Medikamente im Test

Krätze

Allgemeines

Krätze (Skabies) wird durch Milben hervorgerufen. Die Milbenweibchen bohren sich kleine Gänge in die Haut, bewegen sich dort langsam vorwärts (0,5–5 mm pro Tag) und legen ihre Eier ab. Die Larven kommen wieder an die Hautoberfläche und entwickeln sich innerhalb von ein bis zwei Wochen zu geschlechtsreifen Parasiten.

Krätze kommt in Deutschland vergleichsweise selten vor. Doch auch hierzulande kommt es immer wieder zu lokal gehäuften Krätzefällen. Die Gefahr einer Übertragung von Krätzmilben steigt in einem Umfeld mit unzureichender hygienischer Versorgung oder unter beengten Verhältnissen.

Anzeichen und Beschwerden

Krätzmilben befallen besonders gerne warme Hautstellen mit dünner Hornhautschicht. Bei Erwachsenen sind häufig die Finger- und Zehenzwischenräume, Achselhöhlen, Handgelenke, Brustwarzen, der Nabel und der Genitalbereich betroffen, bei Kindern eher die Fußsohlen und -knöchel, Handteller, Fingerrücken und Gesäß sowie Gesicht und Kopfhaut.

Bei älteren Menschen sind Gesicht, Ohren und Kopfhaut oft mit betroffen. Bis der erste Juckreiz auftritt, vergehen meist einige Wochen.

Die Bohrgänge der Krätzmilben hinterlassen fadenförmige knotige Linien in der Haut, die als dunkle, unregelmäßige Linien wahrgenommen werden können und sehr stark jucken, insbesondere in der Bettwärme.

Ursachen

Krätzmilben werden vor allem durch einen längeren (über fünf Minuten) engen Hautkontakt übertragen, z. B. zwischen Eltern und Kind, zwischen Partnern oder zwischen Pflegenden und Gepflegten. Händeschütteln oder das gemeinsame Nutzen von Handtüchern reicht für eine Übertragung der Krätzmilben in aller Regel nicht aus.

Allgemeine Maßnahmen

Wie Sie sich vor einer Ansteckung schützen können, wenn Sie in engem Kontakt mit infizierten Personen stehen (z. B. bei Sexualkontakt, innerhalb der Familie oder in einem Pflegeberuf) und ob eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten gegen Krätze sinnvoll sein könnte, ist wissenschaftlich nicht gut untersucht.

In jedem Fall sollten alle engen Kontaktpersonen für sechs Wochen einen intensiven Hautkontakt mit infizierten Personen meiden, auf mögliche Anzeichen hingewiesen werden sowie bei deren Auftreten direkt von einem Arzt untersucht werden. Bei der Pflege von Infizierten sollten Sie Einmalhandschuhe und langärmlige Kleidung tragen, um eine Übertragung der Milben zu vermeiden. Generell ist ein enger körperlicher Kontakt mit den Infizierten zu vermeiden.

Handtücher, Laken, Bettbezüge, Wäsche und Kleidungsstücke, mit denen Sie in Berührung gekommen sind, müssen Sie während der Behandlung zwei Wochen lang täglich bei 60 °C waschen. Verträgt das Material die hohen Temperaturen nicht oder darf es nicht gewaschen werden (z. B. Kuscheltiere), können Sie Kleidung und Gegenstände auch in einen Plastiksack legen, diesen fest verschließen und mindestens drei Tage lang bei mindestens 21 Grad Celsius bei möglichst gleichbleibender Temperatur lagern. Es ist wichtig, auf die Temperatur zu achten, denn je kühler es ist und je höher die Luftfeuchtigkeit, umso länger überleben die Milben. Erst ab Temperaturen unter minus 25 Grad Celsius sterben Krätzmilben auch durch Kälte innerhalb von etwa zwei Stunden ab. Diese Temperaturen erreicht ein handelsüblicher Gefrierschrank allerdings nicht.

Ohne Hautkontakt überleben die Krätzmilben nur zwei bis drei Tage.

Betroffene sollten während der Behandlung zudem ihre Fingernägel kurz und sauber halten und die Medikamente zur äußerlichen Anwendung auch dort auftragen.

Wenn die Infektion am Arbeitsplatz erfolgte, sollten Sie den zuständigen gesetzlichen Unfallversicherungsträger informieren.

Wann zum Arzt?

Sobald Sie die oben beschriebenen Anzeichen entdecken, sollten Sie einen Hautarzt aufsuchen. Krätze sollten Sie nicht selbst behandeln, weil die Insektenvernichtungsmittel, mit denen sie behandelt werden muss, giftig sind und das Mittel, mit dem Krätze am sichersten zu behandeln ist, ohnehin vom Arzt verschrieben werden muss. Informieren Sie auch enge Kontaktpersonen über die Erkrankung.

Behandlung mit Medikamenten

Rezeptfreie Mittel

Einige Medikamente gegen Krätze werden rezeptfrei angeboten, sollten aber dennoch nicht ohne ärztliche Begleitung eingesetzt werden. Präparate mit Crotamiton sind nur mit Einschränkung geeignet, weil dieser Wirkstoff wenig zuverlässig wirkt und die Haut stark reizt.

Benzylbenzoat wirkt zwar recht sicher, brennt jedoch beim Auftragen auf die Haut. Da das Mittel wissenschaftlich nicht gut untersucht ist, ist es ebenfalls mit Einschränkung geeignet.

Rezeptpflichtige Mittel

Eine Creme mit Permethrin in fünfprozentiger Konzentration ist zur Behandlung von Krätze geeignet. Sie ersetzt den wegen seiner umweltbelastenden Eigenschaften Anfang 2008 aus dem Handel genommenen Wirkstoff Lindan. Allerdings müssen auch bei Permethrin die Anwendungsempfehlungen sorgfältig beachtet werden, um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden.

Wenn Sie das Mittel im Intimbereich anwenden, sollten Sie beachten, dass es die Reißfestigkeit von Latexkondomen beeinträchtigen kann. Näheres hierzu lesen Sie unter Anwendung von Kondomen und Diaphragmen.

Seit 2016 gibt es in Deutschland auch Tabletten zur Behandlung der Krätze. Sie enthalten den Wirkstoff Ivermectin (innerlich) (Scabioral), der in der Regel nach einmaliger Anwendung die Milben zuverlässig abtötet. Studien deuten darauf hin, dass es bei der Behandlung durch Tabletten im Vergleich zur äußerlichen Anwendung mit Permethrin-Creme etwas länger dauert, bis die Wirkung eintritt. Zur Behandlung der Krätze ist Ivermectin mit Einschränkung geeignet. Es soll erst zum Einsatz kommen, wenn das äußerlich anzuwendende Permethrin nicht eingesetzt werden kann oder nicht ausreichend wirksam war. Bei unkritischem, breitem Einsatz des Mittels besteht die Gefahr, dass die Krätzmilben unempfindlich dagegen werden.

Bei Kindern

Permethrin können Kinder ab dem dritten Lebensmonat bekommen. Kinder ab einem Jahr können auch mit dem rezeptfrei erhältlichen Wirkstoff Benzylbenzoat (Antiscabiosum) äußerlich behandelt werden. Dieses Mittel gibt es in einer speziellen Zubereitung für Kleinkinder.

Wenn die äußerliche Anwendung nicht in Frage kommt oder nicht ausreichend wirksam war, kann Ivermectin zur innerlichen Anwendung bei Kindern ab 15 kg – also in der Regel ab einem Alter von drei bis vier Jahren – eingesetzt werden. Um die Tabletten leichter einzunehmen, können sie vor der Einnahme zerkleinert werden.