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Schilddrüsen­überfunktion

Allgemeines

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) produziert die Schilddrüse überreichlich Hormone. Tritt die Überfunktion aufgrund einer Autoimmunerkrankung auf, handelt es sich um die Basedow-Krankheit. Sie ist besonders bei Menschen im mittleren Alter häufig der Grund für eine Überfunktion der Schilddrüse. Bei älteren Menschen handelt es sich meist um eine Schilddrüsenautonomie.

Anzeichen und Beschwerden

Die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion sind nicht sehr spezifisch. Sie kommen auch bei anderen Krankheiten vor und können ferner Ausdruck psychosomatischer oder psychischer Erkrankungen sein. Die Betroffenen wirken leicht "überdreht" und fühlen sich auch so. Ihr Herz rast oder schlägt unregelmäßig, sie sind innerlich angespannt, die Hände zittern, sie sprechen schnell, bewegen sich hastig und handeln unkonzentriert. Ihnen ist ständig zu warm, sie schwitzen viel und schlafen schlecht. Trotz guten Appetits nehmen sie ab. Die Haare können ausfallen. Die Betroffenen neigen zu Durchfall und bekommen oft hohen Blutdruck. Bei starker Überfunktion können sich Muskelschwäche und Sprachstörungen entwickeln.

Bei einem Teil der Kranken treten die Augen hervor. Sie brennen, sind gerötet und schmerzen.

Bei älteren Menschen

Sie leiden vor allem an Symptomen, die das Herz betreffen, z. B. Herzrhythmusstörungen. Manche weisen aber auch eher untypische Zeichen einer Schilddrüsenüberfunktion auf, beispielsweise Schwäche. Die anderen Symptome stehen bei ihnen weniger im Vordergrund.

Ursachen

Bei einer Überfunktion arbeitet die Schilddrüse unkontrolliert. Das kann verschiedene Ursachen haben. Bei der Basedow-Krankheit kann das Immunsystem "eigen" und "fremd" nicht mehr unterscheiden und wendet sich gegen körpereigenes Gewebe. Dann binden sich Stoffe des Abwehrsystems (Antikörper) an jene Stellen der Schilddrüsenzellen, an denen sonst die Steuerungshormone andocken. Diese Antikörper können die Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen anregen. Damit ist das Organ nicht mehr in den Regelkreislauf der Hirnanhangdrüse eingebunden und produziert eine zu große Menge Schilddrüsenhormone.

Bei einem Viertel der Betroffenen können die Abwehrstoffe eine Entzündung an den Augen auslösen, durch die der Augapfel aus seiner Höhle gedrückt wird.

Bei einer Schilddrüsenautonomie gibt es in der Schilddrüse Zellbezirke, die der üblichen Steuerung durch die Hirnanhangdrüse nicht mehr gehorchen. Bei einer Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse fallen diese autonomen Gewebe oft als Knoten auf. Eine weitere spezielle Untersuchung, die Szintigrafie, deckt dann auf, ob es sich um kalte, also funktionslose, Knoten handelt oder um heiße, das bedeutet überaktive Bezirke. Wenn genügend Jod vorhanden ist, produzieren heiße Knoten die Hormone übermäßig und nicht mehr bedarfsgerecht. Der gesunde Teil der Schilddrüse stellt seine Arbeit ein.

Wenn einer Schilddrüse mit überaktiven Bezirken überreichlich Jod zur Verfügung steht, kann sie eine solche Menge Hormone produzieren, dass es zu einer thyreotoxischen Krise kommt. Derart viel Jod gelangt am ehesten durch jodhaltige Medikamente in den Körper, beispielsweise durch spezielle Röntgenkontrastmittel oder Amiodaron, ein Mittel bei Herzrhythmusstörungen.

Bei einer Überfunktion aufgrund einer Schilddrüsenautonomie sind die Augen nicht betroffen.

Als weitere Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion kommt die Behandlung eines Kropfs oder einer Schilddrüsenunterfunktion mit zu hoch dosiertem Levothyroxin in Betracht.

Allgemeine Maßnahmen

Grundsätzlich sollten Sie für Ruhe und Entlastung sorgen und Belastungen – auch anstrengenden Sport – meiden.

Vor allem bei einer Basedow-Erkrankung sollte das Rauchen vollständig eingestellt werden. Andernfalls erhöht sich das Risiko, dass die Erkrankung nach einer medikamentösen Behandlung erneut auftritt.

Außerdem darf keine größere Menge Jod aufgenommen werden. Jodhaltige Medikamente, z. B. Desinfektions- und Röntgenkontrastmittel, sind unbedingt zu meiden.

Bei einer Autonomie wird meist geraten, den Zellbezirk entweder durch Strahlung zu zerstören (Radiojodtherapie) oder ihn chirurgisch zu entfernen. Beide Therapien zieht man einer Langzeitbehandlung mit Medikamenten vor, weil das Risiko, dass die Medikamente das Knochenmark schädigen, wahrscheinlicher und schwerwiegender ist, als es die Risiken der anderen Behandlungsarten sind. Die Radiojodtherapie eignet sich besonders, wenn die Schilddrüse nur mäßig vergrößert ist. Für Schwangere und Stillende kommt sie allerdings wegen der möglichen Gefahren für das Kind nicht infrage.

Wann zum Arzt?

Wenn Sie die unter "Anzeichen und Beschwerden" beschriebenen Symptome bei sich feststellen, sollten Sie sich an einen Arzt wenden. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann nicht selbst therapiert werden. Die Behandlung erfolgt meist mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln oder durch eine Radiojodtherapie im Krankenhaus. Gegebenenfalls muss auch eine Operation durchgeführt werden.

Behandlung mit Medikamenten

Bei allen Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion – egal, aus welcher Ursache – wird die Hormonkonzentration zunächst mit Medikamenten normalisiert. In aller Regel geschieht das aber nur für begrenzte Zeit. Hat sich der Stoffwechsel nach einigen Monaten auf normalem Niveau stabilisiert, wird die Dosis des Medikaments langsam verringert. Nach 6- bis 18-monatiger Behandlung wird es schließlich ganz abgesetzt. Bei etwa der Hälfte derjenigen, deren Überfunktion auf der Basedow-Krankheit beruht, bleibt die Hormonkonzentration nach dem Absetzen des Medikaments normal. Für diese Menschen ist die Behandlung abgeschlossen.

Bei allen anderen, also den Basedow-Betroffenen, deren Überfunktion nach der medikamentösen Behandlung wieder auftritt, und denen, deren Schilddrüsenüberfunktion auf anderen Ursachen beruht oder die eine Schilddrüsenautonomie haben, wird nach der Normalisierung der Hormonkonzentration mit Medikamenten so bald wie möglich eine Radiojodtherapie durchgeführt oder operiert, damit keine erneute Überfunktion auftreten kann. Bis der Erfolg einer Radiojodbehandlung deutlich wird, können einige Monate vergehen. In dieser Zeit können die Tabletten zur Behandlung der Überfunktion noch weiter notwendig sein.

Manche Menschen müssen nach einer Radiojodtherapie Tabletten mit dem Schilddrüsenhormon Levothyroxin einnehmen, andere nicht. Erfolgte die Radiojodtherapie, um autonom arbeitende Schilddrüsenbereiche auszuschalten, normalisiert sich die Schilddrüsenfunktion in aller Regel. Dann sind anschließend keine Schilddrüsenhormontabletten erforderlich. Bei einer Basedow-Erkrankung hingegen wird die Schilddrüse mit der Radiojodtherapie komplett ausgeschaltet. Diese Menschen müssen das Schilddrüsenhormon, individuell dosiert, lebenslang einnehmen. Das Gleiche gilt für diejenigen, deren Schilddrüse operativ entfernt wurde – Übersicht zu den Testergebnissen Schilddrüsenmedikamente.

Rezeptfreie Mittel

Eine große Menge Jodid – je nach Alter können das 12,5 bis 100 Milligramm am Tag sein – kann die Schilddrüse daran hindern, Schilddrüsenhormone abzugeben. Auf diese Weise wird eine Schilddrüsenüberfunktion nur noch selten behandelt. Diese Therapie wird dann auch nur kurze Zeit durchgeführt, um die Voraussetzungen für eine Schilddrüsenoperation zu verbessern.

Rezeptpflichtige Mittel

Die bei Schilddrüsenüberfunktion eingesetzten Arzneimittel (Thyreostatika) sollen die Konzentration an Schilddrüsenhormonen im Blut verringern. Medikamente wie Carbimazol und Thiamazol aus der Gruppe der Mercaptoimidazole stoppen die Hormonproduktion der Schilddrüse. Diese Medikamente sind zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion geeignet. Nach ein bis zwei Monaten sollte sich der Stoffwechsel stabilisiert haben.

Natriumperchlorat unterbindet die Produktion von Schilddrüsenhormonen. Die Substanz ist schlecht verträglich und gilt als überholt. Für die standardmäßige Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion wird sie als "wenig geeignet" angesehen. Natriumperchlorat kommt allenfalls infrage, wenn jemand mit Mercaptoimidazolen allein nicht behandelt werden kann.

Sind zu Beginn der Behandlung das Herzrasen und die Herzrhythmusstörungen durch die Schilddrüsenüberfunktion sehr belastend, können Betablocker, beispielsweise Metoprolol oder Propranolol, Abhilfe schaffen.

Die Augenerscheinungen bei der Basedow-Krankheit müssen gesondert behandelt werden.

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