Medikamente im Test

Erektionsstörungen

Allgemeines

Sexualstörungen sind nicht immer das Problem eines Mannes oder einer Frau, sondern auch das des Paares. Sowohl bei ihm als auch bei ihr greifen psychisches Erleben und Empfinden und die körperlichen Auswirkungen ineinander; zusätzlich wirkt sich aus, wie beide miteinander umgehen. Ist die Beziehung gestört, kann das die Lust auf Sex, aber auch die Fähigkeit zum Geschlechtsakt negativ beeinflussen. Was dabei jedoch Ursache, was Wirkung ist, lässt sich nur selten ausmachen.

Der sexuelle Austausch kann in der Partnerschaft junger Menschen ebenso gestört sein wie in der älterer. Auch gibt es im Verlauf lang dauernder Beziehungen immer wieder Phasen wechselnder sexueller Aktivität. Bei manchen Paaren nimmt das Interesse an sexueller Aktivität mit dem Alter ab. Aber auch Funktion und Erleben können sich mit dem Älterwerden verändern.

Mediziner gehen davon aus, dass ein Drittel bis die Hälfte aller Männer über 40 Jahre eine "erektile Dysfunktion" (ED) aus eigener Erfahrung kennt.

Von behandlungsbedürftigen Erektionsstörungen spricht man in der Regel, wenn das Problem länger als sechs Monate besteht und die Lebensqualität des Betroffenen und seiner Partnerin/seines Partners beeinträchtigt.

Anzeichen und Beschwerden

Trotz Erregung versteift sich der Penis nicht so oder nicht lange genug, wie es für Sex, der beide Partner befriedigt, notwendig wäre. Solche Erektionsstörungen können vorübergehend sein, als geringfügige Störung auftreten, aber auch eine erhebliche Beeinträchtigung der Sexualität darstellen.

Ursachen

Vor allem bei jüngeren Männern haben vorübergehende Erektionsprobleme ihre Ursache meist in Partnerschaftskonflikten oder erheblicher Stressbelastung. Wenn das Empfinden oder die äußeren Bedingungen nicht auf einen intimen Austausch eingestellt sind, verweigert der Körper seinen Dienst. Solche seelischen Ursachen müssen in einer eingehenden ärztlichen Untersuchung von körperlichen Ursachen abgegrenzt werden. Letztere können dann gegebenenfalls mit den hier besprochenen Mitteln behandelt werden.

Ein weiterer häufiger Grund für Erektionsstörungen bei Männern jeden Alters ist der übermäßige Konsum von Alkohol.

Anhaltende Störungen sind oft organisch bedingt und liegen auf der Ebene der Nervenversorgung, der Hormonproduktion oder der Durchblutung. Mit zunehmendem Alter treten öfter Krankheiten auf, in deren Folge beziehungsweise bei deren medikamentöser Behandlung sich Sexualstörungen einstellen können. Zu ihnen gehören:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie hoher Blutdruck und Durchblutungsstörungen, z. B. in den Beinen. Die Gefäße, die die Schwellkörper mit Blut versorgen beziehungsweise das frühzeitige Abfließen des Blutes verhindern, können sich verändern. Derartige Störungen werden durch regelmäßigen Nikotinkonsum verstärkt.
  • Diabetes. Je länger die Krankheit besteht, desto wahrscheinlicher sind Schäden an den Nerven und/oder Blutgefäßen, die dann zu Erektionsproblemen führen können.
  • Nervenkrankheiten.
  • Verletzungen und Operationen im kleinen Becken, z. B. an der Prostata.
  • Störungen der Hormonproduktion. Damit ist jedoch nicht die altersbedingt normale Abnahme des Testosteronspiegels gemeint. Lesen Sie auch Testosteron – Haben Männer auch Wechseljahre?
  • Medikamente. Darunter sind viele Psychopharmaka, blutdrucksenkende Mittel, wie beispielsweise ACE-Hemmer und Betablocker, sowie Lipidsenker, die bei erhöhten Blutfetten und Herzkrankheiten angewendet werden. Auch Finasterid gehört dazu, ein Mittel, das sowohl zur Behandlung der vergrößerten Prostata dient als auch in niedriger Dosierung bei Haarausfall eingesetzt wird.
  • Sowohl depressive Episoden als auch einige Antidepressiva können eine erektile Dysfunktion auslösen. Zu den verursachenden Medikamenten gehören die Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI wie Fluoxetin) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI wie Venlafaxin).
  • Auch mehr als drei Stunden Radfahren pro Woche scheint das Risiko für leichte bis mäßig ausgeprägte Erektionsstörungen zu erhöhen. Man vermutet als Ursache, dass während des Radfahrens Nervengeflechte und Blutgefäße im unteren Beckenraum zu stark zusammengedrückt werden. Ein geeigneter Sattel kann das Problem beheben.

Allgemeine Maßnahmen

Trinken Sie nicht übermäßig Alkohol und rauchen Sie nicht. Am besten starten Sie ein Fitnessprogramm mit viel Bewegung. Das fördert allgemein die Gesundheit. Männer, die ihren Gesundheitszustand als gut empfinden, sind auch sexuell aktiver als solche, die sich eher beeinträchtigt fühlen.

Vakuumpumpen (z. B. ErecAid System, Rapport) sind effektive Erektionshilfen, die nicht in das Körperinnere eingreifen. Der Penis wird in ein Rohr eingeführt, aus dem die Luft elektrisch abgesaugt wird, sodass ein Vakuum entsteht. Dadurch strömt mehr Blut in den Penis und er richtet sich auf. Anschließend wird das Rohr abgezogen und für etwa 30 Minuten ein Ring an der Peniswurzel angebracht. Er verhindert, dass das Blut schnell wieder abfließt.

Ist eine gestörte Blutversorgung des Penis die Ursache des Problems, kann eventuell eine Operation infrage kommen.

Einige Untersuchungen legen nahe, dass Erektionsstörungen auf ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse hindeuten können. Daher wird Männern mit Erektionsproblemen empfohlen, die üblichen Vorbeugemaßnahmen gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu beherzigen. Das bedeutet, sie sollten das Rauchen aufgeben und mit gesunder Ernährung und viel körperlicher Aktivität ihre Blutfette, den Blutzucker, den Blutdruck und das Gewicht im Normalbereich halten.

Wann zum Arzt?

Ein im Umgang mit Sexualstörungen erfahrener Arzt kann in Gesprächen und durch Untersuchungen die Ursache der Störung zu ermitteln versuchen und Behandlungsmöglichkeiten vorschlagen. Dazu sollten sich gegebenenfalls beide Partner in der Praxis einfinden. Liegt die Ursache vornehmlich in einem Partnerschaftskonflikt, können geleitete Gespräche mit Mitarbeitern einer psychologischen Beratungsstelle die Partner einander wieder näherbringen.

Körperliche Ursachen lassen sich nur ärztlich beheben. Bei älteren Männern können Erektionsprobleme auf eine beginnende Gefäßerkrankung hinweisen.

Der Gang zum Arzt ist immer unerlässlich, wenn eine effektive medikamentöse Behandlung gewünscht wird. Alle Arzneimittel, die eine Erektion verlässlich fördern können, müssen ärztlich verordnet werden.

Behandlung mit Medikamenten

Erektionsstörungen können mit Medikamenten behandelt werden, die auf verschiedene Weise angewendet werden.

Rezeptfreie Mittel

Seit mit Sildenafil (Viagra und Generika) der erste Wirkstoff zum Einnehmen in den Handel kam, der bei Sexualstörungen unzweifelhaft wirksam ist, haben sich viele Männer, deren gesundheitliche Situation nicht gegen eine Einnahme spricht, sildenafilhaltigen Mitteln und seinen Nachfolgepräparaten zugewandt. Rezeptfreie Mittel gegen Sexualstörungen sind im Zuge dieser Entwicklung nahezu vollständig vom Markt genommen worden.

Dennoch werden vor allem im Internet freiverkäufliche "Potenzmittel" angeboten, die "auf pflanzlicher Basis" und "garantiert ohne Nebenwirkungen" Abhilfe bei Erektionsstörungen versprechen. Die Verbraucherverbände und Behörden warnen immer wieder vor dem Kauf. Die als "natürlich" angepriesenen Mittel enthalten häufig verschreibungspflichtige Wirkstoffe oder chemische Abwandlungen davon. Diese Wirkstoffe sind oft nicht angeben und ihre Dosierung daher unbekannt. Solche Produkte bergen ein hohes Risiko für unerwünschte Wirkungen und schwerwiegende Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Darüber hinaus treibt der Markt der Arzneimittelfälschungen Blüten. Gefälschte Viagra-Tabletten werden für einen Spottpreis angeboten. Bei diesen Mitteln ist die Produktqualität nicht gewährleistet: Weder ist sicher, dass die deklarierten Wirkstoffe überhaupt enthalten sind, noch, ob sie in der angegebenen Menge vorliegen. Unklar ist auch, wie produziert wurde und ob gesundheitsschädliche Verunreinigungen enthalten sind.

Rezeptpflichtige Mittel

Der Arzneistoff Alprostadil wird so eingesetzt, dass er direkt an den Schwellkörpern im Penis wirkt, nicht im übrigen Körper. Bei der Behandlung mit diesem Wirkstoff müssen daher die Nervenbahnen nicht intakt sein und einwandfrei funktionieren. Darum ist Alprostadil auch bei querschnittgelähmten Männern und solchen, die nicht sexuell erregt sind, effektiv.

Alprostadil kann mit zwei Verfahren in den Penis eingebracht werden: MUSE und SKAT. Da die Anwendung von Alprostadil bei beiden Methoden mit dem Risiko verbunden ist, dass gefährliche Dauererektionen auftreten, lautet die Bewertung "mit Einschränkung geeignet". Es sollte nur zum Einsatz kommen, wenn Mittel aus der Gruppe der PDE-Hemmer nicht angewendet werden können.

Die Wirksamkeit von Substanzen aus der Gruppe der PDE-Hemmer, zu denen Avanafil, Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil gehören, ist daran gebunden, dass der Mann sexuell erregt ist oder erregt wird und dass die Nervenbahnen intakt sind. Unter diesen Voraussetzungen wird mit diesen Mitteln – je nach Dosierung – ein erfolgreicher Geschlechtsverkehr doppelt bis dreimal so wahrscheinlich wie ohne sie. Dies gilt auch für Männer mit Erkrankungen wie Diabetes mellitus. Selbst bei Personen mit Nervenerkrankungen wie Rückenmarkverletzungen, Parkinsonkrankheit und multipler Sklerose scheinen diese Mittel wirksam zu sein.

Allerdings können die PDE-Hemmer mit schweren unerwünschten Wirkungen einhergehen.

Etliche Männer dürfen diese Tabletten gar nicht einnehmen, weil sie z. B. schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Augenkrankheiten haben. Andere werden mit Medikamenten wie Nitraten oder Molsidomin (bei Angina Pectoris) behandelt, mit denen diese Wirkstoffe keinesfalls kombiniert werden dürfen. Da aber gerade diese Erkrankungen und die dabei eingesetzten Medikamente häufig zu Erektionsstörungen führen, ist die Versuchung groß, die PDE-Hemmer dennoch einzusetzen. Das könnte unter anderem die Todesfälle erklären, die im Zusammenhang mit der Einnahme von Sildenafil aufgetreten sind.

Jeder Mann muss für sich persönlich zusammen mit dem Arzt den zu erwartenden Nutzen der PDE-Hemmstoffe gegen die vorhandenen Risiken abschätzen. Aus all diesen Gründen werden die Mittel als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Aus einer afrikanischen Baumart wird die Arzneisubstanz Yohimbin gewonnen. Obwohl sie seit Jahrzehnten eingesetzt wird, ist ihre therapeutische Wirksamkeit bei organisch bedingten Erektionsstörungen nicht ausreichend nachgewiesen. Das Mittel wird daher – auch als unterstützende Maßnahme – als "wenig geeignet" bewertet.