Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Sexuell übertragbare Erkrankung: Genitalherpes

Allgemeines

Herpes-simplex-Viren (HSV) rufen eine Reihe von weit verbreiteten Erkrankungen an Haut und Schleimhäuten hervor, dazu gehört Genitalherpes. Diese Hauterkrankung im Bereich der Geschlechtsorgane zählt zu den sexuell übertragbaren Krankheiten. Mit Fieberblasen an den Lippen äußern sich Infektionen mit dem Herpes-simplex-Virus auch als Lippenherpes.

Bei Kindern

Ist eine Schwangere kurz vor der Geburt akut an Genitalherpes erkrankt, kann sie das Virus bei der Geburt auf ihr Kind übertragen. Man geht davon aus, dass sich 30 bis 50 von 100 Kindern während einer natürlichen Geburt mit dem Herpes-Virus anstecken.

Frauen, die sich bereits vor der Schwangerschaft oder im ersten Drittel der Schwangerschaft mit Herpes angesteckt haben, übertragen das Virus nur selten auf ihr Kind.

Anzeichen und Beschwerden

Als erstes Zeichen der Infektion juckt, spannt, brennt und rötet sich die Haut an den äußeren Genitalien, am Damm und/oder After. Einige Stunden später bilden sich Gruppen von flachen Blasen, die zunächst mit einer hellen, später eitrigen Flüssigkeit gefüllt sind. Wenn sie einreißen, entstehen schmerzhafte Wundflächen. Diese verkrusten und heilen innerhalb von etwa einer Woche ab.

Die Lymphknoten in den Leistenbeugen können geschwollen sein. Mitunter kommen Fieber, Kopfschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl hinzu.

Bei Kindern

Bei Neugeborenen führt eine Ansteckung mit dem Herpes-Virus zu ähnlichen Krankheitszeichen wie bei Erwachsenen, beispielsweise Fieber, Hautausschlag, Teilnahmslosigkeit und verminderter Appetit. Allerdings kann das Virus bei Säuglingen auch zu schwerwiegenden, zum Teil lebensbedrohlichen Erkrankungen wie einer Gehirnentzündung oder Organschäden führen.

Ursachen

Eine erstmalige Herpeserkrankung im Genitalbereich beruht meist auf Herpes-simplex-Viren Typ 2 (HSV-II). Zunehmend gibt es aber auch Erstinfektionen mit Herpes-simplex-Viren Typ 1 (HSV-I).

Herpesviren haben eine ungewöhnliche Eigenschaft: Sie verbleiben im Körper, nachdem die Entzündung abgeklungen ist. Sie ziehen sich in Nervenknoten (Ganglien) zurück, die in der Nähe des Infektionsorts liegen, und ruhen dort unbemerkt – in Schach gehalten vom Immunsystem.

Nisten die Viren in den Nervenknoten am unteren Ende der Wirbelsäule, können sie wiederholt Genitalherpes verursachen.

Wenn die Abwehrkräfte nachlassen, können die Viren wieder aktiv werden. Sie wandern über die Nerven zu dem entsprechenden Hautareal und rufen dort eine akute Entzündung hervor.

Aus diesem Grund sind Herpesinfektionen bei Menschen mit einer Immunschwäche, z. B. einer HIV-Infektion, relativ häufig. Auch Personen, die Arzneimittel einnehmen, die das Abwehrsystem unterdrücken, wie es beispielsweise nach Organtransplantationen notwendig ist, leiden oft unter Herpesinfektionen.

Bei Kindern

Neugeborene können sich unter der Geburt anstecken. Dies geschieht insbesondere, wenn die Schwangere akut erkrankt ist.

Allgemeine Maßnahmen

Im Allgemeinen sind Kondome ein wirksamer Schutz vor Infektionen beim Sex. Zur Ansteckung des Sexualpartners mit Genitalherpes fehlen allerdings gute wissenschaftliche Untersuchungen. Die vorliegenden Studien geben aber Hinweise darauf, dass der Gebrauch von Kondomen das Ansteckungsrisiko für den bislang nicht infizierten Partner senken kann. Da auch während der symptomfreien Zeit der Erkrankung das Herpes-Virus übertragen werden kann, wird empfohlen, Kondome grundsätzlich anzuwenden, wenn einer der Partner mit Genitalherpes infiziert ist. Der Schutz durch ein Kondom ist aber nicht vollständig. Dies sollten Sie besonders in einer akuten Phasen der Erkrankung berücksichtigen, denn in dieser Zeit ist die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken besonders hoch. Daher sollten Intimkontakte während eines akuten Ausbruchs unterbleiben bis die Bläschen verkrustet sind, um eine Ansteckung des Partners oder der Partnerin bestmöglichst zu verhindern.

Eine Übertragung ist nur durch direkten Hautkontakt möglich, nicht über Gegenstände wie Toilettenbrillen oder Handtücher.

Bei Kindern

Ist eine schwangere Frau kurz vor der Geburt akut an Genitalherpes erkrankt, wird meist ein Kaiserschnitt durchgeführt, um das Risiko für eine Übertragung auf das Kind möglichst gering zu halten.

Bei Neugeborenen gilt darüber hinaus in den ersten acht Wochen, dass Menschen mit Herpes das Kind in dieser Zeit nicht küssen und auf eine gute Händehygiene achten sollen.

Wann zum Arzt?

Besteht der Verdacht auf Genitalherpes, ist es sinnvoll, sich beim Arzt beraten zu lassen. Insbesondere beim ersten Ausbruch ist auch eine medikamentöse Therapie sinnvoll. Darüber hinaus ist es notwendig, sich über das mögliche Ansteckungsrisiko zu informieren.

Bei Kindern

Besteht bei einem Neugeborenen der Verdacht auf Genitalherpes, ist umgehend ärztliche Beratung notwendig. Ein mit Genitalherpes infiziertes Kind wird im Krankenhaus behandelt.

Behandlung mit Medikamenten

Eine Erstinfektion wird in der Regel mit Medikamenten behandelt, selbst wenn die Beschwerden zu Beginn nicht sehr ausgeprägt sind. Denn beim ersten Kontakt mit dem Herpesvirus besteht die Gefahr, dass sich schwere Beschwerden entwickeln. Eine wiederkehrende Infektion verläuft meist milder und kürzer. Sie lässt sich in manchen Fällen auch ohne Medikamente überstehen.

Rezeptpflichtige Mittel

Tritt die Infektion zum ersten Mal auf, kann Aciclovir, als Tabletten oder Saft geschluckt, das Areal begrenzen, in dem sich die Viren ausbreiten. Es kann die Beschwerden mildern und die Haut schneller abheilen lassen. Auch den Verlauf wiederholter Infektionen kann innerlich eingesetztes Aciclovir positiv beeinflussen. Zur Behandlung von genitalen Herpesinfektionen wird es als "geeignet" angesehen.

Die äußerliche Anwendung von Aciclovir soll die Schmerzen lindern und den Juckreiz stillen, die wiederkehrende Herpesinfektionen so beschwerlich machen. Es ist allerdings nicht ausreichend nachgewiesen, dass Aciclovir in Cremeform diese therapeutische Wirksamkeit hat. Darum werden die Produkte zur äußerlichen Anwendung bei Genitalherpes als "wenig geeignet" eingestuft.

Wenden Sie Arzneimittel im Intimbereich an, sollten Sie beachten, dass einige dieser Präparate die Reißfestigkeit von Latexkondomen und bei längerer Anwendungszeit eventuell auch die der Membran eines Diaphragmas beeinträchtigen können. Näheres hierzu lesen Sie unter Anwendung von Kondomen und Diaphragmen.