Medikamente im Test

Harnwegsinfektionen

Allgemeines

Viele Menschen klagen immer mal wieder über Beschwerden beim Wasserlassen. Die einen quält häufiger unaufschiebbarer Harndrang, bei dem aber nur wenig ausgeschieden wird, andere leiden zusätzlich unter Brennen und Schmerzen. Viele Frauen kennen diese Beschwerden, die an eine Blasenentzündung denken lassen, denn sie haben wiederholt damit zu tun. Über die Hälfte der Frauen hat mindestens einmal im Leben eine Blasenentzündung.

Männer sind seltener von einer Blasenentzündung betroffen, da bei ihnen die Harnröhre länger ist und Bakterien nicht so leicht in die Blase gelangen können. Bei Männern sind Beschwerden beim Wasserlassen mit zunehmendem Lebensalter häufig nicht auf Harnwegsinfektionen sondern auf Veränderungen der Prostata zurückzuführen (siehe Prostatavergrößerung).

Häufiges Wasserlassen verbunden mit stechenden Schmerzen oder Brennen deuten auf eine Entzündung in den unteren Harnwegen hin, vornehmlich der Blase. Die Betroffenen haben eine Blasenentzündung (Zystitis). Manche sprechen auch von Blasenkatarrh. Die allgemeine Bezeichnung lautet Infektion der unteren Harnwege. Diese ist meist durch Bakterien verursacht, die sich im Urin nachweisen lassen. Selten erfasst die Infektion auch die weiter oben liegenden Abschnitte der Harnwege, also die Harnleiter. Unter Umständen kann die aufsteigende Infektion sogar das Nierengewebe erreichen (Pyelonephritis).

Unaufschiebbarer Harndrang, bei dem nur wenig ausgeschieden wird, kann auch auftreten, ohne dass sich eine Entzündung nachweisen lässt. Dann spricht man von einer Reizblase.

In der Medizin werden unkomplizierte und komplizierte Harnwegsinfekte unterschieden. Darüber hinaus unterteilt man sie in akute und wiederkehrende Infektionen. Je nach Zuordnung geht man sowohl bei der Diagnose als auch bei der Behandlung verschieden vor.

Unkomplizierte Harnwegsinfektionen

Als unkompliziert gelten Harnwegsinfekte, bei denen nicht zu befürchten ist, dass die Infektion schwer verlaufen oder Folgeschäden nach sich ziehen wird. Einen derart unkomplizierten Verlauf nimmt man nur bei Frauen an, die nicht schwanger sind. Bei ihnen kann man davon ausgehen, dass die Infektion von Darmkeimen hervorgerufen wurde, die sich mit den gebräuchlichen verschreibungspflichtigen Antibiotika gut behandeln lassen.

Komplizierte Harnwegsinfektionen

Alle anderen Harnwegsinfektionen gelten als kompliziert, weil das Risiko größer ist, dass die Infektion schwer verläuft und Folgeschäden auftreten.

Bei Männern kann ein sehr viel breiteres Spektrum an Erregern als Auslöser infrage kommen als bei Frauen. Zudem kann es sein, dass die Prostata an der Infektion beteiligt ist.

Bei schwangeren Frauen besteht die Gefahr, dass sich eine an sich harmlose Blasenentzündung in die Nieren ausbreitet. Eine solche Nierenbeckenentzündung kann sehr schwer verlaufen und die Funktion der Nieren beeinträchtigen. Deshalb sollten schwangere Frauen immer Antibiotika einnehmen, wenn Bakterien im Urin nachgewiesen wurden – auch wenn sie keine Beschwerden haben.

Aber auch bei Frauen mit Diabetes wird ein Harnwegsinfekt als kompliziert angesehen, besonders wenn die Blutzuckereinstellung nicht gut ist. Ihr Immunsystem ist oft geschwächt, und außerdem können Veränderungen in der Funktion der Nerven (diabetische Neuropathie) den Harnabfluss stören. Da bei Männern alle Harnwegsinfekte als kompliziert gelten, ist dies auch bei Männern mit einem Diabetes der Fall.

Wiederkehrende Harnwegsinfektionen

Bei wiederkehrenden Infektionen werden zwei weitere Formen unterschieden, deren Zuordnung die Behandlung beeinflusst. Treten nach der ersten Behandlung innerhalb von zwei Wochen wieder Beschwerden auf, spricht man von einem Rückfall (Relapse). Dann ist anzunehmen, dass die erste Behandlung noch nicht alle Erreger vollständig beseitigt hatte.

Treten die Beschwerden erst nach mehr als zwei Wochen wieder auf, handelt es sich um eine neue Infektion (Rezidiv), die aber durchaus auf den gleichen Erregern beruhen kann wie die erste. Von sich wiederholenden Infektionen sind fast nur Frauen und Kinder mit Fehlbildungen der Harnwege betroffen.

Bei Kindern

Bei Kindern tragen relativ oft anatomische Fehlbildungen dazu bei, dass sich in den Harnwegen Keime ansiedeln, die in die Nieren aufsteigen und ihre Gewebe infizieren. Wenn die Kinder aufgrund einer Fehlbildung die Blase nicht richtig entleeren können, kann zudem Harn von der Blase in das Nierengewebe zurückfließen. Diese Veränderungen müssen erkannt und regelmäßig kontrolliert werden. Einige davon müssen auch operativ behoben werden, damit kein chronischer Nierenschaden entsteht. Viele der betroffenen Kinder benötigen vorübergehend eine regelmäßig angewendete Prophylaxebehandlung mit Antibiotika, um Infektionen der Niere und Blase zu vermeiden.

Anzeichen und Beschwerden

Harnwegsinfektionen

Bei einem Harnwegsinfekt muss man häufig und oft ganz dringend zur Toilette, scheidet aber nur wenig Urin aus. Beim Wasserlassen kann es brennen und sehr stark schmerzen. Manchmal ist der Urin trübe oder blutig und riecht unangenehm. Schmerzen im unteren Bauchraum können hinzukommen.

Fieber, Schüttelfrost und Schmerzen im unteren Rücken legen den Verdacht nahe, dass die Entzündung die oberen Harnwege oder die Nieren betrifft.

Bei Kindern

Bei Säuglingen können Harnwegsinfektionen hohes Fieber hervorrufen. Da es aber auch sein kann, dass sich solche Infektionen nicht durch Symptome äußern, die auf die Erkrankung der Blase hindeuten, muss bei einem Säugling, dessen Körpertemperatur ansteigt, ohne dass sich dafür eine schlüssige Erklärung findet, immer der Urin untersucht werden. Auch Erbrechen und Durchfall kommen in diesem Alter als Folge einer Harnwegsinfektion vor.

Auch bei älteren Kindern sind die Symptome oft nur gering ausgeprägt. Sie fühlen sich allgemein krank, haben Fieber und Bauchschmerzen. Kinder, die bereits trocken waren, können tagsüber unfreiwillig Urin verlieren und nachts wieder einnässen.

Reizblase

Es können die gleichen Beschwerden auftreten wie bei einem Harnwegsinfekt; meist sind sie aber weniger heftig.

Ursachen

Bei Frauen

Unkomplizierte Harnwegsinfekte bei Frauen sind fast immer durch Bakterien aus dem Darm verursacht. Da die Ausgänge von Darm, Scheide und Harnröhre dicht beieinanderliegen, gelangen die Keime zum Beispiel bei der Toilettenhygiene leicht vom Darm über die Harnröhre in die Blase. Dass die Harnröhre bei Frauen relativ kurz ist, begünstigt die Ausbreitung der Bakterien. Wenn Frauen sehr wenig trinken und ihre Blase dementsprechend selten entleeren, kann das die Entstehung eines Harnwegsinfekts begünstigen. Je länger der Urin in der Blase steht, desto mehr Zeit haben die Bakterien, sich darin zu vermehren.

Eine Reihe von Faktoren erhöht bei Frauen das Risiko für einen Harnwegsinfekt. Beim Geschlechtsverkehr können Keime leicht in die Harnröhre gelangen. Spermientötende Mittel zur Empfängnisverhütung können die Schleimhaut reizen, sodass Infektionen leichter Fuß fassen können. Bei Frauen nach den Wechseljahren kann sich durch die verringerte Östrogenwirkung die Schleimhaut im Genitalbereich so verändern, dass Harnwegsinfektionen begünstigt werden. Bei älteren Frauen können auch ein Gebärmuttervorfall, Blasenverletzungen und Nierensteine Harnwegsinfektionen begünstigen.

Zwei bis vier Wochen nach der Einnahme von Antibiotika kann das Risiko für Harnwegsinfekte ebenfalls erhöht sein. Der Grund liegt möglicherweise darin, dass die Mittel die Scheidenflora verändern und sich Krankheitskeime dann leichter ausbreiten können.

Beschwerden beim Wasserlassen können – wenn auch selten – auf einer Entzündung des Muttermunds und/oder der Harnröhre durch Chlamydien beruhen. Diese Bakterien können mit einer speziellen Untersuchung des Harns (Nukleinsäurenachweis) nachgewiesen werden. Näheres zur Behandlung einer solchen Infektion lesen Sie bei "Geschlechtsorgane und Sexualhormonsystem" unter Chlamydieninfektion.

In der Schwangerschaft

1 bis 2 von 100 Frauen bekommen eine Harnwegsinfektion, während sie schwanger sind. Die Ursache sind auch in dieser Zeit meist Darmbakterien, die in die Scheide eingedrungen sind. Übergewicht, eine Scheideninfektion mit Chlamydien und Harnwegsinfektionen in der Zeit vor der Schwangerschaft begünstigen solche Infektionen. Aufgrund verschiedener schwangerschaftsbedingter Veränderungen kann sich die Infektion leicht in die oberen Harnwege und Nieren ausbreiten. Außerdem entzünden sich die Nieren bei schwangeren Frauen besonders leicht.

Bei Männern

Bei ihnen kommen als Erreger neben Darmbakterien auch verschiedene andere Bakterienarten infrage. Sie alle steigen von der Harnröhrenöffnung bis in die Blase auf. Der keimhaltige Urin in der Blase kann zur Infektion der Nieren führen.

Bei Kindern

Wiederkehrende Harnwegsinfektionen haben bei Kindern – Mädchen wie Jungen – ihren Grund oft in anatomischen Besonderheiten. Am häufigsten kommt eine Fehlbildung (vesiko-ureteraler Reflux) vor, bei der beim Wasserlassen durch den Druck in der Blase Urin nach "oben" in die Harnleiter und in das Nierenbecken gepresst wird.

Da Mädchen ohnehin eine kurze Harnröhre haben, können Keime sehr leicht in die Blase gelangen.

Zudem können in Einzelfällen bereits im Säuglingsalter Nierensteine die Ursache eines Harnwegsinfekts sein.

Reizblase

Bei einer Reizblase findet sich kein Anhaltspunkt für eine Infektion. Als Erklärung für dieses Phänomen gibt es bislang nur Vermutungen: psychische Faktoren, schwache Entzündungen mit schlecht nachweisbaren Keimen, eine Fehlfunktion der Beckenbodenmuskulatur.

Vorbeugung

Insbesondere bei sich wiederholenden Harnwegsinfektionen sollten Sie viel trinken, sodass die Blase gut durchspült wird.

Gehen Sie häufig zur Toilette und entleeren Sie dabei die Blase so vollständig wie möglich. Je länger der Urin in der Blase steht, desto mehr Bakterien enthält er

Halten Sie die unteren Körperpartien, vor allem die Füße, warm.

Ziehen Sie nasse Badesachen gleich nach dem Verlassen des Wassers aus.

Vermeiden Sie das Sitzen auf kaltem Untergrund.

Es gibt Empfehlungen, häufig wiederkehrenden Harnwegsinfektionen mit Cranberrys vorzubeugen. Cranberrys sind eine amerikanische Art von Preiselbeeren. In Deutschland findet sich verdünnter und gesüßter Cranberrysaft als Fruchtsaftgetränk im Lebensmittelhandel. Der unverdünnte Saft, der leicht bitter schmeckt, ist eher in Reformhäusern, Bioläden und manchen Apotheken zu bekommen. In Form von Tabletten, Kapseln und Pulver sind Cranberryprodukte als Nahrungsergänzungsmittel im Handel. Einige Studien erbrachten Hinweise, dass Frauen häufigen Harnwegsinfektionen mit Cranberryprodukten vorbeugen können. Werden jedoch alle Studien zur vorbeugenden Wirksamkeit von Cranberryprodukten gemeinsam betrachtet, sind die Ergebnisse sehr widersprüchlich. Auch in einer neueren Studie konnte bei betagten Frauen, die in einer Altenpflegeeinrichtung lebten und ein Jahr lang täglich eine Kapsel mit einem Cranberry-Extrakt einnahmen, einer Harnwegsinfektion nicht vorgebeugt werden. Ihre Einnahme kann daher nicht empfohlen werden. Allenfalls können sie bei Personen, die die vorbeugende Einnahme von Antibiotika ablehnen oder bei denen sie nicht eingesetzt werden können, ein individueller Behandlungsversuch sein.

Bei Frauen

Gewöhnen Sie sich bei der Toilettenhygiene daran, von "vorn" nach "hinten" zu wischen statt umgekehrt. So reiben Sie die Darmkeime nicht über die Öffnung von Scheide und Harnröhre.

Gehen Sie möglichst unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr zur Toilette. So werden in die Harnröhre eingedrungene Bakterien schnell wieder herausgespült.

Gebrauchen Sie keine vaginal angewendeten chemischen Verhütungsmittel, Scheidenspülungen, Intimsprays und parfümierte Seife. Sie schwächen den natürlichen Schutz der Scheidenhaut.

Bei Frauen nach den Wechseljahren, deren Scheide auffällig trocken ist, können vaginal angewendete Östrogenprodukte das Risiko für wiederkehrende Harnwegsinfektionen verringern. Östrogenhaltige Mittel zum Einnehmen haben nach der derzeitigen Studienlage diesen Effekt nicht.

Allgemeine Maßnahmen

  • Bei Unterleibsschmerzen tut Wärme wohl, zum Beispiel mit einer Wärmflasche auf dem Bauch oder am Rücken.
  • Täglich zwei Liter zu trinken, unterstützt die Behandlung. Ob Sie irgendeine Art von Tee, Mineral- oder Leitungswasser trinken, ist unerheblich. Sie können trinken, was Ihnen schmeckt, sollten aber darauf achten, dass es sich dabei nicht um kalorienreiche Getränke wie Softdrinks handelt. Menschen mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) in fortgeschrittenem Stadium dürfen ihr Herz jedoch nicht dadurch zusätzlich belasten, dass es viel Flüssigkeit bewältigen muss. Sie sollten unbedingt mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie ihre Flüssigkeitszufuhr derart steigern. Das Gleiche gilt für Menschen mit deutlich eingeschränkter Nierenfunktion.

Wann zum Arzt?

Blasenbeschwerden müssen, wenn sie zum ersten Mal auftreten, ärztlich abgeklärt werden. Nur so lässt sich die Ursache bestimmen und eine geeignete Therapie finden.

Viele Frauen, die die Symptome bereits kennen, versuchen zunächst einmal, sich ohne Arzt mit allgemeinen Maßnahmen zu helfen. Das ist nur akzeptabel, wenn kein Fieber auftritt, die Nierengegend nicht schmerzt und der Urin nicht blutig ist. Bei leichten Beschwerden kann in den ersten Tagen ein freiverkäufliches Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (z. B. Ibuprofen) helfen, die Schmerzen zu lindern. Nach sieben Tagen sind nach einer neueren Studie 70 von 100 der so behandelten Frauen beschwerdefrei. Wenn sich die Beschwerden aber nach drei bis fünf Tagen nicht deutlich gebessert haben oder sich sogar verschlimmern, sollten sie einen Arzt aufsuchen. Dieser kann dann die für die Behandlung geeigneten Antibiotika verordnen.

Schwangere Frauen sollten sich mit jedem Harnwegsinfekt in ärztliche Behandlung begeben. Bei ihnen besteht die Gefahr, dass sich eine an sich harmlose Blasenentzündung auf die Nieren ausbreitet. Eine solche Nierenbeckenentzündung kann sehr schwer verlaufen und die Funktion der Nieren beeinträchtigen.

Weiterhin sollten sich Menschen mit Diabetes, die Beschwerden beim Wasserlassen haben, unbedingt an einen Arzt wenden. Ihr Immunsystem ist oft geschwächt und wird mit den Erregern meist nicht allein fertig. Außerdem können Veränderungen in der Funktion der Nerven (diabetische Neuropathie) zu einem gestörten Harnabfluss führen.

Darüber hinaus gehört jeder komplizierte Harnwegsinfekt in ärztliche Hand. Bei Männern ist das Spektrum der Erreger sehr viel schlechter abzuschätzen als bei Frauen und oftmals ist die Prostata an dem Geschehen beteiligt. Ist die Prostata vergrößert, muss der Arzt entscheiden, welche Behandlung sich am besten eignet.

Ohne ärztlichen Rat sollten Sie höchstens Maßnahmen durchführen, die die Therapie unterstützen, also zum Beispiel viel trinken.

Bei Kindern

Säuglinge, die ohne erkennbare Ursache Fieber haben, müssen immer ärztlich untersucht werden, da häufig ein Harnwegsinfekt der Grund sein kann.

Klagen Kinder über Schmerzen beim Wasserlassen, sollten sie möglichst bald von einem Arzt untersucht werden.

Bei Säuglingen und Kindern mit einem Harnwegsinfekt muss der Harntrakt sehr sorgfältig daraufhin untersucht werden, ob er Fehlbildungen oder Fehlfunktionen aufweist.

Behandlung mit Medikamenten

Die Behandlung eines unkomplizierten Harnwegsinfekts soll vor allem die Beschwerden beseitigen. Den Urin keimfrei zu machen, ist nicht unbedingt das Ziel.

Rezeptfreie Mittel

Harnwegsinfektion

Mittel mit Methionin säuern den Harn an. Sie werden in der Hoffnung eingenommen, dass sie die Wirkung von antibakteriell wirkenden Arzneimitteln unterstützen. Bei Harnwegsinfektionen ist die therapeutische Wirksamkeit dieses Vorgehens jedoch nicht ausreichend nachgewiesen.

Zur Selbstbehandlung werden bei Harnwegsinfektionen überwiegend Pflanzenmittel eingesetzt. Über diese gibt es zwar positive Erfahrungsberichte, in wissenschaftlich akzeptierten Studien ist ihre therapeutische Wirksamkeit aber bislang nicht ausreichend untersucht worden. Mit ihnen allein lässt sich ein Harnwegsinfekt nicht angemessen behandeln. Daher werden Fertigpräparate zum Einnehmen, die einen Extrakt von Bärentraubenblättern oder Goldrutenkraut enthalten, als "wenig geeignet" bewertet. Auch Pflanzenkombinationen zum Einnehmen mit Bärentraubenblättern+ Goldrute oder Kapuzinerkresse + Meerrettichwurzel sind dafür wenig geeignet. Bei diesen kommt zu dem fehlenden Wirksamkeitsnachweis noch hinzu, dass sie keine sinnvolle Kombination darstellen.

Für Bärentraubenblätterextrakt fehlen darüber hinaus Studien, die belegen, dass krebserregende und erbgutverändernde Effekte auch auf Dauer sicher ausgeschlossen sind.

Manche Tees führen als Anwendungsgebiet nicht die Behandlung von Harnwegsinfektionen an, sondern die Unterstützung einer solchen Behandlung. Dazu können sie insofern etwas beitragen, als die Flüssigkeitszufuhr erhöht wird. Sie stellen also eine Durchspülungstherapie dar, ohne dass deren Effekt aber auf einen spezifischen Inhaltsstoff der Teebestandteile zurückgeführt werden kann. Solche Tees mit Brennnessel oder Schachtelhalm und Pflanzenkombinationen als Tee werden zur Unterstützung der Behandlung "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Ausgenommen von dieser Bewertung sind Blasen- und Nierentees mit Bärentraubenblättern. Da nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass Bärentraubenblätter bei längerer Anwendung krebserregende und erbgutverändernde Eigenschaften haben, werden Produkte mit diesem Bestandteil als "wenig geeignet" bewertet.

Schmerzen und Fieber bei einer Harnwegsinfektion können mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol gelindert werden.

Reizblase

Auch zur Behandlung einer Reizblase ist die therapeutische Wirksamkeit dieser Pflanzenmittel nicht ausreichend nachgewiesen.

Rezeptpflichtige Mittel

Manche Blasenentzündungen vergehen innerhalb von zwei bis drei Tagen von selbst, gehen dabei aber meist mit mäßig starken Schmerzen einher. Werden solche unkomplizierten Harnwegsinfektionen mit Antibiotika behandelt, klingen die Beschwerden schneller ab. Allerdings besteht bei einer solchen Behandlung das Risiko unerwünschter Arzneimittelwirkungen. Zudem fördert der häufige Gebrauch von Antibiotika die Entstehung von Keimen, die auf diese Mittel nicht mehr ausreichend ansprechen (Resistenz). Es ist daher sinnvoll, die Vor- und Nachteile einer Antibiotikabehandlung mit dem Arzt zu besprechen und individuell zu bewerten.

Wenn Sie akzeptieren können, dass die Beschwerden einer unkomplizierten Harnwegsinfektion etwa einen Tag länger anhalten als mit einer Antibiotikabehandlung, können Sie diese Medikamente vermeiden. Studien zufolge werden von 100 Frauen, die ihre Blasenentzündung vom Hausarzt behandeln lassen, 30 bis 67 auch ohne Antibiotika wieder gesund.

Unkomplizierte Harnwegsinfektionen bei Frauen

Das für eine Kurzzeittherapie am besten geeignete Arzneimittel ist Nitrofurantoin. Es wird drei bis höchstens fünf Tage lang eingenommen. Diese Therapieform ist in der Regel ebenso wirksam wie eine Behandlung über sieben bis zehn Tage, unerwünschte Wirkungen treten aber seltener auf und die körpereigene Bakterienflora bleibt nahezu unbeeinträchtigt.

Tritt nach einer solchen Behandlung die Infektion im Abstand von mehr als zwei Wochen erneut auf, geht man davon aus, dass es sich um eine neue Infektion (Rezidiv) – meist aufgrund derselben Ursache – handelt. Diese wird ebenso behandelt wie beim ersten Mal.

Flammt die Infektion jedoch innerhalb von zwei Wochen erneut auf (Relapse), ist anzunehmen, dass die Kurzzeittherapie nicht alle Erreger erreicht hat. Dann sollte zu einem Antibiotikum gewechselt werden, das als Alternative eingesetzt werden kann.

Eine Besonderheit gilt für Frauen nach den Wechseljahren und für Frauen, die sich nur noch eingeschränkt bewegen können oder in einem Pflegeheim leben. Bei ihnen sollte eine unkomplizierte Harnwegsinfektion eine Woche lang antibiotisch behandelt werden, um die Rate an Relapse-Erkrankungen zu verringern.

Trimethoprim gilt für die Behandlung von unkomplizierten Harnwegsinfektionen bei Frauen als "mit Einschränkung geeignet", wenn Nitrofurantoin nicht infrage kommt. In bestimmten Regionen sind mittlerweile relativ viele Erreger gegen dieses Antibiotikum resistent.

Auch Fosfomycin wird als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Derzeit sind zwar noch nicht viele Erreger resistent gegen dieses Mittel, doch je häufiger es eingesetzt wird, desto mehr steigt die Resistenzrate. Weil die Wirkkraft von Fosfomycin für schwere innerliche Erkrankungen erhalten bleiben soll, sollte es bei Harnwegsinfektionen zurückhaltend eingesetzt werden.

Cotrimoxazol, die Kombination aus Sulfonamid und Trimethoprim, ist mit Einschränkung geeignet, wenn Nitrofurantoin, Trimethoprim oder Fosfomycin als Einzelmittel nicht eingesetzt werden kann. Die Wirksamkeit von Trimethoprim wird durch die Kombination mit einem Sulfonamid nicht gesteigert, unerwünschte Wirkungen treten hingegen deutlich häufiger auf.

Antibiotika wie Chinolone und Cephalosporine erhalten bei unkomplizierten Harnwegsinfekten die Bewertung "mit Einschränkung geeignet", denn sie einzusetzen ist normalerweise nicht notwendig. Diese Antibiotika sollen der Behandlung von komplizierten Infektionen vorbehalten bleiben. Näheres dazu lesen Sie unter Resistenzgefahr beachten.

Bei schwangeren Frauen dürfen Chinolone nicht angewendet werden.

Komplizierte Harnwegsinfektionen

Welches Antibiotikum verordnet wird, sollte sich bei komplizierten Harnwegsinfektionen nach dem Ergebnis der Erregerbestimmung richten. Dann können Chinolone, das Penicillin Sultamicillin oder die Antibiotikakombination Amoxicillin und Clavulansäure geeignete Arzneimittel sein.

Cephalosporine sind ebenfalls geeignet, wenn ein entsprechender Erregernachweis vorliegt.

Für schwangere Frauen gelten diese Mittel neben Penicillinen als Mittel der ersten Wahl. Auch Fosfomycin kann nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden.

Wenn die oberen Harnwege entzündet sind und das Nierengewebe beteiligt ist (Pyelonephritis), wird die Einnahme von Ciprofloxacin oder Levofloxacin aus der Gruppe der Chinolone für sieben bis zehn Tage empfohlen. Auch Cotrimoxazol, die Kombination aus Sulfonamid und Trimethoprim, kann in Betracht gezogen werden, wenn der Test gezeigt hat, dass die Erreger auf Cotrimoxazol empfindlich reagieren.

Wie lange Antibiotika eingenommen werden sollen, wird derzeit diskutiert. Eine langdauernde Behandlung kann die Resistenzentwicklung begünstigen und es können vermehrt Nebenwirkungen auftreten. So können beispielsweise im Darm unerwünschte Bakterien überhand nehmen, durch die es zu starkem Durchfall kommen kann. Männer mit einer Harnwegsinfektion sollen üblicherweise 7 bis 14 Tage lang Antibiotika einnehmen. Wenn nicht zu befürchten ist, dass die Nieren ebenfalls angegriffen sind, genügen 7 Tage. Eine längere Behandlung garantiert keinen besseren Erfolg.

Bei Kindern

Harnwegsinfekte bei Kindern gelten als komplizierte Harnwegsinfekte. Kinder ab dem zweiten Lebensjahr werden mit Cephalosporinen zum Einnehmen wie Cefixim oder Cefpodoxim behandelt. Bei schweren Krankheitsverläufen müssen die Kinder im Krankenhaus versorgt werden. Insbesondere im Säuglingsalter werden die Antibiotika dann intravenös verabreicht.

Wiederkehrende Infektionen

Die Einnahme eines Medikaments in niedriger Dosierung für drei bis sechs Monate soll wiederkehrenden Infektionen vorbeugen. Dafür steht am ehesten Trimethoprim zur Verfügung. Allerdings wird dieses als "mit Einschränkung geeignet" bewertet, da noch nicht genügend Untersuchungsergebnisse vorliegen, um seine Wirksamkeit für eine solche Langzeitanwendung abschließend beurteilen zu können.

Wenig geeignet ist hingegen Nitrofurantoin. Hierfür gibt es ebenfalls nicht genügend Studien, um sein Risiko hinreichend abschätzen zu können. Vor allem bei längerdauernder Behandlung ist bei Nitrofurantoin aufgrund seiner chemischen Struktur die Gefahr schwerwiegender unerwünschter Wirkungen nicht sicher auszuschließen. Aus Sicherheitsgründen sollte das Mittel daher zur Langzeitbehandlung nur in begründeten Ausnahmefällen eingesetzt werden.

Alle anderen Präparate, die bei Harnwegsinfektionen und Reizblase häufig verordnet und in diesem Kapitel besprochen werden, gelten als "wenig geeignet".

Nitroxolin ist ein Mittel gegen Bakterien und Pilze. Im Vergleich zu den Standardmitteln Trimethoprim und Nitrofurantoin ist seine therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend belegt.

Das Gleiche gilt für die Bakterienzubereitung aus Escherichia coli.

Die Kombination aus Nitrofurantoin und Vitamin B6 gilt als nicht sinnvoll. Vitamin B6 verbessert die Wirkung von Nitrofurantoin nicht. Letzteres genügt zur Behandlung von Harnwegsinfektionen vollauf. Dass die Kombination therapeutisch besser wirksam ist als Nitrofurantoin allein, ist nicht ausreichend belegt.