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Sodbrennen

Allgemeines

Sodbrennen aufgrund von säurehaltigem Magensaft, der in die Speiseröhre aufsteigt, gehört zu den häufigsten Beschwerden im Verdauungstrakt. Etwa ein Viertel der Bevölkerung leidet mindestens einmal im Monat an solchen Refluxbeschwerden, bei etwa jedem Zehnten treten die Beschwerden mindestens einmal pro Woche und bei etwa jedem Zwanzigsten täglich auf. Eine Speiseröhrenentzündung (Refluxösophagitis) entwickelt sich bei etwa einem Drittel der Menschen mit deutlichen Refluxbeschwerden.

Zwar ist ein gewisser Rückfluss des Speisebreis aus dem Magen natürlich und schadet nicht. Gelangen jedoch häufig größere Mengen des sauren Gemischs in die Speiseröhre (Ösophagus), verätzt dieses die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre, sodass sie sich entzündet. Näheres hierzu können Sie unter Speiseröhrenentzündung erfahren.

Bei Kindern

In den ersten vier Lebensmonaten kommt es bei etwa 70 von 100 Kindern vor, dass etwas Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Das ist kein Grund zur Sorge und auch keine krankhafte Störung. In dieser Zeit entwickelt sich eine Refluxkrankheit nur, wenn andere Krankheiten den Verschluss des Mageneingangs beeinträchtigen, beispielsweise Erkrankungen des Nervensystems oder ein Zwerchfellriss (Hiatushernie). Ein Problem kann allerdings entstehen, wenn der Mageninhalt regelmäßig die Atemwege erreicht.

Anzeichen und Beschwerden

Sodbrennen macht sich mit einem unangenehmen Druckgefühl sowie brennenden Schmerzen hinter dem Brustbein bemerkbar – dort verläuft die Speiseröhre. Die Beschwerden beginnen meist nach dem Essen in der Magengrube und gehen mit unangenehmem, saurem Aufstoßen einher, wobei kleine Mengen der zuvor geschluckten Speisen hochkommen können. Im Liegen und beim Bücken können sich die Beschwerden verstärken.

Die Beschwerden können auch den Schlaf beeinträchtigen und sich „atypisch“ bemerkbar machen, etwa durch einen Kloß im Hals, Heiserkeit, andauerndes Räuspern, vermehrte Schleimbildung, chronischen Husten, Atemwegsbeschwerden sowie Zahnerosionen.

Bei Kindern

Wenn das Baby mehrfach am Tag schwallartig erbricht, die Nahrung verweigert oder nach dem Trinken beziehungsweise Stillen hustet und weint, kann dies ein Hinweis auf eine Erkrankung des Nervensystems oder einen Zwerchfllbruch (Hiatushernie) sein.

Gelangt der aufsteigende Magensaft in die Atemwege, kann dies zu wochenlang anhaltendem Husten mit Heiserkeit und gegebenenfalls auch zu Atemnot führen.

Ursachen

Normalerweise verhindert der Schließmuskel (Ösophagussphinkter) am Mageneingang (Kardia) zusammen mit dem Zwerchfell, dass der Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Wenn dieser Muskel jedoch erschlafft oder der Druck im Mageninneren erhöht ist, wird der Magen zur Speiseröhre hin nicht richtig verschlossen (Kardiainsuffizienz). Dann können Magensaft und angedauter Speisebrei in die Speiseröhre aufsteigen.

Es gibt einige Faktoren, die diesen Vorgang begünstigen können:

  • Erhebliches Übergewicht (vor allem am Bauch), ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie), oder Bauchwassersucht (Aszites) lassen den Druck im Bauchraum ansteigen.
  • Fette Speisen, Alkohol sowie Rauchen lassen den Druck im unteren Teil der Speiseröhre absinken.
  • Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke und Alkohol regen die Magenschleimhaut an, verstärkt Säure zu produzieren, was saures Aufstoßen und Sodbrennen fördert.
  • Bei Stress, Hetze, Konflikten und anhaltender Überforderung bildet der Magen besonders viel Magensaft, gibt seinen Inhalt aber nur verzögert an den Zwölffingerdarm weiter.
  • Bestimmte Körperhaltungen wie Bücken oder Liegen können die Beschwerden verstärken.

Außerdem kommt Sodbrennen während der Schwangerschaft sehr häufig vor, insbesondere im letzten Drittel der Schwangerschaft. Zwei Faktoren sind dafür verantwortlich: Zum einen bewirken hormonelle Veränderungen eine Schwächung des Schließmuskels zwischen Speiseröhre und Magen, zum anderen steigt durch den wachsenden Fötus der Druck im Bauchraum.

Oft bleibt die Ursache für den gestörten Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen aber auch ungeklärt.

Vorbeugung

Folgende Maßnahmen werden oft empfohlen, um dem Zurückfließen des Magensaftes in die Speiseröhre vorzubeugen:

  • Legen Sie sich nach dem Essen nicht hin (z. B. für einen Mittagsschlaf). Im Liegen fließt der Mageninhalt leichter in die Speiseröhre zurück. Machen Sie lieber nach dem Essen einen Verdauungsspaziergang.
  • Warten Sie nach dem Abendessen mindestens drei Stunden, bevor Sie schlafen gehen.
  • Legen Sie sich im Bett vor allem auf die linke Seite, dann fließt saurer Speisebrei nicht so leicht in die Speiseröhre zurück.
  • Passen Sie die Essenszeiten Ihrem individuellen Tagesablauf an. Essen Sie beispielsweise nach 20 Uhr nichts mehr, wenn Sie üblicherweise um 23:00 Uhr zu Bett gehen und halten Sie die Abendmahlzeit klein. Dann ist der Magen nahezu leer, wenn Sie sich hinlegen.
  • Nehmen Sie lieber fünfmal täglich eine kleine Mahlzeit zu sich, statt dreimal eine große. Dann ist der Magen nicht so voll.
  • Essen Sie möglichst zu gleichbleibenden Zeiten, um den Magen an einen bestimmten Rhythmus zu gewöhnen.
  • Lassen Sie sich Zeit beim Essen und kauen Sie die Speisen sorgfältig.
  • Fettarme, eiweißreiche Kost ist bekömmlicher und wird schneller verdaut als fettreiche.
  • Wenn Sie von Kaffee Sodbrennen bekommen, sollten Sie die säurearmen oder coffeinfreien Sorten bevorzugen.
  • Vermeiden Sie eiskalte Speisen und Getränke, weil diese die Bewegungen der Speiseröhre verringern.

Sie können ausprobieren, ob sich Ihre Beschwerden damit lindern lassen. Gesicherte Belege, die einen vorbeugenden Effekt dieser Maßnahmen bestätigen könnten, fehlen.

Allgemeine Maßnahmen

Alle Maßnahmen, die im Abschnitt Vorbeugung aufgeführt sind, können Sie auch ausprobieren, wenn bereits Sodbrennen besteht. Gesicherte Belege, dass dadurch bestehende Beschwerden nachhaltig gelindert werden, fehlen jedoch meist.

Es könnte hilfreich sein, nachts mit etwas erhöhtem Kopfteil zu schlafen (Keil unter die Matratze legen). Achten Sie jedoch darauf, dass der Oberkörper gegenüber dem restlichen Rumpf nicht abgeknickt ist.

Ebenso kann es sinnvoll sein, dass Sie sich zum Einschlafen auf die linke Seite drehen. Schlafen Sie nämlich auf der rechten Seite, kann der Mageninhalt – bedingt durch den Körperbau – leichter in die Speiseröhre zurückfließen.

Sie können ausprobieren, ob sich die Beschwerden bessern, wenn Sie Kräutertee (z. B. Kamille, Malve oder Eibisch) oder ein Glas stilles Mineralwasser trinken. Milch zu trinken ist dagegen weniger ratsam, weil das Calcium in der Milch den Magen sogar anregen kann, vermehrt Säure zu produzieren.

Milde breiige Speisen wie z. B. Karotten-, Kartoffel-, Grieß- und Reisbrei können Magensäure binden und auf diese Weise Sodbrennen bessern.

Kaugummi kann Sodbrennen lindern, weil der beim Kauen vermehrt gebildete Speichel die Magensäure verdünnt und außerdem säureneutralisierende Bestandteile enthält (z. B. Bicarbonat).

Meiden Sie Speisen und Getränke, die bei Ihnen das Sodbrennen verstärken. Das können beispielsweise alkoholische, kohlensäure- oder coffeinhaltige Getränke, unverdünnte Obstsäfte oder Süßigkeiten sein.

Bei alkoholischen Getränken gilt, dass Weißwein aufgrund seines höheren Säuregehalts weniger gut vertragen wird als Rotwein. Auf Schnäpse sollten Sie ganz verzichten.

Rauchen erhöht das Risiko für eine Refluxerkrankung und kann schon vorhandene Beschwerden verstärken. Sie sollten sich das Rauchen deshalb besser abgewöhnen.

Häufig bessern sich Refluxbeschwerden, wenn Übergewicht abgebaut wird. Vermehrte körperliche Aktivität kann dabei helfen und so dazu beitragen, die Beschwerden zu lindern. Zu starke körperliche Belastung – dazu kann auch Joggen gehören – kann die Refluxbeschwerden aber verstärken. Probieren Sie daher aus, welche Art von Bewegung sich positiv auf Ihr Beschwerdebild auswirkt.

Wann zum Arzt?

Wenn sehr plötzlich Schmerzen in der Speiseröhre oder im Magenbereich auftreten oder wenn Sie nicht mehr richtig schlucken können, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Auch wenn sich die Beschwerden verändern, wenn das Sodbrennen trotz allgemeiner Maßnahmen oder einer Selbstbehandlung mit rezeptfreien Medikamenten länger als zwei Wochen anhält, wenn in Ihrer Familie schon einmal jemand an Speiseröhrenkrebs erkrankt ist, oder wenn Sie ungewollt an Gewicht verlieren, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Es muss ausgeschlossen werden, dass eine Speiseröhrenentzündung, ein Magengeschwür beziehungsweise eine Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori oder eine andere ernsthafte Erkrankung vorliegen, die mit rezeptpflichtigen Mitteln behandelt werden müssen. Was Sie über diese Mittel wissen müssen, lesen Sie unter "Medikamente vom Arzt".

Wenn der Verdacht besteht, dass Sie aus der Speiseröhre bluten, sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

Bei Kindern

Wenn Kinder in den ersten Lebensjahren bei Mahlzeiten oder beim Aufstoßen auffällig unruhig werden oder über Schmerzen klagen, sollten Sie dies ärztlich abklären lassen.

Auch wenn ein Säugling nach dem Stillen oder Füttern immer wieder auffällig stark hustet und weint, sollten Sie das Baby dem Arzt vorstellen.

Behandlung mit Medikamenten

Rezeptfreie Mittel

Vorübergehend auftretendes Sodbrennen können Sie mit Antazida behandeln. Das sind Substanzen, die überschüssige Magensäure binden oder neutralisieren. Die Mittel wirken alle recht schnell (innerhalb von 20 bis 30 Minuten, auf nüchternen Magen eingenommen), allerdings ist der Effekt nur von kurzer Dauer.

Bei anhaltenden oder wiederholt auftretenden Beschwerden sind säurehemmende Mittel und säureblockierende Mittel geeignet. Das säurehemmende Ranitidin bremst die Produktion von saurem Magensaft in der Magenschleimhaut und ist bei anhaltendem Sodbrennen geeignet. Allerdings sollte es ohne Rücksprache mit einem Arzt nicht länger als zwei Wochen eingesetzt werden. Das gilt auch für die säureblockierenden Mittel Omeprazol und Pantoprazol, die die Produktion von Magensaft nahezu komplett hemmen. Diese Mittel sind nur in geringer Dosierung und begrenzter Anzahl frei verkäuflich, in höherer Dosis sind sie rezeptpflichtig.

Die Kombination aus Antazidum + Gelbildner ist wenig geeignet, weil nicht ausreichend nachgewiesen ist, dass die Kombination beider Substanzen besser wirkt als jeder einzelne der beiden Bestandteile allein. Außerdem können zusätzlich Magenbeschwerden und gefährliche Verschiebungen im Mineralstoffhaushalt auftreten.

Die Kombination aus einem Aluminiumsalz mit verschiedenen ätherischen Ölen, medizinischer Seife und schwachen Säuren (RETTERSPITZ Innerlich) ist wenig geeignet zur Behandlung von Sodbrennen, weil zum einen die Kombination der Wirkstoffe nicht sinnvoll ist und zum anderen die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen.

Neue Medikamente

Seit August 2014 ist zur Kurzzeitbehandlung von Sodbrennen bei Erwachsenen auch der Wirkstoff Esomeprazol in niedriger Dosierung ohne Rezept verfügbar (Nexium control 20 mg). Esomeprazol ist chemisch ähnlich aufgebaut wie Omeprazol, etwas teurer als dieses, jedoch nicht wirksamer oder verträglicher.

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