Medikamente im Test

Speiseröhren­entzündung

Allgemeines

Eine Speiseröhrenentzündung (Refluxösophagitis) entwickelt sich bei etwa einem Drittel der Menschen mit deutlichen Refluxbeschwerden. Näheres hierzu unter Sodbrennen.

Zwar ist ein gewisser Rückfluss des Speisebreis aus dem Magen natürlich und schadet nicht. Gelangen jedoch häufig größere Mengen des sauren Gemischs in die Speiseröhre (Ösophagus), verätzt dieses die empfindliche Schleimhaut, sodass sie sich entzündet. Bei etwa jedem Zehnten wandelt sich die Schleimhaut dann um (Barrett-Ösophagus), mit der Folge, dass das nachwachsende Gewebe nicht mehr der normalen Speiseröhrenschleimhaut entspricht, sondern eher der Darmschleimhaut. Daraus kann sich in Einzelfällen Krebs entwickeln. Es ist also sinnvoll, länger andauernden Refluxbeschwerden nachzugehen und sie konsequent zu behandeln.

Anzeichen und Beschwerden

Sodbrennen, aus dem sich bei einem chronischen Geschehen eine Speiseröhrenentzündung entwickeln kann, macht sich mit einem unangenehmen Druckgefühl sowie brennenden Schmerzen hinter dem Brustbein bemerkbar – dort verläuft die Speiseröhre. Die Beschwerden beginnen meist nach dem Essen in der Magengrube und gehen mit unangenehmem, saurem Aufstoßen einher, wobei kleine Mengen der zuvor geschluckten Speisen hochkommen können. Im Liegen und beim Bücken können sich die Beschwerden verstärken.

Die Beschwerden können auch den Schlaf beeinträchtigen und sich „atypisch“ bemerkbar machen, etwa durch einen Kloß im Hals, Heiserkeit, andauerndes Räuspern, vermehrte Schleimbildung, chronischen Husten, Atemwegsbeschwerden sowie Zahnerosionen.

Ursachen

Wenn dauerhaft saurer Magensaft in die Speiseröhre fließt, kann sich eine schmerzhafte Speiseröhrenentzündung entwickeln. Eine Speiseröhrenentzündung kann sich auch durch Medikamente entwickeln, wenn z. B. eine Tablette oder Kapsel beim Hinunterschlucken in der Speiseröhre haften bleibt. Besonders ätzend wirken Bisphosphonate (bei Osteoporose), Kaliumchlorid (bei Kaliummangel), Antibiotika wie Doxycyclin und Ciprofloxacin sowie nichtsteroidale Antirheumatika (bei Rheuma, Schmerzen). Diese Mittel müssen Sie mit besonders viel Flüssigkeit einnehmen.

Spitze und scharfkantige Speiseteile (Fischgräten, Geflügelknochensplitter) können in der Speiseröhre hängen bleiben oder die Schleimhaut verletzen. Auch wenn Kinder versehentlich z. B. ein Spielzeug oder Knopfbatterien verschlucken, kann sich die Speiseröhre entzünden.

Außerdem können Pilze (z. B. Hefepilze) und Viren (z. B. Herpes) eine Speiseröhrenentzündung hervorrufen. Dies kommt vor allem bei Personen mit geschwächtem Immunsystem vor.

Bei manchen Menschen entzündet sich die Speiseröhre aufgrund einer Nahrungsmittelallergie. Dann finden sich an der Entzündungsstelle vermehrt bestimmte weiße Blutkörperchen (eosinophile Granulozyten). Daher spricht man von einer "eosinophilen Ösophagitis".

Vorbeugung

Folgende Maßnahmen werden häufig empfohlen, um dem Zurückfließen des Magensaftes in die Speiseröhre und damit auch einer Speiseröhrenentzündung vorzubeugen:

  • Legen Sie sich nach dem Essen nicht hin (z. B. für einen Mittagsschlaf). Im Liegen fließt der Mageninhalt leichter in die Speiseröhre zurück. Machen Sie lieber nach dem Essen einen Verdauungsspaziergang.

  • Warten Sie nach dem Abendessen mindestens drei Stunden, bevor Sie schlafen gehen.
  • Legen Sie sich im Bett vor allem auf die linke Seite, dann fließt saurer Speisebrei nicht so leicht in die Speiseröhre zurück.
  • Passen Sie die Essenszeiten Ihrem individuellen Tagesablauf an. Essen Sie beispielsweise nach 20 Uhr nichts mehr, wenn Sie üblicherweise um 23 Uhr zu Bett gehen und halten Sie die Abendmahlzeit klein. Dann ist der Magen nahezu leer, wenn Sie sich hinlegen.
  • Nehmen Sie lieber fünfmal täglich eine kleine Mahlzeit zu sich, statt dreimal eine große. Dann ist der Magen nicht so voll.
  • Essen Sie möglichst zu gleichbleibenden Zeiten, um den Magen an einen bestimmten Rhythmus zu gewöhnen.
  • Lassen Sie sich Zeit beim Essen und kauen Sie die Speisen sorgfältig.
  • Fettarme, eiweißreiche Kost ist bekömmlicher und wird schneller verdaut als fettreiche.
  • Wenn Sie von Kaffee Sodbrennen bekommen, sollten Sie die säurearmen oder coffeinfreien Sorten bevorzugen.
  • Vermeiden Sie eiskalte Speisen und Getränke, weil diese die Bewegungen der Speiseröhre verringern.

Sie können ausprobieren, ob sich Ihre Beschwerden damit lindern lassen. Gesicherte Belege, die einen vorbeugenden Effekt dieser Maßnahmen bestätigen könnten, fehlen.

Allgemeine Maßnahmen

Alle Maßnahmen, die unter "Vorbeugung" aufgeführt sind, können Sie auch ausprobieren, wenn Sodbrennen bereits zu einer Speiseröhrenentzündung geführt hat, um die Beschwerden zu lindern. Gesicherte Belege, dass dadurch bestehende Beschwerden nachhaltig gelindert werden, fehlen jedoch meist.

Um nächtliche Beschwerden durch zurückfließenden Magensaft zu lindern, können Sie nachts mit etwas erhöhtem Kopfteil schlafen (ein dickes Kissen oder einen Keil unter die Matratze legen). Achten Sie jedoch darauf, dass der Oberkörper gegenüber dem restlichen Rumpf nicht abgeknickt ist.

Ebenso kann es sinnvoll sein, dass Sie sich zum Einschlafen auf die linke Seite drehen. Schlafen Sie nämlich auf der rechten Seite, kann der Mageninhalt – anatomisch bedingt – leichter in die Speiseröhre zurückfließen.

Sie können ausprobieren, ob sich die Beschwerden bessern, wenn Sie Kräutertee (z. B. Kamille, Malve, Eibisch) oder ein Glas stilles Mineralwasser trinken. Milch zu trinken ist dagegen nicht ratsam, weil das Calcium in der Milch den Magen anregt, vermehrt Säure zu produzieren.

Milde breiige Speisen wie Karotten-, Kartoffel-, Grieß- und Reisbrei können Magensäure binden und auf diese Weise Sodbrennen bessern.

Kaugummi kann Sodbrennen lindern, weil der beim Kauen vermehrt gebildete Speichel die Magensäure verdünnt und außerdem säureneutralisierende Bestandteile enthält (z. B. Bicarbonat).

Meiden Sie Speisen und Getränke, die bei Ihnen das Sodbrennen verstärken. Das können beispielsweise alkoholische, kohlensäure- oder coffeinhaltige Getränke, unverdünnte Obstsäfte oder Süßigkeiten sein.

Bei alkoholischen Getränken gilt, dass Weißwein aufgrund seines höheren Säuregehalts weniger gut vertragen wird als Rotwein. Auf Schnäpse sollten Sie ganz verzichten.

Rauchen erhöht das Risiko für eine Refluxerkrankung und kann schon vorhandene Beschwerden verstärken. Sie sollten sich das Rauchen deshalb besser abgewöhnen.

Häufig bessern sich Refluxbeschwerden, wenn Übergewicht abgebaut wird. Vermehrte körperliche Aktivität kann dabei helfen und so dazu beitragen, die Beschwerden zu lindern. Zu starke körperliche Belastung – dazu kann auch Joggen gehören – kann die Refluxbeschwerden aber verstärken. Probieren Sie daher aus, welche Art von Bewegung sich positiv auf Ihr Beschwerdebild auswirkt.

Wann zum Arzt?

Wenn sehr plötzlich Schmerzen in der Speiseröhre oder im Magenbereich auftreten oder wenn Sie nicht mehr richtig schlucken können, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Auch wenn sich die Beschwerden verändern, wenn Sodbrennen trotz allgemeiner Maßnahmen oder einer Selbstbehandlung mit rezeptfreien Medikamenten länger als zwei Wochen anhält, wenn in Ihrer Familie schon einmal jemand an Speiseröhren- oder Magenkrebs erkrankt ist, oder wenn Sie ungewollt an Gewicht verlieren, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Es muss geklärt werden, ob es sich um Sodbrennen handelt oder ob sich bereits eine Speiseröhrenentzündung entwickelt hat oder ein Magengeschwür beziehungsweise eine Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori oder eine andere ernsthafte Erkrankung vorliegen.

Wenn der Verdacht besteht, dass Sie aus der Speiseröhre bluten, sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

Behandlung mit Medikamenten

Rezeptpflichtige Mittel

Eine Speiseröhrenentzündung kann durch eine Refluxerkrankung entstehen. Zu deren Behandlung sind säureblockierende Mittel geeignet.

Das säurehemmende Mittel Ranitidin ist nur mit Einschränkung geeignet, weil es schwächer wirkt als säureblockierende Mittel und bei regelmäßiger Einnahme an Wirkung verliert.

Neue Medikamente

Seit Juni 2014 ist mit Dexlansoprazol (Dexilant) ein weiterer Protonenpumpenhemmer in Deutschland erhältlich, der bisher noch immer nicht zu den meistverordneten Mitteln gehört. Es handelt sich um den sechsten Vertreter dieser Wirkstoffgruppe. Zugelassen ist das Mittel lediglich bei Sodbrennen und Speiseröhrenentzündung. Die anderen Vertreter einschließlich Lansoprazol können auch bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren eingesetzt werden, zur Vorbeugung von diesen aufgrund einer Dauereinnahme nichtsteroidaler Antirheumatika (z. B. bei Arthrose) sowie zur Beseitigung von Helicobacter pylori. Zwischen Dexlansoprazol und Lansoprazol ergibt sich bei der Behandlung von Sodbrennen oder Refluxösophagitis kein bedeutsamer Unterschied. Solche neue Medikamente werden häufig aufgrund ökonomischer Erwägungen auf dem Markt gebracht: Kurz vor Ablauf der Patentzeit wird ein strukturell sehr ähnlicher Wirkstoff eingeführt, der keinen relevanten Vorteil gegenüber der Muttersubstanz aufweist. Er ist aber wiederum patentgeschützt und kann teurer vermarktet werden.