Medikamente im Test

Erkältung, Grippe

Allgemeines

Zu den typischen Erkältungskrankheiten zählen Atemwegsinfekte wie Schnupfen und Nebenhöhlenkatarrh, Halsentzündung sowie Husten und akute Bronchitis. Bei Kindern kommt meist Fieber hinzu, bei Erwachsenen nicht unbedingt. Derartige Erkältungskrankheiten werden auch als "grippaler Infekt" bezeichnet, nicht zu verwechseln mit der "echten" Virusgrippe. Ein grippaler Infekt verläuft meist harmlos und ist bei Erwachsenen nach sieben bis zehn Tagen ausgestanden. Bei Kindern kann es etwas länger dauern.

Anzeichen und Beschwerden

Die Nase läuft, der Hals kratzt, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein unangenehmer Hustenreiz setzen ein, oft verbunden mit einer erhöhten Körpertemperatur. Von Fieber spricht man, wenn die Temperatur auf mehr als 38 °C (rektal, also im After gemessen) ansteigt. Die rektale Messung liefert die zuverlässigsten Ergebnisse. Wenn Sie die Temperatur im Mund oder im Ohr messen, können die Werte ein halbes bis ein Grad tiefer liegen. Fieber unter der Achsel zu messen, ist nicht empfehlenswert, weil die Werte zu ungenau sind.

Leichtes Fieber ist durchaus sinnvoll: Durch die erhöhte Temperatur wird das Immunsystem aktiviert. Das wiederum führt dazu, dass die Erkältungsviren rascher abgetötet werden. Fieber bis 38,5 °C (rektal gemessen) sollten Sie also nicht senken – sonst kann sich die Krankheitsdauer verlängern. Es gibt allerdings keine eindeutige Empfehlung, ab welcher Temperatur Fieber unbedingt gesenkt oder ein Arzt aufgesucht werden muss. Beides ist abhängig vom körperlichen Zustand und den Begleiterkrankungen sowie der persönlichen Erfahrung im Umgang mit Fieber. Bei Erwachsenen gelten Temperaturen über 39 °C (rektal gemessen) als hohes Fieber. Dieser Wert wird daher häufig als Grenzwert genannt, ab dem Fieber gesenkt werden sollte – mit Hausmitteln oder medikamentös. Organschäden treten erst ab Temperaturen um 42 °C auf.

Bei Kindern

Bei Klein- und Schulkindern sind Erkältungen vorwiegend mit Fieber verbunden, das oft über 38,5 °C (rektal gemessen) ansteigt. Erst Temperaturen ab 39,5 °C (rektal gemessen) gelten als hohes Fieber. Wenn sich das Kind dabei sehr schlecht fühlt, kann das Fieber mit Hausmitteln (Wadenwickel, lauwarme Waschung) oder medikamentös gesenkt werden. Trinkunlust, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen und Durchfall können hinzukommen.

Bei älteren Menschen

Bei älteren Menschen mit chronischen Krankheiten (z. B. Diabetes mellitus, koronare Herzkrankheit) besteht bei hohem Fieber unter Umständen die Gefahr des Austrocknens. Sie sollten dann besonders darauf achten, genug zu trinken.

Ursachen

Erkältungen werden durch Viren ausgelöst. Dabei gibt es rund 200 verschiedene Virenarten, die meist durch Tröpfcheninfektion beim Husten und Niesen sowie beim Händeschütteln übertragen werden.

Ihren Namen tragen Erkältungskrankheiten nicht ohne Grund: Kühlt der Körper durch frostige Temperaturen, kalte Nässe, Feuchtigkeit oder Zugluft aus, kann das Abwehrsystem die Viren schlechter bekämpfen. Diese vermehren sich auf den Schleimhäuten und führen dann zu den bekannten Beschwerden. Ein bis drei Erkältungen pro Jahr gelten bei Erwachsenen als normal.

Bei Kindern

Kleinkinder bekommen besonders häufig Erkältungen, weil ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Die körpereigene Abwehr entsteht erst während und nach solchen durchgemachten Infektionen, denn dabei bildet der Körper spezifische Verbindungen aus (Antikörper oder Immunglobuline), die sich an Krankheitserreger anhaften können und diese unschädlich machen. Bis zu zehn Erkältungen pro Jahr gelten als normal. 10 bis 15 von 100 ansonsten gesunden Kindern haben pro Jahr sogar mehr als zwölf Erkältungen, ohne dass dies ein Hinweis auf eine mangelnde Immunabwehr wäre. Sie brauchen sich also keine Sorgen zu machen, wenn Ihr Kind nahezu alle vier bis sechs Wochen eine Schniefnase entwickelt oder hustet. Es reicht aus, die akuten Beschwerden zu lindern.

Vorbeugung

Der wichtigste und wirksamste Schutz vor der Übertragung von Erkältungs- oder Grippeviren ist das regelmäßige Händewaschen, da die Erreger leicht über die Hände auf die Schleimhäute von Augen, Nase und Mund verschleppt werden. Wasser und Seife reichen dafür völlig aus, spezielle Desinfektionsmittel sind nicht erforderlich. Am besten halten Sie die Hände unter fließendes Wasser, verreiben anschließend Seife 20 bis 30 Sekunden auch zwischen den Fingern und spülen die Hände danach gründlich ab. Im Anschluss trocknen Sie sie gut ab. Versuchen Sie darüber hinaus, die Finger möglichst vom Gesicht fernzuhalten.

Verwenden Sie in Erkältungszeiten kein Besteck und keine Gläser oder Flaschen, die bereits von anderen Menschen benutzt wurden. Vermeiden Sie das Händeschütteln, enge Umarmungen oder Küsse mit erkälteten Personen.

Ein bis zur Nase hochgezogener Schal schützt vor Tröpfcheninfektionen, Handschuhe verhindern die Übertragung der Viren über Haltegriffen in Bussen und Bahnen.

Um zu vermeiden, dass Viren an der Hand haften, sollten Sie nicht in die Hand husten oder niesen. Von der Hand übertragen sich Viren schnell auf Gegenstände und Mitmenschen. Besser ist es daher, in den Ärmel beziehungsweise die Armbeuge oder in ein Einmal-Taschentuch zu niesen oder zu husten. In der Luft geschlossener Räume kann die Zahl der Viren stark ansteigen. Dagegen hilft regelmäßiges Lüften.

Wer sich abhärtet, ist weniger anfällig für Erkältungen. Gute Methoden dafür sind warmkalte Wechselduschen am Morgen (immer mit kaltem Wasser aufhören) sowie regelmäßige Saunabesuche. Beides trägt dazu bei, dass sich der Körper Temperaturunterschieden besser anpassen kann. Auch Kneipp-Maßnahmen sollen den Körper unempfindlicher für Infekte machen.

Um einer "echten" Grippe vorzubeugen, können Sie sich impfen lassen. Näheres hierzu lesen Sie unter "Medikamente vom Arzt".

Allgemeine Maßnahmen

Was bei Schnupfen, Halsentzündung und Husten jeweils ratsam ist, erfahren Sie in den Abschnitten zu Schnupfen, Halsentzündung sowie Husten.

Sorgen Sie dafür, dass die Raumluft nicht zu trocken ist. Sie können sie anfeuchten, indem Sie nasse Tücher über die Heizung hängen oder Wasserschalen aufstellen. Auch Zimmerpflanzen sorgen für eine höhere Luftfeuchtigkeit. Trockene Luft lässt die Schleimhäute austrocknen und macht die Atemwege anfällig für Viren.

Hohes Fieber können Sie mit Wadenwickeln senken. Um die gesunde Reaktion des Körpers auf den Infekt nicht zu stören, sollten Sie aber versuchen, das Fieber auszuhalten. Weitere Angaben hierzu finden Sie unter dem Stichwort Fieber.

Bei Kindern

Kinder brauchen vor allem (Bett-)Ruhe, Wärme und ausreichend Flüssigkeit (z. B. Tee).

Wann zum Arzt?

Wenn hohes Fieber (über 39 °C rektal gemessen) trotz allgemeiner Maßnahmen (siehe oben) länger als zwei bis drei Tage anhält, sollten Sie einen Arzt zurate ziehen.

Besteht der Verdacht auf eine Influenzainfektion ("echte" Grippe), sollten Sie einen Arzt um Rat fragen.

Bei Kindern

Wenn das Kind kurzatmig wird, die Lippen sich bläulich verfärben oder ein "bellender" Husten hinzukommt, wenn das Kind fiebert und nicht ausreichend trinken will oder wenn es Ihnen apathisch vorkommt, sollten Sie es einem Arzt vorstellen. Das gilt auch, wenn Fieber über 39,5 °C (rektal gemessen) mit Wadenwickeln oder lauwarmen Körperwaschungen nicht innerhalb von zwei bis drei Tagen zurückgeht. Auch wenn verschiedene Infekte ineinander übergehen, ohne dass die Krankheitszeichen vorher weitgehend abgeklungen sind, sollten Sie mit dem Kind zum Arzt gehen.

Behandlung mit Medikamenten

Erkältungskrankheiten können mit Medikamenten nicht ursächlich behandelt werden und müssen es auch nicht. Der Körper kann nach Aktivierung seines Immunsystems die verursachenden Viren selbst bekämpfen. Erkältungssymptome vergehen bei Erwachsenen in der Regel auch unbehandelt nach sieben bis zehn Tagen, bei Kindern können sie auch etwas länger als zwei Wochen andauern. Durch eine medikamentöse Behandlung lassen sich allenfalls die mit der Erkältung verbundenen Beschwerden lindern. Welche Mittel bei Schnupfen, Halsentzündung und Husten sinnvoll sind, erfahren Sie in den einzelnen Abschnitten Schnupfen, Halsentzündung, Husten.

Rezeptfreie Mittel

Paracetamol ist geeignet, um Kopf- und Gliederschmerzen zu bekämpfen. Es wirkt auch fiebersenkend. Allerdings ist dafür kein speziell als Erkältungsmittel ausgewiesenes Präparat nötig. Auch die üblicherweise für die Behandlung von Schmerzen angebotenen Mittel erfüllen diesen Zweck. Hierfür werden neben Paracetamol auch die Wirkstoffe Ibuprofen und Acetylsalicylsäure teilweise auch in Kombinationspräparaten eingesetzt. Mittel mit nur einem Wirkstoff sind generell vorzuziehen und nur nach Bedarf einzunehmen.

Die üblicherweise als "Grippemittel" angebotenen Kombinationspräparate sind nicht oder wenig sinnvoll zusammengesetzt und deshalb bei Erkältungen wenig geeignet. Folgende Kombinationen werden ausführlicher dargestellt:

Paracetamol + Phenylephrin

Paracetamol + Dextromethorphan + Norephedrin

Paracetamol + Doxylamin + Dextromethorphan

Paracetamol + Guaifenesin + Phenylephrin

Paracetamol + Chlorphenamin + Coffein + Vitamin C

Paracetamol + Doxylamin + Dextromethorphan + Ephedrin

Ätherische Öle zum Einreiben und Inhalieren sowie Erkältungsbäder und Erkältungstees können die Krankheitsdauer nicht beeinflussen, aber die bei Erkältungskrankheiten auftretenden Beschwerden ein wenig lindern und somit die Behandlung unterstützen. Sie sind mit Einschränkung geeignet, die therapeutische Wirksamkeit sollte noch besser belegt werden. Allerdings sollte die Zusammensetzung der Mittel übersichtlich bleiben – mehr als drei Kombinationspartner werden als nicht sinnvoll erachtet, diese Präparate sind deshalb wenig geeignet.

Für Erkältungstees mit Lindenblüten, Weidenrinde oder Quendelkraut liegen zwar kaum aussagekräftige Studien vor, sie sichern aber eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und sind daher mit Einschränkung geeignet. Manche Erkältungstees enthalten Pflanzenextrakte, die Pyrrolizidinalkaloide aufweisen können. Diese können die Leber schädigen. Da solche Tees aber meistens nicht über lange Zeit und auch nicht in großen Mengen getrunken werden, ist es eher unwahrscheinlich, dass sie gesundheitlich schaden. Für Teezubereitungen, die als Arzneimittel im Handel sind, bestehen Grenzwerte, die eingehalten werden müssen. Generell ist es ratsam, die Teesorte öfter zu wechseln und als Durstlöscher auch normales Wasser oder andere Tees zu verwenden. Die Empfehlung, bei einer Erkältung viel zu trinken, beruht nicht auf klinischen Untersuchungen, sondern entspringt der Erfahrung. Eventuell kann viel trinken auch riskant sein, vor allem bei Patienten mit einer Herzschwäche.

Ein Immunstimulans aus Extrakten des Sonnenhuts (Echinacea) ist zur unterstützenden Behandlung bei Erkältungen mit Einschränkung geeignet, wobei die Gegenanzeigen wegen der möglichen unerwünschten Wirkungen besonders zu beachten sind. Die bislang vorliegenden Studien sind insgesamt widersprüchlich und reichen derzeit nicht aus, um die therapeutische Wirksamkeit abschließend zu bewerten.

Eine Bakterienzubereitung aus Enterococcus faecalis zur Immunstimulation bei häufig wiederkehrenden Erkältungen ist ebenfalls mit Einschränkung geeignet. Die bisher vorliegenden Studienergebnisse reichen noch nicht aus, um die therapeutische Wirksamkeit und Langzeitverträglichkeit abschließend zu bewerten.

Eine Pflanzenkombination aus Extrakten von Kapuzinerkresse und Meerrettich zum Einnehmen ist bei Erkältungen wenig geeignet, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist.

Ein Immunstimulans aus Lebensbaum, Sonnenhut und Wildem Indigo ist zur Behandlung von Atemwegsinfekten im Rahmen einer Erkältung ebenfalls wenig geeignet, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist.

Bei Kindern

Erkältungen bei Kindern sollten Sie vorwiegend mit allgemeinen Maßnahmen und Hausmitteln behandeln, weil es sich meist um harmlose Infekte handelt, die von selbst abklingen. Welche Mittel bei den einzelnen Symptomen sinnvoll sind, steht in den Abschnitten Schnupfen, Halsentzündung und Husten.

Rezeptpflichtige Mittel

Bestimmte rezeptpflichtige Bakterienzubereitungen sind bei häufig wiederkehrenden Infekten ebenfalls mit Einschränkung geeignet. Die bisher vorliegenden Untersuchungen reichen noch nicht aus, um die therapeutische Wirksamkeit und das Profil der unerwünschten Wirkungen dieser Mittel abschließend zu bestimmen.

Seit einigen Jahren stehen Neuraminidasehemmer zur Verfügung, sie sind zur Vorbeugung oder Behandlung einer Virusgrippe ("echte Grippe") mit Einschränkung geeignet. Diese Mittel wirken ausschließlich gegen Influenzaviren und sind allenfalls wirksam, wenn sie frühzeitig eingesetzt werden. Aber selbst dann ist der Nutzen gering und es besteht die Gefahr, dass das Nervensystem Schaden nimmt. Bei den viel häufiger auftretenden Erkältungsinfekten sind Neuraminidasehemmer wirkungslos. Bei breiter Anwendung – beispielsweise im Falle einer drohenden "Grippewelle" – können die Viren gegen die Wirkstoffe resistent werden. Die Mittel sind dann wirkungslos. Das wurde schon für bestimmte Virusstämme in den USA, in Kanada, Frankreich, Deutschland und Japan beobachtet.

Neue Medikamente

Zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungskrankheiten stehen seit einiger Zeit zwei neue, verschreibungsfreie Mittel zur Verfügung. Das eine Produkt, Viruprotect, ist ein Rachenspray mit den Inhaltsstoffen Glyzerin und Trypsin. Diese beiden Stoffe sollen sich wie ein Schutzfilm auf die Schleimhäute im Rachenraum legen. Dadurch soll der Spray zum einen vor der Ansteckung mit Erkältungsviren schützen und zum anderen die Vermehrung der Erreger verhindern. Wissenschaftliche Belege für den Nutzen des Mittels gibt es nicht. Da Viruprotect als Medizinprodukt und nicht als Arzneimittel auf dem Markt eingeführt ist, sind von gesetzlicher Seite die Anforderungen für das Inverkehrbringen zudem deutlich geringer.

Den gleichen Weg geht auch das Medizinprodukt Algovir, ein Nasenspray. In diesem Fall soll der aus Rotalgen gewonnene Inhaltsstoff Carragelose als physikalische Barriere gegen die Erkältungsviren dienen und in der Folge auch bei bereits erfolgter Ansteckung die Virenbelastung verringern. Auch bei diesem Mittel ist die Vorstellung, dass die Inhaltsstoffe einen Schutzfilm auf der Nasenschleimhaut bilden. Dadurch soll eine Erkältung verhindert werden können. Außerdem sollen bei rechtzeitigem Einsatz weniger Erkältungsbeschwerden auftreten und die Erkältungszeit insgesamt reduziert werden. Auch für diese Behauptungen liegen keine wissenschaftlich anerkannten Belege vor.

Da beide Medizinprodukte keinen belegten Nutzen haben, können die Mittel nicht zur Vorbeugung gegen oder Behandlung von Erkältungskrankheiten empfohlen werden.