Medikamente im Test

Leberentzündung: Hepatitis B

Allgemeines

Es gibt verschiedene Arten von infektiösen Leberentzündungen (Hepatitis). Von Hepatitis B sind etwa 7 Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen, das heißt etwa 5,6 Millionen Menschen. Meist verläuft die Entzündung akut und heilt dann auch wieder ganz aus, bei etwa 500 000 Personen jedoch wird sie chronisch.

Die wichtigsten Erreger einer Leberentzündung sind verschiedene Hepatitis-Viren. Die häufigste und gleichzeitig harmloseste Variante der Lebererkrankung ist die Hepatitis A. Sie dauert zwei bis acht Wochen und heilt meist folgenlos ab. Hepatitis B und C sind gefährlicher, weil sie chronisch werden und die Leber unter Umständen vollständig zerstören können.

Anzeichen und Beschwerden

Anfangs spüren Sie von einer Leberentzündung meist gar nichts. Erst mehrere Wochen nach der Ansteckung – es können auch bis zu sechs Monate vergehen – zeigen sich die ersten Symptome: Sie ermüden schneller als gewohnt und fühlen sich insgesamt abgeschlagen sowie leistungsschwach.

Auch bei einer chronischen Hepatitis treten häufig keine oder nur geringfügige Beschwerden auf. Oft wird die Krankheit erst aufgrund einer Blutuntersuchung anhand der erhöhten Leberwerte deutlich. Während der ganzen Zeit können die Viren jedoch über das Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen werden.

Ein deutliches Anzeichen (das aber nicht zwangsläufig auftritt) für eine akute Hepatitis ist eine Gelbsucht (Ikterus), die oft mit einem starken Krankheitsgefühl einhergeht: Die Haut und vor allem das Weiße in den Augen werden gelb, weil die Leber den Gallefarbstoff Bilirubin nicht mehr richtig abbaut oder ausscheidet. Dann entfärbt sich meist der Stuhl und der Urin wird dunkel, manchmal sogar tiefbraun – ein Anzeichen dafür, dass Bilirubin über die Nieren ausgeschieden wird. Gelegentlich treten gleichzeitig Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Verstopfung oder Blähungen auf. Fettes Essen, Fleisch und Alkohol erregen Übelkeit; Rauchern schmeckt die Zigarette nicht mehr, Nichtraucher können Zigarettenrauch kaum ertragen. Leichtes Fieber kann, muss aber nicht auftreten. Manchmal juckt die Haut oder es zeigt sich ein leichter Ausschlag.

Erhöhte Leberwerte im Blut deuten auf eine beginnende Leberentzündung oder auf eine nachlassende Leberfunktion hin.

Ursachen

Hepatitis-B-Viren gelangen über Blut – zum Beispiel Stichverletzungen bei medizinischem Personal, mehrfach benutzte Spritzen bei Drogenabhängigen – und Körpersekrete (z. B. beim Geschlechtsverkehr auf den Partner oder über die Muttermilch sowie unter der Geburt auf das Neugeborene) in den Organismus. Wer einmal an Hepatitis B erkrankt ist, scheidet das Virus oft noch monatelang unbemerkt aus. Der Verlauf ähnelt zunächst dem von Hepatitis A, kann aber in ein chronisches Stadium übergehen. Je jünger der Infizierte, desto größer ist das Risiko für einen chronischen Krankheitsverlauf (bei Säuglingen ist es am größten).

Es sind noch vier weitere Hepatitis-Virustypen bekannt:

  • Hepatitis-A-Viren werden oft auf Reisen durch Speichelkontakt, infiziertes Essen (z. B. roh verzehrte Muscheln), Wasser und unsauberes Geschirr oder Besteck übertragen. Ein chronischer Verlauf tritt bei Hepatitis A nicht auf. Hepatitis A wird nicht medikamentös behandelt.
  • Hepatitis C kann über Blut und Blutprodukte oder bei Drogenabhängigen durch gemeinsam benutzte Injektionsnadeln übertragen werden. Bei rund 40 von 100 Erkrankungen bleibt der Infektionsweg jedoch unklar. Hepatitis C ist die gefährlichste Form von Leberentzündung, weil sie oft einen chronischen Verlauf nimmt und in Leberkrebs übergehen oder die Leber vollkommen zerstören kann.
  • Hepatitis D kann nur bekommen, wer mit Hepatitis-B-Viren infiziert ist. Deshalb sollte bei jeder Hepatitis-B-Erkrankung auch nach dem Hepatitis-D-Virus gesucht werden.
  • Hepatitis-E-Infektionen ähneln einer Hepatitis A. Dieser Virustyp kommt in Südostasien, Indien, Mittelamerika und Afrika vor, in letzter Zeit aber auch in Europa und Deutschland. Der Verlauf ist meist harmlos, lediglich bei Schwangeren können schwerere Krankheitszeichen auftreten.

Auch Medikamente können eine Leberentzündung hervorrufen, wenn der Abbau der Wirkstoffe die Leber zu sehr belastet. Anhaltender übermäßiger Alkoholkonsum schädigt die Leber, sodass sich eine Fettleber oder eine Alkoholhepatitis entwickeln kann. Ein ähnliches Krankheitsbild kann auch bei krankhaftem Übergewicht mit gleichzeitigen Stoffwechselstörungen entstehen (nichtalkoholische Fettleberhepatitis).

Vorbeugung

Um eine Übertragung von Hepatitis-Viren zu vermeiden, werden Blutkonserven und -produkte hierzulande immer auf Hepatitis-Viren getestet. Allerdings bietet das keinen vollkommenen Schutz vor einer Ansteckung.

Wer besonders gefährdet ist, sich mit Hepatitis-Viren anzustecken – zum Beispiel medizinisches Personal, Reisende in Länder mit unzureichendem Hygienestandard –, kann sich gegen Hepatitis A und B impfen lassen. Für Säuglinge, Kinder und Jugendliche wird seit einigen Jahren eine Impfung gegen Hepatitis B allgemein empfohlen. Auch Sexualpartner oder enge Kontaktpersonen von Hepatitis-B-Infizierten sollten sich mit einer Impfung und/oder durch Benutzung von Kondomen vor eine Ansteckung schützen. Eine Hepatitis-B-Impfung schützt auch vor Hepatitis D. Für die anderen Virustypen gibt es noch keine Impfseren.

Bei einer mit dem Hepatitis-B-Virus infizierten Schwangeren kann das Virus bei der Geburt auf das Kind übertragen werden. Um das Risiko für eine Hepatitis-B-Erkrankung beim Neugeborenen zu verringern, wird innerhalb von zwölf Stunden nach der Geburt eine passive und aktive Immunisierung des Säuglings mit den entsprechenden Impfseren empfohlen. Ist das nicht möglich, kann auch ein Kaiserschnitt erwogen werden.

Allgemeine Maßnahmen

Ruhe, allerdings nicht unbedingt Bettruhe, sowie konsequenter Verzicht auf Alkohol in jeglicher Form, um die Leber zu schonen, sind die wichtigsten Maßnahmen bei allen Formen von Hepatitis. Eine spezielle Diät ist nicht erforderlich.

Bei einer Hepatitis nach jahrelangem Alkoholmissbrauch muss Alkohol in jeglicher Form konsequent gemieden werden. Oft erholt sich die Leber dann wieder.

Verläuft die Hepatitis innerhalb kurzer Zeit so fulminant, dass das gesamte Organ zerstört wird, bleibt als letzte Behandlungsmöglichkeit eine Lebertransplantation.

Wann zum Arzt?

Eine Leberentzündung muss immer vom Arzt behandelt werden. Darüber hinaus gilt, dass jede Leberentzündung nur von Spezialisten behandelt werden soll, die ausreichend Erfahrung mit der Therapie dieser Erkrankung haben.

Behandlung mit Medikamenten

Rezeptpflichtige Mittel

Zur Behandlung von Hepatitis B stehen verschiedene wirksame, aber teilweise auch nebenwirkungsreiche Medikamente zur Verfügung. Es ist daher eine besonders gute Zusammenarbeit von Arzt und Patient notwendig, um die im Folgenden genannten Behandlungserfolge tatsächlich zu erreichen.

Da eine akute Hepatitis B bei Erwachsenen in den meisten Fällen (95 bis 99 von 100 mit einer akuten Infektion mit Hepatitis-B-Virus) spontan abheilt, wird dieses Stadium nur in Ausnahmefällen medikamentös behandelt. Bleibt die Infektion über mehr als sechs Monate bestehen, können Interferone eingesetzt werden, vor allem pegylierte Interferone (Peginterferone), weil sie länger im Körper verbleiben als die nicht pegylierten Standardinterferone und dadurch seltener verabreicht werden müssen. Die Behandlungsdauer beträgt dann 24 bis 48 Wochen, ist jedoch mit teilweise schweren unerwünschten Wirkungen verbunden und eine dauerhafte Heilung ist oft nicht garantiert. Voraussetzung ist, dass es sich um Hepatitis-Viren vom Genotyp A handelt, dass eine geringe Viruslast besteht und aufgrund deutlich erhöhter Leberwerte eine hohe Krankheitsaktivität angenommen werden kann. Sind diese Bedingungen erfüllt, sind Peginterferone geeignet, Standardinterferone werden als "auch geeignet" erachtet.

Antivirale Mittel wie Entecavir und Tenofovir sind in allen Krankheitsstadien und für alle Genotypen geeignet, müssen aber im Unterschied zu Interferonen meist mindestens vier bis fünf Jahre lang (manchmal auch lebenslang) eingenommen werden. Selbst bei Dauerbehandlung werden die Viren gegen diese Mittel nur sehr selten resistent. Demgegenüber kommt dies bei dem Wirkstoff Lamivudin sehr viel häufiger vor, er ist deshalb nur mit Einschränkung geeignet. Lamivudin kommt nur infrage, wenn die beiden anderen Wirkstoffe nicht eingesetzt werden können oder wenn die Viruslast gering ist und noch keine Anzeichen für eine schwere Leberfibrose vorliegen.