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Nebenhöhlen­entzündung

Allgemeines

In unmittelbarer Nachbarschaft der Nase liegen die Nebenhöhlen. Sie sind über siebartig durchlöcherte Kammern mit dem Naseninneren verbunden. Setzen sich Schnupfenviren in diesem Höhlensystem fest, entzünden sich dessen Schleimhäute und es entsteht eine Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Eine akute Nasennebenhöhlenentzündung ist spätestens nach einigen Wochen wieder verschwunden. Diese Form kommt vor allem bei Kindern häufig vor. Sind die Nasenschleimhäute länger als drei Monate entzündet, spricht man von einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung.

Gelangen Viren oder Bakterien über einen Verbindungsgang (eustachische Röhre) aus dem Rachen ins Mittelohr, kann eine Mittelohrentzündung entstehen.

Anzeichen und Beschwerden

Bei einer Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) sind neben den Schleimhäuten der Naseninnenwand auch die der Nebenhöhlen entzündet. Sie schwellen an und verstopfen die Nase. Nisten sich auf der durch die Schnupfenviren geschädigten Schleimhaut jedoch Bakterien ein, werden die Beschwerden deutlich schwerer und unangenehmer: Starke Kopfschmerzen und ein anhaltendes unangenehmes Druckgefühl in Stirn, Wangen und Kiefer treten auf, ebenso hohes Fieber (über 39 °C). Häufig verstärken sich die Schmerzen morgens beim Aufstehen oder beim Bücken.

Bei Kindern

Bei Kleinkindern unter vier Jahren sind die Nebenhöhlen noch nicht voll entwickelt, können sich aber trotzdem entzünden. Anzeichen dafür sind hohes Fieber, Trinkunlust und eitriger Schnupfen mit gelbgrün gefärbtem Sekret, das leicht eintrocknet und an den Nasenlöchern gelbliche Krusten bildet.

Ursachen

Eine akute Nebenhöhlenentzündung geht meist auf eine Virusinfektion zurück, in deren Folge das Sekret aus den Nebenhöhlen schlechter abfließt als aus der Nase. Bei stark geschwollenen Schleimhäuten werden die Nebenhöhlen überdies nicht ausreichend belüftet. Beides bietet Bakterien einen guten Nährboden, zumal die Schleimhaut durch die Viren bereits vorgeschädigt ist. Auf diese Weise kann sich die Entzündung verstärken und manchmal sogar chronisch werden. Allerdings sind Bakterien nur bei etwa einem Drittel der Erkrankungen die Ursache.

Allergien (z. B. Heuschnupfen), Nasenpolypen (gutartige Wucherungen der Nasenschleimhaut), eine verkrümmte Nasenscheidewand oder ein geschwächtes Immunsystem können eine Nasennebenhöhlenentzündung begünstigen.

Allgemeine Maßnahmen

Wie bei einem Schnupfen ist es sinnvoll, dafür zu sorgen, dass sich der Schleim rasch verflüssigt und ausgeschnäuzt werden kann. Beachten Sie dazu die Hinweise im Abschnitt "Schnupfen" unter Vorbeugung und Allgemeine Maßnahmen. Dann bleiben auch die Nebenhöhlen eher frei und das Sekret fließt besser ab.

Wann zum Arzt?

Halten die obengenannten Beschwerden (Druckgefühl, Kopfschmerzen, Fieber) trotz allgemeiner Maßnahmen länger als 10 bis 14 Tage an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Dann besteht der Verdacht, dass in den Nebenhöhlen eine bakterielle Infektion aufgetreten ist.

Behandlung mit Medikamenten

Eine virusbedingte akute Nebenhöhlenentzündung heilt bei durchschnittlich 70 Prozent der Patienten innerhalb von 10 bis 14 Tagen von selbst aus.

Rezeptfreie Mittel

Zur unterstützenden Behandlung sind Salzlösungen, die zum Inhalieren oder zum Spülen der Nase verwendet werden, geeignet. Damit die Salze auch bis in die Nebenhöhlen gelangen, müssen sie jedoch mit speziellen Verneblern inhaliert werden. Wird die Lösung mit einem Kopfdampfbad eingeatmet, gelangt nur der Wasserdampf in die Atemwege, die Salze bleiben am Boden des Topfes zurück. Es gibt allerdings noch keine Studien, die zeigen, dass bei der Behandlung von Nebenhöhlenentzündungen eine vernebelte Kochsalzlösung einer reinen Wasserdampfinhalation überlegen ist. Wahrscheinlich genügt bereits die Inhalation von Wasserdampf allein, um die Schleimhäute ausreichend zu befeuchten.

Zusätzlich können Sie pflanzliche myrtolhaltige Mittel einsetzen. Diese können dazu beitragen, dass sich das Sekret in den Nebenhöhlen verflüssigt und besser abfließen kann.

Schleimhautabschwellende Mittel können den Abfluss des vermehrt gebildeten Sekrets aus den Nebenhöhlen unterstützen. Damit soll verhindert werden, dass sich das Sekret in den Nebenhöhlen staut und diese sich entzünden (und in der Folge – vor allem bei Kindern unter drei Jahren – auch das Mittelohr). Für diesen Zweck ist die therapeutische Wirksamkeit aber noch nicht ausreichend nachgewiesen, die Mittel sind deshalb nur mit Einschränkung geeignet.

Das pflanzliche Mittel Enzian + Holunder + Primel + Sauerampfer + Verbene zur innerlichen Anwendung ist zur Behandlung von Nebenhöhlenentzündungen wenig geeignet, weil die Kombination der verschiedenen Pflanzenextrakte nicht sinnvoll und die therapeutische Wirksamkeit nicht für jeden einzelnen Pflanzenbestandteil ausreichend nachgewiesen ist.

Ist eine Nebenhöhlenentzündung nach 10 bis 14 Tagen trotz allgemeiner Maßnahmen noch nicht abgeklungen, hat sich die Schleimhaut in den Nebenhöhlen stark entzündet oder haben sich die Beschwerden sogar noch verstärkt, begleitet von hohem Fieber über 39 °C, besteht der Verdacht auf eine bakterielle Nebenhöhlenentzündung. Diese sollte mit Antibiotika zum Einnehmen behandelt werden, beispielsweise mit Penicillinen. Der Einsatz von Antibiotika sollte diesen schweren Fällen vorbehalten bleiben.

Sind die Schleimhäute mehr als drei Monate entzündet (chronische Nasennebenhöhlenentzündung), dann kommen neben salzhaltigen Spüllösungen vor allem cortisonhaltige Nasensprays oder -tropfen zum Einsatz. Studien bestätigen, dass cortisonhaltige Nasenmittel die Beschwerden bei chronischer Nasennebenhöhlenentzündung lindern können. Cortison dämpft die Entzündungsreaktion. Die Wirkung tritt allerdings erst nach einiger Zeit ein.

Neue Medikamente

In seinen frühen Nutzenbewertungen führt das IQWiG auch Dupilumab (Dupixent) auf. Zu diesem Mittel wird die Stiftung Warentest Stellung nehmen, sobald es zu den häufig verordneten Mitteln gehört.

Frühe Nutzenbewertung des IQWiG

Dupilumab (Dupixent) bei chronischer Nasennebenhöhlenentzündung mit Nasenpolypen

Dupilumab (Handelsname Dupixent) ist seit Oktober 2019 für Erwachsene mit schwerer chronischer Nasennebenhöhlenentzündung mit Nasenpolypen zugelassen. Der Wirkstoff wird als zusätzliche Therapie mit Kortison-Nasensprays eingesetzt. Er kommt für Patientinnen und Patienten infrage, bei denen die Einnahme von Kortisontabletten oder ein operativer Eingriff nicht ausreichend geholfen haben.

Bei einer Nasennebenhöhlenentzündung sind die Nasenschleimhaut und die Nasennebenhöhlen zum Beispiel durch eine Infektion entzündet. Die Fachbezeichnung dafür lautet „Rhinosinusitis“. Typische Beschwerden sind verstopfte Nase, laufende Nase, Husten, Fieber und Schmerzen, insbesondere im Bereich der Nebenhöhlen.

Man unterscheidet eine akute von einer chronischen Form der Nasennebenhöhlenentzündung. Bei der chronischen Form hält die Erkrankung länger als drei Monate an.

Bei einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung bilden sich manchmal auch Polypen. Das sind gutartige Wucherungen der Schleimhaut in den Nasennebenhöhlen. Sie blockieren die Belüftung der Nasennebenhöhlen zusätzlich und begünstigen dadurch die Ansiedlung von Krankheitserregern.

Dupilumab soll die Entzündung der Schleimhaut verringern, indem es einen entzündungsfördernden Botenstoff hemmt.

Anwendung

Dupilumab gibt es als Fertigspritze in einer Dosierung von 300 mg. Der Wirkstoff wird zusätzlich zu einer Behandlung mit einem Kortison-Nasenspray angewendet (Add-on-Therapie).

Bei der ersten Anwendung werden 300 mg des Wirkstoffs unter die Haut gespritzt (eine Spritze zu 300 mg). Danach wird die Anwendung alle 2 Wochen wiederholt.

Patientinnen und Patienten können sich nach ärztlicher Einweisung auch selbst spritzen.

Der Erfolg der Behandlung sollte regelmäßig überprüft werden. Zeigt sich nach 24 Wochen keine Besserung, wird in der Regel empfohlen, die Therapie zu beenden.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2020 geprüft, welche Vor- und Nachteile Dupilumab für Personen mit chronischer Nasennebenhöhlenentzündung und Nasenpolypen, bei denen Kortisontabletten oder ein operativer Eingriff nicht ausreichend geholfen haben, im Vergleich zu den Standardtherapien hat.

Zu dieser Frage legte der Hersteller zwei Studien vor, deren Ergebnisse gemeinsam ausgewertet werden konnten: Insgesamt erhielten 438 der Teilnehmenden Dupilumab als zusätzliche Therapie mit Mometasonfuroat und 286 der Teilnehmenden eine Standardtherapie bestehend aus Mometasonfuroat und einem Scheinmedikament (Placebo).

Nach einem halben Jahr zeigten sich folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Dupilumab?

Krankheitsbeschwerden und Folgen: In den Studien wurden die Patientinnen und Patienten gefragt, ob verschiedene Krankheitsbeschwerden und Beeinträchtigungen wie zum Beispiel verminderter Geschmackssinn, Schwindel, Schmerzen, Schlaf- oder Konzentrationsprobleme vorliegen und wie belastend diese für sie sind. Die Studie zeigt hier insgesamt einen Vorteil: Die Beschwerden besserten sich insgesamt bei 80 von 100 Personen, die zusätzlich Dupilumab erhielten, aber nur bei 54 von 100 Personen ohne Dupilumab.

Auch für einzelne Krankheitsbeschwerden wie laufende oder verstopfte Nase und verminderter Geruchssinn zeigt die Studie einen Vorteil von Dupilumab.

Gesundheitszustand: In den Studien wurden die Patientinnen und Patienten gefragt, wie sie ihren Gesundheitszustand selbst einschätzen. Die Studie zeigt auch hier einen Vorteil von Dupilumab.

Gesundheitszustand: In den Studien wurden die Patientinnen und Patienten gefragt, wie sie ihren Gesundheitszustand selbst einschätzen. Die Studie zeigt auch hier einen Vorteil von Dupilumab.

Welche Nachteile hat Dupilumab? Es zeigten sich keine Nachteile von Dupilumab als Add-on-Therapie.

Welche Fragen sind noch offen?

Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität liegen keine Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Dupilumab (Dupixent).