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Lyme-Borreliose

Allgemeines

Die Lyme-Borreliose ist eine Infektionskrankheit. Überträger sind Zecken, die mit bestimmten Bakterien, Borrelien, infiziert sind. Die Erkrankung wurde 1975 erstmals in der US-amerikanischen Stadt Lyme (Connecticut) genauer beschrieben. Erst Anfang der 1980er Jahre konnte der Schweizer Forscher Willy Burgdorfer die Ursache der Lyme-Borreliose klären, als er das krankheitsauslösende Bakterium im Darm von Zecken fand.

Das Krankheitsbild einer Lyme-Borreliose ist vielfältig, was die Diagnose erschwert, zumal ein Zeckenstich oftmals unbemerkt bleibt. Beruhigend ist aber, dass lediglich 1 bis maximal 2 von 100 Personen, die von einer Zecke gestochen worden sind, Beschwerden bekommen.

Bleibt die Infektion unbehandelt, kann die Krankheit in mehreren Stadien verlaufen, welche ineinander übergehen können. Symptomlose Intervalle wechseln sich ab mit Phasen heftiger Beschwerden.

Anzeichen und Beschwerden

Bei Lyme-Borreliose können drei charakteristische Phasen unterschieden werden, die nicht unbedingt aufeinander folgen, sondern auch einzeln auftreten können:

Frühstadium: Nach dem Zeckenstich bildet sich um die Stichstelle herum eine kreisförmige Rötung, die mit der Zeit von innen heraus verblasst und keine Beschwerden verursacht. Häufig geschieht das innerhalb von 3 bis 30 Tagen nach dem Stich. Diese Reaktion beruht darauf, dass sich die mit dem Speichel von der Zecke abgegebenen Borrelien an der Stichstelle in der Haut vermehren und langsam kreisförmig ausbreiten (Wanderröte oder Erythema migrans). Die Einstichstelle oder eine andere Körperstelle kann anschwellen, beispielsweise das Ohrläppchen oder die Wange (Lymphozytom). Die Rötung kann innerhalb von wenigen Tagen wieder verschwinden. Wenn sich die Borrelien mehrere Tage nach dem Zeckenstich über das Blut im ganzen Körper ausbreiten, kann es zu grippeähnlichen Beschwerden mit Fieber, Bindehautentzündung, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Nachtschweiß kommen.

Ausbreitung im Körper: Breiten sich die Erreger weiter ungehindert aus, können sich Nerven, Knochengewebe und Gelenke, seltener der Herzmuskel, entzünden und typische Beschwerden verursachen: kappenförmige, vom Nacken ausstrahlende, brennende Kopfschmerzen, Gelenkbeschwerden, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Herzklopfen. Sind die Nerven betroffen (akute Neuroborreliose), kommt es häufig zu Gefühlsstörungen wie Kribbeln, Hitze- oder Kältegefühl, Schmerzen an Bändern und Sehnen, die Anlass zu Verwechslungen mit anderen Krankheiten geben (beispielsweise Sehnenscheidenentzündung bei Beschwerden am Hand- und Ellenbogengelenk, Bandscheibenvorfall bei Rücken- und Beinbeschwerden). Manchmal treten auch Muskellähmungen im Gesicht auf (Fazialisparese). Hiervon sind vor allem Kinder betroffen, da bei ihnen Zeckenstiche häufiger im Kopfbereich auftreten.

Späterscheinungen: Sehr selten treten Entzündungen auf, vor allem in Gelenken (Lyme-Arthritis) und in der Haut. Es kann sich auch das Gehirn entzünden.

Die Einteilung nach verschiedenen Krankheitsphasen weicht inzwischen immer mehr der Einteilung in eine Frühmanifestation der Erkrankung, die Wanderröte und die akute Neuroborreliose umfasst, sowie eine Spätmanifestation mit Lyme-Arthritis (gekennzeichnet durch Gelenkbeschwerden und Erschöpfung) und Hautentzündungen.

Ursachen

Borrelien werden vorzugsweise zwischen März und November durch Zeckenstiche übertragen und sind weit verbreitet.

Anders als vielfach angenommen, lassen sich Zecken nicht von Bäumen oder Sträuchern fallen, sondern sitzen an Büschen, Gestrüpp, Farnen und Grashalmen bis etwa ein Meter Höhe. Von dort werden sie im Vorübergehen abgestreift und krabbeln auf die Haut, wo sie sich festsetzen und mit ihrem Stechrüssel Blut saugen. Zecken kommen nicht nur im Wald vor, sondern überall in der freien Natur, auch im heimischen Garten, auf der Wiese, im Park, an Bachläufen. Auch über Haustiere wie Hunde und Katzen, die sich viel im Freien aufhalten, können Zecken auf die menschliche Haut gelangen.

Zecken werden ab einer Außentemperatur von sechs Grad aktiv, vorausgesetzt, die Luftfeuchtigkeit liegt über 80 Prozent.

Je nach Region sind in Deutschland zwischen 5 und 37 Prozent der Zecken von Borrelien durchseucht. Die Bakterien siedeln im Darm des Tieres und werden beim Stich nach etwa 12 bis 24 Stunden mit dem Speichel abgegeben. Dabei macht es einen Unterschied, wie groß die Zecke ist, die sticht. Größere Zecken sind häufiger mit Borrelien infiziert als kleinere Exemplare und können somit über die Zeit mehr Erreger ins Blut abgeben.

Vorbeugung

Eine Impfung gegen Borrelien gibt es zurzeit nicht. Geimpft werden kann nur gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), einer durch Viren verursachten und ebenfalls durch Zecken übertragenen Hirnhautentzündung. Nicht verwechseln: FSME und Lyme-Borreliose

Sinnvoll sind verschiedene allgemeine Maßnahmen, die vor einem Zeckenstich schützen und mit dazu beitragen, einen Zeckenstich oder eine Infektion mit Borrelien so früh wie möglich zu erkennen:

  • Beim Wandern und Spazierengehen die Hosen in die Socken stecken, dann können Zecken nicht unter dem Hosenbein auf die Haut krabbeln.
  • Unbedeckte Hautstellen mit Insektenabwehrmittel einreiben. Am besten geeignet sind dafür Präparate mit dem Wirkstoff Icaridin. Wenn Sie sich lange im Freien aufhalten, müssen Sie das Mittel etwa alle zwei Stunden erneut auftragen.
  • Nach jedem Aufenthalt im Freien den ganzen Körper nach Zecken absuchen, vor allem in Hautfalten und im Genitalbereich. Bei Kindern sitzen Zecken häufig auch am Haaransatz, Nacken oder Rücken. Die Zecken können auch unter die Kleidung und von dort nach oben krabbeln. Je nach Art krabbeln Zecken manchmal erst mehrere Stunden am Körper herum, bis sie eine weiche Hautstelle finden.
  • Wenn Sie helle Kleidung tragen, sind die Zecken darauf besser zu erkennen als auf dunkler.
  • Kleidung nach dem Ausziehen gut ausklopfen.
  • Ob eine Borrelien-Infektion nach einem Zeckenbiss auftritt, ist auch abhängig davon, wie lange die Zecke in der Lage war, Blut zu saugen. Die Zecke muss deshalb so schnell wie möglich – am besten innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Stich – entfernt werden. Es dauert viele Stunden, bis die Borrelien in der Zecke aktiv werden und vom Darm zum Stechrüssel wandern. Wird die Zecke vorher entfernt, kann sie kaum Borrelien übertragen haben.
  • Festsitzende Zecken mit der Pinzette oder einer speziellen Zeckenkarte fassen, ohne den Zeckenleib zu quetschen, und vorsichtig herausziehen oder -schieben. Nicht mit Öl oder Klebstoff beträufeln, weil die Zecke dann langsam erstickt und vermehrt Speichel abgibt, der möglicherweise Borrelien enthält.

Behandlung mit Medikamenten

Eine vorbeugende Einmalgabe eines Antibiotikums bei allen Personen, die von einer Zecke gestochen wurden, vermindert lediglich die Rate von Wanderröte. Ob spätere Erscheinungsformen einer Borreliose verhindert werden, ist aber unklar. Da die Risiken einer derart breiten Anwendung von Antibiotika zudem den Nutzen überwiegen, ist diese Maßnahme nicht sinnvoll und wird nicht empfohlen. Testergebnisse Mittel bei Lyme-Borreliose

Rezeptpflichtige Mittel

Sobald sich eine Wanderröte zeigt, liegt der Verdacht auf eine Lyme-Borreliose nahe, auch wenn kein Zeckenstich bemerkt wurde. Es sollten umgehend Antibiotika gegeben werden. Infrage kommt hierfür – mit Ausnahme von Kindern unter acht Jahren und bei Schwangerschaft nach der 16. Schwangerschaftswoche – Doxycyclin aus der Gruppe der Tetracycline, das zwei Wochen lang eingenommen werden sollte. Für die Behandlung einer Lyme-Borreliose gilt Doxycyclin als das Mittel der Wahl und ist geeignet.

Wenn dieses nicht eingesetzt werden kann, ist eine Behandlung mit Amoxicillin aus der Gruppe der Penicilline oder Cefuroxim aus der Gruppe der Cephalosporine möglich, ebenfalls über zwei Wochen. Beide Wirkstoffe sind mit Einschränkung geeignet und gelten als Mittel der zweiten Wahl. Dass sie ebenso gut wirken wie Doxycyclin, sollte noch besser belegt werden.Je früher das Antibiotikum gegeben wird, desto besser sind die Aussichten, dass die Infektion erfolgreich bekämpft werden kann.

Bleibt die Borrelien-Infektion unbehandelt, kann sie später auch die Haut, die Gelenke und das Nervensystem betreffen. Wenn eine Lähmung der Gesichtsnerven auftritt, kann eine dreiwöchige Behandlung mit Doxycyclin-Tabletten notwendig werden. Auch wenn das Herz betroffen ist, sollten Antibiotika über diesen Zeitraum verabreicht werden. Ist die Herzfunktion deutlich beeinträchtigt, wird die Behandlung in Form von Antibiotika-Infusionen angeraten. Hat die Infektion den Gelenkapparat erfasst und liegt eine Gelenkentzündung vor, werden Antibiotika-Tabletten – in erster Linie das Tetracyclin Doxycyclin, alternativ auch das Penicillin Amoxicillin – bis zu vier Wochen lang gegeben.

Ebenso lange wird mit den beiden Wirkstoffen behandelt, wenn sich die Hirnhäute oder das Gehirn entzündet haben. Manchmal ist hierfür ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, da Antibiotika dann als Infusion verabreicht werden müssen. Eine längere Behandlung mit Antibiotika hat nach den bisher vorliegenden Untersuchungsdaten keinen Nutzen für die Betroffenen, kann aber vermehrt zu Nebenwirkungen und Resistenzen führen.

Bei Kindern

Kinder über acht Jahre können nach abgeschlossener Zahnentwicklung wie Erwachsene Doxycyclin als Mittel der Wahl zur Behandlung der Lyme-Borreliose erhalten.

Kinder bis acht Jahre erhalten das Mittel Amoxicillin aus der Gruppe der Penicilline oder Cefuroxim aus der Gruppe der Cephalosporine.