Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Herzschwäche

Allgemeines

Bei einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) hat das Herz nicht genügend Kraft, um das Blut von der rechten Herzkammer zur Lunge und von der linken Herzkammer in den Körper zu pumpen. Es staut sich vor dem linken Vorhof bis zur Lunge zurück und vor dem rechten Vorhof in der großen Hohlvene, die das Blut aus Beinen und Bauchraum heranführt.

Zu unterscheiden sind Funktionsstörungen der Herzkammer beim Zusammenziehen (systolische Ventrikelfunktionsstörung) und solche beim Erschlaffen des Herzmuskels (diastolische Ventrikelfunktionsstörung). Der Herzmuskel ist dann entweder zu schwach, um das Blut mit ausreichender Kraft in den Kreislauf auszuwerfen, oder er ist so verändert, dass er sich nicht mehr gut dehnen kann, sodass sich das Herz nicht mehr gut mit Blut füllt. Am häufigsten ist die linke Herzkammer betroffen (Linksherzinsuffizienz), es können aber auch die rechte (Rechtsherzinsuffizienz) oder beide Herzkammern in Mitleidenschaft gezogen sein (globale Herzinsuffizienz).

In diesem Kapitel wird die Auswurfschwäche der Herzkammern besprochen. Die Form der Herzschwäche, bei der die Auswurfleistung zwar erhalten ist, aber die Füllung des Herzens erschwert ist, weil der Herzmuskel sich nicht mehr gut dehnen kann, wird hier nicht thematisiert.

Je länger die Herzschwäche besteht, desto stärker verändert sich die Struktur des Herzmuskels. Die Herzkammern – insbesondere die linke – weiten sich zunehmend, schaffen es aber immer weniger, das Blut in den Kreislauf zu pumpen. So wird das Herz mit der Zeit immer größer, gleichzeitig aber auch kraftloser: Die Wände werden dünner, die Muskeln schlaffer.

Diese Veränderungen bilden sich zumindest teilweise zurück, wenn das Herz entlastet wird (Remodeling). Andernfalls verschlimmert sich die Krankheit, oft langsam über Jahre hinweg, manchmal aber auch sehr schnell innerhalb weniger Monate.

Eine Herzschwäche entsteht überwiegend im Zusammenhang mit einer koronaren Herzkrankheit, bei hohem Blutdruck, veränderten Herzklappen oder einer entzündlichen Herzmuskelerkrankung.

Eine chronische Herzschwäche lässt sich in vier Schweregrade einteilen:

  • Schweregrad I: Es besteht bereits eine Herzerkrankung, die körperliche Leistungsfähigkeit ist aber noch nicht beeinträchtigt. Die Diagnose wird oft nur durch Zufall gestellt.
  • Schweregrad II: In Ruhe treten keine Beschwerden auf. Atemnot, Herzrhythmusstörungen, Erschöpfung oder Angina Pectoris setzen nur unter Belastung (z. B. beim Treppensteigen) ein.
  • Schweregrad III: Schon geringfügige Anstrengungen (z. B. Gehen auf gerader Strecke) machen große Mühe und verursachen Atemnot.
  • Schweregrad IV: Die Beschwerden treten auch in Ruhe auf oder beim kleinsten Anlass körperlicher oder seelischer Belastung. Meist ist Bettruhe erforderlich.

Anzeichen und Beschwerden

Häufigstes und deutlichstes Zeichen einer Herzschwäche ist Atemnot. Sie entsteht, weil sich das Blut in die Lunge zurückstaut und die Atmung behindert. Manchmal wird das Atmen schon bei geringen Belastungen mühsam, manchmal auch erst bei größeren Anstrengungen.

Flaches Liegen ist meist unmöglich, weil dann sofort Atemnot einsetzt.

Die verminderte Durchblutung führt meist rasch zu Müdigkeit und Schwäche.

Weitere Anzeichen einer Herzschwäche sind Wassereinlagerungen (Ödeme), häufig an den Fußknöcheln und in den Unterschenkeln. Auch im Bauchraum kann sich Wasser sammeln. Hinweise dafür sind ein Druckgefühl im Bauch oder Übelkeit. Bei langer Bettlägerigkeit bilden sich Ödeme oft am Rücken. Auch zwischen Brust- und Rippenfell kann sich Flüssigkeit ansammeln (Pleuraerguss), was die Atmung behindern kann. Im Liegen (z. B. nachts) schwemmt der Körper das Wasser aus, sodass meist mehrfach ein Gang zur Toilette nötig ist.

Des Weiteren ist ein trockener Husten typisch, der vor allem nachts sehr quälend sein kann. Meistens wird so ein Husten nicht mit einer Herzschwäche in Verbindung gebracht. Auch besteht die Gefahr einer Verwechslung mit der häufigen Nebenwirkung von ACE-Hemmern, mit denen eine Herzschwäche oft behandelt wird.

Bei einer fortgeschrittenen Herzschwäche können Gedächtnisstörungen und Verwirrtheit auftreten, weil das Gehirn nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt wird.

Ursachen

Eine Herzschwäche entwickelt sich meist schleichend, oft als Folge anderer Krankheiten. Dazu gehören vor allem:

  • Hoher Blutdruck
  • Durchblutungsstörungen an den Herzkranzgefäßen (koronare Herzkrankheit) ohne oder mit Beschwerden (Angina Pectoris)
  • Herzinfarkt.

Selten kann eine Herzschwäche auch aufgrund der folgenden Herzerkrankungen entstehen:

  • fehlgebildete oder defekte Herzklappen
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis), meist aufgrund einer Virusinfektion
  • Herzmuskelerkrankung aufgrund einer Autoimmunerkrankung (z. B. Polyarthritis, Lupus erythematodes)
  • angeborene Herzmuskelschwäche (idiopathische Kardiomyopathie)
  • alkoholbedingte Herzmuskelschwäche
  • Herz­rhythmus­störungen.

Darüber hinaus können andere Krankheiten Herz und Kreislauf belasten und dadurch eine Herzschwäche fördern oder verschlimmern:

Auch Medikamente können den Herzmuskel zusätzlich schwächen. Dazu gehören Antiarrhythmika (bei Herzrhythmusstörungen) und Antidepressiva (bei Depressionen), aber auch Medikamente, die im Rahmen einer Chemotherapie gegeben werden.

Eine Schwangerschaft kann eine Herzschwäche fördern, weil das Herz dann etwa 1,5 Liter mehr Blut durch den Körper pumpen muss.

Allgemeine Maßnahmen

In erster Linie muss die Grundkrankheit behandelt werden, die die Herzschwäche verursacht hat. So lässt sich beispielsweise ein zu hoher Blutdruck durch verschiedene Maßnahmen senken. Defekte Herzklappen können durch eine Operation repariert oder durch künstliche Klappen ersetzt werden.

Ungesunder Lebensstil (zu viel Alkohol, Rauchen, Bewegungsmangel) und Stoffwechselerkrankungen wie erhöhte Blutfette oder Diabetes, die sich z. B. durch Übergewicht entwickeln, können das Herz zusätzlich belasten. Beachten Sie deshalb auch die Hinweise zur Vorbeugung und zur nichtmedikamentösen Behandlung von hohem Blutdruck, koronarer Herzkrankheit und erhöhten Blutfetten sowie arteriellen Durchblutungsstörungen.

Aufregung, Unruhe und Stress sollten Sie möglichst vermeiden. Oft ist schon eine kurze Mittagsruhe hilfreich.

Ein wohldosiertes körperliches Training, das Sie in Absprache mit dem Arzt selbst gestalten können, trägt dazu bei, das Herz zu stabilisieren. Angestrebt wird ein Trainingsziel von mindestens 30 Minuten kontinuierlich anhaltender moderater Bewegung pro Tag. Sie können sich auch einer Herzsportgruppe anschließen, die es mittlerweile in vielen Städten gibt. Ein solches Training beeinflusst den Krankheitsverlauf und die Lebensqualität sogar oft noch positiver als eine medikamentöse Behandlung und senkt zudem den Blutdruck oder den Blutzucker.

Haben Sie eine schwere Erkrankung oder deutliche Wassereinlagerungen, sollten Sie täglich nicht mehr als 1,5 bis 2 Liter, bei schwerer Herzschwäche nicht mehr als 1 Liter, trinken. Falls bei Ihnen allerdings Fieber oder Durchfall auftritt, brauchen Sie mehr Flüssigkeit, um nicht zu stark auszutrocknen. Haben Sie bereits Ödeme, sollten Sie sich täglich wiegen und die Werte notieren. Mit Hilfe dieser Notizen können Sie zusammen mit Ihrem Arzt die für Sie geeignete Flüssigkeitsmenge bestimmen.

Wenn Sie viel Salz zu sich nehmen, haben Sie auch mehr Durst und trinken mehr. Dies sollten Sie besonders beachten, wenn Sie eine deutliche Herzschwäche haben oder gleichzeitig eine Herzschwäche und Bluthochdruck. Ganz allgemein lautet die Empfehlung für eine gesunde Ernährung, nicht mehr als 6 Gramm Salz täglich zu sich zu nehmen. Der durchschnittliche tägliche Konsum, vor allem durch vorgefertigte Lebensmittel (z. B. Wurst, Käse, Senf, Ketchup, Brot, Fertiggerichte), liegt jedoch bei 15 bis 20 Gramm Salz.

Große Mengen Alkohol können den Herzmuskel direkt schädigen. Sie sollten Ihren Alkoholkonsum deshalb einschränken. Wenn Sie nicht ganz auf Alkohol verzichten wollen, sollten Sie die allgemein anerkannten Grenzwerte berücksichtigen: Für Männer sind das bis zu 24 Gramm reiner Alkohol pro Tag, das entspricht ca. 0,5 Liter Bier oder 0,25 Liter Wein. Da Frauen auf Alkohol empfindlicher reagieren, gelten für sie maximal 12 Gramm pro Tag als risikoarmer Konsum (also ca. 0,25 Liter Bier bzw. 0,125 Liter Wein). Wenn jedoch die Herzschwäche auf den Alkoholkonsum zurückgeführt wird, sollten Sie ganz auf Alkohol verzichten.

Das Rauchen sollten Sie ebenfalls aufgeben.

Etwa 20 von 100 Herzinsuffizienzpatienten entwickeln eine Blutarmut. Diese sollte intravenös behandelt werden. Es gibt Hinweise, dass dadurch die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität verbessert werden kann.

Wann zum Arzt?

Bei Beschwerden wie Wasseransammlungen in Armen oder Beinen, Kurzatmigkeit oder Atemnot bei geringer körperlicher Belastung (wenn Sie z. B. zu Fuß über die Treppe vom Erdgeschoss in den ersten Stock gehen), sollten Sie sich mit einem Arzt besprechen. Solche Anzeichen können auf eine Herzschwäche hindeuten, die Sie nicht selbst diagnostizieren oder behandeln können.

Behandlung mit Medikamenten

Ziel der medikamentösen Behandlung einer Herzschwäche ist es, die Lebensqualität zu verbessern, indem die Symptome der Herzschwäche abgemildert werden. Außerdem soll erreicht werden, dass die Krankheit weniger schwer verläuft und die körperliche Belastbarkeit so weit erhalten bleibt, dass Krankenhausaufenthalte vermieden werden können. Nicht zuletzt soll ein vorzeitiger Tod verhindert werden. Dazu gehört, dass die Grunderkrankung, die die Herzschwäche verursacht hat, soweit möglich mit den geeigneten Mitteln behandelt wird. Beachten Sie deshalb auch die Hinweise zur medikamentösen Behandlung von hohem Blutdruck, koronarer Herzkrankheit und erhöhten Blutfetten sowie arteriellen Durchblutungsstörungen.

Bei einer schweren Herzschwäche müssen nicht selten bis zu zehn verschiedene Arzneimittel angewendet werden. Für den Erfolg der Behandlung ist es wichtig, dass Sie gut über die Bedeutung Ihrer Medikamente Bescheid wissen und die Einnahme richtig organisieren. Lassen Sie sich dabei von Ihrem Arzt und Ihrem Apotheker unterstützen und einen Medikationsplan erstellen und regelmäßig überprüfen.

Rezeptfreie Mittel

Eine Herzschwäche kann mit frei verkäuflichen Mitteln nicht wirksam behandelt werden. Dies gilt auch für Präparate, die einen Extrakt aus Weißdorn enthalten sowie für Tees mit Weißdorn. So fehlen beispielsweise Studien, die nachweisen, dass sich durch die alleinige Gabe von Weißdornextrakt der Krankheitsverlauf positiv beeinflussen lässt und die Lebenserwartung erhöht. Mittel mit Weißdorn zum Einnehmen sind deshalb bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit des Herzens wenig geeignet. Der zu erwartende therapeutische Effekt ist bestenfalls gering und es ist fraglich, ob er die möglichen unerwünschten Wirkungen überwiegt. Auch das regelmäßige Trinken von Tees aus Weißdornblättern und -blüten hat keinen nachgewiesenen Nutzen bei Herzschwäche.

Häufig wird bei Herzbeschwerden geraten, Magnesiumpräparate einzunehmen, oder auch Kombinationen aus Magnesium und anderen Substanzen. Ohne den Nachweis, dass tatsächlich ein Magnesiummangel vorliegt, ist dies jedoch nicht sinnvoll. Bislang ist nicht nachgewiesen, dass sich damit einer Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder einem Herzinfarkt vorbeugen lässt.

Besteht allerdings bei einer bereits vorhandenen Herzerkrankung erwiesenermaßen ein Magnesiummangel, sollte dieser medikamentös ausgeglichen werden, weil sich sonst die Prognose verschlechtern kann. Beachten Sie hierzu auch die Informationen unter Verordnungsfähige Magnesium- und Kaliumpräparate. Monopräparate, die nur Magnesium enthalten, sind dann den Kombinationsmitteln vorzuziehen, allerdings immer nur zusätzlich zu anderen wirksamen Medikamenten, die ärztlich verordnet werden müssen.

Rezeptpflichtige Mittel

Die medikamentöse Behandlung der Herzschwäche mit rezeptpflichtigen Mitteln erfolgt in Abhängigkeit von ihrem Schweregrad und dem individuellen Beschwerdebild.

Bei Herzschwäche jeden Schweregrads sind ACE-Hemmer die Mittel der Wahl. Geeignet sind die Wirkstoffe Captopril, Enalapril, Lisinopril, Ramipril und Trandolapril. Auch geeignet, aber bei diesem Krankheitsbild weniger gut erprobt, sind die Substanzen Benazepril, Fosinopril, Perindopril und Quinapril. ACE-Hemmer können sowohl die Beschwerden und die Anzahl der Krankenhausaufenthalte verringern als auch die Lebenserwartung erhöhen.

Ebenfalls geeignet sind die Wirkstoffe Candesartan, Losartan und Valsartan aus der Gruppe der Sartane. Sie werden vor allem eingesetzt, wenn ACE-Hemmer einen unangenehmen Reizhusten auslösen.

Diuretika senken den Blutdruck, mildern nachweislich die Atemnot unter Belastung und bauen Wassereinlagerungen ab. Dadurch wird das Herz entlastet und die Symptome einer Herzschwäche mit Wassereinlagerung bessern sich. Welches Diuretikum sinnvoll ist, richtet sich nach den Begleitfaktoren. Bei leichteren Formen genügen Thiazide, um das überflüssige Wasser aus dem Körper auszuscheiden. Die stärker wirksamen Schleifendiuretika sind angebracht, wenn die Herzschwäche bereits fortgeschritten ist, sich Wasser in der Lunge angesammelt hat (Lungenödem), die Nieren nicht mehr richtig arbeiten oder Thiaziddiuretika nicht ausreichend wirken.

Manchmal kann es sinnvoll sein, zwei Diuretika miteinander zu kombinieren (als Einzelmittel oder Kombinationspräparat), z. B., wenn ausgeprägte Ödeme mit einem Diuretikum allein nicht ausreichend ausgeschwemmt werden konnten oder wenn eine schwere Form der Herzschwäche vorliegt. Die Kombination eines Thiaziddiuretikums mit einem kaliumsparenden Diuretikum (Amilorid oder Triamteren) ist nur sinnvoll, wenn ein deutlicher Kaliummangel besteht oder wenn ein solcher bei alleiniger Thiazidanwendung auftritt.

Wenn ACE-Hemmer oder Sartane als Basistherapeutika zusammen mit einem Thiaziddiuretikum eingesetzt werden, kommt es seltener zu einem Kaliummangel, weil ACE-Hemmer den Kaliumspiegel im Blut etwas anheben. Werden ACE-Hemmer oder Sartane aber zusammen mit kaliumsparenden Diuretika gegeben, kann sich die Kaliummenge im Blut gefährlich erhöhen, vor allem bei zusätzlicher Nierenschwäche. Dann sind regelmäßige Blutkontrollen erforderlich.

Wenn ACE-Hemmer beziehungsweise Sartane und Diuretika die Beschwerden nicht ausreichend verbessern, sind zusätzlich die Betablocker Bisoprolol, Carvedilol und Metoprolol geeignet. Auch sie wirken lebensverlängernd. Nebivolol ist nur mit Einschränkung geeignet, weil es das Sterblichkeitsrisiko möglicherweise nicht so ausgeprägt senkt wie die vorgenannten Betablocker. Andere Betablocker sind für die Behandlung der Herzschwäche bisher nicht zugelassen.

Das Mittel Entresto enthält die Verbindung Sacubitril-Valsartan, die im Magen-Darm-Trakt direkt in das Sartan Valsartan und den neuartigen Wirkstoff Sacubitril zerfällt, ein Neprilysin-Hemmstoff. Entresto wirkt somit als Kombination.

In einer großen Studie senkte das Mittel über einen Zeitraum von etwas mehr als zwei Jahren bei den Behandelten die Rate an Krankenhauseinweisungen und die Sterberate im Vergleich zu denjenigen, die einen ACE-Hemmer einnahmen. Alle Studienteilnehmer waren zuvor bereits mit einem ACE-Hemmer oder einem Sartan behandelt worden und erhielten während der Studie zusätzlich die übliche Standardmedikation bei Herzschwäche. Derzeit ist unklar, ob diese Ergebnisse auf alle Patienten mit Herzinsuffizienz und verminderter Auswurfleistung des Herzens übertragbar sind. Zudem ist die Langzeitverträglichkeit der neuen Wirkkomponente Sacubitril noch nicht ausreichend untersucht. Daher gilt das Mittel als „mit Einschränkung geeignet“ bei Herzschwäche zusätzlich zu anderen Medikamenten, wenn die Behandlung mit einem ACE-Hemmer oder Sartan allein nicht ausreichend wirksam war.

Eine Sonderstellung haben die Aldosteronantagonisten Spironolacton und Eplerenon, die auch als kaliumsparende Diuretika zum Einsatz kommen. Studien haben gezeigt, dass diese Mittel nicht nur wasserausschwemmend wirken, sondern bei Herzschwäche aufgrund spezieller Wirkungen am Herzmuskel auch die Sterberate herabsetzen können. In klinischen Studien besserten die Wirkstoffe die Symptome einer schweren Herzschwäche, wenn sie zusätzlich zu Diuretika, ACE-Hemmern und teilweise auch zu Betablockern oder Digoxin gegeben wurden. Die Mittel sind damit geeignet zur Behandlung einer Herzschwäche (Schweregrad II bis IV), wenn sie ergänzend zu diesen Basismitteln gegeben werden. Bei beiden Mitteln besteht jedoch die Gefahr hoher Kaliumspiegel, insbesondere bei älteren Menschen und bei eingeschränkter Nierenfunktion. In diesen Fällen sind sie nur mit Einschränkung geeignet, weil die Gefahr für eine zu hohe Kaliummenge im Blut und damit für Herzrhythmusstörungen größer ist.

Digitaliswirkstoffe sind bei Herzschwäche mit Einschränkung geeignet. Diese Mittel beeinflussen die Sterberate wahrscheinlich nicht und sollten deshalb bei schweren Krankheitsformen immer nur zusätzlich zu den als "geeignet" bewerteten Mitteln eingesetzt werden, wenn diese die Symptome einer Herzschwäche nicht ausreichend bessern konnten. Geeignet sind Digitaliswirkstoffe jedoch, wenn eine spezielle Form des schnellen Herzschlags (absolute Arrhythmie) vorliegt, die im Zusammenhang mit einer Herzschwäche auftreten und durch die anderen Wirkstoffe nicht beeinflusst werden kann.

Neue Medikamente

Der Wirkstoff Ivabradin (Procoralan), der bisher bei chronischer Angina Pectoris eingesetzt wurde, ist auch zur Behandlung der Herzschwäche zugelassen. Er darf zusätzlich zur Basistherapie mit ACE-Hemmern, Diuretika und Betablockern eingesetzt werden oder auch anstelle eines Betablockers, wenn dieser nicht ausreichend wirkt oder nicht vertragen wird. Voraussetzung ist, dass das Herz normal und nicht zu langsam (d. h. weniger als 75 mal pro Minute) schlägt und dass keine Rhythmusstörungen vorliegen. Das Mittel vermindert vor allem die Zahl der Herzschläge pro Minute und senkt damit den Sauerstoffbedarf des Herzmuskels.

In einer klinischen Studie konnte damit die Anzahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund einer Herzschwäche reduziert werden. Es ist bislang jedoch nicht nachgewiesen, dass sich durch Ivabradin die Sterblichkeit verringert. Da zudem in dieser Studie nicht alle Patienten optimal mit anderen Medikamenten versorgt waren, die bei einer Herzinsuffizienz die Basistherapie darstellen, ist der Stellenwert von Ivabradin bei der Behandlung der Herzschwäche noch nicht eindeutig zu bestimmen.

Der Wirkstoff Dapagliflozin ist ein blutzuckersenkendes Mittel, das inzwischen auch für die Behandlung von Herzinsuffizienz zugelassen ist. In Studien mit Menschen mit Typ-II-Diabetes wirkten sich blutzuckersenkende Gliflozine wie Dapagliflozin oder auch Empagliflozin günstig auf eine bestehende Herzschwäche aus oder konnten die Entwicklung einer Herzschwäche verhindern. Aktuelle Studien, in die auch Menschen ohne Diabetes eingeschlossen wurden, ergaben, dass durch die Gliflozin-Behandlung weniger Patienten aufgrund der Herzschwäche erstmalig ins Krankenhaus müssen oder aufgrund der Herzschwäche oder einer anderen Herzerkrankung versterben.

In seinen frühen Nutzenbewertungen führt das IQWiG auch Dapagliflozin (Forxiga) auf. Zu diesem Mittel wird die Stiftung Warentest Stellung nehmen, sobald es zu den häufig verordneten Mitteln gehört.

Frühe Nutzenbewertung des IQWiG

Dapagliflozin (Forxiga) bei Herzinsuffizienz

Dapagliflozin (Handelsname Forxiga) ist seit November 2020 für Erwachsene zur Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz mit Beschwerden zugelassen.

Bei einer Herzinsuffizienz (auch Herzschwäche oder Herzmuskelschwäche genannt) kann das Herz nicht mehr ausreichend Blut in den Körper pumpen. Das kann dazu führen, dass Organe und Muskeln nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Eine Herzschwäche kann akut auftreten, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt. Meist entwickelt sie sich jedoch langsam infolge eines dauerhaft erhöhten Blutdrucks oder einer koronaren Herzkrankheit, dann spricht man von chronischer Herzinsuffizienz.

Für die Behandlung wird nach der Pumpleistung des Herzens unterschieden:

  • Herzschwäche mit verminderter Auswurfleistung: Der Herzmuskel ist so geschwächt, dass er nicht mehr ausreichend Blut in den Körper pumpt.
  • Herzschwäche mit erhaltener Auswurfleistung: Der Herzmuskel schlägt zwar noch kräftig, kann sich zwischen zwei Schlägen nicht mehr völlig entspannen und füllt sich deshalb nicht richtig mit Blut. Dann kann er nur weniger Blut in den Körper pumpen.

Wenn eine Herzinsuffizienz fortschreitet, wird der Körper immer weniger belastbar. Dapagliflozin soll bei einer chronischen Herzinsuffizienz mit verminderter Auswurfleistung die Beschwerden lindern und die Lebenserwartung erhöhen.

Anwendung

Die empfohlene Dosis ist 10 mg Dapagliflozin als Tablette einmal täglich. Der Wirkstoff wird häufig mit anderen Herzmedikamenten kombiniert.

Andere Behandlungen

Als optimierte Standardtherapie der chronischen Herzinsuffizienz kommen, je nach Beschwerden, begleitenden Erkrankungen und Folgen (wie beispielsweise Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Diabetes mellitus oder Ödeme) unter anderem Betablocker, ACE-Hemmer, Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten (MRA), Diuretika oder auch Sacubitril / Valsartan infrage.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2021 geprüft, ob Dapagliflozin für Personen mit einer chronischen Herzinsuffizienz im Vergleich zu den Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat.

Für diesen Vergleich legte der Hersteller eine Studie mit 4744 Patientinnen und Patienten vor. Die eine Hälfte bekam Dapagliflozin und die Vergleichsgruppe ein Placebo. Zusätzlich erhielten alle Patientinnen und Patienten eine optimierte Standardtherapie. Unklar blieb jedoch, ob die optimierte Standardtherapie bestmöglich an die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten angepasst wurde.

Die Teilnehmenden hatten eine Herzinsuffizienz mit leichten bis hin zu sehr starken Beschwerden (Schweregrade 2 bis 4) und wurden im Mittel (Median) etwas über 18 Monate behandelt. Für diese Personen zeigten sich folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Dapagliflozin?

Lebenserwartung: Hier deutet die Studie auf einen Vorteil für die Patientinnen und Patienten mit einer leichten Herzinsuffizienz hin (Schweregrad 2). Waren in der Gruppe mit Dapagliflozin 8 von 100 Personen gestorben, waren es ohne Dapagliflozin 12 von 100 Personen. Kein Unterschied zeigte sich hingegen bei den Personen mit einer mittelschweren bis schweren Herzinsuffizienz (Schweregrad 3 und 4).

Krankenhauseinweisungen aufgrund der Herzinsuffizienz: Auch hier deutet die Studie auf einen Vorteil von Dapagliflozin hin: Mit Dapagliflozin wurden 10 von 100 Personen aufgrund der Herzinsuffizienz in ein Krankenhaus eingewiesen, ohne Dapagliflozin waren es 13 von 100 Personen.

Bei schweren Nebenwirkungen deutet die Studie ebenfalls auf einen Vorteil von Dapagliflozin hin. Traten diese in der Dapagliflozin-Gruppe bei 28 von 100 Personen auf, waren ohne Dapagliflozin 31 von 100 Personen von schweren Nebenwirkungen betroffen. Unter anderem handelte es sich hierbei um schwere Erkrankungen der Atemwege und des Brustraums.

Auch bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität deutet die Studie auf einen Vorteil für Dapagliflozin hin.

Welche Nachteile hat Dapagliflozin?

Es zeigten sich keine Nachteile von Dapagliflozin im Vergleich zur Behandlung ohne Dapagliflozin.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Bei folgenden Aspekten zeigte sich kein Unterschied:

  • Nierenleiden
  • Herzinfarkte und Schlaganfälle
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen
  • Harnwegsinfekte
  • Erkrankungen der Geschlechtsorgane und Brustdrüse
  • Diabetische Ketoacidose (lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung)
  • Gesundheitszustand

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Dapagliflozin (Forxiga).