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Ohrenschmerzen

Allgemeines

Ohrenschmerzen treten besonders häufig im Kindesalter auf. Die Schmerzen können sehr heftig sein und dadurch Angst machen, vergehen aber meist nach wenigen Stunden. Drei von vier Kindern klagen in den ersten drei Lebensjahren mindestens einmal über Ohrenschmerzen; etwa ein Drittel der Kinder sogar dreimal. Bei Erwachsenen sind Ohrenschmerzen seltener und haben oft andere Ursachen.

Anzeichen und Beschwerden

Ohrenschmerzen treten häufig im Rahmen einer Infektion der oberen Luftwege auf. Anzeichen für eine solche Infektion sind Husten und Schnupfen.

Ein Ohr oder beide Ohren tun weh. Im Ohr entsteht ein Druckgefühl. Manchmal scheint der Schmerz unerträglich zu sein.

Die Ohrenschmerzen können mit Schwindel, nachlassendem Hörvermögen und Ohrgeräuschen verbunden sein.

Die Schmerzen im Zusammenhang mit einer Mittelohrentzündung können plötzlich nachlassen, wenn das Trommelfell reißt, und es kann Flüssigkeit oder Blut aus dem Ohr rinnen. Ist der Ausfluss aus dem Ohr gelblich braun und schmierig, kann es sich um Ohrenschmalz handeln, das sich durch die bei Fieber und Entzündungen erhöhte Körpertemperatur verflüssigt und aus dem Ohr läuft. Unter bestimmten Umständen können sich – etwa wenn das Ohrenschmalz nicht ungehindert abfließen kann – Pfropfen im Gehörgang bilden. Wie Sie diese behandeln können, lesen sich unter Ohrschmalzpfropfen.

Ein nur auf einer Seite schmerzendes Ohr kann mit einer "dicken Backe" einhergehen, bei der Wange, Ohrläppchen und Hals zu einer Fläche anschwellen.

Bei Kindern

Bei kleinen Kindern können Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Fieber zu den Ohrenschmerzen hinzukommen.

Haben Säuglinge und Kleinkinder, die noch nicht sprechen können, Ohrenschmerzen, dann schreien sie oder wehren sich, wenn man leicht auf ihren äußeren Gehörgang drückt oder an der Ohrmuschel zieht. Außerdem sind sie meist sehr unruhig und weinen viel.

Die Schmerzen von unkomplizierten Ohrerkrankungen können bei Kindern bis zu acht Tage lang anhalten.

Ursachen

Druck im Ohr, kombiniert mit erträglichen Ohrenschmerzen und nachlassendem Hörvermögen, kann auftreten, wenn der Körper Druckunterschiede nicht ausgleichen kann. Das ist zum Beispiel beim Liftfahren, bei einer Fahrt über Berge, beim Fliegen und Tauchen der Fall, wenn die eustachische Röhre, der Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Rachenraum, so verengt ist, dass sie den Druckausgleich nicht herstellen kann.

Eine weitere Ursache für Ohrenschmerzen kann ein Gegenstand im Ohr sein. Vor allem kleine Kinder können vieles im Gehörgang verschwinden lassen: Bohnen, Spielzeug, Perlen und Ähnliches. Das Bemühen des Körpers, sich von diesem Fremdkörper zu befreien, führt oft zu einer schmerzhaften Entzündung.

Ohrenschmerzen, die sich verstärken, wenn man am Ohrläppchen oder an der Ohrmuschel zieht, sprechen für eine Entzündung des äußeren Gehörgangs. Eine Mittelohrentzündung kann aber auch die Ursache sein.

Plötzlich auftretende Ohrenschmerzen, die schnell sehr heftig werden können, deuten auf eine akute Mittelohrentzündung hin. Die Schmerzen können mit Schwindel, nachlassendem Hörvermögen und Ohrgeräuschen sowie Fieber verbunden sein. Bei einigen Kindern treten akute Mittelohrentzündungen häufiger auf (rezidivierende Otitis).

Ein "laufendes" Ohr, begleitet von schlechtem Hören und leichten Ohrenschmerzen, legt den Verdacht auf eine chronische Mittelohrentzündung nahe.

Eine "dicke Backe" in Kombination mit Ohrenschmerzen, die meist beide Seiten betreffen, ist das typische Zeichen einer Mumpserkrankung. Da heute ein Großteil der Kinder gegen Mumps geimpft ist, ist diese Krankheit nur noch selten der Grund für Ohrenschmerzen.

Im Bereich des Ohres können auch Schmerzen empfunden werden, die ihre Ursache in anderen Organen oder Geweben haben. Infrage kommen Nase, Nebenhöhlen, Zähne, Zahnfleisch, Kiefergelenk, Zunge, Mandeln, Rachen, Kehlkopf, Luftröhre, Speiseröhre und Speicheldrüsen.

Allgemeine Maßnahmen

Bei ungenügendem Druckausgleich können Sie die Nasenflügel zudrücken und die Luft im Innern der Nase dagegen pressen, bis es in den Ohren knackt.

Die Maßnahmen bei einer akuten oder chronischen Mittelohrentzündung finden Sie unter Mittelohrentzündung, die bei einer Entzündung des äußeren Gehörgangs unter Entzündung des äußeren Gehörgangs.

Wann zum Arzt?

Wenn Schmerzen, die auf ungenügendem Druckausgleich beruhen, nach einigen Stunden nicht nachgelassen haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Auch bei Ohrenschmerzen aus anderen Gründen ist ein Arztbesuch notwendig, insbesondere wenn Fieber hinzukommt oder ein deutlicher Hörverlust auftritt. Jede Selbstbehandlung sollte unterbleiben, bis eine ärztliche Diagnose gestellt worden ist. Versuchen Sie auch nicht, einen Fremdkörper selbst aus dem Ohr zu entfernen. Selbst wenn Sie ihn sehen können, ist die Gefahr groß, mit den Manipulationen die zarte Haut im Gehörgang oder das Trommelfell zu verletzen.

Bei Kindern

Insbesondere Kinder mit einem "laufenden Ohr" sollten immer vom Arzt behandelt werden.

Behandlung mit Medikamenten

Rezeptfreie Mittel

Bevor die Ursache der Ohrenschmerzen nicht eindeutig geklärt ist, sollte jede Behandlung unterbleiben. Auch Ohrentropfen, die rezeptfrei erhältlich sind und bei denen als Anwendungsgebiet unter anderem Ohrenschmerzen angegeben sind, sollten nicht verwendet werden. Das gilt vor allem auch deshalb, weil viele dieser Ohrentropfen nicht angewendet werden dürfen, wenn das Trommelfell ein Loch hat. Lesen Sie auch die Hinweise zum Gebrauch von Ohrentropfen.

Schmerzen lassen sich bis zum Arztbesuch mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol lindern. Welcher der beiden Wirkstoffe für Kinder gewählt wird, hängt unter anderem vom Alter des Kindes und seinem Gewicht ab. Abgesehen davon wird in Fachkreisen seit 2010 der Stellenwert von Paracetamol bei der Behandlung von Schmerzen bei Kindern diskutiert.