Medikamente im Test

Reizmagen

Allgemeines

Unter dem Oberbegriff "Reizmagen" werden Oberbauchbeschwerden wie Schmerzen, Brennen, Völlegefühl und vorzeitige Sättigung zusammengefasst, wenn sie länger als drei Monate anhalten oder immer wieder auftreten und es keine organbedingte Erklärung gibt. Es besteht also keine erkennbare körperliche Erkrankung und eine Magenspiegelung ergibt keine erklärenden Befunde. Solche Beschwerden werden auch als "funktionelle Dyspepsie" bezeichnet.

Zehn Prozent der Weltbevölkerung leiden Studien zufolge an Reizmagen, Frauen häufiger als Männer. Auch Raucher sind vermehrt betroffen. Die Erkrankung selbst hat zwar keine Auswirkungen auf die Lebenserwartung, wohl aber auf die Lebensqualität.

Wichtig ist, dass der Arzt andere schwerwiegende Ursachen wie ein Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür oder eine Infektion mit Helicobacter pylori ausschließt, die mit ähnlichen Symptomen einhergehen können.

Von einem Reizdarm (Colon irritabile) ist die Rede, wenn die Verdauungsbeschwerden vor allem den Darm betreffen.

Anzeichen und Beschwerden

Kennzeichnend für einen Reizmagen sind Brennen sowie Schmerzen im Oberbauch und nach dem Essen häufig Völlegefühl und vorzeitige Sättigung. Außerdem kommt es oft zu Aufstoßen, Sodbrennen, Übelkeit und Blähungen. Insgesamt variieren die Beschwerden sehr und der Leidensdruck ist hoch.

Bei jedem Dritten verlagern sich die Oberbauchbeschwerden in die unteren Abschnitte des Verdauungstrakts, sodass aus einem Reizmagen ein Reizdarm wird.

Die Beschwerden eines Reizmagens treten oft tagsüber (fast nie nachts) und schubweise auf, vorzugsweise in stressbelasteten Situationen.

Ursachen

Es gibt wohl nicht "die" Ursache für einen Reizmagen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass mehrere Faktoren zusammenkommen und dann die Beschwerden auslösen: beispielsweise eine Überempfindlichkeit der Schleimhäute gegen Säurereize oder eine gestörte Beweglichkeit von Magen oder Darm.

Damit kein durch Helicobacter ausgelöstes Magengeschwür übersehen wird, sollte der Arzt eine Magenspiegelung veranlassen. Ein solches Magengeschwür muss mit einer Kombination aus Antibiotika und Säureblockern behandelt werden. Eine Magenspieglung sollte in jedem Fall bei Personen durchgeführt werden, die ein besonders großes Risiko für ein Magengeschwür haben. Dazu gehören Menschen, die dauerhaft Acetylsalicylsäure (bei arteriellen Durchblutungsstörungen) oder nichtsteroidale Antirheumatika (bei Arthrose) einnehmen müssen, Menschen mit einer Blutarmut oder einem deutlichen Gewichtsverlust, dessen Ursache unklar ist.

Häufig werden bei einem Reizmagen bestimmte Lebensmittel nicht gut vertragen oder lösen die Beschwerden aus (z. B. coffeinhaltige Getränke, Zwiebelgewächse, Kohl, Milch- oder Fruchtzucker sowie Zuckerersatzstoffe). Auch Alkohol und fettreiche Kost kommen als Auslöser infrage.

Stresssituationen, seelische Belastungen (Verlustängste, Trauer, unerfüllte Lebenswünsche), ständige Anspannung sowie Konflikte im Privat- oder Berufsleben können die Beschwerden eines Reizmagens verschlimmern.

Allgemeine Maßnahmen

Es gibt keine generellen Empfehlungen zu Ernährungs- oder Lebensstil bei Reizmagen. Versuchen Sie herauszufinden, welche Art der Ernährung oder welche Änderungen von Lebensgewohnheiten bei Ihnen persönlich die Symptome bessert. Manchmal kann es helfen, zeitweise ein Tagebuch zu führen, um mögliche Auslöser herauszufinden.

Eine verbesserte Stressbewältigung kann bei Reizmagen helfen. Unterstützend wirken hierbei Entspannungsübungen wie autogenes Training, Yoga, Meditation oder Muskelentspannungstraining nach Jacobson, aber auch sportliche Betätigung wie Schwimmen, Wandern, Skilanglauf. Wenn gleichzeitig eine psychische Begleiterkrankung als ein Auslöser des Reizmagens vermutet wird (wie eine Depression oder eine Angststörung), ist eine Psychotherapie zu erwägen.

Kauen Sie die Speisen beim Essen gründlich und lassen Sie sich Zeit für die Mahlzeit. Blähende Lebensmittel wie Kohl und Hülsenfrüchte sollten Sie meiden.

Mitunter hilft es, über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten zu essen anstelle der üblichen drei großen (Frühstück, Mittag- und Abendessen).

Wann zum Arzt?

Wenn Sie unter säurebedingten Beschwerden leiden und Sodbrennen auftritt, das trotz allgemeiner Maßnahmen oder Selbstbehandlung mit rezeptfreien Arzneimitteln länger als zwei Wochen anhält, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Auch wenn Beschwerden wie Blähungen und Bauchschmerzen periodisch immer wiederkehren oder sich über einen längeren Zeitraum hinweg immer weiter verstärken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Behandlung mit Medikamenten

Mit den hier bewerteten Medikamenten lassen sich nur die Symptome eines Reizmagens lindern, nicht aber seine Ursachen bekämpfen. Eine Ausnahme ist eine Helicobacter-pylori-Infektion in Zusammenhang mit einem Reizmagen. In diesem Fall kann die Infektion durch eine spezielle Antibiotikabehandlung bekämpft werden. Näheres dazu lesen Sie bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre unter "Wichtiges zur Behandlung".

Abhängig davon, welche Symptome im Vordergrund stehen, kommen unterschiedliche Mittel in Frage.

Sofern die Beschwerden bei einem Reizmagen tatsächlich überwiegend auf eine erhöhte Magensäureproduktion zurückgehen und sich dann üblicherweise mit Schmerzen und Brennen im Oberbauch äußern, sind säureblockierende Mittel oder säurehemmende Mittel geeignet. Solche Mittel sind sowohl als freiverkäufliche Arzneimittel als auch als rezeptpflichtige Mittel im Handel. Sie sollten aber im Rahmen einer Selbstbehandlung nicht länger als zwei Wochen ohne Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden.

Rezeptfreie Mittel

Ein pflanzliches Mittel mit ätherischen Ölen (Kümmel- und Pfefferminzöl) ist beim Reizmagen mit Einschränkung geeignet. Die therapeutische Wirksamkeit sollte durch weitere Studien noch besser belegt werden.

Iberogast ist eine Pflanzenkombination aus neun verschiedenen Pflanzenextrakten. Das Mittel gehört zu den häufig beworbenen Mitteln zur Selbstbehandlung und wird bei Kindern mit Magenbeschwerden auch oft verordnet. Es liegen einige Studien vor, nach denen das Mittel die Beschwerden eines Reizmagens etwas besser lindern kann als eine Scheinbehandlung. Allerdings haben diese Studien methodische Mängel und können nicht belegen, dass für den Wirkeffekt wirklich alle neun Pflanzenextrakte als Kombination erforderlich sind. Iberogast enthält zudem mit Schöllkraut ein Pflanzenmittel, das bekanntermaßen leberschädigend ist. Im Zusammenhang mit Iberogast sind entsprechende Fälle von Leberschäden bekannt geworden. Dass Schöllkraut für den in Studien aufgezeigten Effekt von Iberogast bei Reizmagen erforderlich ist, ist aber nicht nachgewiesen. Das Mittel ist daher bei Reizmagen wenig geeignet.

Auch für eine alkoholhaltige Kombination aus einem Aluminiumsalz mit verschiedenen ätherischen Ölen, medizinischer Seife und schwachen Säuren (RETTERSPITZ Innerlich) sowie einen Magentee ist die therapeutische Wirksamkeit beim Reizmagen nicht ausreichend nachgewiesen. Diese Mittel sind ebenfalls wenig geeignet.

Rezeptpflichtige Mittel

Beruhen die Beschwerden überwiegend darauf, dass der Magen den Speisebrei nicht richtig weitertransportiert, kommen auch Präparate, die die Magenbewegungen anregen wie Metoclopramid, Domperidon oder Alizaprid infrage.

Wenn die oben genannten Behandlungsmöglichkeiten keinen ausreichenden Erfolg erzielen, können im Einzelfall trizyklische Antidepressiva (bei Depressionen) eingesetzt werden. Diese Mittel sind bei chronischen Schmerzzuständen wirksam und können Studien zufolge bei Patienten mit Reizmagen das Beschwerdebild verbessern. Für andere Antidepressiva wie beispielsweise SSRI gibt es hierfür keine Belege.