Medikamente im Test

Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen

Allgemeines

Schmerzen im Bewegungssystem sind häufig und weit verbreitet.

Die große Zahl der Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises sind in der Medizin genau definiert. Sie werden vier großen Gruppen zugeordnet: entzündliche rheumatische Erkrankungen, die den gesamten Körper betreffen und sich vornehmlich, aber nicht nur in Gelenkbeschwerden äußern, degeneratives Rheuma, Weichteilrheumatismus und Gicht. An dieser Einteilung orientieren sich die Hersteller von Medikamenten bei ihren Angaben der Anwendungsgebiete jedoch nicht unbedingt. Bei vielen Mitteln, die nachfolgend besprochen sind, heißt das Anwendungsgebiet recht unscharf "rheumatische Beschwerden". Dies kann von entzündlichen Gelenkerkrankungen bis hin zu Rückenschmerzen alles Mögliche umfassen. Um die Eignung der Produkte zu bewerten, ist es aber notwendig, von einer genau definierten Indikation auszugehen. Deshalb wurden die Mittel entsprechend der von den Herstellern angegebenen Anwendungsgebiete drei Gruppen zugeordnet und für diese bewertet. Neben den hier zugeordneten Mitteln, die die Anwendungsgebiete rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rückenbeschwerden sowie Verspannungen umfassen, gibt es das Anwendungsgebiet Arthrose, Gelenkbeschwerden sowie Prellung, Zerrung, Verstauchung.

Rheumatische Beschwerden

Viele Menschen sprechen von "Rheuma", wenn sie schlecht in Gang kommen, die Gelenke schmerzen und es ihnen Mühe macht, sich zu bewegen. Rheuma ist allerdings eine entzündliche Erkrankung (rheumatoide Arthritis), die durch Bluttests und andere Untersuchungen diagnostiziert werden muss. Die meisten Menschen mit Gelenkbeschwerden vor allem der großen Gelenke (Hüfte, Knie und Schulter) leiden an abnutzungsbedingten Beschwerden. Diese werden unter Arthrose, Gelenkbeschwerden näher erläutert.

Kreuz- und Rückenbeschwerden

Schmerzen im Bereich von Nacken, Schulter und Rücken sind weit verbreitet. Meist treten sie plötzlich auf und verschwinden innerhalb weniger Tage wieder. Akute, starke Kreuzschmerzen werden oft auch als "Hexenschuss" oder – wenn sie vom unteren Rücken bis ins Bein ausstrahlen – auch als "Ischias" bezeichnet.

Bei einigen Betroffenen halten die Schmerzen länger an oder treten nach einer kurzen beschwerdefreien Phase erneut auf. Über Monate anhaltende Beschwerden werden als chronisch bezeichnet.

Kreuz- und Rückenschmerzen können zwar von der Wirbelsäule mit ihren Knochen, Gelenken, Bandscheiben und Nerven ausgehen, doch es sind immer auch die umgebenden Muskeln daran beteiligt.

Verspannungen

Verspannungen und Schmerzen im Bewegungssystem stehen zueinander in Wechselbeziehung. Das eine kann das andere nach sich ziehen. Wenn die Muskeln verspannt oder verkrampft sind, können Schmerzen auftreten. Andererseits können Schmerzen irgendwo im Körper Muskelverspannungen bedingen. Dabei müssen einfache Muskelverspannungen, die beispielsweise durch Fehlhaltungen oder körperliche Belastungen verursacht sind, von spastischen Muskelverspannungen unterschieden werden. Bei Letzteren sind die Muskeln aufgrund schwerer Erkrankungen des Nervensystems dauerhaft angespannt.

Anzeichen und Beschwerden

Rheumatische Beschwerden

Die Symptome rheumatischer Erkrankungen sind sehr verschieden. Überwiegend sind die Gelenke, vor allem die kleinen an Hand und Fuß betroffen. Aber auch die Wirbelsäule sowie das Verbindungsgelenk zwischen Rücken und Bein, das Kreuz-Darmbeingelenk, schmerzen häufig. Bei Rheuma können auch Nieren, Herz, Darm, Augen, Blutgefäße und Haut in Mitleidenschaft gezogen sein.

Die Schmerzen sind oft morgens am stärksten und bessern sich bei Belastung vorübergehend, um bei stärkerer Belastung wieder zuzunehmen. Wenn Gelenke bereits ohne nennenswerte Beanspruchung wehtun, kann eine starke Entzündung vorliegen. Dann sind sie zusätzlich warm, gerötet oder geschwollen.

Die speziellen Anzeichen und Beschwerden abnutzungsbedingter Erkrankungen finden Sie unter Arthrose, Gelenkbeschwerden.

Kreuz- und Rückenbeschwerden

Kreuzschmerzen sind lästig und beschwerlich und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, letztlich sind sie aber meist ungefährlich. Die Schmerzen können mit Bewegungseinschränkungen einhergehen. Sie können in das Gesäß oder die obere Wirbelsäule ausstrahlen.

In der Regel ist bei diesen Beschwerden kein Röntgenbild und auch keine Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) zur Diagnostik erforderlich, es sei denn, es treten die im Folgenden beschriebenen Warnzeichen auf.

Wenn Schmerzen in die Beine ausstrahlen, spricht man von Ischias oder Ischialgie. Hier kann es auch zu Taubheitsgefühlen und Kribbeln kommen. Ist dies der Fall sollte ein Arzt prüfen, ob ein Bandscheibenvorfall, eine Nervenerkrankung oder eine Durchblutungsstörung vorliegt. Lähmungserscheinungen in den Beinen und gestörte Blasen- und Darmfunktionen sind Alarmsignale, die immer auch eine Bildgebung durch Röntgen oder MRT nötig machen.

Auch plötzlich auftretende neue Kreuzschmerzen nach Alltagsbelastungen oder nach einem Unfall sollten Sie grundsätzlich ärztlich abklären lassen. Das gilt auch, wenn hartnäckige Kreuzschmerzen bei jüngeren Menschen unter 20 Jahren auftreten.

Verspannungen

Bei Verspannungen schmerzt es an einer Stelle oder in einem größeren Bereich; oftmals scheint der ganze Körper weh zu tun. Die Beweglichkeit kann eingeschränkt sein, die Muskelkraft kann nachlassen. Manchmal kribbelt es in den Gliedmaßen oder sie fühlen sich taub an. Bei einigen Menschen kommen Kopf- und Bauchschmerzen hinzu.

Ursachen

Rheumatische Beschwerden

Rheumatische Erkrankungen, die mit starken entzündlichen Prozessen einhergehen, die den gesamten Körper betreffen (rheumatoide Arthritis), gehen vom Immunsystem aus. Näheres zu dieser Autoimmunkrankheit, bei der sich die Aktivität des Abwehrsystems gegen den eigenen Körper richtet, finden Sie unter Rezeptpflichtige Medikamente.

Einige Arten von Gelenkentzündungen sind die Folge einer Infektion des Körpers mit Krankheitserregern, wie z. B. den von Zecken übertragenen Borrelien.

Näheres zu den Ursachen abnutzungsbedingter Erkrankungen finden Sie unter Arthrose, Gelenkbeschwerden.

Bei Kindern

Als juvenile idiopathische Arthritis kann entzündliches Rheuma bereits bei Kindern auftreten, mehr hierzu unter rheumatoider Arthritis.

Im Kleinkind- bis Grundschulalter kann nach einem Infekt der oberen Atemwege oder des Magen-Darm-Traktes für ein bis zwei Wochen eine Entzündung im Hüftgelenk (Coxitis fugax, Gelenkschnupfen) auftreten. Die Kinder können sich in dieser Zeit nur hinkend und unter Schmerzen fortbewegen. Die Erkrankung heilt in der Regel innerhalb weniger Tage bis Wochen folgenlos ab.

Kreuz- und Rückenbeschwerden

Die Halte- und Stützarbeit der Wirbelsäule wird durch das Zusammenspiel verschiedener Strukturen gewährleistet. Funktioniert ein Teil davon nicht reibungslos, können auch andere Elemente, vor allem die Muskulatur, in Mitleidenschaft gezogen werden. Verspannungen können daher verschiedene Ursachen haben. Oft ist es nicht möglich, eine eindeutige Ursache auszumachen.

Bei etwa 85 von 100 Menschen bleiben die Ursachen von Kreuzschmerzen trotz aufwendiger diagnostischer Bemühungen ungeklärt. Wenn keine eindeutige Ursache für die Beschwerden gefunden werden kann, sprechen die Fachleute von unspezifischen Kreuzschmerzen. Als mögliche Auslöser gelten Fehlbelastungen durch langes unbewegliches Sitzen, ungewöhnliche, anstrengende oder einseitige körperliche Arbeit, Bewegungsmangel und eine schwache Rumpfmuskulatur, Muskelverspannungen und psychische Belastungen.

Es ist bekannt, dass bei der Entstehung chronischer Rückenschmerzen neben körperlichen Faktoren auch psychische Belastungen eine Rolle spielen.

Wenn sich eine Ursache ausmachen lässt, ist es bei Menschen unter 50 Jahren meist ein akuter Bandscheibenvorfall. Dabei tritt Gewebe aus dem Innern des Gallertkerns der Bandscheibe durch Risse im Knorpelring nach außen. Das vorgefallene Gewebe kann einen der seitlich gelegenen Nervenwurzelkanäle oder den Rückenmarkkanal einengen. Dadurch werden die Nerven an dieser Stelle gereizt und können sich entzünden. Das verursacht Schmerzen.

Bei Menschen, die älter sind als 50 Jahre, kommen Bandscheibenvorfälle deutlich seltener vor. In diesem Alter ist der Gallertkern der Bandscheiben meist so weit ausgetrocknet, dass er sich nicht mehr verschiebt. Bei älteren Menschen sind Rückenschmerzen vielmehr oft die Spätfolge eines früheren, vielleicht unbemerkt gebliebenen Bandscheibenschadens. Der damals in den Wirbelkanal vorgefallene Teil der Bandscheibe befindet sich immer noch dort. Erst wenn sich im Alter die Wirbelsäule aufgrund von Verschleißerscheinungen und abnehmender Knochendichte verformt, kommt es zu Irritationen der Nerven. Außerdem beeinträchtigen die veränderten Größenverhältnisse das Gefüge der Wirbelsäule. Die Rückenmuskulatur bemüht sich, das auszugleichen und die Wirbelsäule wieder zu stabilisieren. Das überlastet die meist nur schwach ausgebildeten Muskeln, sie verspannen sich und tun weh. Bei anhaltender oder besonders starker Muskelanspannung verringert sich zudem die Durchblutung. Durch den Sauerstoffmangel entstehen Stoffwechselprodukte, die den Schmerz verstärken können.

Fehlhaltungen, wie falsches Sitzen am Schreibtisch, ferner psychischer Druck, Stress und Angst verstärken die Schmerzen. Das führt zu einer verstärkten Muskelspannung. Unwillkürlich halten und bewegen sich viele Menschen dann so, dass sie die betroffenen Muskelpartien wenig oder falsch belasten. Das kann aber zu weiteren Fehlhaltungen führen. In der Folge können die Schmerzsensoren in den betroffenen Muskeln, den Sehnenansätzen und dazugehörigen Gelenken empfindlicher werden. So kann sich aus erhöhter Reizbarkeit der Nerven, erhöhter Muskelspannung, schlechter Durchblutung und Schmerzen ein Kreis schließen, in dessen Folge nach mehreren Monaten eine chronische Schmerzkrankheit entsteht.

Verspannungen

Ist die Muskulatur des Halses und des Rumpfes schwach, können schon einfache Belastungen muskuläre Probleme auslösen. Sie äußern sich dann durch Schmerzen und Steifheit im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich.

Verletzungen wie ein Schleudertrauma können beispielsweise bei Autounfällen entstehen. Durch einen heftigen Aufprall werden Halswirbelsäule, Bänder und Muskeln rasch vor- und zurückgeschleudert. Die Folge sind meist kleine Verletzungen im Muskel- und Bindegewebe, schmerzhafte Verspannungen und eingeschränkte Beweglichkeit für einige Tage. Meist bilden sich die Symptome bald wieder vollständig zurück.

Spastisch bedingte Muskelverspannungen beruhen meist auf einer schweren Erkrankung wie multipler Sklerose, Gehirn- oder Rückenmarkerkrankungen oder Schlaganfall, bei der die Steuerung zwischen Nerven und Muskeln gestört ist.

Bei Kindern

Rückenschmerzen bei Kindern sollten in der Regel physiotherapeutisch behandelt werden. Wenn Rückenschmerzen länger bestehen, sollten Sie diese nicht selbst behandeln, sondern einen kinderorthopädisch versierten Arzt um Rat fragen.

Vorbeugung

Kreuz- und Rückenbeschwerden, Verspannungen

  • Trainieren Sie Ihre Muskulatur durch Kräftigungsübungen, Gymnastik und Ausdauertraining. Nicht nur die Muskulatur des Rückens, sondern vor allem die des Bauches wird bei vorwiegend sitzender Tätigkeit zu wenig gefordert. Eine kräftige Bauchmuskulatur ist wichtig für eine schmerzfreie Haltung.
  • Sitzen, Heben und Tragen lassen sich rückenschonend ausführen. Was das bedeutet, wird in speziell auf den Rücken ausgerichteten Trainingseinheiten vermittelt.
  • Tragen Sie – von Ausnahmen abgesehen – Schuhe mit flachem Absatz. Das Gehen auf hohen Absätzen stört die Statik der Wirbelsäule: Auf dem Vorfuß lastet zu viel Gewicht, das Hohlkreuz verstärkt sich, die Bandscheiben werden überlastet.
  • Wählen Sie Sessel und Bürostühle mit Nackenstütze, damit sich der Nacken beim Anlehnen entspannen kann.
  • Verwenden Sie große Sorgfalt auf die Auswahl von Bett, Matratze und Kissen. Schließlich verbringen Sie viele Stunden im Bett und in dieser Zeit entspannt sich die Rückenmuskulatur.
  • Vermeiden Sie Unterkühlungen. Sie führen leicht zu Muskelverkrampfungen.
  • Besonders bei Kindern und Jugendlichen gilt: Kein stundenlanges Sitzen am Computer. Diese einseitige körperliche Belastung kann Rückenprobleme verschlimmern.

Allgemeine Maßnahmen

Kreuz- und Rückenbeschwerden, Verspannungen

Bei Rückenschmerzen sind – entgegen der immer noch viel zu oft ausgesprochenen Empfehlung, sich zu schonen oder gar ins Bett zu legen – Aktivität und Bewegung mit einem häufigen Wechsel von Anspannung und Entspannung angebracht. Geeignet sind z. B. Spaziergänge, Wandern, Fahrradfahren, Rückenschwimmen in warmem Wasser, Skilanglauf, Pilates und Yoga. Dabei kommt es nicht so sehr auf die Art der Bewegung an als vielmehr darauf, dass regelmäßig trainiert wird. Auch eine Kombination aus Bewegung, Dehnung und Massage kann manchen Betroffenen helfen.

Den meisten Schmerzgeplagten tut Wärme in Form eines Heizkissens, einer Wärmflasche oder eines Vollbads gut. Auch Saunagänge eignen sich.

Stressbewältigungstraining, progressive Muskelentspannung nach Jacobson und kognitive Verhaltenstherapie scheinen geeignet, um die psychischen Faktoren am Schmerzgeschehen zu beeinflussen.

Auch eine spezielle Rückenschule, deren Programm sowohl Beratungen als auch Bewegungen umfasst, kann im Einzelfall ausprobiert werden.

Die Stufenlagerung entlastet die Bandscheiben und Nervenwurzeln. Dabei liegt man so, dass Ober- und Unterschenkel eine nach oben führende "Stufe" bilden. Legen Sie sich flach auf den Boden oder eine andere Unterlage, die Unterschenkel werden auf einem Hocker oder einem Stuhl gelagert, der ungefähr so hoch ist, wie der Oberschenkel lang ist. Der untere Rücken und die Oberschenkel sollten dabei in der Leistenbeuge, die Ober- und Unterschenkel im Knie in etwa einen rechten Winkel bilden.

Wann zum Arzt?

Rheumatische Beschwerden

Für eine exakte Diagnose der vielen Formen rheumatischer Erkrankungen und ihre gezielte Behandlung sind in erster Linie Allgemeinmediziner, Fachärzte für Orthopädie und Internisten zu konsultieren. Ärzte mit der Zusatzbezeichnung "Rheumatologie" haben eine spezielle Weiterbildung absolviert. Die Behandlung aller Formen von entzündlichem Rheuma und Gicht gehört in die Hand des Arztes.

Gelenkbeschwerden dürfen nur dann selbst behandelt werden, wenn anzunehmen ist, dass diese auf Abnutzungserscheinungen beruhen. Und auch dann nur, wenn nicht mehrfach länger als drei Tage hintereinander oder öfter als zehn Tage im Monat Schmerzmittel notwendig sind.

Gelenkbeschwerden bei Kindern müssen immer ärztlich abgeklärt werden.

Grundlage der Behandlung der meisten Gelenkerkrankungen ist die gezielte tägliche Bewegung. Sie soll die Gelenke belasten, aber nicht überlasten, und so dafür sorgen, dass sie möglichst lange beweglich bleiben. Um die individuell jeweils geeigneten Elemente dieser Bewegungstherapie zu erlernen, ist eine fachliche Anleitung notwendig.

Kreuz- und Rückenbeschwerden, Verspannungen

Verspannungen, Rücken- und Kreuzschmerzen können Sie zunächst mit den unter "Allgemeine Maßnahmen" aufgelisteten Selbsthilfemaßnahmen zu erleichtern versuchen. Haben sich die Beschwerden jedoch nach einigen Tagen nicht gebessert oder sind sie sogar schlimmer geworden, sollten Sie einen Arzt zurate ziehen.

Unter folgenden Bedingungen ist ein Arztbesuch unbedingt erforderlich:

  • Die Schmerzen verstärken sich, wenn Sie Wärme anwenden. Dies deutet auf eine entzündliche Erkrankung hin.
  • Die Schmerzen nehmen zu, wenn Sie sich im Sitzen vorbeugen, und sie strahlen ins Bein aus. Das kann darauf hindeuten, dass eine Nervenwurzel beteiligt ist.
  • Sie haben Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule.
  • Teile des Rückens oder Bereiche im Bein fühlen sich taub an, kribbeln oder stechen. Sie haben Schwierigkeiten, die Blase zu entleeren. Die Kontrolle der Darmfunktion geht verloren. Dann kann ein Nerv, der vom Rückenmarkkanal ausgeht, so sehr beengt sein, dass er möglichst bald befreit werden sollte. Dies kann auch beim Rückenmark selbst der Fall sein.
  • Die Schmerzen treten schubweise auf; Sie fühlen sich besonders morgens sehr unbeweglich oder wachen nachts von den Schmerzen auf. Dann sollte der Verdacht auf eine Bechterew-Krankheit abgeklärt werden.
  • Die Rückenschmerzen treten zum ersten Mal während der Schwangerschaft auf.
  • Wenn ein Jugendlicher Rückenschmerzen und zusätzlich eine "schlechte Haltung" hat.

Behandlung mit Medikamenten

Rezeptfreie Mittel

Leichte bis mittelschwere Schmerzen des Bewegungssystems können für kurze Zeit mit verschiedenen rezeptfreien Wirkstoffen gelindert werden. Infrage kommen vor allem nichtsteroidale Antirheumatika wie beispielsweise Diclofenac und Naproxen. Paracetamol ist nur bei Verspannungen geeignet. Neue Auswertungen von Studien zeigen, dass es akute Kreuz- und Rückenschmerzen nicht zu lindern vermag.

Viele der besprochenen sogenannten Rheumamittel sind Kombinationsmittel, deren Zusammensetzung nicht sinnvoll erscheint und auf die besser verzichtet werden sollte, egal ob für rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rückenschmerzen oder Verspannungen. Das gilt für die innerlich angewendete Pflanzenkombination aus Eschenrinde + Goldrute + Zitterpappel ebenso wie für die äußerlich angewendeten Pflanzenkombinationen mit den Mischungen Kajeputöl + Kampfer + Menthol + Nelkenöl + Pfefferminzöl oder Menthol + Alkohol. Ihre therapeutische Wirksamkeit ist zudem nicht ausreichend nachgewiesen. Sie werden als "wenig geeignet" beurteilt.

Zusätzlich ist bei all diesen Kombinationsmitteln – auch den pflanzlichen – zu bedenken, dass das Risiko für allergische Reaktionen steigt, je mehr Wirkstoffe enthalten sind.

Ob und wie viel es nützt, auf die schmerzenden Stellen ein entzündungshemmendes Mittel aus der Gruppe der NSAR (äußerlich) aufzutragen, ist nicht ausreichend nachgewiesen. Diese Mittel werden daher bei rheumatischen, Rücken- und Kreuzschmerzen als "wenig geeignet" eingestuft.

Rheumatische Beschwerden

Zur Unterstützung der Behandlung rheumatischer Beschwerden können pflanzliche Mittel mit einem Extrakt aus Brennnessel dienen. Solange deren therapeutische Wirksamkeit aber noch nicht ausreichend nachgewiesen ist, werden sie als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Einreibemittel mit Arnika sind bei rheumatischen Beschwerden wenig geeignet. Sie rufen besonders häufig Allergien hervor, ohne dass diesem Risiko eine nachgewiesene therapeutische Wirksamkeit gegenübersteht.

Kreuz- und Rückenbeschwerden

Die meisten Kreuz- und Rückenschmerzen vergehen nach wenigen Tagen von selbst wieder. Wichtig ist es, im Alltag möglichst aktiv und mobil zu bleiben und längeres Liegen zu vermeiden. Wenn nötig, sollte man hierzu wenige Tage lang ein Schmerzmittel einnehmen. Infrage kommen vor allem nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen und Naproxen. Paracetamol scheint akute Kreuz- und Rückenschmerzen dagegen nicht zu lindern, wie neue Auswertungen von Studien zeigen.

Beliebt ist eine Überwärmung des schmerzenden Bereichs mit Einreibungen, Wärmepflastern oder Wärmegürteln. Dass sich Rückenprobleme damit allein effektiv behandeln lassen, ist nicht ausreichend belegt, doch empfinden viele Menschen die Wärme als angenehm. Solche hautreizenden Mittel sowie wärmende Auflagen können als geeignet angesehen werden, die Behandlung akuter Beschwerden zu unterstützen, und dazu beitragen, im Alltag möglichst aktiv und mobil zu bleiben.

Das äußerlich anzuwendende pflanzliche Mittel mit Beinwellextrakt ist für eine Behandlung von Rückenschmerzen "wenig geeignet".

Verspannungen

Die äußerlich anzuwendende Kombination der hautreizenden Mittel Nicoboxil + Nonivamid vermag die Durchblutung zu fördern und den behandelten Bereich zu erwärmen. Für die Anwendung bei Verspannungen ist die therapeutische Wirksamkeit dieser Kombination nicht ausreichend nachgewiesen.

Rezeptpflichtige Mittel

Muskelentspannende Mittel (Muskelrelaxanzien) können bei dauerhafter Verspannung, die darauf beruht, dass die Steuerung zwischen Nerven und Muskeln gestört ist, eine begrenzte Hilfe sein. Wenn die Grundkrankheit nicht zu beeinflussen ist, sind sie eine Möglichkeit, die Starre und Schmerzen der Muskeln zu mildern. Geeignet sind bei solchen spastisch bedingten Muskelverspannungen Baclofen und Tizanidin. Bleiben die Muskelkrämpfe auf eine umschriebene Region begrenzt, wie das Augenlid oder den Hals, oder handelt es sich um Verkrampfungen infolge eines Schlaganfalls, wird auch Clostridium-botulinum-Toxin als "geeignet" bewertet. Dieser Wirkstoff wird in niedriger Dosierung in den betroffenen Muskel gespritzt.

Als Alternative zu Schmerzmitteln kann auch ein Benzodiazepin wie Diazepam eingenommen werden, um akute Muskelverspannungen, wie sie z. B. bei einem Hexenschuss auftreten können, zu lockern. Als kurzzeitige Maßnahme wird Diazepam dafür als "geeignet" bewertet. Eine Einnahme über längere Zeit ist abzulehnen, da sich eine Abhängigkeit entwickeln kann.

Dantrolen gilt bei spastisch bedingten Muskelverspannungen als "mit Einschränkung geeignet". Zum einen sollte die therapeutische Wirksamkeit des Wirkstoffs noch besser belegt werden, zum anderen kann er schwerwiegende unerwünschte Wirkungen haben. Dantrolen sollte nur eingesetzt werden, wenn geeignete Mittel nicht ausreichend wirksam waren.

Für alle anderen hier besprochenen Arzneimittel ist die therapeutische Wirksamkeit bei Verspannungen im Bewegungssystem nicht ausreichend nachgewiesen. Das Urteil "wenig geeignet" gilt mithin für Pridinol, Methocarbamol und Tolperison.

Anstelle dieser wenig geeigneten Medikamente ist die kurzzeitige Gabe von Diazepam die bessere Alternative.