Medikamente im Test

Übergewicht

Allgemeines

Erhebliches Übergewicht – das bedeutet, der Body-Mass-Index (BMI) liegt über 30 – kann aufgrund eines hohen Anteils an Körperfett ein Gesundheitsrisiko sein. Mediziner sprechen in diesem Fall von Fettleibigkeit oder Adipositas. Mit steigendem Gewicht treten hoher Blutdruck, Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Gelenkbeschwerden zunehmend häufiger auf und in der Folge auch Herzerkrankungen, Herzinfarkt, Schlaganfall und bestimmte Krebserkrankungen. Bereits im Kindesalter ist Übergewicht ein Problem und erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen.

Anzeichen und Beschwerden

Um das Körpergewicht aus medizinischer Sicht zu beurteilen, bedient man sich üblicherweise des BMI. Er errechnet sich nach folgender Formel:

Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern (BMI = kg/m2).

Ein Beispiel: Eine Person wiegt 68 Kilogramm und ist 168 Zentimeter = 1,68 Meter groß.

BMI = 68 (kg Gewicht): 1,68 (m Körpergröße)2 = 24,11

Ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 gilt als Normalgewicht. Werte von 25 bis 29,9 sieht man als Übergewicht an. Ab einem BMI von 30 spricht man von Fettleibigkeit (Adipositas).

Der Zusammenhang zwischen Körpergewicht und dem Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen lässt sich noch besser erfassen, wenn zusätzlich zum BMI der Taillenumfang in Zentimetern gemessen wird. Je größer der Taillenumfang und damit die Masse an Bauchfett, desto höher ist das Risiko für Stoffwechselerkrankungen und chronische Erkrankungen der Gefäße und des Herzens.

Dieser Aussage liegt die Beobachtung zugrunde, dass die Fettverteilung bei Menschen zwei grundsätzlichen Formen folgt, die die Figur bestimmen. Beim "Apfel-Typ" sammeln sich die Fettdepots besonders am Bauch, beim "Birnen-Typ" mehr an der Hüfte. Menschen mit einer eher apfelförmigen Figur haben ein größeres Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Menschen mit birnenförmiger Figur. Die Grenzwerte, ab denen man von einem erhöhten Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgeht, werden für Männer und Frauen unterschiedlich angesetzt. Bei Männern gehört ein Taillenumfang von mehr als 102 Zentimetern zu den Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Frauen sind es mehr als 88 Zentimeter.

Vor allem Frauen sind oft sehr besorgt um ihr Gewicht und ihre Figur. Dabei sind Männer über alle Altersgruppen hinweg stärker von Übergewicht betroffen als Frauen.

Doch selbst wenn der BMI einer Frau leicht erhöht ist, gibt es für sie keinen gesundheitlichen Grund abzunehmen, solange ihr Taillenumfang unter 88 Zentimetern liegt. Das Risiko für vorzeitigen Tod allein aufgrund von Adipositas erhöht sich erst ab einem BMI von 35. Ab etwa 65 Jahre scheint ein etwas höheres Gewicht mit einem BMI von 25 bis 30 sogar mit einer höheren Lebenserwartung verbunden zu sein.

Ursachen

Wie der Körper die Speicherung von Energie reguliert, ist erst zu Teilen erforscht. Es lässt sich jedoch schon jetzt sagen, dass stark übergewichtige Menschen an ihrer Körperform nicht generell "selbst schuld" sind. Ebensowenig ist Normalgewicht ein persönliches Verdienst.

Es ist anzunehmen, dass jeder Mensch eine Art "innere Waage" hat, die das Gewicht um einen individuellen Normalwert hält. Eine begrenzte Zeit reichlicher Kalorienzufuhr verändert die Körperformen also nicht dauerhaft. Wer allerdings lange Zeit über seinen Sättigungspunkt hinaus mehr isst, als er verbraucht, verstellt seinen Normalwert und nimmt an Gewicht zu.

Bei einer Kalorienzufuhr, die in etwa dem Energieverbrauch entspricht, bleibt das Gewicht konstant. Wie die Nahrung genau zusammengesetzt ist, ist dabei unerheblich: Erlaubt ist, was schmeckt. Das Gewicht steigt jedoch an, wenn mehr Energie zugeführt wird, als der Körper verbraucht. Meist macht das Fett den Hauptanteil dieser Energie aus, denn in der durchschnittlichen Kost der Bundesbürger stellt der Fettanteil fast 40 Prozent der Gesamtkalorien. Bei Männern kommen noch einmal fast 5 und bei Frauen gut 3 Prozent Kalorien aus dem Konsum von Alkohol hinzu.

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Figur, weil der Fettanteil des Körpers zu- und der der Muskelmasse abnimmt. Dieser altersabhängige Vorgang lässt sich durch Gewichtsabnahme nicht beeinflussen, wohl aber durch regelmäßige Bewegung. Da der Energiebedarf mit dem Alter langsam zurückgeht, steigt das Gewicht an, wenn nicht gleichzeitig weniger oder kalorienärmer gegessen wird.

Wassereinlagerungen im Gewebe und Hormonstörungen, zum Beispiel bei Schilddrüsenerkrankungen, sind nur selten die Ursache für zunehmenden Körperumfang. Dann ist eine Gewichtszunahme das Symptom ernsthafter Krankheiten. Diese rufen jedoch Beschwerden hervor und würden so auf sich aufmerksam machen und die Betroffenen zum Arzt führen.

Bei einer Reihe von Medikamenten kann die Einnahme über längere Zeit mit einer Gewichtszunahme einhergehen. Müssen bei übergewichtigen Menschen Erkrankungen medikamentös behandelt werden, sollten die entsprechenden Wirkstoffe möglichst vermieden werden, um das Körpergewicht nicht noch zusätzlich zu belasten. Zu diesen gehören insbesondere Glucocorticoide wie Prednisolon (bei Entzündungen) und bestimmte Neuroleptika zur Behandlung von Schizophrenien und anderen Psychosen, ferner Gestagene bei Endometriose, einige Mittel bei Depressionen, bestimmte Medikamente zur Behandlung von Epilepsien und einige blutdruck- und blutzuckersenkende Mittel, inklusive Insulin. Diabetiker, die mit einem Sulfonylharnstoff behandelt werden, nehmen durchschnittlich weniger als zwei Kilogramm zu; bei einer Insulinbehandlung sind es hingegen vier Kilogramm.

Übergewicht kann auch psychische Ursachen haben. Manche Menschen fangen Stress durch Essen ab. Daraus können sich Essstörungen entwickeln wie periodische Heißhungeranfälle und Esssucht.

Vorbeugung

Bei einem ausgewogenen Verhältnis von Kalorienzufuhr und -verbrauch lagert der Körper kein überschüssiges Fett ein. Eine bedarfsgerechte, ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Bewegung beugen Übergewicht wirksam vor.

Eine große amerikanische Studie hat zudem gezeigt, dass ein solcher Lebensstil das Auftreten von Diabetes mehrere Jahre hinauszögern kann.

Das Wissen zu gesunder Ernährung sollte daher schon Kindern und Jugendlichen vermittelt werden, gleichzeitig mit der Ermunterung sich vielfältig zu bewegen. Auch wer weitgehend auf Fertigmahlzeiten und Fastfood zugunsten von selbst zubereiteten Mahlzeiten verzichtet, kann seiner Gesundheit etwas Gutes tun.

Allgemeine Maßnahmen

Um abzunehmen, muss der Körper mehr Kalorien verbrauchen, als er zugeführt bekommt. Also müssen entweder weniger Kalorien aufgenommen oder durch Aktivität mehr verbraucht werden. Am erfolgversprechendsten ist es, beide Maßnahmen zu kombinieren. Das Ziel ist eine langsame Gewichtsreduktion von ein bis zwei Kilogramm pro Monat. Typischerweise verliert man in den ersten sechs Monaten am meisten Gewicht, nimmt dann jedoch wieder zu. Es gilt als Erfolg, wenn bei einem BMI bis 35 das Ausgangsgewicht um 5 Prozent, bei einem BMI über 35 um 10 Prozent zurückgeht und dieses reduzierte Gewicht dauerhaft stabil gehalten wird.

Bei der Auswahl der Lebensmittel können Sie durchaus Ihren persönlichen Vorlieben folgen. Sie müssen weder auf alles verzichten, was Ihnen schmeckt, noch müssen Sie hungern. Zu einem gesunden Ernährungsverhalten gehört eine ausgewogene Mischung aus Getreideprodukten, Kartoffeln, Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, Milchprodukten, Nüssen und pflanzlichen Ölen. Hilfreich ist es, den Konsum von sehr energiereichen, salz- und zuckerhaltigen Lebensmitteln wie Chips und Süßigkeiten sowie Fastfood zu verringern und die Essensportionen klein zu halten. Das Essen sollte schonend zubereitet und achtsam gegessen werden.

Bei den Getränken sollten Sie Zuckerhaltiges wie Limonaden und Softdrinks meiden und stattdessen Wasser trinken. Alkohol hat fast so viele Kalorien wie Fett. Sein Konsum sollte deutlich eingeschränkt werden.

Formulaprodukte können diejenigen bei der Gewichtsabnahme unterstützen, denen solche Fertigmahlzeiten zusagen. Es gibt sie als Getränk oder Riegel, die man anstelle einer Hauptmahlzeit zu sich nimmt. Grundstoff dieser Ersatzmahlzeiten ist Eiweiß. Diese und jede andere Maßnahme zur Gewichtsreduktion sollte von körperlicher Aktivität begleitet sein. Werden bei verringerter Kalorienzufuhr gleichzeitig mehr Kalorien durch Bewegung verbrannt, baut der Körper vor allem Fett ab. Der Eiweißanteil, zum Beispiel in den Muskeln, wird weniger angegriffen. Dadurch verlangsamt sich der Stoffwechsel kaum, die Leistungsfähigkeit hingegen steigt.

Regelmäßige körperliche Aktivität trägt viel zum Gewichtsverlust bei. Sie zur Gewohnheit werden zu lassen, gelingt besonders gut, wenn sie fest in den Alltag integriert ist. Wer statt wie bisher mit dem Auto zu fahren beispielsweise zur Arbeit oder zur Haltestelle eines öffentlichen Verkehrsmittels zu Fuß geht oder mit dem Fahrrad fährt, kann sein Körpergewicht und den Körperfettanteil verringern.

Immer wieder werden bestimmte Diäten als besonders erfolgreich dargestellt. Bei manchen werden einige Nahrungsmittel ausgeschlossen, bei anderen bevorzugt. Bei wieder anderen Ernährungsformen werden Lebensmittel gezielt kombiniert oder bewusst getrennt. Doch es gibt keine spezielle Diät, die gegenüber einer anderen besondere Vorteile hätte. Ausschlaggebend für den Erfolg beim Abnehmen sind – neben der Verringerung der Kalorienzufuhr und der Steigerung der körperlichen Aktivität – Motivation und Beharrlichkeit. Übergewicht abzubauen bedeutet in aller Regel, lieb gewordene Gewohnheiten nachhaltig zu verändern. Einen derartigen Eingriff in den Lebensstil behält man dann am ehesten bei, wenn das Veränderungskonzept dem jeweiligen Typ entspricht. Beispielsweise brauchen die einen feste Termine und den Druck von Kontrollen, während andere die Informationen lieber individuell umsetzen. Besonders gut lassen sich solche Veränderungen in Gruppen einüben, die von einer Fachkraft geleitet werden. Dabei sind kommerzielle Anbieter von Abnehmprogrammen wie z. B. "Weight Watchers" erfolgreicher als etwa Beratungen beim Arzt. In den professionell geführten Gruppen nehmen Übergewichtige während der Kursdauer etwa doppelt so viel ab (ca. zwei bis drei Kilogramm mehr). Der Schlüssel zum Erfolg liegt wahrscheinlich in der intensiveren Betreuung, gekoppelt mit Gruppeneffekten, dem Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten sowie der Begleitung des Programms durch einen unabhängigen Dritten. Ob das Gewicht auch langfristig reduziert werden kann, hängt davon ab, ob es gelingt, Gewohnheiten nachhaltig zu verändern. Der Kauf spezieller "Weight Watchers"-Produkte ist jedoch kein Garant fürs Abnehmen.

Einer Reihe von Menschen gelingt es trotz intensiver Bemühungen – gegebenenfalls sogar mithilfe von Medikamenten – nicht, ihr Übergewicht nennenswert zu verringern. Liegt der BMI nach einem halben bis ganzen Jahr noch immer über 40 oder liegt er über 35 und wird von Krankheiten begleitet, die vom Gewicht negativ beeinflusst werden (z. B. Typ-2-Diabetes), kann eine Magenverkleinerung erwogen werden.

Als Operationsmethode hat sich der Schlauchmagen durchgesetzt, bei dem ein Großteil des Magens entfernt wird. Noch stärker kann die Gewichtsabnahme ausfallen, wenn zusätzlich noch der Dünndarm verkürzt wird (Magen-Bypass).

Untersuchungen haben gezeigt, dass erheblich übergewichtige Menschen durch diese chirurgischen Verfahren 20 bis 40 Kilogramm abnehmen können. Dadurch sinken hohe Blutzuckerwerte, erhöhte Blutdruckwerte und erhöhte Blutfette; auch die Gefahr, vorzeitig zu sterben, verringert sich wohl. Vor allem Menschen mit Diabetes scheinen von diesen Maßnahmen einen Nutzen zu haben. Nach der Operation muss aber mit Beschwerden gerechnet werden, beispielsweise kommt es häufiger zu Gallen- oder Nierensteinen.

Wann zum Arzt?

Menschen mit behandlungsbedürftigem Übergewicht sollten mit dem Arzt beratschlagen, welche Strategie sich für sie am besten eignet, um Gewicht zu verlieren. Meist ist eine Kombination aus Ernährungsberatung, Bewegungstraining und psychologischer Unterstützung notwendig.

Behandlung mit Medikamenten

Die Höhe des BMI allein ist kein Grund, dem Betroffenen aus gesundheitlichen Gründen eine Gewichtsabnahme nahezulegen. Einer aktuellen Übersichtsarbeit zufolge ist beispielsweise das Risiko, infolge des Übergewichts vorzeitig zu sterben, erst bei Menschen mit einem BMI von 35 größer als bei Normalgewichtigen. Es hat sich bestätigt, dass dieses Ergebnis auch für Patienten mit Diabetes gilt.

Eine grundlegende Umstellung von Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten, die dann auch beibehalten wird, erfordert Eigeninitiative des Betreffenden. Üblicherweise besteht das Programm, mit dem übergewichtige Menschen an Gewicht verlieren sollen, aus einer Ernährungsberatung, Bewegungsangeboten und verhaltenstherapeutischen Elementen. Die Einnahme von Medikamenten sollte erst dann erwogen werden, wenn diese Maßnahmen das Gewicht nicht ausreichend verringert haben und der BMI weiter bei 30 oder darüber liegt. Liegen zusätzlich zum Übergewicht Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck vor, gilt ein BMI von 27 bis 28 als Grenzwert. Allerdings gibt es keine Studien, die belegen, dass sich allein durch eine Gewichtsabnahme mit Hilfe von Arzneimitteln, Herzinfarkte, Schlaganfälle oder vorzeitigen Tod verhindern lassen.

Die Einnahme von Medikamenten sollte in jedem Fall durch eine entsprechende Ernährung und Bewegung unterstützt werden.

Die Tabletteneinnahme sollte beendet werden, wenn es im ersten Behandlungsmonat nicht gelingt, mindestens zwei Kilogramm abzunehmen.

Verschiedene Wege werden beschritten, um eine Gewichtsreduktion mit Arzneimitteln oder Medizinprodukten zu unterstützen. Appetitzügler dämpfen im Gehirn das Hungergefühl. Diesem Prinzip ist aber nur ein sehr begrenzter Erfolg beschieden. Davon abgesehen birgt die Einnahme von Appetitzüglern gesundheitliche Risiken. Daher sind diese Mittel verschreibungspflichtig.

Rezeptfreie Mittel

Einem anderen Prinzip folgen die Kombinationen mit Natriumalginat sowie pflanzliche Mittel aus Konjakwurzel und ihren Inhaltsstoffen. Ihre Inhaltsstoffe quellen im Magen und füllen ihn. So sollen sie das Sättigungsgefühl verstärken. Da sie unverdaulich sind, belasten sie die Kalorienbilanz nicht. Es ist vorstellbar, dass solche Mittel das Bemühen, an Gewicht zu verlieren, erleichtern. Neueren Studien zufolge ist es aber unwahrscheinlich, dass man mit diesen Mitteln sein Gewicht über das Maß hinaus reduzieren kann, das man allein mit der Veränderung der Lebensgewohnheiten erreicht. Aus diesem Grund sind sie auch als Motivationshilfe zu Beginn einer Ernährungsumstellung nicht hilfreich. Daher werden sie als "wenig geeignet" angesehen.

Ein Polymer aus Krebstierpanzer (Chitosan), das unverdauliche Faserstoffe enthält, und ein Faserkomplex mit Vitaminen – gewonnen aus dem Feigenkaktus – sollen ebenfalls die Fettaufnahme in den Körper verringern. Dass dieses zu einer bedeutsamen und anhaltenden Gewichtsabnahme führt, konnte in klinischen Studien jedoch nicht gezeigt werden. Zur dauerhaften Reduktion von Übergewicht sind diese Mittel daher "wenig geeignet"; allenfalls können sie eine Ernährungsumstellung kurzzeitig unterstützen. Die Effekte sind bestenfalls gering und sollten insgesamt noch besser belegt werden.

Auch für das pflanzliche Mittel aus Bohnenextrakt , das die Aufnahme von Kohlenhydraten in den Körper verringern soll, fehlen aussagekräftige Langzeitstudien. Das Mittel wird zur Behandlung von Übergewicht als "wenig geeignet" eingestuft. Dass der Einsatz dieses Medizinprodukts eine Ernährungsumstellung kurzzeitig unterstützt, ist ebenfalls noch unsicher.

Die Produktlinie von XLS-Medical tritt zudem als "Sortiment zur Gewichtskontrolle" auf und wirbt damit, dass sich die Mittel entsprechend dem jeweiligen Essverhalten individuell passend kombinieren lassen. Es fehlen aber aussagekräftige Studien, die zeigen, dass ein derartiges Vorgehen von Nutzen ist. Es ist also nicht belegt, dass man mehr, schneller oder nachhaltiger an Gewicht verliert, wenn man die Produkte kombiniert, als wenn man nur eines von ihnen verwendet.

Das Mittel Refigura, das einen Faserkomplex aus pflanzlichem Chitosan + Konjakfasern enthält, soll zum einen das Sättigungsgefühl verstärken und zum anderen die Fettaufnahme in den Körper verringern. Es fehlen Studien, die belegen, dass ein Zusatz von Konjakwurzel Vorteile hat gegenüber der alleinigen Anwendung von Chitosan. Zudem ist nicht belegt, dass damit eine anhaltende Gewichtsabnahme zu erreichen ist. Das Mittel ist daher "wenig geeignet", um dauerhaft das Gewicht zu senken. Es kann allenfalls als kurzzeitige Motivationshilfe dienen, um eine Ernährungsumstellung zu unterstützen.

Orlistat verringert die Aufnahme von Fett in den Körper. Das Mittel ist nur für deutlich Übergewichtige gedacht, die sich zudem fettarm ernähren, nicht für Menschen, deren BMI unter 28 liegt. Den Wirkstoff gibt es als freiverkäufliches Präparat mit 60 Milligramm Orlistat. Die meisten Studien zu Orlistat wurden aber mit der höheren – verschreibungspflichtigen – Dosierung gemacht. In Kombination mit Ernährungsumstellung und Bewegungstraining können aber auch deutlich Übergewichtige, die das 60-Milligramm-Produkt einnehmen, in einem Jahr durchschnittlich etwa zwei Kilogramm abnehmen. Dieser Gewichtsverlust bleibt aber nur dann erhalten, wenn die Lebensgewohnheiten dauerhaft geändert werden. Ob eine Selbstbehandlung mithilfe von Orlistat Folgeerkrankungen von Übergewicht, wie Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall, verhindern kann, ist nicht untersucht. Für eine dauerhafte Gewichtsabnahme gilt Orlistat als "wenig geeignet". Es kann allenfalls unterstützend eingesetzt werden.

Rezeptpflichtige Mittel

Orlistat ist auch als verschreibungspflichtiges Mittel mit 120 Milligramm Orlistat pro Tablette auf dem Markt. In Kombination mit Ernährungsumstellung und Bewegungstraining können Studien zufolge deutlich Übergewichtige mit Orlistat in einem Jahr durchschnittlich ca. drei Kilogramm mehr abnehmen als die, die mit einem Scheinmedikament behandelt werden. Als zeitlich begrenzte Maßnahme gilt Orlistat zur Unterstützung einer Gewichtsreduktion unter Anleitung eines Arztes als "mit Einschränkung geeignet". Es ist aber wenig geeignet, um einen dauerhaften Gewichtsverlust zu erreichen.

Auch das Inkretinanalogon Liraglutid gilt als "mit Einschränkung geeignet", solange das Mittel zeitlich begrenzt als unterstützende Maßnahme zur Gewichtsreduktion eingesetzt wird. Um einen dauerhaten Gewichtsverlust zu erreichen, ist auch Liraglutid wenig geeignet, da dies nur durch ein umfassendes Programm aus Ernährung, Bewegung und Medikament zu erreichen ist.

Mittel mit Amphetaminen sind dagegen zur Gewichtsabnahme "wenig geeignet". Mit diesen Wirkstoffen lässt sich das Gewicht zwar geringfügig verringern, doch diese Wirkstoffe können abhängig machen und schwerwiegende unerwünschte Wirkungen haben. Die Abwägung von Nutzen und Risiko fällt somit negativ aus.

Neue Medikamente

"Sättigungskapseln", "Fettblocker" oder "Fatburner" werden nicht nur als Arzneimittel sondern auch als Medizinprodukte oder auch als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben. Derartige Produkte gelangen unter anderen Voraussetzungen auf den Markt als zugelassene Arzneimittel. Im Gegensatz zu Arzneimitteln müssen Medizinprodukte lediglich bestimmte gesetzlich geregelte technische und medizinische Anforderungen erfüllen. Ihr Wirkprinzip ist rein physikalisch. Sie dürfen keine pharmakologische Wirkung haben oder etwa in immunologische Vorgänge oder den Stoffwechsel des Menschen eingreifen. Nahrungsergänzungsmittel hingegen werden rechtlich wie Lebensmittel behandelt. Sie sollen die allgemeine Ernährung lediglich ergänzen. Krankheitsbezogene Aussagen oder Anwendungsgebiete sind bei ihnen nicht erlaubt. Mit welchen Aussagen geworben werden darf, wird geregelt. Die Unterschiede zwischen all diesen Produktklassen sind für Verbraucher dennoch nicht leicht erkenntlich. Noch schwieriger wird es, wenn Gesundheitsprodukte aus dubiosen Quellen im Internet bestellt werden: Falls die Betreiber der Internetseiten in ganz anderen Regionen niedergelassen sind, sind Verstöße gegen die hierzulande oder EU-weit geltenden gesetzlichen Festlegungen und Richtlinien kaum zu ahnden. Vor dem Erwerb von Produkten, die mit vollmundigen Versprechungen mit einer deutlichen Senkung des Gewichts werben, muss daher gewarnt werden. Das Risiko, bei Bestellung über das Internet ein bedenkliches Produkt zu kaufen, ist besonders hoch. Häufig konnten Kontrollen bei solchen "Abnehmpillen" aus dem Internet gesundheitsgefährdende Bestandteile nachweisen oder sogar verbotene Wirkstoffe, beispielsweise den verschreibungspflichtigen Appetithemmer Sibutramin (früher Reductil). Sibutramin wurde wegen Herzschädlichkeit mittlerweile weltweit vom Markt genommen. Die in diesem Zusammenhang auffällig gewordenen Produkte sind unter auf der Internetseite gutepillen-schlechtepillen.de/alphabetisches-register-gepanschtes zusammengestellt.

Neue rezeptpflichtige Medikamente

Als neues Medikament zur Behandlung von Adipositas wurde europaweit eine Kombination aus Bupropion und Naltrexon (Mysimba) zugelassen. In Deutschland ist das Mittel seit Januar 2018 im Handel.

Beide Wirkstoffe werden bereits eingesetzt: Bupropion als Mittel bei Depressionen und zur Raucherentwöhnung, Naltrexon, um die Wirkung von Opioiden (bei Schmerzen) aufzuheben. Beide sollen auf das Hungerzentrum im Gehirn wirken und den Wunsch dämpfen, über den Sättigungspunkt hinaus zu essen. In Studien wurde verglichen, wie groß der Gewichtsverlust nach einem Jahr ist, wenn die Teilnehmenden entweder die Kombination der beiden Substanzen oder ein Placebo einnehmen. Danach gehen bei einer Behandlung mit Mysimba zwei bis vier Kilogramm mehr verloren als bei einer Scheinbehandlung. Das bedeutet aber nur für 10 bis 20 von 100 derartig Behandelte, dass sie ihr Ausgangsgewicht um mehr als 5 Prozent verringern können, was sie mit einer Scheinbehandlung nicht erreicht hätten. Diesem Gewichtsverlust durch Mysimba steht das Risiko erheblicher unerwünschter Wirkungen, vor allem im psychischen Bereich, gegenüber: Depressionen, Manie, Selbsttötung, Psychose, Angststörungen.