Medikamente im Test

Haarausfall

Allgemeines

Haare und Frisur prägen in hohem Maße unser äußeres Erscheinungsbild. Wenn die Haare ausfallen, kann sich dadurch das Aussehen erheblich verändern – mit teilweise einschneidenden Folgen für das Selbstwertgefühl. Allerdings ist ein geringer täglicher Verlust an Haaren kein Grund zur Besorgnis – die Kopfhaut bildet ständig neue Haare und stößt alte ab. So bleiben normalerweise pro Tag bis zu 100 Haare in Bürste oder Kamm hängen. Ob sich das bemerkbar macht, hängt mit davon ab, wie dicht der Haarwuchs von Natur aus ist. Bei vollem Haar fällt auch ein Verlust von mehr als 100 Haaren täglich nicht sonderlich auf, während er bei sehr schütterem Haar schon klar erkennbar ist.

Anzeichen und Beschwerden

Beim Kämmen oder Bürsten gehen auf dem ganzen Kopf in starkem Maße einzelne Haare aus (diffuser Haarausfall). Fallen die Haare von allein büschelweise aus und lassen rund abgegrenzte kahle Stellen zurück, spricht man vom kreisrunden Haarausfall (Alopezia areata).

Bilden sich diese haarlosen Bereiche auf der Kopfhaut, weil sich die Haut z. B. aufgrund einer Autoimmunerkrankung narbig umwandelt, dann spricht man von einer narbigen Alopezie.

Ursachen

Haarausfall kann unterschiedliche Ursachen haben, z. B. genetische Veranlagung, Erkrankungen, Mineralstoffmangel. Diffuser Haarausfall ist häufig auch eine normale Alterserscheinung und keine Krankheit. Die altersbedingt verlangsamten Stoffwechselprozesse haben auch Auswirkungen auf das Wachstum der Haare. Oft fallen die Haare nur über einen gewissen Zeitraum vermehrt aus, wenn sich im Leben sehr einschneidende Veränderungen ereignen (Krankheit, Schwangerschaft, Ereignisse, die Stress verursachen, wie ein Berufswechsel, Todesfall). Auch ein Eisenmangel (Anämie) kann vorübergehend Haarausfall verursachen. Wenn der Mangel behoben ist, bessert sich der Haarausfall wieder.

Ebenso können Arzneimittel Haarausfall bedingen. Dazu gehören vor allem Medikamente bei Krebs oder Rheuma sowie Fibrate (bei erhöhten Blutfetten), Betablocker und ACE-Hemmer (bei hohem Blutdruck), Lithium (bei Depressionen), Heparin und Phenprocoumon (beide bei erhöhter Thrombosegefahr), Medikamente gegen HIV-Infektionen, Mittel gegen Epilepsie und Vitamin A (in Multivitaminpräparaten).

Auch Rauchen scheint sich negativ auf die Haarfülle auszuwirken. Die Mirkozirkulation in der Haut verschlechtert sich, dadurch werden die Haarwurzeln nicht mehr so gut mit Nährstoffen versorgt. Die Haare können früher ergrauen und vermehrt ausfallen, insbesondere bei Männern.

Die Ursache des kreisrunden Haarausfalls ist noch nicht endgültig geklärt. Vermutet wird eine Störung des körpereignen Abwehrsystems, bei dem der Körper seine Immunabwehr gegen eigene Zellen, die Haarfollikel, richtet. Wenn sich die Kopfhaut an den haarlosen Arealen derber oder unregelmäßiger anfühlt als gewöhnlich, kann es sich um eine narbige Alopezie handeln. Dies sollten Sie von einem Arzt abklären lassen.

Beim androgenetischen Haarausfall reagieren die Haarfollikel anlagebedingt empfindlich auf männliche Geschlechtshormone. Das aus dem körpereigenen, männlichen Hormon Testosteron gebildete Dihydrotestosteron lässt die Haarwurzel verkümmern und die Haare fallen aus. Hiervon sind Männer und Frauen gleichermaßen betroffen. Solche Veränderungen treten vor allem zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf. Bei Männern kommt es dabei an der Stirn häufig zu "Geheimratsecken" oder auf dem Oberkopf bildet sich eine Glatze. Frauen bekommen hingegen häufig dünnes, schütteres Haar – dies betrifft die Kopfbereiche, an denen sich bei Männern der androgenetische Haarausfall üblicherweise bemerkbar macht. Bei Frauen entwickelt sich aber in aller Regel keine typische Glatze.

Bei Frauen können Hormonschwankungen dazu beitragen, dass sich die Haare lichten. Das ist auch der Grund, warum bei Frauen in und nach den Wechseljahren die Haare etwas ausdünnen. Dann dominieren eher die männlichen Hormone, während die weiblichen zurückgehen, weil der Körper nur noch wenig Östrogene bildet. Der Haarausfall kann sich verstärken, wenn in dieser Zeit Hormonpräparate gegen Wechseljahresbeschwerden eingesetzt werden. Einige dieser Mittel enthalten Gestagene, die ähnlich wirken wie männliche Hormone, sodass die Haare dünn werden und vermehrt ausfallen. Zu diesen Gestagenen gehören beispielsweise Norethisteron und Methoxyprogesteron.

Auch Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder Autoimmunerkrankungen wie z. B. Lichen ruber oder in seltenen Fällen auch eine bakterielle Infektion der Haarfollikel (Follikulitis) können der Grund sein, dass Haare vermehrt ausgehen. Dies ist auch der Fall, wenn ein Eisenmangel vorliegt. Um einen solcher Art ausgelösten Haarausfall zu stoppen, ist es erforderlich die zugrundeliegende Krankheit oder den Mangel zu behandeln. Wird durch eine tieferliegende Entzündung der Haarfollikel zerstört, kommt es zu Vernarbungen. An diesem Bereich der Kopfhaut ist der Haarausfall dann nicht mehr umkehrbar.

Allgemeine Maßnahmen

Eine geschickt geschnittene Frisur, ein Haarteil, eine gut gemachte Perücke können den Haarverlust kaschieren oder kahle Stellen verdecken.

Wann zum Arzt?

Wenn der Haarausfall wochenlang unvermindert anhält (mehr als 100 Haare pro Tag), sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Kreisrunden Haarausfall sollten Sie immer ärztlich abklären und behandeln lassen.

Kommt es im Rahmen von Vernarbungen der Kopfhaut zu Haarausfall, ohne dass eine Verletzung der Kopfhaut zugrunde liegt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Hierfür können Autoimmunreaktionen verantwortlich sein, die von einem Arzt abgeklärt werden müssen.

Behandlung mit Medikamenten

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des Haarausfalls. Wird die zugrundeliegende Erkrankung behandelt oder die verursachenden Medikamente abgesetzt, kann dieser gestoppt werden.

Rezeptfreie Mittel

Ein Haarwasser mit Minoxidil ist bei androgenetischem Haarausfall mit Einschränkung geeignet, weil die Wirkung meist hinter den Erwartungen zurückbleibt und der Haarausfall sofort wieder weitergeht, solbald das Mittel abgesetzt wird. Über eine langfristige Anwendung und die damit verbundenen Risiken liegen noch zu wenige Daten vor.

Haarwasser mit Östrogen soll den Haarwuchs anregen. Ob dies tatsächlich gelingt, wurde jedoch bisher nicht ausreichend nachgewiesen, die Mittel sind deshalb wenig geeignet.

Rezeptpflichtige Mittel

Bei Männern kann der Wirkstoff Finasterid, der in höherer Dosierung auch bei Prostatabeschwerden eingesetzt wird, das Fortschreiten von genetisch bedingtem Haarausfall zumindest teilweise bremsen. Nach Absetzen des Präparates setzt der Haarausfall aber erneut ein. Nach etwa einem Jahr liegt die Haarzahl unter dem Niveau zu Behandlungsbeginn. Derzeit werden mögliche Langzeitfolgen einer Daueranwendung von Finasterid diskutiert, seine Langzeitverträglichkeit – insbesondere bei jungen und gesunden Männern – ist insgesamt nicht abschließend geklärt. Das Präparat ist daher nur mit Einschränkung geeignet.

Kombinationspräparate aus Glucocorticoid + andere Stoffe sind bei Haarausfall bei Frauen wenig geeignet, da die therapeutische Wirksamkeit dieser Kombinationen nicht ausreichend nachgewiesen ist.