Medikamente im Test

Prellung, Zerrung, Verstauchung

Allgemeines

Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen sind typische Folgen einer Verletzung. Wenn beispielsweise durch einen heftigen Schlag, Aufprall oder Sturz Gewebe gequetscht wird, entsteht eine Prellung (Kontusion). Bei einer Zerrung werden Muskeln oder Bänder überdehnt. Eine Verstauchung (Distorsion) kommt durch eine übermäßige Bewegung des Gelenks zustande, bei der der gesamte Bandapparat überdehnt wird. Die Bänder können dadurch gezerrt werden und vielleicht sogar kleine Einrisse bekommen.

Bei jeder Art von Verletzung sowie bei Operationen werden Zellen und Blutgefäße zerstört. Darauf reagiert das Körpergewebe mit einer Entzündung: Aus den Gewebezellen treten Substanzen aus, die die feinsten Blutgefäße durchlässiger machen, sodass Blutflüssigkeit (Plasma) in das Gewebe übertreten kann. Das verursacht die Schwellung. Zusätzlich verstärken diese Substanzen die Durchblutung im betroffenen Gebiet. Außerdem werden die Nerven, die Schmerzen weiterleiten, empfindlicher, weil sie vermehrt Schmerzbotenstoffe, die Prostaglandine, freisetzen. Dadurch können nun auch Bewegungen, die sonst problemlos möglich sind, Schmerzen bereiten.

Anzeichen und Beschwerden

Die verletzte Stelle rötet sich, wird warm und schwillt an.

Je nach Grad der Verletzung schmerzt die Stelle. Eventuell kommt es zu Funktionseinschränkungen. Ein verstauchter Fuß lässt sich beispielsweise eine Zeit lang nicht mehr wie gewohnt belasten. Das Gelenk kann auch instabil werden.

Ursachen

Zu einer Zerrung oder Verstauchung kommt es leicht, z. B. wenn man mit dem Fuß umknickt, sich das Kniegelenk verdreht oder auf die Hand fällt. Beim Sport passieren solche Unfälle häufig, aber auch anlagebedingt schwache, wenig trainierte oder durch häufige Verletzungen "ausgeleierte" Bänder können ein Grund für die mangelnde Stabilität eines Gelenks sein.

Darüber hinaus kommt ein gestörtes Zusammenspiel von Gelenken, Bändern und Muskeln als Ursache infrage. Die Bewegungen der Gelenke werden mithilfe der körpereigenen Tiefenwahrnehmung (Propriozeption) koordiniert. Diese hält das Bewegungssystem durch unbewusste Reflexe stabil und den Körper im Gleichgewicht. Eine gestörte Tiefenwahrnehmung kann ein Gefühl von instabilen Gelenken und unkoordinierter Muskeltätigkeit hervorrufen.

Vorbeugung

Regelmäßiges Training stärkt die Muskulatur, die die Gelenke stützt. Ein guter Trainingszustand verringert das Verletzungsrisiko.

Wer von seiner Bänderschwäche weiß, kann die Stabilität der Gelenke mit Kräftigungs- und Koordinationsübungen gezielt trainieren, z. B. mithilfe eines Balancebretts. Erfolg stellt sich allerdings erst nach wochenlangem, regelmäßigem Training ein.

Wer häufig umknickt, sollten auf das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen verzichten.

Bei sportlicher Betätigung:

  • Bereiten Sie Ihr Bewegungssystem durch ein Aufwärmtraining mit Dehnübungen, das mindestens zehn Minuten dauert, langsam auf die steigende Belastung vor.
  • Tragen Sie Schuhe, die für die jeweilige Sportart und Ihre individuellen Bedingungen geeignet sind. Bei einer Bänderschwäche wählen Sie am besten Schuhe, die das Fußgelenk stützen.
  • Stabilisieren Sie die gefährdeten Gelenke beim Sport durch eine Bandage, wenn Sie schon öfter Zerrungen oder Verstauchungen hatten.

Allgemeine Maßnahmen

Eine akute Verletzung muss sachgerecht versorgt werden. Ein Verband fängt Blut auf und schützt vor dem Eindringen von Keimen.

Die übrigen Sofortmaßnahmen sollten der PECH-Regel folgen: Pause, Eis, Compression, Hochlegen.

Ein verstauchter Fuß sollte so gelagert werden, dass er höher liegt als das Herz.

Durch Kühlen einer frischen Verletzung für 15 bis 20 Minuten mit kaltem Wasser, Eispackungen oder speziellen Kältepackungen, die fertig zu kaufen sind, lässt sich die Entzündungsreaktion begrenzen. Die Blutgefäße verengen sich und können nicht so viel Blut an die geschädigte Stelle transportieren. Das Gewebe schwillt nicht so stark an, weil nicht so viel Flüssigkeit austreten kann. Lesen Sie hierzu auch Kälte und Wärme bei Muskel- und Gelenkbeschwerden.

Auch eine möglichst früh angelegte elastische Bandage verhindert, dass der verletzte Bereich stark anschwillt.

Ein verstauchtes Sprunggelenk kann mit einer Schiene oder einem festen Verband stabilisiert werden. Dann lässt sich das Gelenk schon früh mobilisieren und die Heilung mit angepasster Bewegung fördern.

Wann zum Arzt?

Eine Verletzung, die stark schmerzt und deren Schwellung bis zum nächsten Tag nicht zurückgegangen ist, obwohl direkt nach dem Unfall mehrere Stunden lang gekühlt wurde, sollte ärztlich beurteilt werden. Das Gleiche gilt, wenn ein ausgedehnter blauer Fleck zu sehen ist.

Bei einem stark geschwollenen Gelenk, das sich zudem kaum noch bewegen oder belasten lässt, besteht der Verdacht, dass ein Band gerissen oder die Gelenkkapsel verletzt ist. Lässt sich das Gelenk gar nicht mehr belasten, können Knochen gebrochen sein. Dies muss ärztlich abgeklärt werden.

Behandlung mit Medikamenten

Gegen die Schmerzen kann wenige Tage lang ein als "geeignet" bewertetes Schmerzmittel eingenommen werden. Welcher Wirkstoff am ehesten infrage kommt, lesen Sie unter Schmerzen.

Rezeptfreie Mittel

Mit verschiedenen Arzneistoffen wird versucht, nach Verletzungen die Gewebereaktionen, vor allem die Schwellungen, zu begrenzen, doch keines dieser Mittel hat seine therapeutische Wirksamkeit bisher ausreichend nachgewiesen.

Auch die bei Schwellungen innerlich anzuwendenden Enzyme und die Kombination aus Enzymen + Rutosid gelten als "wenig geeignet", da ihre therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist.

Äußerlich aufgetragene NSAR werden als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Die vorliegenden Studien mit Diclofenac äußerlich zeigen, dass es in der akuten Phase, also in der ersten Behandlungswoche, die Schmerzen besser lindern kann als ein wirkstofffreies Gel. Aussagekräftige Studien, die diese Behandlung mit der Einnahme von Diclofenac oder Ibuprofen vergleichen, fehlen bisher. Im Vergleich zu NSAR zum Einnehmen sind unerwünschte Wirkungen auf den Magen-Darm-Trakt und das Herz aber deutlich seltener.

Zur Wirksamkeit von Diclofenacpflastern gibt es nur wenige klinische Studien. In ihnen wurde bestenfalls eine Anwendung über 14 Tage untersucht. Dabei wurde die Wirksamkeit nur mit der eines wirkstofffreien Pflasters verglichen, nicht mit Mitteln zum Einnehmen. Ob die Pflasteranwendung Vor- oder Nachteile gegenüber der Anwendung eines Gels hat, ist ebenfalls nicht ausreichend untersucht. Die gleichen Aussagen gelten für Diclofenac, das als Spray angewendet wird. Beide Zubereitungsformen werden als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Für pflanzliche Mittel mit dem Extrakt der Wurzel von Beinwell, der schmerzlindernd, abschwellend und entzündungshemmend wirken soll, gibt es eine Studie, die eine entsprechende Wirksamkeit bei Sprunggelenkverstauchungen nahelegt. Solange sie jedoch nicht durch weitere Untersuchungen und auch für Verstauchungen anderer Gelenke ausreichend bestätigt ist, werden die Präparate als "wenig geeignet" bewertet.

Hautreizende Mittel, die das Gelenk überwärmen, oder Wärmeauflagen (z. B. ThermaCare) verbieten sich nach einer Verletzung, da in dieser Situation eher gekühlt werden sollte. Somit sind auch die Kombination hautreizender Mittel und die Kombinationen aus entzündungshemmendem Mittel und anderen Substanzen hierfür wenig geeignet.

Auch Einreibemittel mit Heparin eignen sich wenig zur Behandlung von Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen, ihre therapeutische Wirksamkeit ist nicht ausreichend nachgewiesen. Das Gleiche gilt für Mittel mit Arnika und äußerlich anzuwendende Pflanzenkombinationen wie eine Mischung aus Kajeputöl + Kampfer + Menthol + Nelkenöl + Pfefferminzöl oder Menthol + Alkohol. Letztere sind Kombinationsmittel, deren Bestandteile sich nicht sinnvoll ergänzen.

Rezeptpflichtige Mittel

Voltaren Emulgel: Dieses Mittel ist rezeptpflichtig, obwohl es beispielsweise Voltaren Schmerzgel entspricht.

Grund für die Rezeptpflicht ist eine mögliche Verordnung bei einer Venenentzündung, da die Therapie dieser Erkrankung grundsätzlich in ärztliche Hand gehört.