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Leberentzündung: Hepatitis B

Allgemeines

Es gibt verschiedene Arten von ansteckenden Leberentzündungen (Hepatitis), die durch Hepatitisviren ausgelöst werden. Hepatitis B ist weltweit eine der häufigsten Infektionskrankheiten. Hierzulande sind jedoch weniger als ein Prozent der Bevölkerung betroffen.

Meist verläuft die Entzündung akut und heilt dann auch wieder ganz aus, bei etwa 10 von 100 infizierten Erwachsenen wird sie jedoch chronisch.

Neben der Hepatitis B gibt es weitere Formen der Leberentzündung. Die häufigste und gleichzeitig harmloseste Variante ist die Hepatitis A. Sie dauert zwei bis acht Wochen und heilt meist folgenlos ab. Hepatitis B und Hepatitis C sind gefährlicher, weil sie chronisch werden und die Leber unter Umständen vollständig zerstören können.

Anzeichen und Beschwerden

Anfangs spüren Sie von einer Leberentzündung meist gar nichts. Erst mehrere Wochen nach der Ansteckung – es können auch bis zu sechs Monate vergehen – zeigen sich die ersten Symptome: Sie ermüden schneller als gewohnt und fühlen sich insgesamt abgeschlagen sowie leistungsschwach.

Auch bei einer chronischen Hepatitis treten häufig keine oder nur geringfügige Beschwerden auf. Oft wird die Krankheit erst aufgrund einer Blutuntersuchung anhand der erhöhten Leberwerte deutlich. Während der ganzen Zeit können die Viren jedoch über das Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen werden.

Ein deutliches Anzeichen (das aber nicht zwangsläufig auftritt) für eine akute Hepatitis ist eine Gelbsucht (Ikterus), die oft mit einem starken Krankheitsgefühl einhergeht: Die Haut und vor allem das Weiße in den Augen werden gelb – es färbt sich die Augenbindehaut –, weil die Leber den Gallefarbstoff Bilirubin nicht mehr richtig abbaut oder ausscheidet. Dann entfärbt sich meist der Stuhl und der Urin wird dunkel, manchmal sogar tiefbraun – ein Anzeichen dafür, dass Bilirubin über die Nieren ausgeschieden wird. Gelegentlich treten gleichzeitig Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Verstopfung oder Blähungen auf. Fettes Essen, Fleisch und Alkohol erregen Übelkeit; Rauchern schmeckt die Zigarette nicht mehr, Nichtraucher können Zigarettenrauch kaum ertragen. Leichtes Fieber kann, muss aber nicht auftreten. Manchmal juckt die Haut oder es zeigt sich ein leichter Ausschlag.

Erhöhte Leberwerte im Blut deuten auf eine beginnende Leberentzündung oder auf eine nachlassende Leberfunktion hin.

Ursachen

Hepatitis-B-Viren gelangen über Blut – z. B. Stichverletzungen bei medizinischem Personal, mehrfach benutzte Spritzen bei Drogenabhängigen – und Körpersekrete (z. B. beim Geschlechtsverkehr auf den Partner oder über die Muttermilch sowie unter der Geburt auf das Neugeborene) in den Organismus. Wer einmal an Hepatitis B erkrankt ist, scheidet das Virus oft noch monatelang unbemerkt aus. Der Verlauf ähnelt zunächst dem von Hepatitis A, kann aber in ein chronisches Stadium übergehen. Je jünger der Infizierte, desto größer ist das Risiko für einen chronischen Krankheitsverlauf; bei Säuglingen ist es am größten.

Es sind noch vier weitere Hepatitis-Virustypen bekannt:

  • Hepatitis-A-Viren werden oft auf Reisen durch Speichelkontakt, infiziertes Essen (z. B. roh verzehrte Muscheln), Wasser und unsauberes Geschirr oder Besteck übertragen. Ein chronischer Verlauf tritt bei Hepatitis A nicht auf. Hepatitis A wird nicht medikamentös behandelt.
  • Hepatitis C kann über Blut und Blutprodukte oder bei Drogenabhängigen durch gemeinsam benutzte Injektionsnadeln übertragen werden. Bei rund 40 von 100 Erkrankungen bleibt der Infektionsweg jedoch unklar. Hepatitis C ist die gefährlichste Form von Leberentzündung, weil sie oft einen chronischen Verlauf nimmt und dann in Leberkrebs übergehen oder die Leber vollkommen zerstören kann.
  • Hepatitis D kann nur bekommen, wer mit Hepatitis-B-Viren infiziert ist. Deshalb sollte bei jeder Hepatitis-B-Erkrankung auch nach dem Hepatitis-D-Virus gesucht werden.
  • Hepatitis-E-Infektionen ähneln einer Hepatitis-A-Infektion. Dieser Virustyp kommt in Südostasien, Indien, Mittelamerika und Afrika vor, in letzter Zeit aber auch zunehmend in Europa und Deutschland. Der Verlauf ist meist harmlos, bei Schwangeren und Immungeschwächten können allerdings schwerere Krankheitszeichen und -verläufe auftreten.

Auch Medikamente können eine Leberentzündung hervorrufen, wenn der Abbau der Wirkstoffe die Leber zu sehr belastet. Anhaltender übermäßiger Alkoholkonsum schädigt die Leber, sodass sich eine Fettleber oder eine Alkoholhepatitis entwickeln kann. Ein ähnliches Krankheitsbild kann auch bei krankhaftem Übergewicht mit gleichzeitigen Stoffwechselstörungen entstehen (nichtalkoholische Fettleberhepatitis).

Vorbeugung

Um eine Übertragung von Hepatitisviren zu vermeiden, werden Blutkonserven und -produkte hierzulande immer auf Hepatitisviren getestet. Allerdings bietet das keinen vollkommenen Schutz vor einer Ansteckung.

Wer besonders gefährdet ist, sich mit Hepatitisviren anzustecken – z. B. medizinisches Personal, Reisende in Länder mit unzureichendem Hygienestandard – und wer an einer weiteren Lebererkrankung leidet, sollte sich gegen Hepatitis A und B impfen lassen. Für Säuglinge, Kinder und Jugendliche wird seit einigen Jahren eine Impfung gegen Hepatitis B allgemein empfohlen. Auch Sexualpartner oder enge Kontaktpersonen von Hepatitis-B-Infizierten sollten sich mit einer Impfung und/oder durch Benutzung von Kondomen vor einer Ansteckung schützen. Eine Hepatitis-B-Impfung schützt auch vor Hepatitis D. Für die anderen Virustypen gibt es noch keine Impfstoffe.

Tätowierungen und Piercings sollten Sie sich nur von professionellen Anbietern stechen lassen, denn auch durch unsauberes Tätowierbesteck können Hepatitisviren übertragen werden.

Bei einer mit dem Hepatitis-B-Virus infizierten Schwangeren kann das Virus bei der Geburt auf das Kind übertragen werden. Um das Risiko für eine Hepatitis-B-Erkrankung beim Neugeborenen zu verringern, wird empfohlen die werdende Mutter in der letzten Phase der Schwangerschaft unter bestimmten Voraussetzungen medikamentös zu behandeln. Falls dies nicht möglich ist, sollte innerhalb von zwölf Stunden nach der Geburt eine passive und aktive Immunisierung des Säuglings erfolgen.

Allgemeine Maßnahmen

Körperliche Schonung, allerdings nicht unbedingt Bettruhe, sowie konsequenter Verzicht auf Alkohol in jeglicher Form, um die Leber zu schonen, sind die wichtigsten Maßnahmen bei allen Formen von Hepatitis. Eine spezielle Diät ist nicht erforderlich.

Verläuft die Hepatitis innerhalb kurzer Zeit so fulminant, dass das gesamte Organ zerstört wird, bleibt als letzte Behandlungsmöglichkeit eine Lebertransplantation.

Wann zum Arzt?

Eine Leberentzündung muss immer vom Arzt behandelt werden. Darüber hinaus gilt, dass jede Leberentzündung nur von Spezialisten behandelt werden soll, die ausreichend Erfahrung mit der Therapie dieser Erkrankung haben.

Behandlung mit Medikamenten

Rezeptpflichtige Mittel

Zur Behandlung von chronischer Hepatitis B stehen verschiedene wirksame, aber teilweise auch nebenwirkungsreiche Medikamente zur Verfügung. Es ist daher eine besonders gute Zusammenarbeit von Arzt und Patient notwendig, um die im Folgenden genannten Behandlungserfolge tatsächlich zu erreichen.

Eine akute Hepatitis B heilt bei Erwachsenen in den meisten Fällen spontan ab (bei mehr als 90 von 100 akut Infizierten). Daher wird dieses Stadium nur in Ausnahmefällen medikamentös behandelt. Bleibt die Infektion über mehr als sechs Monate bestehen, können Interferone eingesetzt werden, vor allem pegylierte Interferone (Peginterferone), weil sie länger im Körper verbleiben als die nicht pegylierten Standardinterferone und dadurch seltener verabreicht werden müssen. Die Behandlungsdauer beträgt 24 bis 48 Wochen. Die Therapie ist mit teilweise belastenden unerwünschten Wirkungen verbunden und eine dauerhafte Heilung ist oft nicht garantiert. Interferone werden eingesetzt, wenn es sich um Hepatitis-B-Viren vom Genotyp A handelt, eine geringe Viruslast besteht und aufgrund deutlich erhöhter Leberwerte eine hohe Krankheitsaktivität angenommen werden kann. Sind diese Bedingungen erfüllt, gelten Peginterferone als "geeignet", Standardinterferone werden als "auch geeignet" erachtet.

Antivirale Mittel wie Entecavir und Tenofovir sind in allen Krankheitsstadien und für alle Genotypen geeignet, müssen aber im Unterschied zu Interferonen meist auf Dauer eingenommen werden, da das Virus in den Leberzellen bleibt, sich aber nicht mehr vermehrt. Selbst bei Dauerbehandlung werden die Viren gegen diese Mittel nur sehr selten resistent. Demgegenüber entwickelt sich bei dem Wirkstoff Lamivudin sehr viel häufiger eine Resistenz. Er ist deshalb nur mit Einschränkung geeignet. Lamivudin kommt nur infrage, wenn die beiden anderen Wirkstoffe nicht eingesetzt werden können oder wenn die Viruslast gering ist und noch keine Anzeichen für eine schwere Leberfibrose vorliegen.