Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Gallenbeschwerden und Gallensteine

Allgemeines

Gallenflüssigkeit wird kontinuierlich in der Leber gebildet und, wenn sie nicht sofort gebraucht wird, in der Gallenblase gespeichert und eingedickt. Die Galle ist für die Verdauung von Fetten im Darm wichtig. Sie wird jeweils nach einer Mahlzeit direkt in den Dünndarm abgegeben.

Gallenbeschwerden können entstehen, wenn die Leber überfordert ist und zu wenig Gallenflüssigkeit abgibt.

Gallensteine entstehen, wenn aus der eingedickten Gallenflüssigkeit Kristalle ausfallen. Gallensteine kommen häufig vor. Etwa 15 bis 20 von 100 Menschen in Deutschland haben Gallensteine. Männer sind seltener betroffen als Frauen. Mit zunehmendem Alter bilden sich Gallensteine leichter.

Anzeichen und Beschwerden

Gallenbeschwerden zeigen sich durch Beschwerden im Oberbauch und Verdauungsstörungen.

Gallensteine können den Abfluss der Galle behindern und so Verdauungsbeschwerden oder auch schmerzhafte Koliken auslösen. Häufig verursachen sie jedoch keine Beschwerden.

Bleiben die Steine "stumm", dann brauchen sie auch nicht behandelt zu werden. Nur etwa 2 bis 4 von 100 Menschen mit Gallensteinen bekommen innerhalb eines Jahres spürbare Beschwerden.

Kleine Steine können über den Gallengang in den Dünndarm abgehen und unbemerkt ausgeschieden werden. Werden die Steine zu groß, können sie die Entleerung der Gallenblase behindern.

Blockiert ein Stein die Gallengänge oder den Gallenausgang zum Dünndarm, sodass der Gallefluss behindert ist, löst das meist sehr unangenehme, krampfartige Schmerzen im rechten und mittleren Oberbauch aus, die auch in den Rücken und in die rechte Schulter ausstrahlen können (Gallenkolik). Auch Übelkeit und Erbrechen können auftreten. Außerdem kann sich der Gallengang oder die Gallenblase entzünden. Dann treten starke, anhaltende Schmerzen im rechten Oberbauch, Fieber und Schüttelfrost auf.

Gallensteine können eine Gelbsucht auslösen, wenn die Leber die Gallenfarbstoffe nicht mehr über die Gallenwege vollständig ausscheiden kann. Die Leber ist dabei jedoch nicht entzündet. Dann färben sich Haut und Augen gelblich, zusätzlich kann der Urin dunkel und der Stuhl verfärbt sein.

Ursachen

Fettreiche Mahlzeiten können Gallenbeschwerden auslösen, wenn die Leber überfordert ist oder zu wenig Gallenflüssigkeit abgibt. Dann wird das mit der Nahrung aufgenommene Fett nicht ausreichend abgebaut und belastet den Dünndarm.

Was genau die Bildung von Gallensteinen auslöst, ist unklar. Bei vielen Menschen mit Gallensteinen weist die Gallenflüssigkeit zu viel Cholesterin und gleichzeitig zu wenig Gallensäuren auf, was die Gallensteinbildung fördern kann. Durch eine bewusst cholesterinarme Ernährung lässt sich dieses Missverhältnis kaum beeinflussen. Ist die Gallenflüssigkeit mit Cholesterin übersättigt, kristallisiert dieses aus und bildet in Verbindung mit Calcium und Blutfarbstoffen Steine.

Verschiedene Faktoren können das Risiko erhöhen, dass sich Gallensteine bilden:

  • Eine familiäre Belastung: In manchen Familien kommen Gallensteine gehäuft vor, was eine genetische Ursache vermuten lässt.
  • Das Geschlecht: Frauen sind häufiger von Gallensteinen betroffen.
  • Das Alter: Kinder und junge Erwachsene haben sehr selten Gallensteine, ab einem Alter von 40 Jahren steigt das Risiko für Gallensteine besonders an.
  • Medikamente: z. B. östrogenhaltige Mittel wie die Pille oder der Wirkstoff Bezafibrat (bei erhöhten Blutfetten).
  • Starker Gewichtsverlust in kurzer Zeit.

Allgemeine Maßnahmen

Wenn Sie fettarm essen, wird auch weniger Gallenflüssigkeit benötigt. Auch blähende Kost, Alkohol und Kaffee können Gallenbeschwerden hervorrufen.

Für eine Entfernung der Gallenblase gibt es verschiedene Gründe. Notwendig wird sie beispielsweise, wenn die Steine zu anhaltenden Schmerzen führen oder sich in den Gallengängen befinden. Eine solche Operation sollte möglichst rasch vorgenommen werden. Da die Gallenblase nur ein Zwischenspeicher der Gallenflüssigkeit ist, kommt man auch ohne Gallenblase gut zurecht – die Leber produziert weiterhin die gleiche Menge an Gallenflüssigkeit, die dann über den Gallengang direkt in den Dünndarm fließt. Manche Menschen haben nach der Entfernung der Gallenblase leichten Durchfall, dies bessert sich jedoch meist mit der Zeit.

Wann zum Arzt?

Bei starken, kolikartigen Schmerzen im Oberbauch oder bei Schmerzen, die zusammen mit Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Schüttelfrost oder dunkel gefärbtem Urin auftreten, sollten Sie sich sofort in ärztliche Behandlung begeben.

Behandlung mit Medikamenten

Gallensteine werden immer nur dann mithilfe von Medikamenten aufgelöst, wenn ein operativer Eingriff (noch) nicht infrage kommt.

Rezeptfreie Mittel

Extrakte aus der Artischocke können zwar den Gallenfluss anregen, es fehlen aber aussagekräftige Studien, die belegen, dass damit durch fettreiche Ernährung verursachte Verdauungsbeschwerden nachhaltig gebessert werden können. Mittel mit Artischockenextrakt sind deshalb bei Gallenbeschwerden wenig geeignet.

Mittel mit Pfefferminzöl, Gelbwurz sowie Leber-/Gallentees sind zur Behandlung von Gallenbeschwerden wenig geeignet. Bei allen diesen Mitteln ist die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen.

Rezeptpflichtige Mittel

Ist die Gallenblase noch funktionsfähig, sind die Steine nicht größer als zehn Millimeter und bestehen sie vorwiegend aus Cholesterin, kann das steinauflösende Mittel Ursodeoxycholsäure eingesetzt werden. Es wird auch gegeben, wenn die Steine mit Stoßwellen zertrümmert wurden, um den verbleibenden Steingrieß noch weiter aufzulösen, damit er leichter ausgeschieden werden kann.

Bei kolikartigen Schmerzen kann der krampflösende Wirkstoff Butylscopolamin gespritzt werden, auch nichtsteroidale Antirheumatika wie Diclofenac, das als rezeptpflichtiges und auch rezeptfreies Mittel auf dem Markt ist, können leichte bis mittelstarke Schmerzen wirksam bekämpfen. Bei starken Schmerzen können Opioide (siehe Schmerzen) eingesetzt werden.