Medikamente im Test

Erhöhte Blutfette

Allgemeines

Es gibt zwei Arten von Blutfetten (Lipiden): Cholesterin und Triglyceride (Neutralfette). Triglyceride sind energiereiche Verbindungen und dienen dem Organismus als Energiespeicher unter anderem in Form einer Fettschicht unter der Haut, als Polster für innere Organe sowie zur Wärmeisolierung des Körpers.

Cholesterin wird in der Leber benötigt, um Gallensäuren herzustellen, die Nebennieren bauen daraus das Hormon Cortisol auf. Die Körperzellen benötigen Cholesterin für den Aufbau der Zellwand und die Geschlechtsorgane verwenden es zur Produktion der weiblichen und männlichen Hormone.

Da Cholesterin nicht wasserlöslich ist, wird es mit wasserlöslichen Eiweißkörpern (Proteinen) umhüllt. Solche Fett-Eiweiß-Verbindungen werden als Lipoproteine bezeichnet. Diese lassen sich physikalisch nach ihrer Dichte unterscheiden. Die wichtigen Untergruppen des Cholesterins sind HDL (high density lipoprotein) und LDL (low density lipoprotein). HDL werden günstige Eigenschaften zugeschrieben, weil es überschüssiges Cholesterin aus dem Gewebe über das Blut zurück zur Leber befördert, über die es ausgeschieden wird. Ein Zuviel an LDL dagegen ist erwiesenermaßen schädlich, weil es Ablagerungen in den Blutgefäßen fördert.

Bei Blutuntersuchungen werden das Gesamtcholesterin sowie die beiden Untergruppen HDL und LDL und die Triglyceridwerte bestimmt. Die derzeit für Männer und Frauen angestrebten Richtwerte sind unter Cholesterin-Richtwerte für Männer und Frauen zusammengestellt.

Wenn das Blut zu viel LDL-Cholesterin enthält, lagert sich dieses verstärkt in feine Risse in der Arterieninnenwand ein. Auch ein Übermaß an Triglyceriden begünstigt Ablagerungen in den Arterien und leistet somit einer Arteriosklerose (Adernverkalkung) Vorschub. Diese bildet sich besonders in den Herzkranzarterien aus, Näheres unter Koronare Herzkrankheit. Sie bildet sich aber ebenso in anderen Arterien, vor allem im Gehirn sowie in Becken und Beinen aus, Näheres unter Arterielle Durchblutungsstörungen.

Ob die Blutfette ansteigen, hängt auch davon ab, wie gut der Organismus die mit der Nahrung aufgenommenen Fette verwertet. Manche Menschen können sehr fettreich essen und haben dennoch normale Cholesterinwerte. Auch ist es offenbar weniger entscheidend, wie viel Fett über die Nahrung aufgenommen wird, als vielmehr, um welches Fett es sich handelt und wie hoch der Anteil an gesättigten Fettsäuren ist. Davon und von den erblichen Anlagen hängt es ab, ob der Körper selbst viel Cholesterin herstellt und deshalb eine Neigung zu erhöhten Blutfetten und infolgedessen auch zu Arteriosklerose besteht.

Ob und in welchem Maße ein bestimmter Cholesterinspiegel das Risiko für Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht, ist abhängig von Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Blutdruck sowie davon, ob Sie Diabetes haben und/oder ob Sie rauchen. Bei gleichen Ausgangsbedingungen haben Frauen bis zum 65. Lebensjahr im Vergleich zu Männern ein insgesamt viermal niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vorausgesetzt, sie haben keinen Diabetes.

Inwieweit Übergewicht im Rahmen einer Fettstoffwechselstörung ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellt, lässt sich am besten anhand des Taillenumfangs abschätzen. Diesen messen Sie zwischen dem unteren Rippenbogen und der Oberkante des Beckens. Bei Frauen sollte der Wert nicht über 87 Zentimeter, bei Männern nicht über 101 Zentimeter liegen. Hintergrund für diese Empfehlung ist die Erkenntnis, dass nicht nur das Gewicht allein, sondern auch die Verteilung des Fettes auf bestimmte Körperzonen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflusst. Denn die Fettreserven am Bauch werden anders freigesetzt und verstoffwechselt als die Depots an Gesäß und Oberschenkeln. Dickbäuchige Menschen ("Apfeltyp") sind für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stärker gefährdet als Menschen mit runden Hüften ("Birnentyp"). Ein erhöhter Bauchumfang beziehungsweise hoher Taillen-Hüft-Quotient bedeutet darüber hinaus auch ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes.

Wenn Sie Ihr persönliches Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen unter Berücksichtigung all dieser Faktoren ermitteln wollen, können Sie dies selbst im Internet unter http://www.chd-taskforce.com tun. Sie müssen dazu Ihren Blutdruck und Ihre Blutfettwerte (LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyceride) kennen.

Wenn Sie Ihr persönliches Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermitteln wollen, können Sie dies zusammen mit einem Arzt berechnen. Mit Hilfe eines Programms der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (SCORE) kann Ihr individuelles Risiko ermittelt werden, innerhalb der nächsten zehn Jahre aufgrund einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu versterben. Dazu benötigen Sie verschiedene Labor- und Messwerte: den Cholesterinwert, den Blutdruck, das Gewicht. Hinzugenommen werden noch Ihre Rauchgewohnheiten. Der so errechnete SCORE-Wert gibt Ihnen einen Risikowert an und wird als Entscheidungshilfe für eine eventuelle weitere Behandlung benutzt. Allerdings geht es beim SCORE-Wert nur um das Risiko an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu versterben. Er umfasst nicht die viel höhere Wahrscheinlichkeit von nicht tödlichen Erkrankungen.

Anzeichen und Beschwerden

Erhöhte Blutfette verursachen keine Beschwerden, sondern werden erkannt, wenn der Arzt die Blutwerte kontrolliert. Dies kann bei Personen über 35 Jahre alle zwei Jahre im Rahmen des von den gesetzlichen Krankenkassen empfohlenen Gesundheits-Checks erfolgen. Erst die Folgeerkrankungen bei dauerhaft erhöhten Blutfetten machen sich bemerkbar, z.B. eine koronare Herzerkrankung bei zu hohen LDL-Werten oder Bauchspeicheldrüsenentzündungen bei sehr stark erhöhten Triglyceridwerten.

Bestimmte erbliche Formen erhöhter Blutfette führen zu Fettablagerungen in der Hornhaut, in den Augenlidern oder in und über den Achillessehnen.

Ursachen

Die Blutfette erhöhen sich unter anderem durch Lebensmittel, die reich an gesättigten Fettsäuren sind. Dazu gehören Fette tierischen Ursprungs mit viel Cholesterin, wie Sahne, Butter, Butterschmalz, Gänseschmalz, aber auch pflanzliche Fette wie Erdnussöl, Kokosfett, Palmöl oder Margarine mit einem hohen Anteil an gehärteten Fetten.

In welchem Ausmaß die Blutfette durch ein Lebensmittel ansteigen, hängt aber davon ab, ob es noch andere, gesunde Fette enthält. So sind z. B. Lachs und Makrele zwar fett- und cholesterinreiche Fischsorten, sie weisen aber zusätzlich die gesunden Fischöle (Omega-3-Fettsäuren) auf, die sich günstig auf die Blutfette (vor allem auf Triglyzride) auswirken. In diesem Zusammenhang ist Wildlachs dem Zuchtlachs vorzuziehen, weil er proteinreicher ist.

Sind die Triglyceride erhöht, kann das auf zu kalorienreichen Mahlzeiten beruhen. Liegt zusätzlich ein Diabetes mit schlecht kontrollierten Blutzuckerwerten vor, können die Triglyceride ebenfalls ansteigen. Außerdem erhöhen Übergewicht, eine Behandlung mit Glucocorticoiden (bei Entzündungen, Immunreaktionen) sowie in geringerem Umfang auch wasserausschwemmende Medikamente (Diuretika, bei hohem Blutdruck) diese Blutfette.

Bei erblich bedingten Fettstoffwechselstörungen (familiäre Hypercholesterinämie) weist die Zelloberfläche zu wenige oder keine funktionsfähigen Bindestellen für LDL auf. Die Zellen können demzufolge kein LDL aufnehmen und die Leber kann es nicht abbauen. Auf diese Weise reichert sich LDL ständig weiter im Blut an.

Vorbeugung

Erhöhten Blutfetten können Sie vorbeugen, indem Sie den Anteil fettreicher tierischer Nahrungsmittel in Ihrer Kost reduzieren. Das heißt, Sie essen möglichst wenig Butter, Sahne, fettreichen Käse, Fleisch, Wurst, Innereien, Schalentiere und Eier (Eigelb). Gehärtete Pflanzenfette (enthalten Transfette) und andere Produkte mit Transfetten (Fertiggerichte, frittierte Produkte, Kartoffelchips, kommerziell hergestellte Back- und Süßwaren) sowie Fette mit vielen gesättigten Fettsäuren (Kokos- und Palmfett, Schmalz, Mayonnaise, Speck) sollten Sie meiden.

Günstig ist dagegen eine "Mittelmeerkost" mit einem hohen Anteil an Gemüse und frischem Obst in Kombination mit Getreideprodukten (Nudeln), Meeresfischen, Nüssen (vor allem Walnüssen) und Olivenöl, Rapsöl oder anderen ungehärteten Pflanzenfetten.

Nicht zu empfehlen als vorbeugende Maßnahme sind hingegen die als "Functional Food" bekannten Lebensmittel, wie beispielsweise mit Sterolen angereicherte Margarine. Sie wird zwar als gesundheitsfördernd beworben, ob das tatsächlich zutrifft, ist aber ebenso wenig untersucht wie der Nutzen zur Vorbeugung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Triglyceride sind meist gut durch eine Ernährungsumstellung zu beeinflussen, weil sie durch die bei einer Mahlzeit aufgenommenen Fette beeinflusst werden. Menschen mit erhöhten Triglyceridwerten haben einen Tagesbedarf von mindestens zwei bis vier Gramm Omega-3-Fettsäuren. Das lässt sich bereits mit zwei wöchentlichen Fischmahlzeiten mit fettreichen Fischarten erreichen (Makrele, Lachs, Sardelle, Hering, Forelle, Thunfisch) – ob gekocht, geräuchert, gebeizt oder roh (z. B. als Sushi). Allerdings sollten insbesondere Schwangere, Stillende und Kinder berücksichtigen, dass viele Fische heute mit Schwermetallen belastet sind.

Bei erhöhten Triglyceriden sollten Sie neben fettreichen tierischen Nahrungsmitteln (Ausnahme: fette Fische) auch größere Mengen Alkohol meiden. Fünf kleine statt drei große Mahlzeiten täglich können dazu beitragen, dass der Körper die Triglyceride besser verwerten kann.

Wenn Sie sich viel bewegen, werden auch die Blutfette günstig beeinflusst. Am geeignetsten sind Ausdauersportarten wie Joggen und schnelles Gehen (Nordic Walking), Wandern, Schwimmen, Radfahren und Skilanglauf.

Geben Sie das Rauchen auf – allein damit können Sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Folge erhöhter Blutfette wahrscheinlich um die Hälfte vermindern.

Eine angeborene schwere Fettstoffwechselstörung (schwere familiäre Hypercholesterinämie) mit zum Teil extrem hohen Cholesterinwerten (über 600 Milligramm pro Deziliter) kann schon im Jugendalter auftreten und früh zu Herzinfarkten führen. Bei dieser Erkrankung müssen daher die Fette, wenn die übliche Behandlungen versagen, mit weitergehenden Maßnahmen gesenkt werden. Hierzu zählen neue Medikamente, die gespritzt werden müssen, oder eine Blutwäsche, bei der die Fette alle ein bis zwei Wochen mit speziellen Apparaten aus dem Blut herausgefiltert werden (Lipidapherese).

Eine angeborene schwere Fettstoffwechselstörung (schwere familiäre Hypercholesterinämie) mit zum Teil extrem hohen Cholesterinwerten (über 600 Milligramm pro Deziliter) kann schon im Jugendalter auftreten und früh zu Herzinfarkten führen. Bei dieser Erkrankung müssen daher die Fette, wenn die übliche Behandlungen versagen, mit weitergehenden Maßnahmen gesenkt werden. Hierzu zählen neue Medikamente, die gespritzt werden müssen, oder eine Blutwäsche, bei der die Fette alle ein bis zwei Wochen mit speziellen Apparaten aus dem Blut herausgefiltert werden (Lipidapherese).

Allgemeine Maßnahmen

Alle unter "Vorbeugung" beschriebenen Maßnahmen sind auch sinnvoll, um bereits erhöhte Blutfettwerte zu senken.

Wann zum Arzt?

Da Sie erhöhte Blutfette nicht selbst erkennen können, müssen Sie die Werte vom Arzt bestimmen lassen. Auch Apotheken bieten diesen Service an. Wichtig ist, dass nicht nur das Gesamtcholesterin, sondern auch die Werte für HDL und LDL sowie die Triglyceride gemessen werden. Im Gegensatz zu früheren Empfehlungen, zeigen aktuelle Studien, dass es nicht notwendig ist, vor der Blutentnahme auf Essen zu verzichten. Die Nahrungsaufnahme hat nur geringen Einfluss auf die Blutfettwerte.

Wenn erhöhte Blutfette festgestellt werden, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, welche Maßnahmen sinnvoll sind.

Behandlung mit Medikamenten

Erhöhte Blutfette müssen nicht zwangsläufig medikamentös gesenkt werden. Ob dies erforderlich ist, richtet sich danach, ob bei Ihnen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht ist. Ihr persönliches Risiko können Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt über den SCORE-Test ermitteln. Sind die Blutfette erhöht und haben Sie bisher noch keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten, reichen die unter "Vorbeugung" genannten Hinweise meist aus, um wieder auf normale Werte zu kommen.

Sind zusätzliche Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorhanden (z. B. Diabetes, hoher Blutdruck, starke erbliche Belastung), sollten rezeptpflichtige Medikamente eingesetzt werden, um die Folgeerkrankungen der erhöhten Blutfette zu vermeiden (z. B. einen Herzinfarkt) oder ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko zu verringern. Die Einnahme ist vor allem dann sinnvoll, wenn das Risiko, in den nächsten zehn Jahren an einem solchen Ereignis zu versterben, laut SCORE bei über fünf Prozent liegt.

Rezeptfreie Mittel

Präparate mit Fischöl enthalten Omega-3-Fettsäuren. Sie sollen das Risiko verringern, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, ähnlich wie dies geschieht, wenn man mehrmals die Woche fettreiche Meeresfische isst, siehe Abschnitt Vorbeugung. Bislang sind solche positiven Effekte aber nur für ein einziges, noch dazu verschreibungspflichtiges Präparat mit zirka ein Gramm Omega-3-Fettsäuren pro Tag gezeigt worden. Dass dies auch mit einer regelmäßigen Einnahme der frei verkäuflichen, niedriger dosierten FischölKapseln erreicht werden kann, ist nicht ausreichend belegt. Sie sind deshalb bei erhöhten Blutfetten wenig geeignet. Sie können allenfalls eingesetzt werden, wenn allgemeine Maßnahmen die Blutfette nicht ausreichend senken und besser bewertete verschreibungspflichtige Arzneimittel nicht anwendbar sind oder nicht vertragen werden.

Phospholipide aus Sojabohnen sind zur Behandlung oder unterstützenden Therapie erhöhter Blutfette wenig geeignet, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist.

Ein Polymer aus Schalentierpanzer ist ebenfalls wenig geeignet, um erhöhte Blutfette zu senken, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist.

Rezeptpflichtige Mittel

Erhöhte Cholesterinwerte können sehr wirksam mit Statinen (auch CSE-Hemmer) gesenkt werden. Für mehrere Wirkstoffe aus dieser Substanzgruppe ist auch nachgewiesen, dass sie das Risiko verringern, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bekommen und an ihnen zu versterben. Zur Behandlung erhöhter Blutfettwerte sind die Mittel geeignet.

Fibrate senken Cholesterin nicht so gut wie Statine, dafür verringern sie aber effektiver die Triglyceridwerte im Blut. Lediglich für den Wirkstoff Gemfibrozil ist nachgewiesen, dass er darüber hinaus auch Herzinfarkt und plötzlichen Herztod verhindern kann. Gemfibrozil ist geeignet, um stark erhöhte Triglyceride zu senken, und es ist mit Einschränkung geeignet, um erhöhte Cholesterinwerte zu senken. Es kann eingesetzt werden, wenn Statine nicht anwendbar sind. Bezafibrat und Fenofibrat sind für diese Zwecke (Senken der Triglyceride) mit Einschränkung geeignet; zur gleichzeitigen Senkung von Triglyceriden und Cholesterin sind sie wenig geeignet, weil in Studien kein langfristig positiver Effekt auf Herzinfarkt, Schlaganfall und Sterberate gezeigt werden konnte. Diese Mittel sollten nur angewendet werden, wenn Gemfibrozil nicht anwendbar ist.

Ein bestimmtes verschreibungspflichtiges Präparat mit Omega-3-Fettsäuren ist zur Senkung erhöhter Triglyceride mit Einschränkung geeignet. Es sollte nur eingesetzt werden, wenn eine Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme nicht ausreichend wirksam waren. Dass Omega-3-Fettsäuren dazu beitragen können, das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall zu senken, vor allem, wenn gleichzeitig schon als "geeignet" bewertete blutfettsenkende Medikamente eingenommen werden, sollte noch besser belegt werden.

Ezetimib hemmt gezielt nur die Aufnahme von Cholesterin, die Triglyceride werden nicht beeinflusst. Als alleiniges blutfettsenkendes Mittel ist Ezetimib wenig geeignet. Es kann zwar den Cholesterinspiegel absenken, es fehlen aber Studien, die nachweisen, dass das Mittel bei alleiniger Gabe im Vergleich zu Scheinmedikament oder besser bewerteten Mitteln auch Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern oder die Sterberate senken kann. In einigen Studien wurde in der Vergangenheit Ezetimib bereits mit einem Statin kombiniert, ohne dass ein Zusatznutzen gegenüber der Anwendung eines Statins allein gefunden werden konnte.

Eine neue Studie untersuchte inzwischen den Einsatz von Ezetimib in Kombination mit einem Statin bei im Schnitt über 60-jährigen Personen mit einem besonders hohen Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Die Ergebnisse dieser Studie sind wieder nicht eindeutig. Für die Gesamtgruppe ist nur zu erkennen, dass die Rate an nicht tödlichen Herzinfarkten leicht absinkt. Aufgrund methodischer Schwächen ist aber selbst dieser geringe Effekt unsicher. Die Sterberate bleibt unbeeinflusst. Eine weitergehende Analyse der Studie zeigt, dass nur Personen mit einem ganz besonders hohen kardiovaskulären Risiko profitieren, z. B. Menschen über 75 Jahre oder mit Diabetes. Dieser Hinweis sollte aber in weiteren Studien bestätigt werden.

Ezetimib kann mit Statinen kombiniert werden, wenn diese allein die Blutfette nicht ausreichend senken. Für diesen Zweck gibt es bereits Kombinationspräparate, die Ezetimib und ein Statin enthalten. Derzeit werden in den Fixkombinationen Simvastatin oder Atorvastatin als Statinkomponente verwendet. Aufgrund der unbefriedigenden Datenlage zum Nutzen und zur Langzeitverträglichkeit von Ezetimib sind diese Kombinationspräparate für einen generellen Einsatz bei erhöhten Blutfetten wenig geeignet.

Neue Medikamente

Seit Dezember 2012 ist Lipifug mit dem Wirkstoff Phytosterol im Handel. Das Granulat soll Gesamtcholesterin und LDL absenken, wenn die Ernährungsumstellung allein nicht ausreichend wirksam war und Statine als Cholesterinsenker nicht eingesetzt werden können oder nicht vertragen wurden.

Phytosterol enthält als Hauptbestandteil beta-Sitosterin und wird auch bei gutartigen Prostatabeschwerden eingesetzt, weil es die Bildung von Prostaglandinen hemmt und auf diese Weise den Harnfluss anregt sowie die Restharnmenge verringert. Beta-Sitosterin ähnelt in seiner chemischen Struktur dem Cholesterin und hemmt im Darm dessen Aufnahme in den Blutkreislauf. Die Blutfette können allerdings trotzdem erhöht bleiben, denn der menschliche Körper ist nicht auf das mit der Nahrung zugeführte Cholesterin angewiesen, sondern kann es in der Leber selbst bilden. Eine aktuelle Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass die therapeutische Wirksamkeit von Phytosterol bei erhöhten Blutfetten nicht ausreichend nachgewiesen ist. Es kann zwar die Werte etwas absenken, ob das jedoch auch bedeutet, dass sich die Rate von Herzinfarkt und Schlaganfall oder gar die Sterblichkeit verringert, steht in Frage. Die Einnahme des Mittels kann deshalb nicht empfohlen werden.

Bei den Wirkstoffen Evolocumab und Alirocumab handelt es sich um monoklonale Antikörper, die ein spezifisches, in der Leber vorkommendes Enzym hemmen, die "Proprotein Convertase Subtilisin Kexin Typ 9" (PCSK-9). Beide Mittel sind die ersten Vertreter eines neuen blutfettsenkenden Wirkprinzips und werden als PCSK-9-Hemmstoffe bezeichnet. Die Enzymhemmung verhindert, dass die Bindestellen für LDL-Cholesterin an den Leberzellen abgebaut werden. Stattdessen werden diese Bindestellen "recycelt": Sie kehren immer wieder an die Oberfläche der Leberzellen zurück, so dass mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut gebunden und in die Leberzellen transportiert werden kann. In der Folge sinkt der LDL-Blutspiegel stärker als durch andere Arzneimittel.

Evolocumab und Alirocumab können zusätzlich zu diätetischen Maßnahmen zusammen mit einem Statin und/oder anderen lipidsenkenden Therapien eingesetzt werden, wenn die maximal verträgliche Statindosis die LDL-Cholesterinwerte nicht ausreichend senken konnte. Zusätzlich zu diätetischen Maßnahmen können sie aber auch alleine oder zusammen mit anderen Lipidsenkern eingesetzt werden, wenn Statine nicht vertragen oder aus anderen Gründen nicht eingesetzt werden können.

Beide Mittel stehen als Fertigpens zur Verfügung und werden wöchentlich oder monatlich unter die Haut gespritzt.

Ob durch die Behandlung auch die Rate an Folgeerkrankungen oder die Sterblichkeit sinkt, kann vermutlich erst in einigen Jahren beantwortet werden, wenn derzeit laufende Langzeitstudien abgeschlossen sind. Erste Hinweise auf einen möglichen klinischen Nutzen ergaben sich bereits aus Kurzzeitstudien; gesicherte Nutzenbelege und Daten zu unerwünschten Wirkungen bei Langzeitanwendung fehlen allerdings noch. Bisher ließ sich beobachten, dass es häufiger zu Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen, Denk- und Wahrnehmungsstörungen sowie geistiger Verwirrtheit kommt. Nach 48 Wochen Behandlung mit Evolocumab waren 9 von 1 000 Behandelten davon betroffen, im Vergleich zu 3 von 1 000 unter der derzeitigen Standardbehandlung. Nach etwa 1,5 Jahren Behandlung mit Alirocumab lag diese Rate bei 12 von 1 000 Behandelten im Vergleich zu 5 von 1 000 unter der Standardbehandlung. Hinzu kommen Einzelfallmeldungen zu möglichen Nebeneffekten an inneren Organen wie Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), was die amerikanische Zulassungsbehörde zu verstärkter Aufmerksamkeit veranlasst hat. Sie hat als Auflage bei der Zulassung angeordnet, dass die Hersteller von PCSK9-Hemmstoffen zu dieser Frage weiterführende Studien hoher Qualität vorlegen müssen.

In seinen frühen Nutzenbewertungen führt das IQWiG Alirocumab (Praluent) und Evolocumab (Repatha) bei erhöhten Blutfetten (Hypercholesterinämie und gemischter Dyslipidämie) auf. Dazu wird die Stiftung Warentest zu einem späteren Zeitpunkt Stellung nehmen.

Frühe Nutzenbewertung des IQWiG

Alirocumab (Praluent) bei Hypercholesterinämie und gemischter Dyslipidämie

Alirocumab Praluent) ist seit September 2015 für Erwachsene mit Hypercholesterinämie oder gemischter Dyslipidämie zugelassen. Es kommt für verschiedene Patientengruppen infrage:

  • Personen, bei denen die maximal verträgliche Dosis an Statinen den Cholesterinspiegel nicht ausreichend senkt.
  • Personen, bei denen eine Diät und andere Arzneimittel den Cholesterinspiegel nicht ausreichend senken.
  • Personen, bei denen Statine zur Behandlung nicht infrage kommen oder wegen ihrer Nebenwirkungen nicht vertragen werden.

Cholesterin ist ein unentbehrlicher Rohstoff für den menschlichen Körper: Es wird zur Bildung bestimmter Hormone benötigt und ist ein wesentlicher Baustein der Zellwände. Man unterscheidet zwei Arten: „LDL“-Cholesterin: „LDL“ steht für Low-Density-Lipoprotein (Lipoprotein niedriger Dichte): In dieser Form wird Cholesterin aus der Leber dorthin transportiert, wo es im Körper gebraucht wird. Ein hoher LDL-Wert ist mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden, deshalb steht LDL für das „schlechte“ Cholesterin.

„HDL“-Cholesterin: „HDL“ steht für High-Density-Lipoprotein (Lipoprotein hoher Dichte): In dieser Form wird Cholesterin aus dem Gewebe zurück zur Leber transportiert. Da das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei einem hohen HDL-Wert geringer ist, wird das HDL auch als „gutes“ Cholesterin bezeichnet.

Triglyceride, häufig als „Neutralfette“ bezeichnet, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie werden mit der Nahrung aufgenommen und sind wichtiger Energielieferant für den Körper.

Wenn die LDL-Cholesterinwerte im Blut zu hoch sind, wird die Diagnose „Hypercholesterinämie“ gestellt. Bei der gemischten Dyslipidämie können zusätzlich erhöhte Triglyceridwerte vorliegen. Bei diesen Personen ist das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung wie etwa eine koronare Herzkrankheit erhöht. Wie hoch dieses Risiko bei einem Menschen tatsächlich ist, hängt jedoch auch von seinen sonstigen Risikofaktoren ab.

Alirocumab fördert den Abbau von LDL-Cholesterin in der Leber und soll das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern.

Anwendung

Alirocumab wird mit einer fettarmen Diät kombiniert. Zusätzlich können auch noch andere lipidsenkende Arzneimittel gegeben werden. Der Wirkstoff wird mit einem Fertigpen oder einer Fertigspritze (75 mg oder 150 mg) unter die Haut gespritzt. Die Dosierung wird individuell angepasst. Die empfohlene Anfangsdosierung beträgt 75 mg alle zwei Wochen.

Andere Behandlungen

Als Standardtherapie kommt eine Diät in Kombination mit lipidsenkenden Arzneimitteln wie zum Beispiel Statinen infrage. Wenn Medikamente und Diät nicht ausreichen, ist auch eine Blutwäsche (LDL-Apherese) in Kombination mit einer medikamentösen Therapie eine Alternative. Bei einer LDL-Apherese wird ein Teil des LDL aus dem Blut gefiltert.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, welche Vor- und Nachteile Alirocumab für Erwachsene mit Hypercholesterinämie oder gemischter Dyslipidämie im Vergleich zu den Standardtherapien hat. Für folgende Patientengruppen legte der Hersteller keine geeigneten Daten vor:

  • Personen, bei denen Statine zur Behandlung nicht infrage kommen oder wegen ihrer Nebenwirkungen nicht vertragen werden.
  • Personen, bei denen eine Diät und andere Arzneimittel den Cholesterinspiegel nicht ausreichend senken.

Ob Alirocumab für diese Patientinnen und Patienten gegenüber einer Standardtherapie Vor- oder Nachteile hat, bleibt deshalb unklar. Für Personen, bei denen die maximal verträgliche Dosis an Statinen den Cholesterinspiegel nicht ausreichend senkt, legte der Hersteller eine relevante Studie vor. Eine Gruppe der Studienteilnehmer (172 Personen) erhielt Alirocumab, eine andere Gruppe (87 Personen) eine Standardtherapie mit dem Wirkstoff Ezetimib. Alle Studienteilnehmer nahmen weiterhin ihre bisherige Statindosis ein und ernährten sich cholesterinarm. Die Ergebnisse dieser Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind im Folgenden dargestellt. Sie beziehen sich auf eine Behandlungsdauer von etwa einem Jahr.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: Die Studie zeigte keinen Unterschied in der Lebenserwartung zwischen beiden Behandlungsgruppen.
  • Herz-Kreislauf-Ereignisse: Die Studie zeigte ein vergleichbares Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Herzoperationen oder Krankenhausaufenthalte aufgrund einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. In beiden Behandlungsgruppen waren jeweils etwa 5 von 100 Patienten betroffen.
  • Schwere Nebenwirkungen: In beiden Behandlungsgruppen traten bei ungefähr 20 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen auf.
  • Behandlungsabbruch wegen Nebenwirkungen: In beiden Gruppen brachen etwa 8 von 100 Personen ihre Behandlung aus diesem Grund ab.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Lebensqualität: Es lagen keine Daten zur Frage vor, wie Alirocumab die Lebensqualität beeinflusst.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse zweier Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Alirocumab (Praluent). URL: https://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/199/

Frühe Nutzenbewertung des IQWiG

Evolocumab (Repatha) bei Hypercholesterinämie und gemischter Dyslipidämie

Evolocumab (Repatha) ist seit Juli 2015 für Erwachsene und Jugendliche mit Hypercholesterinämie oder gemischter Dyslipidämie zugelassen, bei denen eine Diät und andere Arzneimittel den Cholesterinspiegel nicht ausreichend senken. Cholesterin ist ein unentbehrlicher Rohstoff für den menschlichen Körper: Es wird zur Bildung bestimmter Hormone benötigt und ist ein wesentlicher Baustein der Zellwände. Man unterscheidet zwei Arten:

„LDL“-Cholesterin: „LDL“ steht für Low-Density-Lipoprotein (Lipoprotein niedriger Dichte): In dieser Form wird Cholesterin aus der Leber dorthin transportiert, wo es im Körper gebraucht wird. Ein hoher LDL-Wert ist mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden, deshalb steht LDL für das „schlechte“ Cholesterin.

„HDL“-Cholesterin: „HDL“ steht für High-Density-Lipoprotein (Lipoprotein hoher Dichte): In dieser Form wird Cholesterin aus dem Gewebe zurück zur Leber transportiert. Da das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei einem hohen HDL-Wert geringer ist, wird das HDL auch als „gutes“ Cholesterin bezeichnet.

Triglyceride, häufig als „Neutralfette“ bezeichnet, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie werden mit der Nahrung aufgenommen und sind wichtiger Energielieferant für den Körper. Wenn die LDL-Cholesterinwerte im Blut zu hoch sind, wird die Diagnose „Hypercholesterinämie“ gestellt. Bei der gemischten Dyslipidämie können zusätzlich erhöhte Triglyceridwerte vorliegen. Beide Erkrankungen können unbehandelt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie etwa einer koronaren Herzkrankheit oder einer Arteriosklerose führen. Wie hoch dieses Risiko bei einem Menschen tatsächlich ist, hängt jedoch neben der Höhe der Werte auch von seinen sonstigen Risikofaktoren ab.

Anwendung

Evolocumab wird mit einer fettarmen Diät kombiniert. Zusätzlich können auch noch andere lipidsenkende Arzneimittel gegeben werden. Der neue Wirkstoff wird mit einem Fertigpen (140 mg) unter die Haut gespritzt. Er kann in einer Dosierung von 140 mg alle zwei Wochen oder in einer Dosierung von 420 mg (drei Fertigpens mit je 140 mg) einmal monatlich gespritzt werden.

Andere Behandlungen

Als Standardtherapie kommt eine Diät in Kombination mit lipidsenkenden Arzneimitteln infrage oder, wenn Medikamente und Diät nicht ausreichen, eine Blutwäsche (LDL-Apherese) in Kombination mit einer medikamentösen Therapie. Bei einer LDL-Apherese wird das Blut mithilfe eines speziellen Verfahrens vom LDL-Cholesterin gereinigt.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2015 geprüft, welche Vor- und Nachteile Evolocumab für Erwachsene mit Hypercholesterinämie und gemischter Dyslipidämie im Vergleich zu den Standardtherapien hat. Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller jedoch keine geeigneten Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Evolocumab (Repatha). URL: https://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/189/

Frühe Nutzenbewertung des IQWiG

Evolocumab (Repatha) bei erblicher Hypercholesterinämie

Evolocumab (Repatha) ist seit Juli 2015 für Erwachsene mit homozygoter familiärer Hypercholesterinämie, bei denen eine Diät und andere Arzneimittel den Cholesterinspiegel nicht ausreichend senken, als zusätzliche Therapie zugelassen. Homozygot bedeutet, dass die Erbanlage für eine Erkrankung durch beide Eltern weitergegeben wurde. Die homozygote familiäre Hypercholesterinämie ist sehr selten. Sie tritt nur bei etwa einem von einer Million Neugeborener auf. Cholesterin ist ein unentbehrlicher Rohstoff für den menschlichen Körper: Es wird zur Bildung bestimmter Hormone benötigt und ist ein wesentlicher Baustein der Zellwände. Man unterscheidet zwei Arten:

„LDL“-Cholesterin: „LDL“ steht für Low-Density-Lipoprotein (Lipoprotein niedriger Dichte): In dieser Form wird Cholesterin aus der Leber dorthin transportiert, wo es im Körper gebraucht wird. Ein hoher LDL-Wert ist mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden, deshalb steht LDL für das „schlechte“ Cholesterin.

„HDL“-Cholesterin: „HDL“ steht für High-Density-Lipoprotein (Lipoprotein hoher Dichte): In dieser Form wird Cholesterin aus dem Gewebe zurück zur Leber transportiert. Da das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei einem hohen HDL-Wert geringer ist, wird das HDL auch als „gutes“ Cholesterin bezeichnet. Wenn die LDL-Cholesterinwerte im Blut zu hoch sind, wird die Diagnose „Hypercholesterinämie“ gestellt. Bei der homozygoten familiären Hypercholesterinämie ist die Zahl der Rezeptoren, die LDL-Cholesterin aus dem Blut aufnehmen können, verringert. Deshalb enthält das Blut übermäßig viel LDL-Cholesterin, und es kommt mit der Zeit zu Ablagerungen an Gefäßwänden und im Gewebe. Bereits in der Kindheit bilden sich durch die Stoffwechselstörung kleine gelbliche Knoten in der Haut, sogenannte Xanthome. Wird die Hypercholesterinämie nicht behandelt, kann sie schon bei Kindern zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie etwa einer koronaren Herzkrankheit führen.

Anwendung

Evolocumab wird mit einer fettarmen Diät und anderen lipidsenkenden Arzneimitteln kombiniert. Auch eine Kombination mit einer Blutwäsche (LDL-Apherese) kommt infrage. Dabei wird das Blut mithilfe eines speziellen Verfahrens vom LDL-Cholesterin gereinigt. Der neue Wirkstoff wird mit drei Fertigpens (insgesamt 420 mg) einmal monatlich unter die Haut gespritzt. Nach zwölf Wochen kann Evolocumab alle zwei Wochen in der gleichen Dosierung gespritzt werden. In Kombination mit einer Blutwäsche wird Evolocumab bereits ab Therapiebeginn alle zwei Wochen in einer Dosis von 420 mg angewendet.

Andere Behandlungen

Als Standardtherapie kommt eine Diät in Kombination mit lipidsenkenden Arzneimitteln infrage oder, wenn Medikamente und Diät nicht ausreichen, eine Blutwäsche in Kombination mit einer medikamentösen Therapie.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2015 geprüft, welche Vor- und Nachteile Evolocumab für Erwachsene mit homozygoter familiärer Hypercholesterinämie im Vergleich zu den bewährten Standardtherapien hat. Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller jedoch keine geeigneten Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Evolocumab (Repatha). URL: https://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/189/