Medikamente im Test

Osteoporose

Allgemeines

Osteoporose ist eine Erkrankung des Skeletts, bei der die Knochenmasse deutlich verringert ist und sich der innere Aufbau des Knochens verändert hat. Das schwammartige Innere der Knochen hat an Substanz verloren; auch der kompakte, äußere Teil des Knochens hat sich ausgedünnt. Eine verringerte Knochendichte gilt als Risikofaktor für Knochenbrüche. Rückenwirbel können zusammensinken oder einbrechen. Im höheren Lebensalter sind vor allem Oberschenkelhalsbrüche gefürchtet. Beides kann gravierende Folgen haben, denn die Verletzungen können den Verlust der Selbstständigkeit nach sich ziehen und letztlich sogar die Lebenszeit verkürzen.

Laut einer Erhebung, deren Ergebnis das Robert Koch-Institut veröffentlicht hat, bekommen in Deutschland 13 von 100 Frauen und 3 von 100 Männern im Alter von 60 bis 69 Jahren die Diagnose Osteoporose. Wie viele Menschen aber wirklich an Osteoporose leiden, ist unklar. Je älter jemand wird, desto wahrscheinlicher wird eine Osteoporose. Betroffen sind vor allem Frauen.

Anzeichen und Beschwerden

Eine abnehmende Knochendichte macht sich zunächst nicht durch Symptome oder Beschwerden bemerkbar. Erst wenn die Knochen an Stabilität verlieren, können nach an sich harmlosen Ereignissen, wie dem Heben von etwas Schwerem, Knochenbrüche auftreten. Zusammengesunkene Wirbelknochen machen sich durch eine abnehmende Körpergröße bemerkbar. Beschwerden wie Kreuzschmerzen machen diese Wirbelbrüche aber nur bei drei bis fünf von zehn Personen.

Unter welchen Voraussetzungen es sinnvoll ist, die Knochendichte bestimmen zu lassen, lesen Sie unter Knochendichtemessung.

Ursachen

Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahrzehnt ist die Knochenmasse am größten, die Knochen sind am stabilsten. In den folgenden zehn Jahren bleibt die Knochenmasse nahezu gleich. Knochenaufbau und -abbau halten sich die Waage. Damit sich die maximale Knochenmasse bilden kann, müssen bei Frauen die Eierstöcke, bei Männern die Hoden ausreichend Geschlechtshormone produzieren. Bei Frauen wie Männern müssen Calcium, Phosphat, Eiweiß und Vitamin D in einem ausgewogenen Verhältnis zur Verfügung stehen und die Knochen müssen optimal belastet werden.

Zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr beginnt bei Männern wie Frauen, der altersbedingte Knochenabbau den -aufbau zu überwiegen. In der Folge nimmt die Knochendichte langsam und kontinuierlich ab. Wie stark, ist individuell sehr unterschiedlich und von vielen Faktoren abhängig. Bei Frauen kann in den ersten zehn Jahren, nachdem die Monatsblutungen aufgehört haben, der Knochendichteverlust relativ rasch vonstatten gehen. Danach ist die Verlustrate ähnlich wie die der Männer. Ein deutlich erhöhtes Risiko für eine verminderte Knochendichte haben daher Frauen nach den Wechseljahren und Männer ab einem Alter von 65 Jahren. Fehlt es dem Körper an Calcium und Vitamin D, kann sich der beschleunigte Knochendichteverlust fortsetzen. Das ist besonders häufig bei betagten Menschen der Fall, die sich kaum noch im Freien bewegen, und bei solchen, die in Altenpflegeheimen betreut werden.

Möglicherweise legen Frauen durch ihre Versorgung mit Calcium und Vitamin D während der Schwangerschaft einen Grundstein für die Knochenmasse des heranwachsenden Kindes. Eine knochengesunde Ernährung und Bewegung tragen dann vor allem in den Jahren, in denen die Knochenmasse aufgebaut wird, viel zu einem stabilen Knochengerüst bei. Die Knochenmasse, die im Kindes- und Jugendalter aufgebaut wird, ist also der Vorrat für die Knochen im Alter. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer Faktoren, die eine Osteoporose befördern:

  • Geschlecht. Frauen entwickeln häufiger eine Osteoporose als Männer, auch ihr Risiko für Knochenbrüche ist größer.
  • Familiäre Belastung. Eine solche ist anzunehmen, wenn Mutter oder Vater infolge Osteoporose einen Hüftbruch erlitten haben.
  • Unterfunktion der Geschlechtsdrüsen. Diese kann auch medikamentös herbeigeführt sein. Beispielsweise nehmen viele Frauen im Rahmen einer Brustkrebsbehandlung Medikamente ein, die die Funktion ihrer Eierstöcke ausschalten. Bei Männern mit Prostatakrebs können Medikamente, die die Testosteronproduktion stoppen, eingesetzt werden.
  • Bei Frauen: Ausbleiben der Menstruation für länger als ein Jahr. Möglicherweise zählen dazu auch jene Frauen, deren Regelblutung in der Zeit ausblieb, in der sie ein Verhütungsmittel verwendet haben, das nur Gestagen enthält. Zu diesen Verhütungsmitteln gehören die Drei-Monats-Spritzen Depot-Clinovir und SAYANA, das unter die Haut eingesetzte Stäbchen Implanon, die Spirale Mirena und die Minipille.
  • Bei Frauen: Eintritt der Wechseljahre vor dem 45. Lebensjahr
  • Magersucht, Untergewicht (bei Erwachsenen BMI unter 20)
  • Ausgeprägter Mangel an Vitamin D und Calcium. Ein Blutwert von weniger als 25 nmol/l Vitamin D ist mit einem erhöhten Risiko für Oberschenkelhalsbrüche verbunden. Das Gleiche gilt für eine tägliche Calciumzufuhr von weniger als 500 Milligramm.
  • Täglicher Konsum von mehr als 30 Gramm Alkohol. So viel ist etwa in 0,5 Liter Bier oder 0,2 Liter Wein enthalten.
  • Rauchen
  • Krankheiten und eventuelle Krankheitsfolgen: rheumatoide Arthritis, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Zöliakie, chronische Lungenerkrankungen wie COPD, schwere chronische Nierenfunktionsstörungen, Typ-1-Diabetes, Magenentfernung, Organtransplantationen, Erkrankungen der Nebennieren und der Nebenschilddrüsen
  • Bestimmte Medikamente, allen voran Glucocorticoide (bei Entzündungen, Immunreaktionen). Bereits die Einnahme von weniger als 2,5 Milligramm Prednisolon am Tag für drei Monate oder länger erhöht das Risiko für Wirbelbrüche. Erst ein Jahr nach dem Ende der Therapie ist das Bruchrisiko wieder so gering wie vorher. Unter bestimmten Voraussetzungen wird sogar geraten, eine Glucocorticoidbehandlung durch die Einnahme von Bisphosphonaten zu ergänzen. Von diesen Nebenwirkungen ausgenommen sind Menschen, die Glucocorticoide einnehmen müssen, weil ihr Körper diese nicht ausreichend bildet (z. B. bei Morbus Addison).
  • Des Weiteren Medikamente, mit denen Epilepsien behandelt werden, die Injektion von Heparin (bei erhöhter Thromboseneigung) über längere Zeit, eine Dauerbehandlung mit Opioiden (bei starken Schmerzen) und die Einnahme von Glitazonen (bei Typ-2-Diabetes)
  • Die Einnahme von Protonenpumpenhemmern (bei Sodbrennen, Speiseröhrenentzündung) über mehr als sieben Jahre. Betrachtet man nur die Hüftbrüche, genügt bereits eine mehr als fünfjährige Einnahme dieser Mittel. Für Frauen nach den Wechseljahren, die neben der Behandlung mit Protonenpumpenhemmern auch noch rauchen, ist das Risiko für Hüftbrüche besonders hoch.
  • Bei Menschen, die an einer Schilddrüsenüberfunktion leiden, und bei älteren Menschen, die aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion zwar regelmäßig Schilddrüsenhormone einnehmen müssen, aber auf zu hohe Dosen eingestellt sind, kann es ebenfalls häufiger Knochenbrüche geben.

Vorbeugung

Die Vorbeugung gegen Osteoporose hat das Ziel, Knochenbrüche zu verhindern. Dazu soll zum einen die Festigkeit der Knochen gestärkt werden, zum anderen sollen die Sturzgefahr verringert werden.

Der Knochenfestigkeit dient ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener, knochengesunder Ernährung, reichlich regelmäßiger körperlicher Aktivität und Betätigung im Freien. Die wichtigsten Punkte sind dabei:

  • Die Aufnahme von mindestens 1 000 Milligramm Calcium pro Tag. Näheres hierzu lesen Sie unter Knochengesunde Ernährung.
  • Jeden Tag die Haut von Gesicht und Armen eine halbe Stunde lang ohne Sonnenschutzmittel dem Tageslicht aussetzen. Mithilfe des UV-Lichtes entsteht in der Haut Vitamin D.
  • Die Aufnahme von 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag. Näheres hierzu lesen Sie unter Vitamin D.
  • Körperliche Aktivität ist dann besonders effektiv, wenn dabei das eigene Gewicht eingesetzt wird, wie beim Gehen, Laufen und Springen (z. B. Seilspringen, Stepping). Auch Krafttraining ist geeignet.
  • Das Risiko für Knochenbrüche verringern Sie, indem Sie das Rauchen aufgeben und nicht mehr als 30 Gramm Alkohol am Tag trinken.

Die Gefahr, zu stürzen und sich etwas zu brechen, sollen folgende Maßnahmen verringern:

  • Machen Sie den Innen- und Außenbereich Ihrer Wohnung sicherer: Handlauf für Treppen, Reparatur kaputter Treppenstufen und von Fensterverriegelungen, Haltegriffe und rutschfeste Matten im Bad, helles Licht in Innenräumen, angemessene Außenbeleuchtung, gut sichtbare, rutschfeste Stufen im Außenbereich, rutschfeste Oberflächen für Balkone und Terrassen.
  • Entfernen Sie aus Ihrer Wohnung nicht rutschfest verlegte Teppiche, freiliegende Kabel und Gegenstände auf den Laufwegen, über die man stolpern und dann stürzen kann.
  • Wer ein gutes Körpergefühl hat und das Gleichgewicht sicher halten kann, stürzt nicht so leicht. Mit einem speziell zusammengestellten Fitnesstraining lassen sich vor allem die Muskelkraft und die Koordination der Bewegungsabläufe fördern. Dieses lässt sich z. B. in der Physiotherapie und beim Yoga trainieren. Wie man einen Sturz geschickt abfängt, vermitteln Physiotherapeuten und Judosportler. Auch Tai Chi hat sich als erfolgreich erwiesen.
  • Medikamente, die beispielsweise bei Schlaf- und Zwangsstörungen, Depressionen und Verspannungen eingenommen werden, begünstigen eine Sturzneigung. Besprechen Sie mit dem Arzt, ob diese Mittel weiterhin notwendig sind und ob die Dosierung vielleicht verringert werden kann.
  • Sorgen Sie für eine möglichst gute Sehfähigkeit, indem Sie Ihre Brillenkorrektur regelmäßig überprüfen lassen und sich gegebenenfalls eine neue Brille zulegen. Menschen, deren getrübte Sicht auf einem grauen Star (Katarakt) beruht, können nach einer Operation, bei der die Linsen im Auge durch Kunstlinsen ersetzt werden, wieder gut sehen.
  • Wenn Sie nicht mehr sicher auf den Beinen sind, kann Ihnen eine Gehhilfe oder ein Rollator wieder zu mehr Stabilität verhelfen.
  • Schwere Sturzfolgen lassen sich eventuell durch das Tragen von Hüftprotektoren vermeiden. Das sind Hosen, bei denen im Bereich der Hüfte Verstärkungen eingearbeitet sind.

Allgemeine Maßnahmen

Die unter "Vorbeugung" genannten Maßnahmen können die Behandlung einer manifesten Osteoporose unterstützen. Dabei müssen Sie Ihre sportlichen Aktivitäten der Belastungsfähigkeit Ihrer Knochen anpassen.

Wann zum Arzt?

Anhaltende Rückenschmerzen ohne erkennbare Ursache und abnehmende Körpergröße sind ein Grund, einen Arzt aufzusuchen, um den Verdacht auf Osteoporose abklären zu lassen. Das Gleiche gilt für Knochenbrüche ohne ersichtlichen Anlass.

Nichtverschreibungspflichtige Medikamente dürfen im Allgemeinen vom Arzt nicht zulasten der gesetzlichen Krankenkasse verordnet werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Arzt aber davon abweichen. Mittel, die nur Calciumsalze enthalten, können bei einer Behandlung mit einem Bisphosphonat zulasten der gesetzlichen Krankenkasse verordnet werden, wenn die Zufuhr von Calcium zwingend erforderlich ist. Mittel mit Calcium in fester oder freier Kombination mit Vitamin D dürfen dann zur Behandlung einer Osteoporose verordnet werden, wenn sich bereits Knochenbrüche ereignet haben, wenn über lange Zeit Cortison in hoher Dosierung eingenommen werden muss oder bei einer Behandlung mit einem Bisphosphonat, wenn die Zufuhr von Calcium zwingend erforderlich ist. In diesem Fall gilt als Voraussetzung, dass das Mittel mindestens 300 Milligramm Calcium pro Tablette enthalten muss. Näheres hierzu finden Sie in der Ausnahmeliste.

Behandlung mit Medikamenten

Ziel der Medikamenteneinnahme bei Osteoporose ist es, Knochenbrüche zu verhindern. Hat es bereits einen Knochenbruch gegeben, ist es sehr wahrscheinlich, dass weitere folgen werden. Insbesondere den in fortgeschrittenem Alter sehr folgenreichen Brüchen des Oberschenkelhalses soll entgegengewirkt werden. Beginnt die Medikation bereits, bevor es zum ersten Bruch gekommen ist, handelt es sich um eine Osteoporosevorbeugung.

Rezeptfreie Mittel

Osteoporosevorbeugung

Eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D kann dafür sorgen, dass der altersbedingte Knochenabbau nicht übermäßig schnell abläuft. Vollkommen verhindern können diese Substanzen den Prozess jedoch nicht.

Wenn Knochenbrüche drohen – etwa weil das individuelle Osteoporoserisiko aufgrund einer deutlich verringerten Knochendichte und weiterer Risikofaktoren besonders hoch ist –, wird die Anwendung verschreibungspflichtiger Arzneimittel empfohlen.

Personen über 50 Jahre, die sich nicht ausreichend bewegen und mit ihrer Ernährung keine ausreichende Calciumversorgung gewährleisten können, wird geraten, mit Calciumverbindungen täglich bis zu 1 000 Milligramm Calcium zuzuführen. Die Calciummenge aus der Nahrung und die aus dem Medikament sollen zusammengerechnet aber nicht mehr als 1 500 Milligramm Calcium am Tag ausmachen.

Die Einnahme von Vitamin D3 ist sinnvoll, falls nicht sichergestellt ist, dass der Körper selbst ausreichend Vitamin D produziert. Um das merklich zu verbessern, sind täglich 800 bis 1 000 internationale Einheiten (I. E.) Vitamin D empfehlenswert. Der Nutzen höherer Dosierungen ist nicht nachgewiesen. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D gewährleistet zudem, dass das von außen zugeführte Calcium in den Organismus und die Knochen aufgenommen wird.

Zur Aufnahme von 1 200 Milligramm Calcium und 20 Mikrogramm (= 800 I. E.) Vitamin D am Tag wird Menschen über 70 Jahre geraten sowie Personen, die körperlich wenig aktiv sind. Darüber hinaus auch Personen, die in einem Heim untergebracht sind. Diese Mittel sind geeignet, um einen Mangel der jeweiligen Substanz auszugleichen.

Von hoch dosierten Vitamin D-Tropfen, die in Form von Nahrungsergänzungsmitteln angeboten werden, muss allerdings abgeraten werden, denn eine zu hohe Dosierung von Vitamin D kann unerwünschte Wirkungen verursachen.

Osteoporosebehandlung

Die Osteoporosebehandlung zielt darauf ab, die einschneidenden Folgen der Osteoporose zu verhindern. In diesem Krankheitsstadium hat es zwar schon Knochenbrüche gegeben, es sollen aber weitere Brüche, vor allem Oberschenkelhalsbrüche, verhindert werden. Die therapeutische Wirksamkeit eines Medikaments zur Behandlung der Osteoporose gilt dann als nachgewiesen, wenn Studien gezeigt haben, dass bei seiner Einnahme insbesondere solche problematischen Brüche seltener auftreten.

Die Präparate zur Osteoporosebehandlung unterscheiden sich nicht nur in ihren Wirkstoffen und deren Dosierungen, sondern auch hinsichtlich der Angaben, ob sie sowohl für Frauen als auch Männer gedacht sind oder nur für Frauen. Die Angaben zur Anwendung bei Männern und/oder Frauen richtet sich danach, ob Studien die Wirksamkeit bei dem jeweiligen Geschlecht belegen und ob die Hersteller der Mittel dann auch die Zulassung entsprechend dieser Unterlagen erhalten haben.

Zur Behandlung einer nachgewiesenen Osteoporose gehören sowohl bei Männern als auch bei Frauen Calciumverbindungen und Vitamin D. Obwohl sie allein die Knochendichte kaum verbessern, haben Studien gezeigt, dass sich durch die kombinierte Gabe dieser beiden Substanzen die Rate an Knochenbrüchen geringfügig verringern lässt. Medikamente mit Calciumverbindungen, Vitamin D3, Vitamin-D3-ähnlichen Substanzen (Alfacalcidol und Calcitriol) sowie Kombinationen aus Calcium und Vitamin D3 sind vor allem für Menschen mit calcium- und Vitamin-D-armer Ernährung sowie mangelnder Bewegung im Freien geeignet, um dem Körper ausreichend Calcium und Vitamin D zuzuführen und die Wirkung von Arzneimitteln, die spezifisch auf Osteoporose wirken, zu unterstützen.

Bei Nierenkranken ist statt Vitamin D3 die Einnahme von Vitamin-D3-Analoga wie Calcitriol oder Alfacalcidol angezeigt. Vitamin D3 wird im Körper in Calcitriol umgewandelt und kann dann wirken. Bei Nierenkranken ist die Aktivierung von Vitamin D in der Niere nicht gewährleistet. Alfacalcidol ist eine Vorstufe der eigentlichen Wirkform von Vitamin D und kann ebenfalls bei Nierenkranken eingesetzt werden. Alfacalcidol und Calcitriol sind bei Personen geeignet, bei denen die körpereigene Aktivierung von Vitamin D3 aufgrund von Nierenfunktionsstörungen nicht ausreichend gewährleistet ist. Ob die Mittel auch bei nierengesunden Menschen Vorteile bieten und ebenso verträglich sind wie Vitamin D3, ist nicht untersucht.

Rezeptpflichtige Mittel

Osteoporosevorbeugung

Unter folgenden Voraussetzungen wird eine Osteoporosevorbeugung mit spezifisch wirkenden Medikamenten empfohlen: Der Betreffende hat aufgrund seiner individuellen Bedingungen ein geschätztes Risiko von 30 Prozent, in den kommenden zehn Jahren einen Bruch der Wirbelkörper oder des Oberschenkelhalses zu erleiden, und sein T-Wert, der mit einer DXA-Knochendichtemessung ermittelt wurde, liegt mindestens unter –2. Näheres hierzu lesen Sie unter Knochendichtemessung. Aus dieser Risikogruppe werden in den folgenden zehn Jahren wahrscheinlich 30 von 100 Personen einen Knochenbruch erleiden.

Unter diesen Voraussetzungen ist zumindest für Frauen nach den Wechseljahren nachgewiesen, dass Bisphosphonate wie Alendronsäure, Ibandronsäure, Risedronsäure Wirbelbrüche verhindern können.

Die Substanz Raloxifen ist nur zur Anwendung bei Frauen nach den Wechseljahren vorgesehen. Sie spricht im Körper die Stellen unterschiedlich an, an die sich das Hormon Östrogen bindet, um seine Wirkung zu entfalten. An den Knochen vermittelt Raloxifen eine ähnliche Wirkung wie Östrogen. So erhöht sich durch die Einnahme von Raloxifen die Knochendichte und die Zahl der osteoporosetypischen Wirbelbrüche verringert sich. Weil aber noch unklar ist, ob Raloxifen auch die Häufigkeit von Oberschenkelhalsbrüchen senken kann und es zudem bedeutsame unerwünschte Wirkungen aufweist, wird es als "mit Einschränkung geeignet" eingestuft.

Da der Knochenstoffwechsel von den Geschlechtshormonen mitgesteuert wird und die Knochendichte bei Frauen nach den Wechseljahren besonders rasch abnimmt, liegt der Gedanke nahe, bei ihnen Östrogen – eines der Geschlechtshormone – einzusetzen, um einer Osteoporose vorzubeugen. Hierfür muss das Hormon jedoch – anders als bei Wechseljahresbeschwerden – viele Jahre lang eingenommen werden. Seit 2002 liegen Untersuchungen vor, die zeigen, dass die Nutzen-Risiko-Bilanz einer derartig langdauernden Anwendung negativ ausfällt. Eine Osteoporosevorbeugung mit Hormonen – egal, ob es sich um Estradiol, konjugierte Östrogene oder um verschiedene Hormonkombinationen handelt – gilt daher als "wenig geeignet".

Eine solche Hormontherapie ist allenfalls bei Frauen zu vertreten, die ein hohes Risiko für Osteoporose haben und geeignete Mittel nicht vertragen oder bei denen sie aus anderen Gründen nicht eingesetzt werden können. Bei der Anwendung von Hormonen ist zu beachten, dass Frauen mit Gebärmutter Östrogen immer mit einem Gestagen kombiniert anwenden müssen. Hingegen können Frauen, deren Gebärmutter entfernt wurde, Östrogen allein einsetzen. Warum das notwendig ist und was dabei zu beachten ist, lesen Sie unter Beschwerden während der Wechseljahre. Dort werden auch die Studien ausführlich erörtert, die gezeigt haben, dass das Verhältnis von Nutzen und Risiken einer langjährigen Hormonbehandlung ungünstig ausfällt: Mit der Anwendung von Östrogen allein steigt das Risiko für Schlaganfälle. Mit der kombinierten Anwendung von Östrogen und Gestagen steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und das für Brustkrebs.

Folgende festgelegte Kombinationen werden auch bei Osteoporose eingesetzt: Estradiol + Drospirenon, Estradiol + Dydrogesteron, Estradiol + Levonorgestrel, Estradiol + Medroxyprogesteron, Estradiol + Norethisteron sowie konjugierte Östrogene + Medrogeston.

Osteoporosebehandlung

Von den Bisphosphonaten gelten Alendronsäure und Risedronsäure als "geeignet" zur Osteoporosebehandlung. Sie erhöhen die Knochendichte und können Knochenbrüche – auch Oberschenkelhalsbrüche – verhindern. Ibandronsäure hingegen wird als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Es ist zwar nachgewiesen, dass sich durch Anwendung dieser Substanz Wirbelbrüche verhindern lassen, ob das aber auch für Oberschenkelhalsbrüche gilt, ist noch ungewiss.

Einige Präparate enthalten zwei oder sogar drei der Arzneistoffe, deren Anwendung bei Osteoporose für sinnvoll gehalten wird, nämlich Bisphosphonat und Vitamin D beziehungsweise Bisphosphonat, Calcium und Vitamin D. Präparate mit der Kombination aus dem Bisphosphonat Alendronsäure und Vitamin D3 sowie mit der Kombination aus dem Bisphosphonat Risedronsäure, Calcium und Vitamin D3 werden als "geeignet" angesehen. Die therapeutische Wirksamkeit von Alendron- und Risedronsäure ist nachgewiesen. Wenn die Vitamin-D-Dosis beziehungsweise die Calcium- und Vitamin-D-Dosis des jeweiligen Präparats dem entspricht, was für den Anwender notwendig ist, kann es die Behandlung unterstützen.

Ein neuer Wirkstoff zur Osteoporosebehandlung ist Denosumab. Er kommt bei Frauen nach den Wechseljahren und bei Männern mit erhöhten Risiko für Knochenbrüche zum Einsatz. Denosumab muss halbjährlich injiziert werden. Das kann für Menschen vorteilhaft sein, die keine regelmäßige Tabletteneinnahme gewährleisten können. Der Wirkstoff kann Wirbel- und Oberschenkelhalsbrüche verhindern. Ob er dies besser kann als die bewährten Bisphosphonate, ist nicht nachgewiesen. Denosumab ist insgesamt weniger gut erprobt als diese; seine Langzeitverträglichkeit und seine Auswirkungen auf das Immunsystem sind noch nicht einschätzbar. Es ist daher unklar, ob es gegenüber Bisphosphonaten einen zusätzlichen Nutzen hat. Denosumab wird als "mit Einschränkung geeignet" bewertet und sollte erst eingesetzt werden, wenn Bisphosphonate nicht vertragen werden oder nicht ausreichend wirken.

Für Raloxifen liegen bisher keine aussagekräftigen Studien vor, die zeigen, dass es die Rate an Oberschenkelhalsbrüchen verringern kann. Da sich mit der Substanz zudem schwere unerwünschte Wirkungen verbinden können, gilt sie für die Behandlung einer Osteoporose als "mit Einschränkung geeignet".

Fluorid wird bei Osteoporose mittlerweile als "wenig geeignet" eingestuft. Zwar nimmt die Knochendichte schon nach kurzer Anwendungszeit zu, ob dies aber zur Verbesserung der Knochensubstanz beiträgt, ist fraglich. Obwohl Fluoride schon lange zur Osteoporosebehandlung angewendet werden, gibt es keine hochwertigen Untersuchungen, die nachweisen, dass es bei Langzeitanwendung weniger Knochenbrüche gibt. Die Mittel gelten als veraltet und werden nicht mehr als Osteoporosemittel empfohlen. Aus denselben Gründen werden auch festgelegte Kombinationen aus Natriumfluorophosphat + Calciumgluconat + Calciumcitrat oder Natriumfluorid + Vitamin D + Calciumcarbonat als "wenig geeignet" beurteilt.

Kalzitonin-Nasenspray gehörte früher zu den bei Osteoporose häufig verschriebenen Arzneimitteln. Das Mittel wurde aus dem Handel genommen, nachdem eine Begutachtung durch die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde ergeben hat, dass eine Langzeitanwendung von Kalzitonin das Krebsrisiko erhöht. Kalzitonin zur Injektion ist weiterhin verfügbar, um Knochenerkrankungen wie beispielsweise Morbus Paget zu behandeln.

Neue Medikamente

Als neuer Wirkstoff für Osteoporose ist Parathyroidhormon im Handel – ein Hormon, wie es die Nebenschilddrüsen im menschlichen Körper bilden. Es regt die Tätigkeit der knochenbildenden Zellen an und erhöht den Calciumgehalt im Blut. In dem Präparat Preotact dient das Parathyroidhormon zur Behandlung von Frauen nach den Wechseljahren, die ein großes Risiko für osteoporosebedingte Knochenbrüche haben. Nur für sie ließ sich nachweisen, dass durch die Behandlung weniger Brüche der Wirbelkörper auftreten. Dass sich auch die Rate an Oberschenkelhalsbrüchen verringert, ist bisher noch nicht erwiesen. Das Hormon darf höchstens zwei Jahre lang eingesetzt werden, weil es im Tierversuch bei Langzeitanwendung Knochentumore ausgelöst hat. Während der Behandlung steigt das Risiko für Nierensteine.

Zur selben Wirkstoffgruppe gehört Teriparatid (Forsteo). Es kann bei Frauen nach den Wechseljahren, die ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche haben, zur Osteoporosebehandlung eingesetzt werden. Weil auch bei diesem Mittel in Tierversuchen vermehrt Knochenkrebs auftrat, darf es nicht länger als 24 Monate eingesetzt werden. Die Behandlung darf auch nicht wiederholt werden. Bisher ist nicht nachgewiesen, ob Teriparatid die Rate an Oberschenkelhalsbrüchen vermindern kann. Aufgrund dieser Situation wurde die Verordnungsfähigkeit von Teriparatid zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzt. Es darf nur unter folgenden Voraussetzungen verordnet werden: Die Frau hat in den vergangenen 18 Monaten mindestens zwei osteoporosebedingte Knochenbrüche erlitten; sie hat mindestens ein Jahr lang ein Bisphosphonat, Strontium oder Raloxifen eingenommen und diese Behandlung war nicht ausreichend wirksam oder es gibt Gründe, die gegen eine solche Therapie sprechen.

Als weiteres Bisphosphonat kam 2005 Zoledronsäure (Aclasta) in den Handel. Es ist vorgesehen zur Behandlung von Osteoporose bei Frauen nach den Wechseljahren und bei Männern mit erhöhtem Risiko für Knochenbrüche. Das Mittel wird einmal im Jahr als Infusion verabreicht. Gemäß den Studien, nach denen die Wirksamkeit von Zoledronsäure über drei Jahre hinweg beurteilt werden konnte, verringert der Wirkstoff das Risiko für Wirbel- und Oberschenkelhalsbrüche. Im Vergleich zu eingenommenen Bisphosphonaten treten nach einer solchen Infusion Magen-Darm-Probleme seltener auf. Nachteilig ist allerdings, dass man wegen der langen Wirkdauer auf unerwünschte Wirkungen nicht reagieren kann. Als besonders gravierende Nebenwirkung sind Zerstörungen des Kieferknochens aufgetreten. Zudem ist noch unklar, wie sich die Anwendung über lange Zeit auf das Herz auswirkt. Es gibt Hinweise, dass vermehrt Herzrhythmusstörungen, auch Vorhofflimmern, auftreten. Auch bei Personen mit Nierenfunktionsstörung ist Vorsicht geboten, weil es bei einer Zoledronsäurebehandlung eventuell häufiger zu Nierenversagen kommen kann. Außerdem können starke und bisweilen behindernde Muskelschmerzen auftreten. Zudem besteht der Verdacht, dass Brüche auftreten, die sonst selten sind. Das heißt, es bricht der Oberschenkelschaft, nicht der -hals, wie es für Osteoporose typisch ist.