeinsam verabschiedet haben. Wenn ein gesunder Mensch die darin aufgeführten Nahrungsbestandteile mit der üblichen Kost regelmäßig in etwa in der angegebenen Menge aufnimmt, ist sichergestellt, dass alle körperlichen, seelischen und stoffwechselbedingten Funktionen seines Körpers so ablaufen können wie vorgesehen. Es werden keine Symptome einer Unterversorgung und keine Mangelkrankheiten auftreten. Er kann also darauf vertrauen, vor ernährungsbedingten Gesundheitsschäden geschützt und voll leistungsfähig zu sein. Voraussetzung dafür, dass diese Mengenangaben wirklich zutreffen, ist, dass der Betreffende gesund ist.

Die als Tagesbedarf angegebene Menge muss dabei nicht an jedem einzelnen Tag exakt aufgenommen werden. Die Mengenangaben sind so bemessen, dass der Körper eine gewisse Reserve aufbauen kann, sodass Schwankungen aufgefangen und ein kurzzeitig erhöhter Bedarf gedeckt werden können. Dennoch sollte über längere Zeit gesehen pro Woche in etwa die siebenfache Tagesmenge erreicht werden.

Andere Vorgaben gelten, wenn Krankheiten bewältigt werden müssen oder die Fähigkeit, Nährstoffe zu verdauen, erheblich gestört ist. Auch eine Reihe von Medikamenten kann den Bedarf an Vitaminen beeinflussen. Kinder und Jugendliche haben je nach Alter einen anderen täglichen Nährstoffbedarf als Erwachsene. Schwangere und stillende Frauen brauchen von manchem deutlich mehr als andere Frauen. Darum sind für diese Personengruppen die empfohlenen Zufuhrmengen gesondert angegeben.

Im Prinzip lässt sich der Bedarf an Nährstoffen mit einer ausgewogenen Auswahl der Lebensmittel, die hierzulande zu kaufen sind, decken. Sollte das jedoch bei einer Substanz nicht möglich sein – zum Beispiel weil es keine Lebensmittel gibt, die die infrage kommende Substanz in ausreichender Menge bereitstellen –, reagieren darauf in aller Regel der Gesetzgeber und/oder die Medizin. Ein Beispiel dafür ist die Versorgung mit Jod und Fluor. Beide Elemente sind in der Kost, die in Deutschland üblicherweise auf den Tisch kommt, nur unzureichend enthalten. Die Versorgung mit Jod ließe sich zwar verbessern, indem mehr Seefisch verzehrt würde, jedoch gehört in Deutschland – anders als zum Beispiel in Japan – der Verzehr von Fisch nicht zum festen Bestandteil der allgemeinen Ernährung. Dass sich das in nächster Zeit ändern wird, ist nicht abzusehen. Da eine bessere Versorgung der Bevölkerung mit Jod aber aus medizinischen Gründen dringend erforderlich ist, hat der Gesetzgeber erlaubt, Kochsalz mit Jod anzureichern. Nun stehen im Salzregal der Lebensmittelmärkte vornehmlich Pakete mit jodiertem Salz. Da seit einigen Jahren auch alle Fertiglebensmittel einschließlich Brot und Backwaren mit jodiertem Speisesalz hergestellt werden dürfen, hat sich die Jodversorgung in Deutschland verbessert.

Bei der Versorgung mit Fluor setzt man hingegen auf die Aktivität der Mediziner und Eltern, die die Kinder anhalten, sich zur Kariesvorbeugung zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta die Zähne zu putzen. Bei Jugendlichen und Erwachsenen kann der Zahnarzt die Zähne mit fluorhaltigem Lack versiegeln. Andere Staaten, z. B. Großbritannien, wählen übergreifende Maßnahmen, indem sie beispielsweise das Trinkwasser fluoridieren. Besonders in den Vereinigten Staaten ist die Praxis, Lebensmittel des allgemeinen Konsums mit Nährstoffen anzureichern, weit verbreitet. Dort ist es beispielsweise üblich, Mehl, Milch und Frühstücksflocken mit Folsäure und anderen Vitaminen zu versetzen.

Vorbeugung

In den vergangenen Jahren gab es eine Reihe von Hinweisen, einige Mineralstoffe und Vitamine könnten dazu beitragen, Krankheiten vorzubeugen. Allerdings bewegt sich bei der Annahme, mit bestimmten Nährstoffen gezielt Krankheiten abwenden zu können oder den Altersprozess hinauszuzögern, noch vieles im Bereich der Spekulation. Häufig ist nicht geklärt, ob die positiven Effekte auf dem Nahrungsmittel als Ganzem beruhen oder ob sie auch von den isolierten Nährstoffen erzielt werden können. Unklar ist zudem, welche Langzeitfolgen die Einnahme einer größeren Dosis isolierter Nährstoffe haben kann. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass bestimmte Mineralstoffe und Vitamine, die bisher als unschädlich angesehen wurden, durchaus unerwünschte Wirkungen entfalten können. Das gilt besonders, wenn sie in hoher Dosierung und über lange Zeit eingenommen werden. Deshalb kann nicht generell empfohlen werden, solche Nährstoffe in höherer Dosierung einzunehmen, um Krankheiten vorzubeugen. Für Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen und Mineralstoffen gibt es derzeit – anders als für Arzneimittel, die ein Zulassungsverfahren durchlaufen – noch keine verbindlichen Höchstmengen für die Inhaltsstoffe. Ein unkontrollierter Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln kann daher mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein. Eine EU-weite Regelung über gültige Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe ist in Vorbereitung.

Anders ist das bei definierten Personengruppen, für die nachgewiesen ist, dass sie ihren Bedarf an bestimmten Substanzen nicht ausreichend decken. Beispielsweise weiß man, dass es vielen schwangeren Frauen an Folsäure fehlt und dass Frauen nach den Wechseljahren oft zu wenig Calcium aufnehmen. Ihnen wird dann empfohlen, ihre Ernährung so auszurichten, dass sie dem erhöhten Bedarf gerecht werden. Ist das nicht möglich, können sie die genannten Bestandteile mit einem Medikament gezielt einnehmen.

Beta-Karotin

Beta-Karotin ist eine wichtige Vorstufe von Vitamin A. Darüber hinaus hat es eine eigenständige Wirkung. Es baut aggressive Sauerstoffverbindungen rasch ab und schützt dadurch die Zellen vor den Folgen von oxidativem Stress. Eine Zeit lang meinte man, mit Beta-Karotin ließe sich das Risiko für Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern. Große Studien, mit denen diese Annahme überprüft wurde, führten jedoch zur Ernüchterung. Raucher, die zwei Jahre lang täglich mehr als 20 Milligramm Beta-Karotin zusätzlich zu ihrer normalen Ernährung aufnahmen, hatten ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebserkrankungen. Seither sollen starke Raucher nicht mehr als 20 Milligramm Beta-Karotin am Tag aus Vitaminpräparaten zu sich nehmen. Produkte, die mehr Beta-Karotin enthalten, sind mit einem entsprechenden Warnhinweis versehen.

Die Anwendung von Beta-Karotin wurde auch bei altersbedingter Makula-Degeneration, einer Augenerkrankung, untersucht. Dabei fand sich keinerlei vorbeugender Effekt. Das Ergebnis war so deutlich, dass sich die Wissenschaftler gegen weitere Untersuchungen aussprachen.

In Übersichtsarbeiten wurden viele Studien gemeinsam ausgewertet, in denen man der Frage nachgegangen war, wie es sich auf die Sterblichkeitsrate auswirkt, wenn die Teilnehmenden zusätzlich zu ihrer üblichen Ernährung Beta-Karotin einnehmen. Das Ergebnis legt nahe, dass die Einnahme von Beta-Karotin eher schadet als nützt.

Auch die Annahme, dass sich Anfälle von Angina Pectoris oder sogar Herzinfarkte durch die Einnahme von Beta-Karotin verhindern lassen, konnten die bisherigen Studien nicht bestätigen. Diese Aussage gilt sowohl für Menschen, deren Herz und Kreislauf gesund sind, als auch für solche, die bereits an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden.

Folsäure

Folsäure gehört in die Gruppe der B-Vitamine. Für Frauen, die schwanger werden wollen oder die es sind, ist Folsäure ein nachgewiesenermaßen nützliches Mittel. Ist eine Frau vor der Schwangerschaft und in den ersten Monaten dieser Zeit unzureichend mit Folsäure versorgt, erhöht sich das Risiko für Neuralrohrdefekte beim Kind. Dabei schließt sich der knöcherne Ring um das Rückenmark nicht richtig, sodass das Baby mit einem "offenen Rücken" (Spina bifida) geboren wird. Das Risiko für diese Fehlbildung lässt sich verringern, wenn Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, täglich 400 Mikrogramm Folsäure einnehmen. Frauen, die bereits ein Kind mit einem Neuralrohrdefekt haben und erneut schwanger werden wollen, rät man sogar zu vier bis fünf Milligramm Folsäure am Tag.

Darüber hinaus wird diskutiert, ob Folsäure vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen kann, ob sie einem altersbedingten Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit vorbeugen und ob sie etwas zur Krebsvorbeugung beitragen kann.

Die Möglichkeit zur Vorbeugung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurde aus dem Zusammenhang von Folsäure und dem Eiweißbaustein Homocystein abgeleitet. Bei Erkrankungen wie beispielsweise Arteriosklerose ist der Gehalt an Homocystein im Blut erhöht. Je weniger Folsäure im Blut ist, desto höher ist der Anteil an Homocystein. Wird nun Folsäure zugeführt, sinkt tatsächlich der Homocysteinspiegel im Blut. Ob das auch bedeutet, dass weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle auftreten als bei Menschen, die keine Folsäure einnehmen, ist in mehreren klinischen Studien untersucht worden. Deren Ergebnis war negativ. Die Rate an Herzinfarkten und Schlaganfällen ließ sich durch die gezielte Einnahme von Folsäure nicht senken.

Die meisten dieser Studien wurden in Ländern mit einer guten Folsäureversorgung (d. h. dort waren Folsäure-angereicherte Grundnahrungsmittel üblich) durchgeführt. In einer Studie an Menschen mit Bluthochdruck und einem niedrigen Folsäure-Ausgangswert traten allerdings etwas weniger Schlaganfälle auf, wenn neben der üblichen blutdrucksenkenden Therapie Folsäure eingenommen wurde. Doch selbst bei diesen unzureichend mit Folsäure versorgten Patienten ist der Effekt gering: Um im Vergleich zum Blutdrucksenker allein einen Schlaganfall zusätzlich zu vermeiden, müssen mehr als 770 Personen über ein Jahr lang mit der Kombination behandelt werden. Die Rate an Herzinfarkten konnte durch den Zusatz von Folsäure zur blutdrucksenkenden Behandlung dagegen nicht weiter gesenkt werden.

Zum Einfluss von Folsäure auf das altersbedingte Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit liegen nur wenige Studien vor. Möglicherweise dürfen aber bestimmte Personengruppen von einer Folsäureeinnahme einen Nutzen erwarten, z. B. Alzheimer-Patienten, die mit Acetylcholinesterasehemmstoffen wie z. B. Donepezil behandelt werden, oder Patienten mit eingeschränkter Denkleistung und erhöhten Homocysteinspiegeln. Bevor daraus aber eine abgesicherte Empfehlung werden kann, sind weitere klinische Studien notwendig.

Andere Beobachtungen legten nahe, dass eine gute Versorgung mit Folsäure dazu beitragen kann, dass Dickdarmkrebs und eventuell auch andere Krebsarten seltener auftreten. Aber auch das konnte nach neueren Auswertungen der Studien nicht mit Sicherheit bestätigt werden.

Sichere Nachweise über eine allgemein vorbeugende Wirksamkeit von Folsäure gibt es derzeit demnach nicht. Außerdem ist nicht geklärt, ob die Einnahme des Vitamins aus Präparaten auf Dauer risikolos ist. Doch die Mehrzahl der Menschen in Deutschland nimmt weniger Folsäure auf, als empfohlen wird. Sie sollten sich gezielt um eine folsäurereiche Ernährung bemühen. Beispiele für folsäurereiche Lebensmittel sind Leber, grünes Gemüse, Tomaten, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte, Kartoffeln, Milchprodukte und Sprossen. Um die Versorgung zu verbessern, wird außerdem mit Folsäure angereichertes Kochsalz im Handel angeboten.

Vitamin C

Die empfohlene Tagesmenge Vitamin C (Ascorbinsäure) liegt bei 100 Milligramm. Für Raucher ist sie bei 150 Milligramm angesetzt. Ein Vielfaches dieser Menge soll Erkältungen vorbeugen können. Wissenschaftlich ausreichend nachgewiesen ist das jedoch nicht. Bei regelmäßiger Einnahme von etwa einem Gramm Vitamin C verkürzt sich die durchschnittliche jährliche Erkältungszeit bei Erwachsenen lediglich um einen Tag: von zwölf auf elf Tage. Kinder sind statt 28 Tage 24 Tage erkältet. Bei bereits bestehender Erkältung scheint die Einnahme von Vitamin C die Krankheitstage geringfügig verringern zu können; diese Ergebnisse sind aber unsicher. Gar keine Belege gibt es dafür, ob die hochdosierte Einnahme von Vitamin C zu Beginn einer Erkältung die Krankheit abkürzt oder die Beschwerden mindert.

Eine gemeinsame Auswertung der bisher veröffentlichten Studien zeigt zudem, dass die tägliche Einnahme von durchschnittlich 500 Milligramm Vitamin C das Risiko für Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen nicht senkt. Auch die Lebenszeit lässt sich damit nicht verlängern.

Der Nutzen von Vitamin C wurde auch für zahlreiche andere Erkrankungen untersucht, z. B. für altersbedingte Makula-Degeneration, Lungenentzündung und altersbedingten grauen Star. Die Ergebnisse dieser Studien sind aber nicht aussagekräftig, weil an ihnen zu wenig Personen teilnahmen und weil sie methodisch unzureichend sind. Daher lässt sich nicht sagen, ob man diesen Erkrankungen mit Vitamin C vorbeugen oder ihr Fortschreiten verlangsamen kann.

Ferner wurde untersucht, ob die Einnahme von Vitamin C lebensverlängernd wirkt. Doch auch hierfür gibt es keinen Beleg.

Vitamin D

Vitamin D wird vom Körper selbst aus Vitaminvorstufen in der Haut produziert. Dazu ist es notwendig, dass UVB-Strahlung aus dem Licht der Sonne die Haut erreicht. In Deutschland genügt dafür – abhängig vom Hauttyp – in der Zeit von April bis September ein täglicher halbstündiger Aufenthalt im Freien, bei dem Gesicht und Hände dem Licht ausgesetzt sind. In den anderen Monaten reicht die Bestrahlungsstärke in der Regel jedoch nicht aus, um eine ausreichende Vitamin-D-Produktion zu gewährleisten. Da der Körper aber Vitamin D speichert, kann er im Winter von einem im Sommer angelegten Vorrat zehren. Die Ernährung kann zur Versorgung mit Vitamin D nur wenig beitragen. Nennenswerte Mengen an Vitamin D enthalten lediglich fette Seefische wie Hering, Lachs, Makrele.

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Fähigkeit des Körpers zur Vitamin-D-Synthese noch nicht vollständig ausgebildet. Außerdem sollen kleine Kinder in den Sommermonaten nicht ungeschützt dem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Ein Vitamin-D-Mangel kann bei ihnen zu der Vitamin-D-Mangelkrankheit Rachitis führen. Dabei verbiegen sich die Knochen, weil sie nicht genügend stabilisierende Calciumsalze einlagern können. Für den Calciumeinbau in die Knochen ist Vitamin D notwendig. Um einer Rachitis vorzubeugen, sollen Säuglinge im ersten Lebensjahr jeden Tag eine Tablette mit 10 bis 12,5 Mikrogramm (= 400 bis 500 I.E.) Vitamin D erhalten. Das gilt sowohl für gestillte Babys als auch für die, die mit Säuglingsfertignahrung gefüttert werden. Diese Rachitisvorbeugung sollte in den Wintermonaten des zweiten Lebensjahrs fortgesetzt werden.

Bei älteren Menschen kann die Vitamin-D-Versorgung vor allem in den sonnenarmen Monaten zwischen Oktober und März kritisch werden. Zum einen nimmt die Fähigkeit der Haut, Vitamin D zu bilden, mit steigendem Alter ab, zum anderen halten sich diese Personen oft nicht lange genug im Freien auf, sodass der Körper nicht genügend Vitamin D bilden kann. Menschen über 65 Jahre können nicht mehr sicher sein, dass ihr Körper genügend eigenes Vitamin D bildet.

Für eine optimale Vitamin-D-Versorgung sollten sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene regelmäßig mit unbedeckter Haut und ohne Sonnenschutz im Freien aufhalten. Personen, die das nicht sicherstellen können, weil ihre Möglichkeit, sich im Freien zu bewegen, eingeschränkt ist, sowie älteren Menschen wird empfohlen, jeden Tag eine Tablette mit 20 Mikrogramm (= 800 I.E.) Vitamin D einzunehmen.

Um Stürzen und Knochenbrüchen vorzubeugen, sind bei Menschen mit einem erhöhten Risiko für derartige Ereignisse ebenfalls Tagesmengen von mindestens 20 Mikrogramm (= 800 I.E.) Vitamin D notwendig. Näheres hierzu lesen Sie unter Osteoporose.

Gleichzeitig muss eine ausreichende Versorgung mit Calcium gewährleistet sein, denn für gesunde Knochen gehören Calcium und Vitamin D unbedingt zusammen. Verschiedene Übersichtsarbeiten zeigen, dass Vitamin D allein Knochenbrüche nicht verhindern kann.

Bezüglich Vitamin D werden derzeit Ängste vor einem Mangel geschürt. Die Beobachtung, dass bei vielen Erkrankungen niedrige Vitamin-D-Spiegel vorliegen, bedeutet aber nicht automatisch, dass die Einnahme von Vitamin D vor diesen Krankheiten schützt oder bei bestehender Krankheit nützlich ist. Nach derzeitigem Kenntnisstand gibt es – abgesehen von den positiven Wirkungen auf den Knochenstoffwechsel – keine verlässlichen Beweise für einen Nutzen. Deutliche gesundheitliche Effekte können anhand der aktuellen Studienlage ausgeschlossen werden, für sichere Aussagen im Hinblick auf einen möglichen geringen Nutzen von Vitamin D reicht die Studienlage meist nicht aus. Hochdosierte Vitamin-D-Präparate auf eigene Faust einzunehmen ist nicht ratsam, denn eine Überversorgung kann auch schaden. So kann sich beispielsweise das Risiko für Nierensteine und für eine Verschlechterung der Nierenfunktion erhöhen.

Vitamin E

Vor vielen Jahren weckten experimentelle Untersuchungen an Tieren die Hoffnung, dass die Einnahme von Vitamin E Gefäßveränderungen durch Arteriosklerose verlangsamt. Spätere Beobachtungen an Menschen legten die Vermutung nahe, eine solche Behandlung könne Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ihre tödlichen Folgen, wie z. B. einen Herzinfarkt, verringern. Breit angelegte klinische Studien haben das untersucht, konnten die Hoffnung aber nicht bestätigen. Stattdessen wurden Risiken offenkundig. Beispielsweise erhöht eine länger als sieben Jahre dauernde Einnahme von mehr als 400 I.E. Vitamin E pro Tag das Risiko, eine Herzschwäche zu erleiden oder aufgrund einer Herz-Kreislauf-Erkrankung ins Krankenhaus eingewiesen zu werden. Eine zusammenfassende Auswertung verschiedener Studien ergab, dass insbesondere bei älteren Patienten mit chronischen Erkrankungen das Risiko zu sterben größer ist, wenn sie mehr als 400 I.E. Vitamin E einnehmen, als bei den Studienteilnehmern, die ein Scheinmedikament bekamen. Neuere Übersichtsarbeiten zum vorbeugenden Einsatz von Vitamin E bestätigen diese Aussage. Möglicherweise ist der Schaden sogar größer als der Nutzen. Es gibt sogar Hinweise, dass eine langjährige Einnahme von hochdosiertem Vitamin E bei Männern das Risiko für Prostatakrebs geringfügig ansteigen lässt – in jedem Fall aber nicht vermindert.

Auch als Vorbeugemittel vor anderen Krebserkrankungen scheint sich Vitamin E nicht zu eignen. Diverse Untersuchungen bestätigen, dass die zusätzliche Einnahme von Vitamin E die Häufigkeit verschiedener Krebserkrankungen nicht beeinflusst. Das Vitamin schützt auch nicht vor Alzheimer-Demenz. Zur Zeit gibt es daher keinen Grund, mehr als die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung angegebene Menge Vitamin E aufzunehmen.

Vitamin K

Fast alle Neugeborenen kommen mit einem Vitamin-K-Mangel zur Welt, da über die Plazenta nur wenig Vitamin K aus dem Blut der Mutter in das des ungeborenen Kindes übertreten kann. Hat die Frau dann erst einige Tage nach der Geburt genügend Milch und enthält diese zudem noch wenig Vitamin K, besteht für das Baby das Risiko, dass sich Blutungen einstellen. Gefürchtet sind vor allem Gehirnblutungen. Um das zu vermeiden, wird in Deutschland derzeit empfohlen, allen Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt (U1) und zu den Vorsorgeuntersuchungen U2 (3.-10. Lebenstag) sowie U3 (4.-6. Lebenswoche) Tropfen einzugeben, die zwei Milligramm Vitamin K enthalten.

Kalzium

Die Calciumversorgung in Kindheit und Jugend bestimmt, mit welchem Vorrat die Knochen in die Zeit gehen, in der mehr Knochensubstanz ab- als aufgebaut wird. Daher ist die in der Tabelle angegebene Zufuhrempfehlung für Kinder ab sieben Jahren annähernd so hoch wie die für Erwachsene und ab zehn Jahren sogar höher als für Erwachsene.

Den Tagesbedarf von 1 000 bis 1 500 Milligramm Calcium decken Sie z. B. mit etwa einem halben Liter Milch plus zwei Scheiben Käse (50 Gramm) plus einer Portion Grünkohl. Ein kleiner Becher Jogurt enthält etwa 180 Milligramm Calcium, eine Portion Brokkoli etwa 250 Milligramm, 100 Gramm Hartkäse etwa 1 000 Milligramm. Wer seine durchschnittliche tägliche Calciumzufuhr abschätzen möchte, findet auf den Seiten von www.gesundheitsinformation.de einen Calciumrechner.

Bei Frauen nach den Wechseljahren und bei Männern ab etwa 60 Jahre kann der altersbedingte Verlust an Knochenmasse zu Osteoporose führen. Bei dieser Krankheit treten vermehrt Knochenbrüche auf. Man hat nun untersucht, ob sich dem vorbeugen lässt, indem Jugendliche mit einer an sich ausreichenden Calciumversorgung zusätzlich ein Calciumpräparat einnehmen. Das hatte jedoch allenfalls einen geringfügigen Effekt. Zudem erstreckte er sich nicht auf jene Knochen, die im Alter besonders bruchgefährdet sind: Oberschenkelhals und Lendenwirbel. Daher sollte das Augenmerk eher auf die ausreichende Zufuhr von Calcium mit der täglichen Nahrung gerichtet werden, statt auf die Wirkung von eingenommenen Präparaten zu hoffen.

Die in den Empfehlungen angegebenen 1 000 Milligramm Calcium pro Tag genügen auch für Frauen nach den Wechseljahren, um ihr Osteoporoserisiko nicht zu vergrößern. Die Calciummenge aus der Nahrung und aus Ergänzungsmitteln soll aber zusammengerechnet 1 500 Milligramm Calcium am Tag nicht überschreiten.

Menschen über 70 Jahren sowie Personen, die körperlich wenig aktiv sind, wird geraten, jeden Tag 1 200 Milligramm Calcium und 800 I.E. Vitamin D einzunehmen. Das Gleiche gilt für Personen, die in einem Heim leben. Dass eine noch größere Menge Calcium Knochenbrüchen im Alter vorbeugt, ist nicht belegt. Im Gegenteil: Es gibt Hinweise, dass Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion – und das ist im Alter häufig der Fall – ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen möglicherweise erhöhen, wenn sie pro Tag mehr als 1 500 Milligramm Calcium aufnehmen. Zumindest scheint die kombinierte Anwendung von Calcium mit Vitamin D zur Verhinderung von Knochenfrakturen keine Auswirkungen auf die Sterberate zu haben.

Eine gezielte Einnahme von Calciumpräparaten – eventuell in Kombination mit Vitamin D – ist zur Osteoporosevorbeugung nicht generell notwendig. Sie ist nur dann angebracht, wenn die tägliche Nahrung die erforderliche Menge an Calcium und gegebenenfalls Vitamin D nicht sicherstellt oder wenn körperliche Bewegung und der Aufenthalt im Freien nur eingeschränkt möglich sind. Dafür muss jeder selbst seine Versorgung mit Calcium und Vitamin D beurteilen. Zum Abschätzen der durchschnittlichen täglichen Calciumzufuhr gibt es auf der Seite www.gesundheitsinformation.de einen Calciumrechner. Die Vitamin-D-Versorgung lässt sich nur durch eine Blutuntersuchung beim Arzt beurteilen.

Nach Auswertung der derzeitigen Studien senkt die regelmäßige Einnahme von Calcium mit oder ohne Vitamin D die Knochenbruchrate erst bei Menschen, die älter sind als 70 Jahre. Noch deutlicher wird der Schutzeffekt bei Menschen über 80 Jahre. Voraussetzung ist, dass die Mittel jeden Tag angewendet werden.

Darüber hinaus kann eine ausreichende Versorgung mit Calcium möglicherweise auch etwas zur Krebsvorbeugung beitragen. In mehreren Studien wurde untersucht, ob sich durch die Einnahme von Calciumtabletten Dickdarmpolypen vorbeugen lässt. Diese gelten als mögliche Vorstufe eines Darmkrebses. Eine zusammenfassende Auswertung der Studienergebnisse ergab: Die tägliche Aufnahme von 720 bis 2 000 Milligramm Calcium über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren verringerte bei Menschen, bei denen in der Vergangenheit bereits Dickdarmpolypen aufgetreten waren, die Anzahl neu gebildeter Dickdarmpolypen. Dass sich mit Calcium Darmkrebs vorbeugen lässt, ist damit aber noch nicht bewiesen.

Fluorid

Fluoride schützen vor Karies, da sie sich in die Zahnstruktur einlagern und den Zahn "härten", das heißt, er wird widerstandsfähig gegen die vor allem aus Zucker freigesetzten Säuren. Die meisten Lebensmittel enthalten nur wenig Fluorid. In Gegenden mit besonders fluoridhaltigem Trinkwasser und in Haushalten, in denen gezielt fluoridhaltiges Wasser getrunken oder mit Fluorid angereichertes Kochsalz verwendet wird, trägt dieses erheblich zur Fluorversorgung bei.

Die allgemeine Empfehlung für Schulkinder und Erwachsene lautet, sich zweimal täglich nach dem Essen die Zähne mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta (1 000 bis 1 500 Milligramm Fluorid pro Kilogramm) zu putzen. Sie ist ebenso wirksam wie fluoridhaltige Mundspülungen und Zahngele. Bei Schulkindern kann der Zahnarzt zusätzlich zweimal im Jahr die Zähne mit einem Fluorlack versiegeln. Ob das aber besser wirkt als Zahnpasta, Mundspülungen und Gele ist bisher nicht belegt.

Fluoridtabletten einzunehmen wird für kleine Kinder heute nicht mehr generell empfohlen. Im ersten Lebensjahr sollen Kinderzähne einmal am Tag mit Zahnpasta geputzt werden, die pro Kilogramm 500 Milligramm Fluorid enthält. Ab zwei Jahre soll die Zahnpasta dann zweimal täglich zum Einsatz kommen.

Vor allem bei Kleinkindern kann ein Zuviel an Fluorid das Wachstum der bleibenden Zähne beeinträchtigen. Sichtbar wird das an weißen, gelblichen oder braunen Flecken auf den Zähnen, die mit Karies verwechselt werden können. Die Menge kann beispielsweise dann zu groß werden, wenn Fluoridtabletten angewendet und zusätzlich mit Fluor angereichertes Kochsalz oder fluoridierte Zahnpasta benutzt werden. Daher sollte die Fluoridprophylaxe mit einem Zahnarzt abgesprochen werden.

Selen

Hinweise, dass Selen ein Schutzfaktor gegenüber Herzinfarkt, einigen Krebserkrankungen und Störungen im Immunsystem sein könnte, haben sich nicht bestätigt. Selen schützt auch nicht alleine oder in Kombination mit Vitamin E vor Demenz. Andererseits finden sich aber Hinweise, dass eine regelmäßige Einnahme von Selen das Risiko für die Entstehung eines Diabetes mellitus erhöht. Sichere Aussagen zu diesen Zusammenhängen lassen sich aber bisher nicht machen. Darum wird gesunden Menschen nicht empfohlen, Selen anders als mit der Nahrung aufzunehmen. In allen anderen Fällen sollte immer ein Arzt zurate gezogen werden, der den Selenspiegel im Blut messen kann, um den Bedarf zu überprüfen.

Allgemeine Maßnahmen

Sie sollten sich bemühen, mit Ihrer täglichen Kost die in der Übersicht "Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente" unter "Tagesbedarf" genannte Menge an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen aufzunehmen. Das bedeutet aber nicht, dass Sie sich jeden Tag genau an diese Mikro- oder Milligrammmengen halten müssen. Der Nährstoffbedarf ist von Tag zu Tag verschieden und Ihr Körper kann Schwankungen durchaus ausgleichen, wenn über lange Zeit gesehen eine ausreichende Zufuhr gewährleistet ist.

Wann zum Arzt?

Bevor Sie sich mit einem bestimmten Nährstoff oder einer Substanzkombination gezielt versorgen, sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Meistens kann eine Untersuchung klären, ob überhaupt ein Mangel vorliegt; später sollten Kontrollen zeigen, wann Sie die Behandlung beenden können.

Hat der Arzt einen Mangel an Kalium eindeutig festgestellt, kann er Kaliumpräparate zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnen.

Präparate, die nur Zinksalze enthalten, werden erstattet, wenn ein eindeutiger Zinkmangel aufgrund einer Hämodialysebehandlung besteht, wenn eine Erkrankung vorliegt, bei der zu viel Kupfer im Körper zurückgehalten wird (Morbus Wilson) sowie bei enteropathischer Akrodermatitis, einer Erkrankung, bei der nicht genug Zink aus der Nahrung in den Körper aufgenommen wird.

Mittel, die nur Vitamin K, eine Vitamin-B1-Vorstufe (Benfotiamin), wasserlösliche Vitamine oder Folsäure enthalten, werden von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt, wenn ein schwerwiegender Mangel nachgewiesen ist und dieser durch eine entsprechende Ernährung nicht behoben werden kann. Außerdem werden wasserlösliche Vitamine auch in Kombination bei dialysepflichtigen Patienten erstattet.

Mittel mit Vitamin D (alleine oder auch kombiniert mit Calcium, wenn dessen Zufuhr nicht über die Nahrung sichergestellt ist) werden von der gesetzlichen Krankenkasse zur Behandlung der Osteoporose und unter bestimmten Umständen bei einer länger andauernden Therapie mit Glucocorticoiden bezahlt.

Behandlung mit Medikamenten

In bestimmten Lebenssituationen ist es nicht mehr möglich, den täglichen Nährstoffbedarf mit einer abwechslungsreichen vollwertigen Ernährung zu decken. Beispiele dafür sind die Versorgung mit Folsäure vor und in den ersten Monaten der Schwangerschaft, die Versorgung mit Vitamin B12 bei rein veganer Ernährung und die Zufuhr von Vitamin D bei älteren Menschen, die wenig mobil sind. Auch ein nachgewiesener Mangel an einem bestimmten Nährstoff, wie z. B. Eisen, ist nur zu beheben, wenn die Substanz gezielt in höherer Dosierung zugeführt wird. Eine Übersicht informiert zu Aufgaben, Tagesbedarf und Lieferanten von Vitaminen und Mineralstoffen.

Rezeptfreie Mittel

Präparate einzunehmen bedeutet immer, das Gleichgewicht der Nährstoffe im Körper zugunsten des einen oder einiger weniger zu verschieben. Das wirkt sich nicht immer positiv aus. So kann z. B. eine sehr hohe Zufuhr von Molybdän dazu führen, dass von dem Element Kupfer erheblich mehr ausgeschieden wird; wenn der Körper viel Calcium bekommt, kann er Zink schlechter verwerten.

Wenn Sie es dennoch für notwendig halten, Nährstoffe mit einem Präparat zuzuführen, sollten Sie ein Multivitamin-Präparat wählen, das alle Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in angemessener Dosierung miteinander kombiniert. Besonderes Augenmerk sollten Sie dabei auf Folsäure als Inhaltsstoff richten, denn mit diesem Vitamin sind sehr viele Menschen nicht ausreichend versorgt. Ein Präparat, das dieses Vitamin nicht mitliefert, ist demnach nicht zu empfehlen.

Darüber hinaus ist die Art des Produktes bedeutsam. Bei einem Nahrungsergänzungsmittel, wie Sie es in Drogerien und im Lebensmittelhandel kaufen können, ist derzeit – trotz seit Jahren vorliegender Empfehlung auf europäischer Ebene – nicht verbindlich geregelt, bis zu welcher Höchstmenge Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt sein dürfen. In Deutschland hat sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit dem Thema "Vitamine und Mineralstoffe in Lebensmitteln" beschäftigt und Vorschläge für entsprechende Höchstmengen an Vitaminen und Mineralstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln unterbreitet. Diese sind allerdings nicht rechtsverbindlich. Das ist bei zugelassenen Arzneimitteln anders: Hier muss der Hersteller im Rahmen der Zulassung mit geeigneten Unterlagen Qualität, Wirksamkeit und Verträglichkeit seines Produktes begründen. Dass Vitamin- oder Mineralstoffpräparate als Arzneimittel zugelassen sind, erkennen Sie an der "Zul.-Nr." auf der Packung.

A, C, E, Selen – Krankheitsschutz aus der Packung?

Die Vitamine A, C und E, zuweilen noch kombiniert mit Selen und/oder Beta-Karotin, gelten als Schutzsubstanzen, unter anderem vor Krebs. Dass ein derartiger Schutz für möglich gehalten wird, beruht auf folgendem Zusammenhang:

Neben dem normalen Sauerstoff, den die Zellen lebensnotwendig brauchen, gibt es im Organismus immer auch aggressive Formen von Sauerstoff, die Sauerstoffradikale. Sie entstehen als Reaktion des Körpers auf Belastungen aus der Umwelt, werden aber auch im Rahmen normaler Stoffwechselprozesse gebildet. Sauerstoffradikale sind an der Entstehung einer Reihe von chronischen Krankheiten, wie sie im Alter gehäuft auftreten, beteiligt und auch daran, dass sich Zellen bösartig verändern. Der Gefahr, die von diesem aggressiven Sauerstoff ausgeht, begegnet der Körper mit eigenen Schutzsystemen.

Nun gibt es Hinweise darauf, dass der moderne Lebensstil häufig einen oxidativen Stress durch Sauerstoffradikale erzeugt, der die Schutzsysteme des Körpers überfordert. Daher liegt der Gedanke nahe, jene Faktoren, die in diesen Systemen eine Rolle spielen, verstärkt zuzuführen, um den Eigenschutz des Körpers zu stärken. Zu diesen Faktoren gehören unter anderem die Vitamine C und E, die Karotinoide und die Elemente Selen und Zink.

In vielen Studien ist untersucht worden, ob einzelne dieser Nahrungskomponenten oder Kombinationen von ihnen bei Personen, die sich eigentlich angemessen ernähren, bestimmten Krankheiten vorbeugen können. Das hat sich nicht beweisen lassen. Aus den verschiedenen Untersuchungen wurde der Schluss gezogen, dass die Schutzfunktion dieser Substanzen nur dann zum Tragen kommt, wenn sie in Form eines natürlichen Nahrungsmittels aufgenommen werden.

Ein weiteres Problem zeigt sich bei der Krebsvorbeugung. Hier besteht die Hoffnung, dass die reichliche Zufuhr bestimmter Nährstoffe vor Krebs schützen könnte. Derartiges würde aber nur bei den allerfrühesten Vorstadien eines Krebses der Fall sein, also dann, wenn sich die Zellen gerade erst zu verändern beginnen. Später ist die Zufuhr dieser Schutzstoffe bestenfalls wenig hilfreich, vielleicht sogar schädlich, weil sie das Tumorwachstum beschleunigen könnten. Da aber niemand weiß, ob sich in seinem Körper nicht bereits einige Zellen in Tumorzellen verwandelt haben, ist die Zufuhr solcher hoch dosierten Nährstoffe nicht ohne Risiko.

Die Auswertung aller entsprechenden Studien erlaubt zurzeit nur einen Schluss: Ein bereits in der Jugend einsetzender regelmäßiger, reichlicher Verzehr von Obst, Gemüse und anderen pflanzlichen Lebensmitteln verringert das Risiko, dass sich degenerative chronische Erkrankungen, insbesondere Herz-Kreislauf- und Krebsleiden, einstellen. Der Nutzen der Einnahme von Präparaten ist hingegen nicht erwiesen.

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