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Harn- und Nierensteine

Allgemeines

Etwa jeder Zehnte entwickelt im Laufe des Lebens mindestens einmal einen Harn- oder Nierenstein. Diese Steine können sich im gesamten Bereich der Harnwege bilden (Urolithiasis): in den Nierenbecken, den Harnleitern, der Blase und der Harnröhre. Sie können an ihrem Entstehungsort bleiben, aber auch durch die Harnwege wandern. Die Steine werden nach den chemischen Verbindungen, die den Hauptanteil ihres Materials stellen, unterschieden. Am häufigsten kommen Oxalat-, Phosphat- und Uratsteine (Harnsäuresteine) vor.

Von Harn- und Nierensteinen sind Männer etwas häufiger betroffen als Frauen. Sie können in jedem Alter auftreten, auch schon bei Kindern. Am häufigsten aber sind Menschen im mittleren Lebensabschnitt zwischen 40 und 60 Jahren von solchen Steinen betroffen

Anzeichen und Beschwerden

Solange die Steine den Harnabfluss nicht behindern, verursachen sie meist keine Beschwerden. Manchmal werden sie entdeckt, wenn dem Arzt bei einer Untersuchung Blut im Urin auffällt, denn die Steine verletzen leicht die empfindlichen Gewebe der Harnwege. Außerdem können sich Bakterien an den Steinen festsetzen und Harnwegsinfektionen auslösen, die sich wiederholen können.

Behindert ein Stein den Harnabfluss oder beginnt er zu wandern, macht er sich durch Schmerzen bemerkbar, die – je nachdem, wo sich der Stein in den Harnwegen befindet – mit leichtem Unwohlsein einhergehen oder kolikartig verlaufen.

Bei einer Nierenkolik verlaufen die Schmerzen wellenförmig und können unerträglich stark sein. Zugleich kann auch Erbrechen auftreten. Die Schmerzen beruhen darauf, dass der gestaute Urin die Wände des Harnleiters und des Nierenbeckens dehnt. Die so aktivierte Muskulatur versucht dann, den Stein herauszupressen.

Ursachen

Urin ist eine Lösung aus Salzen. Es gibt mehrere Gründe, weshalb aus der Lösung Steine auskristallisieren. Enthält der Urin wenig Wasser, entstehen leichter Nierensteine. Auch der Säuregehalt des Urins spielt eine Rolle. Ändert sich dieser, lösen sich manche Salze nicht mehr so gut und fallen aus: Je saurer der Urin, desto weniger Harnsäure löst sich; je alkalischer der Urin, desto weniger Phosphate lösen sich. Etwa 5 bis 10 von 100 Steinen sind Harnsäuresteine, ca. 10 von 100 Steinen sind Struvitsteine, die aus Magnesiumammoniumphosphat bestehen, und etwa 80 von 100 Steinen sind Calciumsteine. Diese werden in erster Linie aus Calciumoxalat gebildet, seltener aus Calciumphosphat. Auch die Zusammensetzung des Urins spielt eine Rolle. Enthält er viel Calcium, Oxal- oder Harnsäure und wenig Citrat, begünstigt das die Steinbildung. Selten sind eiweißhaltige Substanzen für die Steinbildung verantwortlich; sie finden sich im Urin, wenn die Nierenfunktion gestört ist. Nur 1 von 100 Steinen gehört in diese Kategorie (z. B. Cystinsteine).

Anatomische Besonderheiten, die den Harnabfluss behindern, und häufige Harnwegsinfektionen haben ebenfalls oft eine Steinbildung zur Folge.

Zudem begünstigen Harnwegsinfektionen die Bildung von Struvitsteinen; die Stoffwechselerkrankungen Gicht und Diabetes sowie chronischer Durchfall die Bildung von Harnsäuresteinen.

Darüber hinaus kann beim Fasten das Risiko für Harnsäuresteine ansteigen, wenn zu wenig getrunken wird. Beim Fasten entstehen aus Körperfetten Abbausubstanzen, die die Fähigkeit der Nieren, Harnsäure auszuscheiden, behindern. Infolgedessen steigt der Harnsäurespiegel im Blut und in den Nieren an.

Vorbeugung

Um der Entstehung von Harn- und Nierensteinen vorzubeugen, ist es ratsam, täglich zwei bis zweieinhalb Liter zu trinken und noch mehr, wenn bei Hitze und körperlicher Anstrengung viel Flüssigkeit durch Schwitzen verloren geht. Außerdem wird empfohlen, die Flüssigkeit nicht nur über den Tag verteilt zu sich zu nehmen, sondern auch vor dem Schlafengehen und in der Nacht. Menschen mit einer unzureichenden Herzleistung (Herzinsuffizienz) oder Dialysepatienten sollten mit ihrem Arzt besprechen, wie viel sie trinken dürfen.

Eine Untersuchung an Frauen in den Wechseljahren legt nahe, dass körperliche Aktivität – unabhängig von ihrem Ausmaß – das Risiko verringert, dass sich Nierensteine bilden. Auch das Vermeiden von Übergewicht kann einer Steinbildung vorbeugen. Wahrscheinlich erhöht sich das Risiko für Harn- und Nierensteine bei überreichlicher Eiweiß- und Salzzufuhr.

Zur Vorbeugung einer erneuten Steinbildung ist es notwendig, die Zusammensetzung des aufgetretenen Steines zu kennen. Abhängig von der Zusammensetzung unterscheiden sich die individuellen Empfehlungen zur Anpassung der Ernährung.

Allgemeine Maßnahmen

Manchmal lassen sich die Schmerzen, die ein Stein verursacht, mit einem heißen Bad oder heißen Kompressen bessern.

Viel Bewegung, heiße Bäder und reichlich Flüssigkeit – egal, ob medizinischer Tee oder Wasser – können dazu beitragen, dass kleinere Nierensteine von selbst abgehen. Menschen mit gesundem Herzen wird ärztlich empfohlen, dafür 2,5 bis 3 Liter Flüssigkeit über den Tag verteilt zu trinken. Ca. 80 Prozent der Steine verlassen letztlich – unterstützt durch diese Maßnahmen – von allein den Körper. Dieses abzuwarten, setzt voraus, dass die Steine eine bestimmte Größe nicht überschreiten und die Abflusswege nicht einengen. Darüber hinaus müssen die Schmerzen mit Medikamenten beherrschbar sein und es dürfen keine fieberhaften Harnwegsinfekte auftreten.

Ernährung

Etwa die Hälfte der Menschen mit Harn- oder Nierensteinen weist innerhalb der nächsten 10 Jahre erneut einen Stein auf; innerhalb von 20 bis 30 Jahren trifft es sogar 80 Prozent. Es ist also sinnvoll, bereits nach dem ersten Stein die Ernährung und das Trinkverhalten so umzustellen, dass das Risiko einer erneuten Steinbildung verringert wird.

Viel zu trinken kann helfen, Nierensteinen vorzubeugen. Auf Softdrinks sollte dabei allerdings verzichtet werden.

Für Personen, bei denen Harnsäuresteine nachgewiesen wurden, kann eine purinarme Ernährung die sonstigen Maßnahmen, mit denen der Bildung weiterer Steine vorgebeugt werden soll, unterstützen. Purine sind Bausteine des genetischen Materials im Zellkern. Sie gelangen mit der Nahrung, vor allem durch eiweißreiche Produkte wie Fleisch und Fisch, in den Körper. Purinarme Ernährung bedeutet vor allem, Innereien, Krustentiere, Ölsardinen, Sardellen und Heringe vom Speisezettel zu streichen und den täglichen Fleischkonsum auf etwa 150 Gramm zu beschränken.

Menschen mit Oxalatsteinen sollten oxalatreiche Nahrungsmittel meiden. Dazu gehören Kakao, Nüsse, Okraschoten, Rhabarber, Mangold, rote Bete und Spinat.

Außerdem sollen am Tag nicht mehr als sechs Gramm Kochsalz aufgenommen werden, – egal, welche Art von Steinen festgestellt wurde. Offenbar ist das Risiko, dass sich erneut Steine bilden, geringer, wenn zusätzlich zur purin- oder oxalatarmen Ernährung auch die Kochsalzaufnahme gering ist. Letzteres lässt sich erreichen, indem das Essen salzarm zubereitet und ein natriumarmes Mineralwasser als Getränk ausgewählt wird. Darüber hinaus noch die Calciumaufnahme über die Nahrung einzuschränken – wie es bisher oft empfohlen wurde –, ist nicht notwendig. In Studien zeigte sich, dass eine calciumarme Kost Nierensteine sogar begünstigt, da bei zu wenig Calcium im Essen mehr Oxalat in den Urin gelangt.

Wann zum Arzt?

Jede Art von Steinbildung in den Harnwegen muss ärztlich untersucht werden. Nur so lassen sich Ursachen finden, die man möglicherweise behandeln kann. Größere Steine müssen meist mit Ultraschallwellen zertrümmert (Stoßwellentherapie) oder durch einen chirurgischen Eingriff entfernt werden. Sollten Sie es trotzdem zunächst mit einer Selbstbehandlung versuchen, müssen Sie unbedingt den Arzt einschalten, wenn Sie Blut im Urin bemerken, Fieber bekommen oder die Beschwerden länger als fünf Tage anhalten.

Um der erneuten Bildung von Steinen mit einer entsprechenden Ernährung oder mit Medikamenten vorbeugen zu können, sollte bereits der erste Stein im Labor auf seine Zusammensetzung untersucht werden.

Wenn der Arzt dann gemäß der Analyse des Steines ein Medikament mit Salzen der Zitronensäure verordnet, um die Steine aufzulösen, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten dafür, obwohl die Mittel nicht verschreibungspflichtig sind. Näheres hierzu finden Sie in der Ausnahmeliste.

Behandlung mit Medikamenten

Gegen leichtere Beschwerden bei Harn- und Nierensteinen kann ein Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika wie z. B. Ibuprofen eingenommen werden. Die Schmerzen einer Nierenkolik dagegen gehören zu den stärksten Akutschmerzen und erfordern manchmal sogar einen Krankenhausaufenthalt.

Rezeptfreie Mittel

Abhängig von der Art des aufgetretenen Steins kommen zur Vorbeugung vor einer erneuten Steinbildung unterschiedliche Medikamente infrage.

Zur Vorbeugung gegen Harnsäure- und Calciumoxalatsteine eignen sich Salze der Zitronensäure. Diese werden manchmal auch zur Behandlung kleinerer Harnsäuresteine (max. 10 Millimeter) eingesetzt, wenn diese nicht von alleine abgehen.

Dass Methionin Phosphatsteinen vorbeugt, ist durch aussagekräftige Studien nicht ausreichend nachgewiesen. Es gilt daher als "wenig geeignet". Mittel mit Methionin können allenfalls als Behandlungsversuch dienen, wenn andere Maßnahmen nicht erfolgreich waren.

Goldrute sowie eine Pflanzenkombination aus Goldrute + Hauhechel + Orthosiphon zum Einnehmen sind ebenfalls wenig geeignet, um einer Steinbildung vorzubeugen. Ihre therapeutische Wirksamkeit ist nicht ausreichend nachgewiesen.

Pflanzenkombinationen als Tee werden dagegen als unterstützende Maßnahme bei Harn- und Nierensteinen als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Es ist zwar nicht ausreichend nachgewiesen, dass die Pflanzen selbst an der therapeutischen Wirksamkeit beteiligt sind. Eine reichliche Flüssigkeitszufuhr kann aber unterstützend wirken, dass Nieren- oder Harnsteine von alleine abgehen. Durch die große Harnmenge verbessert sich zudem die Löslichkeit von Salzen, sodass sich die Gefahr einer Steinbildung verringert.