Medikamente im Test

Halsentzündung

Allgemeines

Eine Halsentzündung ist oft das erste Anzeichen einer Erkältung. Meist kommen nach wenigen Tagen Schnupfen und Husten hinzu. Komplikationen wie eine Entzündung von Mandeln, Mittelohr oder Nasennebenhöhle treten nur bei weniger als 2 von 100 Personen mit Halsschmerzen auf. Anzeichen, die auf eine derartige Komplikation eindeutig hinweisen könnten, gibt es nicht.

Bei Kindern und Jugendlichen kommen Mandelentzündungen häufiger vor als bei Erwachsenen.

Anzeichen und Beschwerden

Der Hals kratzt und ist rau, die Stimme klingt belegt und heiser. Das Schlucken fällt schwer und ist schmerzhaft, weil die Schleimhaut im Rachen geschwollen und entzündet ist. Manchmal treten gleichzeitig Kopfschmerzen, Mattigkeit und leichtes Fieber auf. In der Regel kommen, vor allem bei Kindern oft sehr schnell, Husten und Schnupfen hinzu.

Außer durch Krankheitserreger können Halsschmerzen auch durch eine Überbeanspruchung der Stimme oder aufgrund einer Reizung der Atemwege durch Zigarettenrauch oder trockene Luft ausgelöst werden.

Eine Mandel- (Tonsillitis, Angina) oder Rachenentzündung (Pharyngitis) beginnt oft mit einem schlechten Geschmack im Mund oder einem kratzigen Gefühl im Rachen. Danach erst setzen Halsschmerzen und Schluckbeschwerden mit oder ohne Fieber ein. Oft kommen Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Müdigkeit hinzu. Mandeln und Rachen sind gerötet und geschwollen.

Anzeichen für eine Streptokokkeninfektion sind eitrige Stippchen oder ein schmieriger, gelblicher Belag auf den Mandeln sowie kleine Einbuchtungen in der Schleimhaut des weichen Gaumens. Begleitet wird diese Infektion von starken Halsschmerzen und hohem Fieber über 38,5 °C, das mehrere Tage anhält, sowie geschwollenen Lymphknoten in der Halsregion.

Bei Kindern

Häufig ist eine Halsentzündung nicht von beginnenden, milden Formen von Scharlach zu unterscheiden. Bei Kindern nimmt Scharlach aber dann oft einen typischen Verlauf: Zu den Halsschmerzen kommt dann plötzlich auftretender Schüttelfrost hinzu, das Fieber steigt rasch an und es treten ausgeprägte Gliederschmerzen auf. Der hintere Rachen ist leuchtend rot entzündet, die Mandeln und die Lymphknoten am Hals sind geschwollen, das Schlucken tut sehr weh. Die Zunge ist zu Beginn belegt. Im späteren Verlauf verschwindet der Belag und die Zunge färbt sich leuchtend rot (Himbeerzunge).

Ursachen

Die Mehrzahl aller Hals- und Rachenentzündungen – etwa 80 von 100 Fällen – wird durch Erkältungsviren verursacht. Dann sind die Halsschmerzen häufig von weiteren Erkältungsbeschwerden wie Husten oder Schnupfen begleitet.

Bakterielle Entzündungen kommen vergleichsweise selten vor. Sie spielen eher bei Mandelentzündungen eine Rolle, insbesondere Streptokokken der Gruppe A. Bei vielen Menschen sind solche Bakterien jedoch ständig in geringer Zahl im Rachenraum und den Mandeln vorhanden, ohne Beschwerden zu verursachen. Wenn die Mandeln aber durch einen Virusinfekt vorgeschädigt oder geschwächt sind, können sich die Streptokokken vermehren und dann eine bakteriell bedingte Mandelentzündung auslösen.

Bestimmte Streptokokkeninfektionen im Rachenraum können – allerdings nur selten – Herzklappenfehler, Gelenkrheuma und Nierenentzündungen verursachen.

Allgemeine Maßnahmen

Wenn Sie mit lauwarmem Salzwasser gurgeln (einen Teelöffel Salz in einem halben Liter warmem Wasser lösen), spülen Sie die mit Viren durchsetzten Beläge von Mund- und Rachenschleimhaut ab. Den gleichen Effekt haben Kamillen-, Salbei- oder Ringelblumentee.

Wichtig ist, dass Sie viel Speichel produzieren. Dieser befeuchtet die Rachenschleimhaut, was das Schlucken erleichtert und die Entzündung dämpft. Speichel enthält darüber hinaus Abwehrstoffe, die die Viren bekämpfen. Sie können die Speichelproduktion anregen, indem Sie saure Drops, Pastillen oder Hustenbonbons lutschen oder Kaugummi kauen. Achten Sie darauf, dass die Produkte möglichst keinen Zucker enthalten.

Trockene Luft reizt entzündete Schleimhaut. Sorgen Sie für eine hohe Luftfeuchtigkeit, indem Sie feuchte Tücher über die Heizung hängen oder Wasserschalen im Raum aufstellen. Außerdem sollten Sie viel trinken.

Ein weiteres bewährtes Hausmittel ist warmer Tee mit Honig.

Sie sollten das Rauchen einstellen, weil dadurch die Schleimhäute noch stärker gereizt werden.

Sie sollten Ihre Stimme schonen, möglichst aber nicht flüstern und sich auch nicht räuspern, weil das den Stimmapparat besonders belastet und die Heiserkeit noch verschlimmern kann.

Wenn entzündete Mandeln immer wieder starke Beschwerden verursachen, können sie auch operativ entfernt werden. Das ist beispielsweise dann angeraten, wenn sich die Mandeln in einem Jahr etwa alle zwei Monate nachweislich aufgrund von Bakterien stark entzünden oder wenn dies mehrere Jahre hintereinander mindestens dreimal pro Jahr passiert.

Wann zum Arzt?

Wenn die Körpertemperatur über 38,5 °C ansteigt, das Fieber länger als ein bis zwei Tage anhält, ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl einsetzt, die Lymphknoten am Hals stark anschwellen und sich auf den Mandeln eitrige Pusteln oder ein schmieriger, gelblicher Belag zeigt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Er muss klären, ob es sich um eine bakterielle Infektion handelt, die eventuell mit Antibiotika zum Einnehmen behandelt werden muss.

Bei Kindern

Kommt zu der Halsentzündung ein Hautausschlag hinzu, bei dem sich rote, eng beieinander liegende und leicht erhabene Hautflecken zeigen, ist außerdem die Zunge zunächst belegt, später dann stark gerötet (Himbeerzunge), treten die Geschmacksknospen vergrößert hervor und schält sich gegebenenfalls an Handinnenflächen und Fußsohlen die Haut, handelt es sich vermutlich um Scharlach. Dann sollten Sie das Kind einem Arzt vorstellen.

Behandlung mit Medikamenten

Eine durch Viren bedingte Hals- oder Rachenentzündung brauchen Sie nicht medikamentös zu behandeln. Die Halsentzündung heilt innerhalb von drei bis fünf Tagen von selbst ab. Ist sie von Fieber begleitet, verschwindet auch dieses meist schon nach zwei bis drei Tagen.

Rezeptfreie Mittel

Um die Schmerzen zu lindern, können Sie Ibuprofen oder Paracetamol einnehmen. Achten Sie darauf, dass Sie von Paracetamol wegen seiner leberschädigenden Wirkungen nicht mehr als vier Gramm pro Tag einnehmen. Berücksichtigen Sie hierbei, nicht gleichzeitig verschiedene Mittel mit Paracetamol einzunehmen, denn in vielen Kombinationspräparaten, die bei akuten Atemwegserkrankungen zum Einsatz kommen, ist Paracetamol enthalten.

Mittel mit Ibuprofen sollten Sie grundsätzlich nicht länger als nötig anwenden, um Schäden an der Magenschleimhaut zu vermeiden.

Zusätzlich zu einem Schmerzmittel können Sie wirkstofffreie Bonbons lutschen. Das Lutschen von Bonbons zur Befeuchtung der Rachenschleimhäute trägt dazu bei, den Speichelfluss anzuregen und die Beschwerden abzumildern. Wählen Sie möglichst zuckerfreie Sorten. Sie sollten die Bonbons langsam lutschen und nicht kauen oder zerbeißen. Wählen Sie am besten solche Produkte aus, die Ihnen gut schmecken, das regt die Speichelproduktion besonders wirkungsvoll an. Schluckbeschwerden und Heiserkeit können sich dadurch etwas bessern. Auf den entzündlichen Prozess haben die Mittel keinen direkten Einfluss.

Bei Halsschmerzen sind zur Befeuchtung der Rachenschleimhaut zuckerfreie Pastillen mit Emser Salz geeignet, die zuckerhaltigen Pastillen gelten als "auch geeignet". Ob die salzhaltigen Pastillen besser wirken als andere wirkstofffreie Lutschpastillen oder Halsbonbons, ist nicht untersucht. Generell sind zuckerfreie Lutschpastillen vorzuziehen.

Lidocain ist ein lokal schmerzstillendes Mittel, dessen therapeutische Wirksamkeit noch besser belegt werden sollte. Es ist bei Halsentzündungen mit Einschränkung geeignet.

Auch Ambroxol wirkt oberflächlich betäubend, ist aber bei Halsentzündungen noch wenig erprobt. Die therapeutische Wirksamkeit bei Halsschmerzen sollte noch besser belegt werden. Eine kurzzeitige Anwendung ist jedoch vertretbar, das Mittel mit Einschränkung geeignet.

Wenig geeignet sind dagegen Lutschtabletten mit dem Schmerzmittel Flurbiprofen, weil die therapeutische Wirksamkeit dieser Substanz bei Halsschmerzen nicht ausreichend nachgewiesen ist. Zudem ist nicht untersucht, ob die Lutschtabletten im Vergleich mit Schmerzmitteln zum Einnehmen Vorteile haben. Als Lutschtablette kann Flurbiprofen die Mundschleimhaut schädigen.

Desinfizierende Mittel mit Antiseptika sind gegen Viren wenig wirksam und bei Halsentzündungen wenig geeignet. Das gilt auch für die verschiedenen Kombinationen, die Cetylpyridinium + Benzocain, Cetylpyridinium + Dequalinium + Lidocain oder die zwei Antiseptika Amyl-metacresol + Dichlorbenzylalkohol enthalten. Zudem ist fraglich, was desinfiziert werden soll – jede gesunde Mund- und Rachenschleimhaut enthält Bakterien. Diese erwünschten Bakterien abzutöten, wäre bei einer Halsentzündung unklug, die krankmachenden Keime jedoch siedeln tief in den Furchen der Schleimhaut und werden von den Mitteln nicht erreicht.

Der Zusatz eines Antibiotikums ist bei Virusinfektionen unsinnig, weil Antibiotika nur Bakterien bekämpfen, gegen Viren aber nicht wirksam sind. Bei einer bakteriellen Infektion wirken örtlich anzuwendende Antibiotika in Lutschtabletten allenfalls oberflächlich und dringen nicht tief genug in die Schleimhautfurchen ein, in denen sich die Bakterien festsetzen. Die Wirkstoffe zerstören eher die gesunde Bakterienflora in der Mundhöhle, die mit dazu beiträgt, die Infektion zu bekämpfen. Zudem können sie Allergien auslösen. Mittel mit Antibiotika + Antiseptika + örtlich betäubenden Mitteln, mit den Wirkstoffen Tyrothricin + Benzalkonium + Benzocain oder Tyrothricin + Cetrimonium + Lidocain sind bei Halsschmerzen deshalb wenig geeignet. Auch für Mangel- und Rachenentzündungen gilt die Kombination von Tyrothricin + Cetrimonium + Lidocain als "wenig geeignet". Auch mit bakteriell bedingten Mandel- oder Rachenentzündungen wird der Körper normalerweise alleine fertig. Handelt es sich um eine durch Streptokokken ausgelöste eitrige Mandelentzündung, kommen rezeptpflichtige Mittel zum Einsatz.

Die therapeutische Wirksamkeit von Extrakten aus Anis + Kamille + Pfefferminze ist bei Halsschmerzen nicht ausreichend nachgewiesen. Das Mittel ist deshalb ebenfalls wenig geeignet.

Rezeptpflichtige Mittel

Müssen Streptokokkeninfektionen behandelt werden, werden Antibiotika zum Einnehmen verordnet, beispielsweise Penicilline.

Meist bestimmt der Arzt nicht anhand eines Abstrichs, ob und auf welche Bakterien die Halsentzündung zurückzuführen ist (zumal Mandeln und Rachenraum auch bei Gesunden immer von Bakterien, auch von Streptokokken, besiedelt sind), sondern beurteilt anhand des allgemeinen Gesundheitszustandes, ob ein Antibiotikum verordnet werden muss. Dies sollte jedoch nur bei hohem Fieber und einem starken Krankheitsgefühl geschehen oder wenn zusätzlich Herz- oder Lungenerkrankungen vorliegen, bei denen eine Streptokokkenangina mit schwerwiegenden Komplikationen einhergehen kann. In allen anderen Fällen kann in Ruhe eine Woche abgewartet werden, ob die Beschwerden mit allgemeinen Maßnahmen nachlassen. Wenn nicht, ist der Einsatz eines Antibiotikums erneut zu prüfen.

Dieses Vorgehen ist sinnvoll, weil ein früher und ungezielter Einsatz von Antibiotika keine Vorteile hat (die Krankheitsdauer wird z. B. kaum verkürzt), wohl aber erhöht sich die Gefahr von unerwünschten Wirkungen (z. B. von Magen-Darm-Beschwerden) und auch das Risiko für Resistenzen. Dadurch können viele ernste Krankheiten nicht mehr so gut mit Antibiotika behandelt werden wie zuvor.

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