Medikamente im Test

Hoher Blutdruck

Allgemeines

Das Blut fließt mit einem bestimmten Druck, der mit zwei Werten angegeben wird, durch die Adern. Der erste Wert zeigt den Druck beim Zusammenziehen des Herzmuskels (Systole), der zweite den beim Erschlaffen des Herzens (Diastole). Gemessen wird in Millimeter Quecksilbersäule auf dem Messgerät (abgekürzt mmHg).

Bluthochdruck (Hypertonie) ist in den meisten Fällen noch keine Krankheit, sondern eher ein sogenannter Risikofaktor. Menschen mit dauerhaft erhöhten Blutdruckwerten bekommen im Laufe ihres Lebens häufiger und früher einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder eine Herzschwäche als Menschen mit normalen Blutdruckwerten. Auch ein Nierenversagen kommt öfter vor.

Hoher Blutdruck gilt erst dann als behandlungsbedürftig, wenn er über mehrere Wochen auf hohem Niveau bleibt oder wenn immer wieder stark erhöhte Werte auftreten. Er sollte in dieser Zeit immer wieder kontrolliert werden, und zwar zu verschiedenen Tageszeiten und zumindest einmal an beiden Armen.

Ob der Blutdruck tatsächlich dauerhaft zu hoch ist, wie er sich in verschiedenen Belastungssituationen verhält und ob er im Schlaf ausreichend absinkt, zeigt eine 24-Stunden-Blutdruckmessung, die der Arzt veranlasst. Dabei tragen Sie einen Tag und eine Nacht lang ein transportables Blutdruckmessgerät am Körper, das in bestimmten Abständen (tagsüber alle 15 Minuten, nachts halbstündlich) über eine aufblasbare Armmanschette selbsttätig den Blutdruck misst. Mit dieser Methode lässt sich ein zu hoher Blutdruck am besten feststellen. Aus den Messwerten kann der Arzt ersehen, ob eine medikamentöse Behandlung erforderlich ist. Die Schwankungen im Tagesverlauf zeigen auch, zu welchen Tages- und Nachtzeiten der Blutdruck besonders ansteigt. Daran kann sich die Einnahme der Tabletten orientieren. Ist der Blutdruck beispielsweise – wie bei vielen Menschen – vor allem in den ersten Stunden nach dem Aufwachen zu hoch, kann es ratsam sein, das Blutdruckmittel noch vor dem Aufstehen einzunehmen.

Bei sonst gesunden Personen liegt der optimale Blutdruck bei 120/80 mmHg, als normal gelten Werte unter 130/85. Noch normal sind 130–139 mmHg für den oberen, und 85–89 mmHg für den unteren Wert. Leicht erhöht (Grad 1) ist er bei Werten von 140–159 und 90–99 mmHg. Ein mittelschwer erhöhter Blutdruck (Grad 2) liegt vor, wenn die Messung 160–179 (oberer Wert) und 100–109 (unterer Wert) ergibt. Alle Werte über 180/110 gelten als stark erhöhter Blutdruck (Grad 3).

Anzeichen und Beschwerden

Die meisten Menschen spüren nicht, dass ihr Blutdruck erhöht ist. Oft wird das zufällig entdeckt.

Ein plötzlicher und rascher Anstieg des Blutdrucks auf sehr hohe Werte über 200/115 mmHg (Hochdruckkrise) kann sich mit Kopfschmerzen, Sehstörungen, Unwohlsein und Übelkeit bemerkbar machen.

Ursachen

Man unterscheidet primären (essenziellen) und sekundären hohen Blutdruck. Die primäre Hypertonie macht 90 bis 95 Prozent der Fälle aus. Teilweise ist sie erblich bedingt, meist hat sie jedoch keine eindeutig fassbare Ursache. Die Häufigkeit steigt nach dem 60. Lebensjahr steil an.

Die sekundäre Hypertonie ist Folge einer anderen Erkrankung. Nierenkrankheiten, fehlgebildete verengte oder verkalkte Nierenarterien, Funktionsstörungen der Nebennieren mit einer Überproduktion der körpereigenen Hormone Aldosteron oder Adrenalin sowie Noradrenalin und bestimmte Medikamente (z. B. die Pille und glucocorticoidhaltige Präparate) können eine Hypertonie bedingen.

Hoher Blutdruck tritt häufig zusammen mit Diabetes, Übergewicht und Fettstoffwechselstörungen auf, was als metabolisches Syndrom bezeichnet wird.

Übergewicht, reichlicher Alkoholkonsum, kochsalzreiche Kost, aber auch ein übermäßiger Verzehr von lakritzhaltigen Süßigkeiten treiben den Blutdruck in die Höhe. Rauchen und coffeinhaltige Getränke (Kaffee, Cola, starker schwarzer Tee) und Lärm lassen den Blutdruck ebenfalls, jedoch meist nur kurzzeitig, ansteigen.

Wenn Menschen beruflich oder privat immer unter Hochdruck stehen, steigt auch der Blutdruck. Weil das vegetative Nervensystem bei Stress keine Ruhephase hat, bleiben die Muskelfasern in den Arterien ständig angespannt. Dadurch sind die Blutgefäße kontinuierlich eng gestellt, was den Blutdruck erhöht und dem Herzen eine höhere Pumpleistung abverlangt.

Allgemeine Maßnahmen

Die Basis jeder Hypertoniebehandlung sind die nicht medikamentösen Maßnahmen. Bei nur geringfügig erhöhtem Blutdruck sinken die Werte allein schon damit wieder auf normale Werte ab, bei behandlungsbedürftigem hohem Blutdruck tragen sie dazu bei, die Wirksamkeit der Medikamente zu erhöhen:

  • Bauen Sie Übergewicht ab. Mit zehn Kilogramm weniger Gewicht lässt sich der systolische Wert um 5 bis 20 mmHg reduzieren.
  • Geben Sie das Rauchen auf. Dadurch sinkt zwar nicht immer der Blutdruck, aber es ist der wichtigste Beitrag, den Sie leisten können, um Ihre Blutgefäße zu schonen.
  • Probieren Sie aus, ob der Blutdruck sinkt, wenn Sie weniger Salz verwenden. Insgesamt sollten es nicht mehr als vier bis sechs Gramm Salz (= ein Teelöffel) pro Tag sein. Das ist relativ wenig, wenn Sie bedenken, dass Sie auch die versteckten Salze in Brot, Wurst, Senf, Ketchup, Käse und Fertigprodukten berücksichtigen müssen. Wenn Sie zu den salzsensiblen Menschen mit hohem Blutdruck gehören, kann die Begrenzung der täglichen Salzzufuhr auf sechs Gramm dazu führen, dass der systolische und diastolische Blutdruckwert um etwa 4 mmHg absinkt.
  • Fertigprodukte und Konserven enthalten häufig viel Salz, deshalb ist es besser, grundsätzlich frische Nahrungsmittel zu verwenden.
  • Sie können auch ausprobieren, ob Ihr Blutdruck durch den täglichen, maßvollen Genuss von Bitterschokolade sinkt. Es gibt Hinweise, dass dadurch der Blutdruck in ähnlicher Wiese sinkt wie durch eine Verringerung des Salzverbrauchs.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig, denn Bewegung senkt den Blutdruck. Günstig sind vor allem leichte Ausdauersportarten wie Joggen, schnelles Gehen, Schwimmen, Radfahren, Skilanglauf. Schon 30 Minuten Joggen oder schnelles Gehen täglich senken den systolischen Blutdruckwert um etwa 4 bis 9 mmHg.
  • Sorgen Sie für regelmäßige Entspannung. Wie Sie das tun, ist Ihnen überlassen – ob mit Yoga, autogenem Training, einem Spaziergang oder einfach mit Nichtstun.
  • Trinken Sie als Mann nicht mehr als 24 Gramm und als Frau nicht mehr als 12 Gramm reinen Alkohol pro Tag, aber möglichst nicht täglich. 12 Gramm reiner Alkohol entsprechen ungefähr 0,2 Liter Bier oder 0,125 Liter Wein, 30 Gramm reiner Alkohol entsprechen in etwa 0,5 Liter Bier oder 0,25 Liter Wein.
  • Ist der hohe Blutdruck Folge einer anderen Erkrankung, muss diese behandelt werden. Falls beispielsweise ein Tumor in der Nebenniere oder eine Verengung der Nierenarterie den hohen Blutdruck verursachen, können diese durch einen operativen Eingriff beseitigt werden. Ist die Ursache des hohen Blutdrucks eine Nierenerkrankung, lässt sich das Fortschreiten dieser Erkrankung verzögern, wenn der Blutdruck gesenkt wird.

Wann zum Arzt?

Bluthochdruck ist ein Risikofaktor für andere Erkrankungen wie z. B. Schlaganfall oder Herzinfarkt. Er kann aber mitunter auch die Folge einer Erkrankung sein, etwa wenn die Nebenniere zu viel Aldosteron, das Nebennierenhormon, produziert. Daher muss ein längere Zeit erhöhter Blutdruck immer ärztlich untersucht, seine Ursache festgestellt und behandelt werden.

Behandlung mit Medikamenten

Medikamentös behandlungsbedürftig ist ein hoher Blutdruck, wenn er trotz der nicht medikamentösen Maßnahmen dauerhaft im Tagesdurchschnitt über 140/90 mmHg – in der Praxis gemessen – liegt. Bei einer Messung zu Hause liegt der Grenzwert bei 135/85 mmHg, da in der Arztpraxis, bedingt durch die ungewohnte Umgebung und die Aufregung, der Blutdruck in der Regel ansteigt. Besteht eine chronische Nierenerkrankung, sollte der Blutdruck schon ab Tagesdurchschnittswerten von 130/80 mmHg (in der Praxis gemessen)konsequent medikamentös gesenkt werden. Dies vor allem, wenn die Nieren große Mengen Eiweiß ausscheiden.

Eine zu starke Blutdrucksenkung unter Werte von 120/70 mmHg kann sich auch negativ auswirken, vor allem bei koronarer Herzkrankheit. Dann kann es sein, dass das Herz nicht ausreichend durchblutet wird.

Aufgrund neuer Studienergebnisse gibt es derzeit eine Kontroverse darüber, welche Blutdruckwerte bei welchen Personengruppen therapeutisch angestrebt werden sollen (siehe Kasten Wie weit den Blutdruck senken?).

Rezeptpflichtige Mittel

Welche Medikamente im Einzelfall geeignet sind, um den Blutdruck zu senken, richtet sich nach der Höhe des Blutdrucks, dem Alter und den Begleiterkrankungen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter mit Kinderwunsch und hohem Blutdruck richtet sich die Auswahl danach, welche Wirkstoffe das Ungeborene nicht schädigen, wenn die Schwangerschaft eintritt. Dazu gehört in erster Linie der Wirkstoff Methyldopa. Außerdem kann auch Metoprolol eingesetzt werden.

Hoher Blutdruck ohne Begleiterkrankungen

Diuretika, und zwar insbesondere Thiazide oder thiazidartige Diuretika mit den Wirkstoffen Hydrochlorothiazid oder Chlortalidon, sind die am besten untersuchten Mittel bei unkompliziertem hohen Blutdruck und zu dessen Behandlung geeignet. Sie verringern die Sterberate sowie das Risiko für Folgeerkrankungen durch hohen Blutdruck (insbesondere Herzschwäche, Herzinfarkt und Schlaganfall). Wenn keine Zusatzerkrankungen wie eine ausgeprägte Nierenfunktionsstörung, Gicht, Kaliummangel, Calciumüberschuss oder Diabetes vorliegen, sind sie Mittel der ersten Wahl.

Soll der durch Thiazide und thiazidartige Diuretika verursachte Kaliumverlust begrenzt werden, sind auch Kombinationen aus zwei Diuretika in Form von Thiazid + kaliumsparendem Diuretikum oder einem thiazidartigen Diuretikum + kaliumsparenden Diuretikum geeignet. Wird das kaliumsparende Diuretikum Amilorid mit Hydrochlorothiazid kombiniert (jeweils in niedriger Dosierung), hat das den Vorteil, dass sich der Zuckerstoffwechsel eher nicht verschlechtert, was bei der alleinigen Gabe von Thiaziden vorkommen kann.

Auch ACE-Hemmer sind bei unkompliziertem Bluthochdruck geeignet. Sie verringern das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen, und ebenso die Wahrscheinlichkeit, daran zu sterben. Lösen ACE-Hemmer einen unangenehmen Reizhusten aus, sind Sartane – mit Ausnahme von Azilsartan und Olmesartan – geeignet. Azilsartan ist ein noch wenig erprobtes Sartan und gilt daher als "auch geeignet", wenn ACE-Hemmer wegen eines anhaltenden Reizhustens nicht vertragen werden. Olmesartan wirkt nicht besser als andere Sartane, es gibt aber Hinweise, dass es schlechter verträglich ist. Deshalb ist dieser Wirkstoff nur mit Einschränkung geeignet.

Alternativ zu diesen Wirkstoffen sind die langwirkenden Calciumantagonisten Amlodipin und Nitrendipin geeignet, den Blutdruck zu senken. Sie verringern das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen, und ebenso die Wahrscheinlichkeit, daran zu sterben. Im Vergleich zu anderen Wirkstoffgruppen können sie die Rate an Schlaganfällen etwas stärker reduzieren, wohingegen sie etwas weniger gut vor einer Herzinsuffizienz schützen. Alle anderen Wirkstoffe aus der Gruppe der Calciumantagonisten sind nur geeignet, wenn sie zusammen mit einem anderen Wirkstoff (Diuretikum, ACE-Hemmer) eingesetzt werden. Als alleinige Medikamente sind sie bei hohem Blutdruck nur mit Einschränkung geeignet, weil sich damit Folgeerkrankungen wie koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt weniger ausgeprägt verhindern lassen oder weil aussagekräftige Studien dazu noch fehlen. Die nichtretardierten Zubereitungen von Nifedipin sind bei der Dauerbehandlung des hohen Blutdrucks generell wenig geeignet, weil sie zu kurz wirken und der Verdacht besteht, dass sie ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt bergen. Sie werden vor allem eingesetzt, wenn stark erhöhte Blutdruckwerte rasch gesenkt werden müssen.

Ebenso wie für Amlodipin und Nitrendipin existieren auch für Betablocker Studien, die eine Reduktion der Sterberate zeigen. Offensichtlich können sie aber bei älteren Menschen mit erhöhtem Blutdruck ohne Begleiterkrankungen Komplikationen wie einen Schlaganfall, Herzinfarkt oder Nierenfunktionsstörungen weniger gut verhindern – mit Diuretika oder Amlodipin beziehungsweise Nitrendipin gelingt dies eher. Betablocker wie Atenolol, Bisoprolol, Carvedilol, Celiprolol, Metoprolol und Propranolol sind deshalb bei ihnen als alleinige Mittel nur mit Einschränkung geeignet.

Bei Jüngeren dagegen sind die Betablocker Atenolol, Bisoprolol, Carvedilol, Metoprolol und Nebivolol geeignet, um den Blutdruck zu senken, vor allem, wenn das Herz in Ruhe sehr schnell schlägt (mehr als 100 Schläge pro Minute). Die Wirkstoffe Betaxolol und Celiprolol sind mit Einschränkung geeignet. Sie sollten nur angewendet werden, wenn geeignete Mittel nicht eingesetzt werden können.

Hoher Blutdruck bei gleichzeitig bestehenden Herz- und/oder Nierenerkrankungen sowie Diabetes

Diuretika werden auch empfohlen, wenn zusätzlich zum hohen Blutdruck eine Herzschwäche besteht. Bei deutlich eingeschränkter Nierenfunktion müssen statt der Thiazide Schleifendiuretika oder auch der Wirkstoff Xipamid, der zwischen Thiazid- und Schleifendiuretika einsortiert wird, eingesetzt werden, weil Thiazide in dieser Situation zu wenig Flüssigkeit ausschwemmen. Bei normaler Nierenfunktion sind Schleifendiuretika wegen ihrer kurzen Wirkdauer und unerwünschten Wirkungen auf den Flüssigkeitshaushalt bei hohem Blutdruck dagegen wenig geeignet. Bei Nierenfunktionsstörungen sind kaliumsparende Diuretika zu meiden, weil sich Kalium sonst im Blut gefährlich anreichern kann.

Betablocker sind geeignet, wenn zusätzlich zum hohen Blutdruck die Herzkranzgefäße verengt sind. Näheres dazu finden Sie unter Koronare Herzkrankheit. Dies ist sehr häufig bei Diabetikern der Fall. Sie sind auch geeignet, wenn sich ein Herzinfarkt ereignet hat oder wenn zusätzlich eine Herzschwäche besteht.

ACE-Hemmer sind geeignet, wenn zusätzlich zum hohen Blutdruck eine Herzschwäche, ein Diabetes oder eine chronische Nierenkrankheit mit vermehrter Eiweißausscheidung im Urin vorliegt. Rufen ACE-Hemmer einen unangenehmen Reizhusten hervor, können sie durch als "geeignet" bewertete Sartane ersetzt werden.

Kombinationen von Blutdruckmitteln aus verschiedenen Wirkstoffgruppen

Um die notwendigen Zielwerte des Blutdrucks zu erreichen, ist in vielen Fällen eine Kombinationstherapie notwendig. Ist der Blutdruck schon zu Beginn der Behandlung deutlich erhöht oder liegt ein hohes bis sehr hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, etwa wenn Sie zusätzlich zu einem hohen Blutdruck bereits an Diabetes oder einer chronischen Funktionsstörung der Nieren erkrankt sind, sollte der Arzt zwei Wirkstoffe einsetzen. Üblicherweise werden dann – je nach individuellen Zusatzerkrankungen – ACE-Hemmer oder ein Sartan mit einem Diuretikum oder einem Calciumantagonisten vom Nifedipin-Typ kombiniert. Des Weiteren kann auch ein Calciumantagonist mit einem Diuretikum zusammen gegeben werden. Die Kombination eines Betablockers mit einem Vertreter der genannten Wirkstoffgruppen wird vor allem dann empfohlen, wenn neben einem unzureichend eingestellten Blutdruck noch andere Erkrankungen wie Angina Pectoris, Herzschwäche oder ein Herzinfarkt in der Vorgeschichte vorhanden sind.

Die kombinierte Behandlung kann mit den einzelnen Monopräparaten geschehen oder – vorausgesetzt, neben der Zusammensetzung entspricht auch die Dosis des jeweiligen Präparats den individuellen Anforderungen des Patienten – in Form von Kombinationspräparaten. Dabei stehen als fixe Kombinationen zur Verfügung:

ACE-Hemmer + Diuretikum

ACE-Hemmer + Calciumantagonist vom Nifedipin-Typ

ACE-Hemmer + Calciumantagonist vom Verapamil-Typ

Betablocker Metoprolol + Diuretikum Hydrochlorothiazid

Betablocker Bisoprolol + Diuretikum Hydrochlorothiazid

Betablocker Atenolol + Diuretikum Chlortalidon

Betablocker Metoprolol + Calciumantagonist Nifedipin

Betablocker Metoprolol + Calciumantagonist Felodipin

Betablocker Atenolol + Calciumantagonist Nifedipin

Calciumantagonist + Diuretikum

Sartan + Diuretikum

Sartan + Calciumantagonist.

Diese Kombinationen sind alle geeignet. Nach aktuellen Übersichtsarbeiten, in denen der Nutzen verschiedener Kombinationen von Blutdrucksenkern verglichen wurde, hat sich die Kombination von ACE-Hemmern mit Calciumantagonisten als besonders vorteilhaft erwiesen. Die Kombination dieser beiden Wirkstoffgruppen ist gut verträglich und kann gegenüber anderen blutdrucksenkenden Kombinationen Herzinfarkten besser vorbeugen und die Nierenfunktion nachhaltiger schützen. Dies gilt auch für Diabetiker mit hohem Blutdruck. Die Kombination von Olmesartan mit einem Diuretikum oder einem Calciumantagonist ist nur mit Einschränkung geeignet, weil Olmesartan gegenüber anderen Sartanen keinen Wirkvorteil bietet, womöglich aber schlechter verträglich ist.

Bedenken Sie jedoch: Da Diuretika ebenso wie Betablocker den Zuckerstoffwechsel beeinträchtigen können, sollten Kombinationspräparate aus diesen beiden Substanzen nur unter Kontrolle des Blutzuckerspiegels eingesetzt werden. Sie sind zu meiden, wenn der hohe Blutdruck mit einem ausgeprägten Übergewicht sowie einer Fett- und/oder Zuckerstoffwechselstörung einhergeht (metabolisches Syndrom). Betablocker dürfen nicht oder nur unter sorgfältiger ärztlicher Überwachung mit den Wirkstoffen Diltiazem oder Verapamil aus der Gruppe der Calciumantagonisten kombiniert werden. Diese beiden Wirkstoffe verlangsamen ebenso wie Betablocker den Herzschlag. In Kombination mit Betablockern kann sich ihre Wirkung auf das Herz so sehr verstärken, dass sich der Herzschlag lebensbedrohlich verlangsamt.

Zu beachten ist weiterhin, dass ACE-Hemmer nur unter sorgfältiger ärztlicher Überwachung mit kaliumsparenden Diuretika kombiniert werden sollen, weil sich dann – insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion – zu viel Kalium im Blut anreichern und unerwünschte Wirkungen (z. B. Herzrhythmusstörungen) auslösen kann.

Reichen zwei Wirkstoffe auch in der höchstmöglichen Dosierung nicht aus, um den Blutdruck auf die notwendigen Zielwerte zu senken, ist es ratsam, andere Substanzen miteinander zu kombinieren oder zusätzlich einen dritten Wirkstoff aus der Reihe der als "geeignet" bewerteten Substanzen einzusetzen. Eine dieser Substanzen in einer Dreifachkombination sollte in jedem Fall ein Diuretikum sein, es sei denn, dieses wird nicht vertragen oder das Blut enthält zu wenig Natrium. Wenn die Einzelsubstanzen und die Dosierung den individuellen Anforderungen entsprechen, ist hierfür ein Kombinationspräparat aus z. B. Valsartan + Hydrochlorothiazid + Amlodipin geeignet.

Die Kombination Olmesartan + Diuretikum + Calciumantagonist ist mit Einschränkung geeignet. Olmesartan bietet gegenüber anderen Sartanen keinen Vorteil, ist aber womöglich schlechter verträglich.

Das Kombinationspräparat aus Betablocker + Diuretikum + gefäßerweiterndem Mittel (TRI-Normin) ist mit Einschränkung geeignet. Es sollte nur eingesetzt werden, wenn Zusammensetzung und Dosierung den individuellen Erfordernissen entsprechen und der Hochdruck mit besser verträglichen Einzelsubstanzen, Zweier- oder Dreierkombinationen nicht ausreichend gesenkt werden kann.

Als dritter oder vierter Kombinationspartner können bei hohem Blutdruck zusätzlich Alpha-1-Rezeptoren-Blocker wie Doxazosin oder Urapidil gegeben werden. Als alleiniges Medikament sind diese Mittel bei hohem Blutdruck wenig geeignet, weil während der Behandlung häufiger eine Herzschwäche beobachtet wurde. Mit Einschränkung geeignet sind sie nur bei Männern mit Beschwerden beim Wasserlassen aufgrund einer vergrößerten Prostata, wenn keine Herzerkrankungen vorliegen. Bei ihnen kann das Mittel zusätzlich die Beschwerden beim Wasserlassen positiv beeinflussen.

Weitere Wirkstoffe

Geht der hohe Blutdruck auf eine Überproduktion des Hormons Aldosteron zurück, kann er mit dem kaliumsparenden Diuretikum Spironolacton gesenkt werden. Wenn der Blutdruck besonders schwer einstellbar ist, hat sich Spironolacton ebenfalls bewährt, auch wenn Aldosteron im Blut nicht erhöht ist.

Aliskiren ist mit Einschränkung geeignet, um den Blutdruck zu senken. Dies gelingt damit zwar ebenso gut wie mit den Wirkstoffen Hydrochlorothiazid (Diuretikum), Atenolol (Betablocker), Ramipril (ACE-Hemmer) oder Valsartan (Sartan), es ist aber noch nicht nachgewiesen, dass unter Aliskiren auch Folgeerkrankungen des hohen Blutdrucks seltener auftreten oder die Sterberate sinkt. Das gilt auch für die Kombination aus Aliskiren + Hydrochlorothiazid. Dieses Mittel ist ebenfalls mit Einschränkung geeignet. Es sollte nur eingesetzt werden, wenn der Blutdruck mit geeigneten Einzelsubstanzen allein oder deren Zweierkombination nicht ausreichend gesenkt werden kann und ACE-Hemmer oder Sartane als Kombinationspartner nicht vertragen werden.

Gefäßerweiternde Mittel sind bei hohem Blutdruck mit Einschränkung geeignet. Sie sollen nur in Kombination mit einem Betablocker und einem ausreichend stark wirkenden Diuretikum eingenommen werden. Da Dihydralazin und Minoxidil schlechter verträglich sind als Diuretika, Betablocker, ACE-Hemmer, Sartane oder Calciumantagonisten – allein oder in Kombination –, sollen sie nur eingesetzt werden, wenn diese Mittel nicht ausreichend wirksam waren. Zudem fehlen Studien, die zeigen, dass die Behandlung mit gefäßerweiternden Mitteln Folgeerkrankungen des hohen Blutdrucks vermeiden und das Sterberisiko verringern kann.

Auch Alpha-2-Agonisten sind aufgrund ihrer vergleichsweise schlechten Verträglichkeit mit Einschränkung geeignet und sollten nur in Kombination mit anderen Mitteln (in erster Linie mit Diuretika) eingesetzt werden. Im Gegensatz zu Clonidin und Methyldopa fehlen für den Wirkstoff Moxonidin Studien, die einen Langzeitnutzen der Therapie belegen. Bei gleichzeitig bestehender Herzinsuffizienz kann das Mittel sogar schaden. Soll ein hoher Blutdruck in der Schwangerschaft behandelt werden, ist der Wirkstoff Methyldopa als alleiniges Mittel geeignet, weil damit die meisten Erfahrungen vorliegen.

Neue Medikamente

Seit April 2011 ist unter dem Namen Rasilamlo ein Kombinationsmittel aus Aliskiren und Amlodipin gegen hohen Blutdruck europaweit zugelassen. In der Schweiz ist es beispielsweise erhältlich, in Deutschland hat der Hersteller das Mittel jedoch wieder vom Markt genommen, nachdem das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) keinen Zusatznutzen gegenüber bewährten Mitteln feststellen konnte. Dem IQWiG lagen keine Studiendaten vor, anhand derer Rasilamlo mit diesen Wirkstoffen hätte verglichen werden können.