Medikamente im Test

Unruhige Beine

Allgemeines

Das Krankheitsbild der "unruhigen Beine" (engl.: restless legs, daher auch der Begriff RLS für restless legs syndrom) gehört in die Gruppe von Erkrankungen des Nervensystems.

Anzeichen und Beschwerden

Die Betroffenen haben einen kaum zu unterdrückenden Bewegungsdrang, der gewöhnlich von sehr unangenehmen Missempfindungen in den Beinen verursacht oder davon begleitet wird. Meist tritt in beiden Waden ein ziehendes, reißendes, spannendes oder sogar schmerzendes Gefühl auf. Die Arme sind seltener betroffen. Die Missempfindungen bessern sich, wenn die Gliedmaßen bewegt und anders gelagert werden.

Die Beschwerden treten ausschließlich in Ruhe auf. Sie verstärken sich, wenn die Körpertemperatur sinkt. Daher nehmen die Beschwerden bis kurz nach Mitternacht zu und werden dann schwächer. Die Missempfindungen und der Bewegungsdrang verhindern das Ein- und/oder Durchschlafen, sodass die Betroffenen am Tage müde sind.

Ursachen

Unruhige Beine können ohne erkennbare Ursache auftreten. Es scheint eine familiäre Anlage dafür zu geben, denn oft sind mehrere Familienmitglieder betroffen.

Die Symptome können sich während einer Schwangerschaft und bei Erkrankungen, die mit hormonellen Störungen einhergehen, entwickeln. Oft spielen Eisenmangel, Schilddrüsen- und schwere Nierenerkrankungen eine Rolle. Unruhige Beine können durch eine Behandlung mit Neuroleptika (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) ausgelöst werden. Bereits bestehende Beschwerden können durch eine solche Therapie verstärkt werden. Auch Menschen mit einer Krebserkrankung können während und nach einer Chemotherapie das Krankheitsbild der unruhigen Beine entwickeln. Frauen scheinen davon häufiger betroffen zu sein als Männer.

Allgemeine Maßnahmen

Wenn eine Behandlung mit Neuroleptika unverzichtbar ist, in deren Folge Unruhige Beine als unerwünschte Wirkung auftreten, sollte geprüft werden, ob zu einem Medikament gewechselt werden kann, bei dem diese Bewegungsstörung seltener vorkommt.

Ob Maßnahmen wie Entspannungsübungen mit oder ohne Bewegung, Bewegungs-und Flexibilitätstraining, Massagen oder Verzicht auf Alkohol und Nikotin die Beschwerden lindern können, ist durch hochwertige Studien nicht nachgewiesen.

Wann zum Arzt?

Je nachdem wie belastend die Beschwerden sind, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Er kann abklären ob, die unruhigen Beine die Folge anderer Erkrankungen sind oder durch die Einnahme bestimmter Medikamente verursacht werden.

Behandlung mit Medikamenten

Rezeptpflichtige Mittel

Für die Behandlung Unruhiger Beine ohne fassbare Ursache werden Arzneimittel eingesetzt, mit denen auch die Parkinsonkrankheit behandelt wird.

Sowohl die Dopaminagonisten Pramipexol und Ropinirol als auch die Kombination aus Levodopa und Benserazid werden als "geeignet" angesehen, um die Beinbewegungen zu verringern und dadurch den Schlaf zu verbessern.

Demgegenüber wird Rotigotin, das als Pflaster angewendet wird, als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Es ist nicht untersucht, wie wirksam es im Vergleich zu Pramipexol und Ropinirol ist. Außerdem verursachen die Pflaster sehr häufig Hautreizungen.

Die Mittel werden danach ausgewählt, welche Beschwerden im Vordergrund stehen. Beeinträchtigen die Beschwerden in erster Linie das Einschlafen, bietet sich die Kombination aus Levodopa und Benserazid an. In der retardierten Form, aus der der Wirkstoff nach und nach freigesetzt wird, empfiehlt sie sich bei Durchschlafstörungen. Dopaminagonisten werden bei Beschwerden am Tag bevorzugt. Sonst kommen sie erst dann infrage, wenn die Wirkung der Kombination aus Levodopa und Benserazid nachlässt und die Dosis immer weiter gesteigert werden muss.

Neue Medikamente

Seit 2014 können Unruhige Beine mit dem Präparat Targin behandelt werden. Es enthält das stark wirkende Opioid Oxycodon sowie Naloxon. Letzteres soll der Verstopfung entgegenwirken, die sich bei längerer Einnahme von Oxycodon oft einstellt. Die Kombination kann bei schwer ausgeprägter Krankheit eingesetzt werden, die länger als ein halbes Jahr besteht und bei der Dopaminagonisten und Levodopa nicht ausreichend gewirkt haben. Mindestens alle drei Monate muss überprüft werden, ob die Behandlung noch notwendig ist. Nach einem Jahr sollte versucht werden, das Mittel abzusetzen. Dazu muss die Dosierung des Mittels langsam verringert werden.

Allerdings nehmen viele Kranke das Mittel nur kurze Zeit ein. Fast ein Drittel von ihnen bricht die Behandlung frühzeitig ab. Der Grund sind vermutlich Nebenwirkungen wie Übelkeit, Müdigkeit, Verstopfung und Kopfschmerzen.