Medikamente im Test

Juckreiz, Ekzem, Neurodermitis

Allgemeines

Juckreiz ist keine Krankheit, sondern immer das Symptom einer Erkrankung, z. B. bei Windpocken oder Insektenstichen, aber auch Ekzeme und Neurodermitis gehen mit Juckreiz einher.

Besonders schwierig ist der sogenannte Juck-Kratz-Teufelskreis zu durchbrechen. Dabei wird durch starkes Kratzen die Haut geschädigt. Dies führt dazu, dass die Entzündung der Haut verstärkt wird, was wiederum den Juckreiz fördert.

Ekzem

Entzündliche Hautausschläge (Ekzeme) gehören zu den häufigsten Hauterkrankungen. Sie machen etwa ein Drittel der auftretenden Hauterkrankungen aus. Ekzeme haben unterschiedliche Auslöser, werden aber überwiegend durch äußere Faktoren hervorgerufen. So kann beispielsweise eine Substanz bei Kontakt mit der Haut eine Entzündung hervorrufen (Kontaktekzem). Auf innere, aus dem Körper stammende Auslöser geht dagegen eine Neurodermitis (atopisches Ekzem) zurück.

Unabhängig von der Ursache, ist ein Ekzem ein entzündlicher Hautausschlag, der fast immer mit quälendem Juckreiz verbunden ist. Es kann in jedem Lebensalter auftreten und ohne vorherige Warnzeichen von einem Tag auf den anderen entstehen. So kann es z. B. sein, dass eine bestimmte Substanz jahrelang keine Probleme bereitet und dann plötzlich nicht mehr vertragen wird. Die Haut reagiert mit einer Entzündung und es entsteht eine Kontaktdermatitis. Wie lange es dauert, bis eine solche Sensibilisierung in Gang gesetzt wird, hängt davon ab, wie stark oder schwach das Allergen oder die Substanz (Noxe) ist.

Reagiert die Haut empfindlich auf eine bestimmte reizende Substanz, spricht man von einem toxischen Kontaktekzem; ist der auslösende Stoff ein Allergen, wird die Hautreaktion als allergisches Kontaktekzem bezeichnet. Beide fallen auch unter den medizinischen Oberbegriff Kontaktdermatitis (Dermatitis = Hautentzündung). Näheres zum allergischen Kontaktekzem erfahren Sie unter Allergische Hauterkrankungen.

Neurodermitis

Eine Neurodermitis beginnt meist im Säuglings- oder Kleinkindalter und verläuft schubweise. Oft bessert sich der Ausschlag vorübergehend, um dann plötzlich wieder heftig "aufzublühen". Bei mehr als der Hälfte der Babys verschwindet die Erkrankung innerhalb weniger Jahre wieder, bei weiteren 20 Prozent vor der Pubertät. Dass sie sich erst bei Jugendlichen oder Erwachsenen ausbildet oder bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibt, kommt zunehmend häufiger vor.

Neurodermitis hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Etwa 10 bis 15 Prozent der Kinder und 2,5 bis 3,5 Prozent der Erwachsenen sind davon betroffen.

Bei Kindern

In den ersten drei Lebensmonaten kann bei Säuglingen ein seborrhoisches Ekzem (Gneis) auftreten, das kaum juckt und überwiegend auf den Kopf des Kindes begrenzt bleibt.

Anzeichen und Beschwerden

Starker Juckreiz kann die ganze Hautoberfläche erfassen oder nur an einzelnen Stellen auftreten. Als Nebenwirkung von Medikamenten oder als Begleiterscheinung von Krankheiten entsteht Juckreiz meist am ganzen Körper.

Ekzem

Bei einem Ekzem entzündet sich die Haut – typisches Anzeichen dafür ist, dass sie sich rötet. Eine solche Entzündung ist von einer ganzen Kaskade von Reaktionen gekennzeichnet:

  • Die kleinen Blutgefäße (Kapillaren) weiten sich, dadurch rötet sich die Haut.
  • Es bilden sich viele weiße Blutkörperchen und es werden entzündungsfördernde Stoffe (Zytokine) produziert.
  • Das Gewebe lagert Wasser ein und schwillt an.
  • In den oberen Hautschichten wird eine Zellteilung angekurbelt, wodurch sich die Haut verdickt und schuppt.
  • Häufig bilden sich kleine Bläschen, die leicht aufplatzen und offene, nässende Stellen hinterlassen. Sie überziehen sich innerhalb weniger Tage mit einer brüchigen, dünnen Kruste.
  • Die betroffene Hautstelle juckt stark.

Handelt es sich um ein Kontaktekzem und können Sie den Auslöser (Noxe) hierfür meiden, heilt dieser Hautausschlag innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Die Haut schuppt dabei meist etwas. Lässt sich der Kontakt mit der auslösenden Substanz nicht vermeiden oder wird die Ursache für das Kontaktekzem nicht gefunden, kann sich der Ausschlag verschlimmern und chronisch werden. Die Haut verdickt sich dann, juckt anhaltend und schuppt. Häufig reißt sie etwas ein, sodass immer wieder kleine Wunden entstehen.

Neurodermitis

Bei Neurodermitis gibt es keinen einheitlichen Verlauf, sie tritt individuell in unterschiedlicher Ausprägung auf. Bei Kindern zeigt sie sich in der Regel durch juckende, nässende, entzündete Hautbezirke; bei Erwachsenen nässen diese Stellen meist nicht. Die Erkrankung beginnt häufig in Hautfalten, z. B. hinter dem Ohr, am Hals, an den Fußgelenken, in der Kniekehle, unter dem Arm, in den Ellenbeugen. Bei Säuglingen sind häufig die Wangen sowie die Außenseiten der Arme und Beine betroffen. Der Juckreiz ist oft unerträglich stark, vor allem nachts, sodass die betroffenen Stellen blutig aufgekratzt werden.

Ursachen

Juckreiz kann nicht nur auf ein Ekzem, sondern auf viele verschiedene Ursachen zurückgehen, beispielsweise:

  • Sie sind von einem Insekt gestochen worden (Mücke, Zecke, Floh).
  • Die Haut ist zu trocken.
  • Sie haben Parasiten, z. B. Kopfläuse oder Krätzmilben.
  • Die Haut ist mit Pilzen oder Bakterien infiziert.
  • Sie haben Neurodermitis.
  • Sie haben Windpocken.
  • Die Leber- oder Nierenfunktion ist gestört.
  • Sie haben Diabetes.
  • Sie leiden an chronisch-myeloischer Leukämie.
  • Sie vertragen ein äußerlich oder innerlich angewendetes Arzneimittel oder eine andere Substanz nicht. Das kann sogar ausgerechnet bei denjenigen Mitteln vorkommen, die Juckreiz abmildern sollen, z. B. bei äußerlich anzuwendenden Antihistaminika oder örtlich betäubenden Mitteln.

Ekzem

Ein Ekzem bildet sich infolge einer Entzündung in den oberflächlichen Hautschichten. Auslöser für eine solche entzündliche Reaktion können hautreizende Stoffe oder allergieauslösende Substanzen sein (z. B. Schwermetalle wie Nickel in Modeschmuck, Piercings und Knöpfen, Chemikalien wie Weichmacher in Kunststoffen, Farb- und Konservierungsstoffe, chemische UV-Filter in Sonnenschutzmitteln, aber auch Kosmetika, Parfum und Medikamente).

Auch Chemikalien oder hautreizende Substanzen, mit denen Sie am Arbeitsplatz umgehen müssen, können ein Ekzem auslösen. Bei Verdacht auf ein beruflich bedingtes Ekzem sollten Sie einen Hautarzt aufsuchen. In diesem Fall ist eine Überweisung vom Hausarzt nicht erforderlich.

Verschleppte beruflich bedingte Ekzeme, die nicht behandelt werden, können schlimmstenfalls eine Arbeitsunfähigkeit oder den Verlust des Arbeitsplatzes nach sich ziehen.

Neurodermitis

Die Ursachen für eine Neurodermitis sind nicht eindeutig geklärt. Wodurch sie gefördert wird, sollten Sie gemeinsam mit dem Arzt herausfinden.

Eine erbliche Veranlagung spielt eine wichtige Rolle, ist aber nicht allein ausschlaggebend. Seelische Einflüsse, anhaltender Stress, Leistungsdruck und äußere Umstände wie Veränderungen im Alltag, bestimmte Nahrungsmittel und Wetterwechsel sind nicht ursächlich verantwortlich für eine Neurodermitis, können sie aber verstärken.

Nahrungsmittel können das Entstehen und den Verlauf einer Neurodermitis beeinflussen. Die Erfahrung zeigt, dass ein Drittel der Kinder mit Neurodermitis auf manche Nahrungsmittel allergisch reagieren, vor allem auf Milch, Hühnereiweiß, verschiedene Mehlsorten, Zitrusfrüchte, Fisch und Nüsse. Nach dem Verzehr dieser Lebensmittel kann sich die Neurodermitis deutlich verschlechtern. Allerdings sollte man deswegen nicht generell alle genannten Nahrungsmittelgruppen meiden. Wodurch sich der Hautzustand verschlechtert, ist bei jedem Einzelnen unterschiedlich. Sind die relevanten Lebensmittel dann bekannt, sollte nur auf sie verzichtet werden.

Es lässt sich beobachten, dass eine Neurodermitis häufiger bei Kindern auftritt, deren Abwehrsystem eher unterfordert ist (Hygienehypothese). Kinder, die mit vielen Geschwistern oder auf einem Bauernhof aufwachsen, bei denen Tiere im Haushalt leben oder die bereits früh in einer Kindertagesstätte betreut werden, scheinen seltener an Neurodermitis zu erkranken. Dies bestätigen Untersuchungen, in denen Kinder bis zum 18. Lebensmonat beobachtet wurden. Die Annahme, dass häufige Infektionen (z. B. der Atemwege) das Risiko für eine Neurodermitis reduzieren können, ließ sich in diesen Untersuchungen allerdings nicht bestätigen.

Ob Stillen das Risiko für Neurodermitis bei Säuglingen und Kindern senken kann, ist noch nicht eindeutig geklärt. Aus einer aktuellen Untersuchung zum Einfluss von Stillen auf die Entwicklung von allergischen Hauterkrankungen und allergischem Asthma beziehungsweise Schnupfen geht dies nicht eindeutig hervor. So war bei Kindern im Alter von sechs oder sieben Jahren das Risiko für eine Neurodermitis vergleichbar groß, unabhängig davon, ob sie im ersten Lebensjahr gestillt worden waren oder nicht. Allerdings verlief die Krankheit bei gestillten Kindern seltener schwer. Die aktuelle Leitlinie zur Vorbeugung von Allergien empfiehlt daher, Säuglinge mindestens vier Monate lang zu stillen. Falls dies nicht möglich sein sollte, bietet sich allergenverminderte (hypoallergene) Säuglingsnahrung an.

Ein anderes Studienergebnis ist jedoch vor allem im Hinblick auf die Vorbeugung interessant. Es zeigte, dass ein Kind, in dessen Familie häufig Neurodermitis vorkommt, seltener daran erkrankt, wenn die Mutter während der Schwangerschaft Präparate mit Lactobacillus GG (Milchsäurebakterien) einnimmt.

Allgemeine Maßnahmen

Feuchtkalte Umschläge können die gereizte Haut in der akuten Situation beruhigen und den Juckreiz lindern. Bis der Ausschlag abgeklungen ist, können Sie den Juckreiz "umleiten", indem Sie die Haut in der gesunden Umgebung des Ausschlags kneifen und drücken.

An nässenden Hautstellen können Sie Umschläge mit schwarzem Tee auflegen. Der Tee enthält Gerbstoffe, die die Hautoberfläche zusammenziehen und somit etwas austrocknen.

Bei sehr starkem Juckreiz kann es vor allem Kindern Erleichterung verschaffen, wenn sie auf einem mit Waschleder bezogenem Stück Holz ("Kratzklötzchen") statt auf der Haut kratzen. Das Verbot, sich zu kratzen, schürt den Juckreiz nur noch mehr.

Ekzem

Einem Kontaktekzem entziehen Sie die Grundlage, indem Sie den Auslöser meiden, vorausgesetzt, dieser lässt sich ermitteln.

Hochflorige Stoffe und Fasern (Wolle, Angora, Mohair) reizen empfindliche Haut. Ratsamer sind glatt gebügelte Baumwolle und Seide.

Vermeiden Sie alles, was die Haut austrocknet: ausgedehnte Sonnenbäder (im Freien oder im Solarium), Schaumbäder, Seife, Duschgel. Pflegen Sie die Haut mit Produkten, die weder Duftstoffe noch Konservierungsmittel enthalten. Beide Produktgruppen können Allergien auslösen.

Wichtig ist die Hautpflege. Pflegen Sie möglichst die ganze Haut mindestens zweimal täglich und immer nach dem Baden oder Duschen mit einer Salbe, Fettcreme oder -lotion (Wasser-in-Öl-Zubereitung). Die Wahl der geeigneten Pflegeprodukte ist zum einen eine Frage der persönlichen Vorlieben und sollte zum anderen auch das aktuelle Krankheitsstadium (nässendes oder trockenes Ekzem) berücksichtigen. So empfiehlt sich beispielsweise bei einer akuten Verschlechterung des Hautzustandes ein Pflegeprodukt, bei dem Wasser die äußere Phase bildet. Dann kann Wundwasser besser abdampfen und der Kühleffekt der Hautpflege lindert die Beschwerden zusätzlich.

Achten Sie darauf, wie Ihre Haut auf bestimmte Pflegeprodukte reagiert. Nach dem Duschen rubbeln Sie die Haut besser nicht trocken, sondern tupfen sie bloß ab. Schneiden Sie die Fingernägel kurz. Um Hautschäden durch Kratzen zu verhindern, können über Nacht Handschuhe oder feuchte Umschläge helfen.

Sollten jedoch die Beschwerden so stark sein, dass Sie immer wieder auf diese nichtmedikamentösen Maßnahmen zurückgreifen müssen, sollten Sie sich erneut an einen Arzt wenden. 

Neurodermitis

Zusätzlich zu den bei "Kontaktekzem" genannten Maßnahmen können folgende Empfehlungen nützlich sein:

  • Sie können ausprobieren, ob sich die Haut durch einen Klimawechsel bessert. Die Erfahrung zeigt, dass Neurodermitis in Küstenregionen von Nordsee, Mittelmeer, Totem Meer oder Atlantik meist kurzfristig abklingt. Wahrscheinlich haben die allergenarme Luft und die hohe UV-Einstrahlung einen positiven Effekt. Oft reagiert die Haut auch sehr gut auf das Klima im Hochgebirge.
  • Kälte wirkt sich oft günstig auf die Haut aus, weil der Körper bei Kältereizen das entzündungshemmende Hormon Cortisol ausschüttet.
  • Schwitzende Haut sollte möglichst wenig mit Stoff in Berührung kommen, weil dieser sie irritiert und den Juckreiz verstärkt. Bequeme, weite und lockere Kleidung und Wäsche sind deshalb ratsam.
  • Verstärkt sich der Ausschlag unter Stress, kann ein Stressbewältigungstraining helfen (vor allem bei Erwachsenen).
  • Es ist bekannt, dass Sonnenlicht den Hautzustand bei den meisten Menschen mit Neurodermitis verbessern kann. Verschiedene Lichttherapien (beispielsweise eine Behandlung mit UVA1 oder mit Schmalband-UVB) können bei erwachsenen Patienten unter ärztlicher Kontrolle in akuten Krankheitsphasen unterstützend eingesetzt werden. Auch die Anwendung von UV-A-Licht nach örtlicher Vorbehandlung mit einem die Lichtempfindlichkeit heraufsetzenden Stoff (Psoralen), die lokale PUVA-Therapie, wird seit Langem bei Schuppenflechte eingesetzt und hat sich auch bei Handekzemen bewährt.

Viele Kliniken und Praxen bieten für Eltern und Kinder eine "Neurodermitisschulung" an, in der alles Wesentliche über die Therapienotwendigkeiten und die Anpassung des Alltagslebens an die chronische Krankheit vermittelt wird. Die Kurse, deren Wirksamkeit geprüft wurde, folgen einem festgelegten Schema. Beteiligt sind Ärzte, Psychologen und Ernährungsberater. Eltern lernen in den Kursen auch zu erkennen, wie sie bei welchem Entzündungsgrad der Haut vorgehen müssen. Alle, von der Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung (AGNES) zertifizierten Angebote finden Sie unter www.neurodermitisschulung.de, Stichwort "Zentren". Die Kosten werden in der Regel von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet.

Wann zum Arzt?

Bevor Sie den Juckreiz mit einem Medikament behandeln, sollten Sie wissen, worauf er zurückzuführen ist. Haben Sie Zweifel an der Eindeutigkeit der Ursache oder lässt der Juckreiz nach zwei bis drei Tagen der Selbstbehandlung nicht nach, sollten Sie einen Arzt zurate ziehen.

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen:

  • Das Ekzem umfasst große Hautflächen oder die Haut löst sich in Blasen ab.
  • Das Ekzem betrifft die Haut am Auge.
  • Die Haut hat sich stark entzündet, es zeigen sich schmierig-gelbliche Beläge.
  • Sie haben den Verdacht, dass es sich um eine Neurodermitis handeln könnte.

Überlegen Sie bereits im Vorfeld eines Arztbesuches, ob Sie Substanzen benennen können, die zu den Hautreaktionen geführt haben können.

Bei bestimmten schwerwiegenden, blasenbildenden Hauterkrankungen, die den ganzen Körper erfassen (z. B. Epidermolysis bullosa hereditaria, Pemphigus), kann der Arzt rezeptfreie örtlich betäubende Mittel auch zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnen. Näheres hierzu finden Sie in der Ausnahmeliste.

Bei Kindern

Wenn bei einem Kind Juckreiz und/oder ein Ekzem auftreten, sollten Sie es immer einem Arzt vorstellen.

Behandlung mit Medikamenten

Wenn eine Substanz für das Ekzem verantwortlich ist (Kontaktekzem) und es Ihnen gelingt, diese Substanz gänzlich zu meiden, brauchen Sie das Ekzem in der Regel nicht medikamentös zu behandeln. Meist heilt es dann innerhalb einiger Tage von selbst ab.

Rezeptfreie Mittel

Bei chronischen Ekzemen und Neurodermitis ist es besonders wichtig, die meist sehr trockene Haut mindestens zweimal am Tag gut zu pflegen. Durch die Basispflege wird die Hautbarriere gestärkt, Schübe werden seltener und verlaufen insgesamt milder. Eine konsequente Basispflege kann auch dazu beitragen, cortisonhaltige Mittel einzusparen. Dafür eignet sich eine wirkstofffreie Creme oder Salbe am besten. Je trockener die Haut, desto fettreicher sollte das Hautpflegeprodukt sein. Auch Ölbäder sowie Cremes und Salben mit Harnstoff – für Erwachsene in einer Konzentration von fünf bis zehn Prozent, für Kinder ab sechs Jahren von zwei bis drei Prozent – kommen dafür infrage. Harnstoff bindet zusätzlich Wasser, kann aber bei Kindern unter sechs Jahren zu leichtem Brennen und Irritation der Haut führen. Näheres zu diesen Mitteln erfahren Sie unter Trockene Haut.

Eine abdeckende weiche Zinkpaste ist geeignet, um das Abheilen eines Ekzems zu unterstützen und den Juckreiz zu lindern.

Mittel mit synthetischem Gerbstoff wirken leicht entzündungshemmend und sind als unterstützende Maßnahme ebenfalls geeignet, um Juckreiz zu lindern.

Dem gleichen Zweck sollen auch Antihistaminika zum Einnehmen dienen, die normalerweise bei Allergien eingesetzt werden. Wenn die Mittel tagsüber gebraucht werden, sind bei den Antihistaminika die wenig müdemachenden Wirkstoffe angebracht (z. B. Cetirizin, Loratadin). Der müdemachende Effekt der anderen Wirkstoffe (z. B. Clemastin, Dimetinden) kann aber auch erwünscht sein, beispielsweise zur Nacht, um sich einen ruhigen Schlaf zu ermöglichen. Im Vergleich zu einer Scheinbehandlung wirken diese Mittel moderat juckreizstillend.

Ist der Ausschlag sehr heftig und juckt er sehr stark, sind äußerlich anzuwendende cortisonhaltige Mittel geeignet. Sie lassen Entzündungen und Ekzeme rasch abheilen, sollten aber auf großen Hautflächen und über einen längeren Zeitraum (mehr als zwei Wochen) nicht ohne ärztlichen Rat angewendet werden. Rezeptfrei steht das schwach wirkende Hydrocortison zur kurzzeitigen Anwendung zur Verfügung.

Das örtlich betäubende Mittel Polidocanol macht die Hautoberfläche unempfindlicher, sodass der Juckreiz nachlässt. Um den mit einem Ekzem verbundenen Juckreiz zu lindern, ist das Mittel geeignet. Der früher häufig eingesetzte örtlich betäubende Wirkstoff Bufexamac wurde mittlerweile wegen seines hohen Allergierisikos aus dem Handel genommen.

Äußerlich anzuwendende Gele mit Antihistaminika kühlen zwar beim Auftragen. Der Juckreiz kann durch den Kühleffekt des Gels aber nur kurze Zeit unterdrückt werden. Da diese Mittel selbst Allergien auslösen können und ihre therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist, sind sie bei Juckreiz und Ekzemen wenig geeignet.

Das Öl aus Samen der Nachtkerzen wird als Kapsel eingenommen und soll den Juckreiz bei Neurodermitis lindern. Die therapeutische Wirksamkeit ist jedoch nicht ausreichend nachgewiesen, Mittel mit Nachtkerzenöl gelten deshalb als "wenig geeignet".

Eine Salbe mit Auszügen aus Kamille ist bei Juckreiz und Ekzem wenig geeignet, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist. Außerdem kann es zu allergischen Reaktionen kommen.

Rezeptpflichtige Mittel

Ist der Ausschlag sehr heftig und juckt er sehr stark, sind äußerlich anzuwendende mittelstark und stark wirksame Glucocorticoide geeignet, um die Entzündung zu dämpfen. Je nachdem, wie ausgeprägt die Neurodermitis ist, welche Hautstellen betroffen sind und wie alt das zu behandelnde Kind oder der Erwachsene ist, werden die unterschiedlichen Substanzen ausgewählt. Die Mittel wirken noch besser, wenn zusätzlich oder im Wechsel wirkstofffreie Cremes und Salben eingesetzt werden. Daher ist es wichtig, die Haut auch während der Behandlung mit Glucocorticoiden weiter zweimal täglich mit feuchtigkeitsspendenden Mitteln zu pflegen. Wegen der möglichen unerwünschten Wirkungen bei einer Dauertherapie sollten auch die schwach wirkenden cortisonhaltigen Mittel in der Regel nicht länger als vier Wochen angewendet werden.

Eine Kombination aus Glucocorticoid + Harnstoff oder Glucocorticoid + Salicylsäure ist sinnvoll, weil Harnstoff und Salicylsäure das Eindringen des Cortisons (Glucocorticoids) in die Haut erleichtern. Diese äußerlich anzuwendenden Mittel sind deshalb geeignet. Die Mittel sollten aber möglichst nicht auf offene, etwa aufgekratzte Hautstellen aufgetragen werden, da die beiden Zusätze brennen können.

Wenn bei schweren Ekzemen die äußerliche Anwendung nicht ausreicht, kann es notwendig sein, Glucocorticoide als Tabletten einzunehmen.

Immunsuppressiva mit den Wirkstoffen Tacrolimus und Pimecrolimus sind zur äußeren Anwendung bei Neurodermitis mit Einschränkung geeignet. Tacrolimus ist zur Behandlung einer mittelschweren bis schweren Neurodermitis, Pimecrolimus bei leichten bis mittelschweren Erkrankungsformen zugelassen. Sie sollten nur eingesetzt werden, falls die Standardtherapie mit Glucocorticoiden die Hautausschläge nicht ausreichend eindämmen kann oder aus anderen Gründen nicht infrage kommt (z. B. im Gesicht oder in Hautfalten). Pimecrolimus (ein Prozent) und niedrig dosiertes Tacrolimus (0,03 Prozent) dürfen auch bei Kindern ab zwei Jahre angewendet werden.

Mittel mit einer Kombination aus Glucocorticoid + Imidazol oder Glucocorticoid + Antibiotikum sind zur Behandlung von Ekzemen und Neurodermitis mit Einschränkung geeignet. Sie sollten nur angewendet werden, wenn der Hautausschlag mit Pilzen bzw. mit Bakterien infiziert ist. Von dieser Einschätzung ausgenommen ist JELLIN-NEOMYCIN, weil das Mittel ein Antibiotikum enthält, das besonders häufig Allergien hervorruft, es ist deshalb wenig geeignet.

Präparate mit einer Kombination aus Glucocorticoid + Antiseptikum sind wenig geeignet, weil nicht nachgewiesen ist, dass diese Kombination besser wirkt als die cortisonhaltigen Mittel allein. Der Zusatz des Antiseptikums kann aber das Risiko für unerwünschte Wirkungen erhöhen.

Wenden Sie die Cremes und Salben im Intimbereich an, sollten Sie beachten, dass einige Präparate die Anwendung von Kondomen und Diaphragmen beeinträchtigen können.

Neue Medikamente

Für die Behandlung einer Neurodermitis ist seit Dezember 2017 der Antikörper Dupilumab (Dupixent) als Fertigspritze auf dem Markt. Er kann bei Erwachsenen mit einer mittelschweren bis schweren Neurodermitis eingesetzt werden, wenn eine äußerliche Therapie nicht ausreicht. Dupilumab blockiert die Weitergabe der Signale von zwei entzündungsfördernden Mediatoren (Interleukin-4 und Interleukin-13) und unterbricht damit die Signalkette, die das körpereigene Immunsystem bei Neurodermitis aufgrund einer Fehlfunktion in Gang setzt. Das Mittel muss alle zwei Wochen unter die Haut gespritzt werden. In den Zulassungsstudien besserte sich nach 16 Wochen bei 37 bis 39 von 100 mit Dupilumab Behandelten das Hautbild vollständig oder nahezu vollständig im Vergleich zu 9 bis 12 von 100 unter einer Scheinbehandlung. Auch der Juckreiz wird günstig beeinflusst. In einer Studie wurden die Patienten etwa ein Jahr lang behandelt. Für diese Zeit blieb der Vorteil von Dupilumab gegenüber einem Scheinmedikament erhalten. Daten zu einer längeren Anwendung liegen derzeit nicht vor. An der Einstichstelle kommt es häufig zu Lokalreaktionen. Das Mittel kann Bindehautentzündung und andere Entzündungen am Auge wie Lidrandentzündungen verursachen. Auch Lippenherpes kann auftreten. Insgesamt lässt sich die Langzeitverträglichkeit von Dupilumab derzeit nicht einschätzen.

In seinen frühen Nutzenbewertungen führt das IQWiG auch Dupilumab (Dupixent) zur Behandlung der Neurodermitis auf. Zu diesen Medikamenten wird die Stiftung Warentest zu einem späteren Zeitpunkt ausführlich Stellung nehmen.

Frühe Nutzenbewertung des IQWiG

Dupilumab (Dupixent) bei Neurodermitis

Dupilumab (Dupixent) ist seit September 2017 zur Behandlung bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis zugelassen, für die eine systemische Therapie infrage kommt. Neurodermitis (auch atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem genannt) ist eine chronische und nicht ansteckende Erkrankung der Haut. Typische Symptome sind Hautausschlag und starkes Jucken, die in Schüben auftreten. Bei akuten Beschwerden ist die Haut gerötet, juckt und bildet manchmal Bläschen, die leicht aufgehen und dann nässen. Längerfristig kann die Haut trocken und rissig werden und sich verdicken. Bei Erwachsenen sind vor allem die Kniekehlen, die Ellenbeugen und der Nacken betroffen. Auch an den Handflächen und Fußsohlen kann der juckende Hautausschlag auftreten, eher selten zeigt er sich im Gesicht. Meist wird eine Neurodermitis mit Salben behandelt. Bei schwereren Verläufen können auch UV-Licht oder eine sogenannte systemische Therapie mit Medikamenten zum Schlucken oder Spritzen zur Anwendung kommen. Die systemische Therapie mit Dupilumab soll die Entzündung der Haut verringern, indem es einen entzündungsfördernden Botenstoff hemmt.

Anwendung

Dupilumab gibt es als Fertigspritze in einer Dosierung von 300 mg. Bei der ersten Anwendung werden 600 mg des Wirkstoffs unter die Haut gespritzt. Danach wird die Therapie alle 2 Wochen mit einer Spritze (300 mg) fortgeführt. Patientinnen und Patienten können sich nach ärztlicher Einweisung auch selbst spritzen. Der Erfolg der Behandlung sollte regelmäßig überprüft werden. Zeigt sich nach 16 Wochen keine Besserung, wird in der Regel empfohlen, die Therapie zu beenden.

Andere Behandlungen

Personen mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis, für die eine systemische Therapie infrage kommt, erhalten als Standardtherapie eine optimierte individuelle Therapie. Diese hängt unter anderem davon ab, welche Behandlungen bereits versucht wurden. Sie wird durch die Ärztin oder den Arzt individuell angepasst. Unter anderem können dabei die Wirkstoffe Tacrolimus, Glucocorticoide, Ciclosporin oder eine UV-Therapie eingesetzt werden.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2018 geprüft, welche Vor- und Nachteile Dupilumab im Vergleich zu einer optimierten individuellen Therapie hat. Der Hersteller legte eine verwertbare Studie vor, in der die Daten von 425 Patientinnen und Patienten ausgewertet werden konnten. Davon erhielten 110 Personen etwa ein Jahr lang Dupilumab und 315 ein Placebo (Scheinmedikament). Zusätzlich wurden beide Gruppen mit Glucocorticoid-Salben behandelt. Bei Verschlechterung der Beschwerden wurde die Behandlung individuell weiter optimiert. An der Studie nahmen nur Personen teil, die seit mindestens drei Jahren eine mittelschwere bis schwere Neurodermitis hatten.

Welche Vorteile hat Dupilumab?

  • Juckreiz: Hier deutet die Studie auf einen Vorteil für Dupilumab hin: Innerhalb eines Jahres besserte sich der Juckreiz bei knapp 70 von 100 Personen, die mit Dupilumab behandelt wurden. In der Gruppe, die eine optimierte individuelle Therapie erhielt, war dies nur bei knapp 37 von 100 Personen der Fall.
  • Schlafstörungen: Bei dieser Krankheitsbeschwerde deutet die Studie nach ersten Abschätzungen ebenfalls auf einen Vorteil für Dupilumab hin. Die Personen, die Dupilumab einnahmen, hatten weniger Schlafstörungen als die Personen mit einer optimierten individuellen Therapie.
  • Krankheitsbeschwerden: Auch bei anderen Krankheitsbeschwerden weist die Studie auf einen Vorteil hin: Die Personen mit Dupilumab hatten weniger Krankheitsbeschwerden wie zum Beispiel Juckreiz, trockene oder schuppige Haut.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Die Studie weist hier ebenfalls auf einen Vorteil für Dupilumab gegenüber einem Placebo hin: Knapp 46 von 100 Personen mit Dupilumab gaben an, dass sich ihre Lebensqualität verbessert hat, während dies in der Gruppe mit der individuell optimierten Therapie bei etwa 18 von 100 Personen der Fall war.

Welche Nachteile hat Dupilumab?

Bei Augenerkrankungen weist die Studie auf einen Nachteil von Dupilumab hin. Bei 30 von 100 Personen trat eine Augenerkrankung auf, während dies mit der individuell optimierten Behandlung nur bei knapp 15 von 100 Personen der Fall war.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Schwere Nebenwirkungen: Hier gab es keinen Unterschied. In beiden Gruppen traten bei 4 bis 6 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen auf.

Ebenfalls kein Unterschied zeigte sich bei:

  • Therapieabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen
  • dem Gesundheitszustand
  • Infektionen und parasitären Erkrankungen

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Dupilumab (Dupixent). URL: https://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/333/